Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 7 (1909)
- Issue
- Heft 35 (10.9.1909)
- Date
- 1909-09-10
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. Frankfurt« JsraeWksHeS FamNieElakt. Nr. 35. heitsliebe, lebhaft sprudeln die Zitate aus dem Borne des jüdischen Schrifttums heraus, und mit der Schuclle und der Helle eines Blitzes beleuchtet er all' das Unwahre, das sich in der heutigen Judenheit breit macht und von dem auch die Juden Osteuropas nicht frei sind. Der Vortrag war bilder¬ und gedankenreich, und als echter Volksredner ver- - stand cs der Vortragende, seine Zuhörer hinzu- ' reißen. Die ganze Art (seines Vortrages, der Form sowie dem Inhalte nach, ist dem Westler neu und imponierend. Der Redner kann daher den Zion. Ortsgruppen aufs wärmste empfohlen werden. Frankfurt a. M. Bei der Geschänsitelle des Franks. Israel. Fambl. gingen für den Nationalsonds ein: Israel Barsach 1 Oelbaum für S. H. Goldman» und Familie 0,— t1k -Bei der Natioualsondskominisjion (Joseph L. Oppenheimer, Seilerstr. 37, I., Postscheckkonto 3029) gingen ein: je 1 Oelbaum im Herzlwald auf den Namen des Brautpaares Jcnni Hambitrgcr — Ludivig Grödel von Herrn und grau Dr. S. Schwarzschild, von Herrn Jakob Itußbaum 12,— M aus Büchsen: Lotte Wolpe, Bergerstr., 53 4,- „ S. Kaplun, Mnsikantenweg 66 1,45 „ Dr. S. Schwarzschild 3, ,, W. Steigerwald 2,01 „ L. Aronsohn, Seumestr. 5 1,71 „ Dr. Forschmann o_ Restaurant Falck 1,08 „ .Herzberg, Langestr. 53 >83 ,, N. N. 607 1 27 L. Grünblatt, Battonstr. 9 1,31 „ ,F. Freudenstein, Mainluststr. 15 6,97 „ Frau A. Seeligmann, Röderbergweg 32 5,56 ,, Emanucl Meyer, Palmstr. —,50 „ I. Kopinsky, Günthersburgallee 16a 11,25 „ Frau Rabb. Dr. I. Horovitz 10,30 „ N. Goldschniidt, Hcgelstr. 21 1 21 M. Grünebanm, Rcchneigrabenstr. 8 3- „ H. Feldmann, Körnerwiesc 1 2,79 , Rote Radler —,50 „ Jakob Broch, Kaiscrstr. 65 4,32 „ Leop. Brünell, Goethestr. 22 1,31 „ L. Janson, Kaiserstr. 23 -63 „ 79,— JL Hamburg. Die allgemein anerkannte Notwendigkeit, möglichst allen Schulkindern eine Fcrienerholnng zu ermöglichen, hatte die Z i o n. F r a u e nvereinigung auch in diesem Jahre veranlaßt, wieder eine Tagesserienkolo nie für jüdische Kinder einzurichten. Es gelang, das -Unternehmen mit 70 Kindern inr schulpflichtigen Alter durchzusühren. In zivei reservierten Straßenbahnwagen fuhren die Kinder täglich nach Neumühlen, dem herrlichen Ausflugsort an der Unterelbe, wo dieselben mit Milch, Brot und Eiern versorgt wurden. Unter der vorzüglichen Aussicht einer augestellten Dame, der eine Anzahl gewissenhafter, 1 liebevoller Helferinnen zur Seite standen, genossen die Kinder unter Spiel und Gesang alle Freuden, die das Leben der Natur dem Stadtkind bietet. Auf Wunsch konnte ein Teil der Kinder durch das - freundliche Entgegenkommen des „Vereins zur Speisung hilfsbedürftiger israel. Kinder" in der Speisc- 7 halle Kohlhösen Mittagessen erhalten. — Die Veranstalterinnen waren bemüht, durch mancherlei An- , regungen, wie z.. B. durch Verlosen von Erzählungen, Verschenken von jüd. Büchern, Bildern u. dergl. in den Kindern die Liebe und Begeisterung für das Judentum zu erwecken. Die Fraucnvereinigung beabsichtigt, das so sehr im Aufblühen begriffene Werk immer weiter zum Wähle der jüdischen Jugend auszubauen und in den weitesten Kreisen das Interesse zu dieser Sache wach ■; zu erhalten und neu zu wecken. — Aus der Lehrerwett. Berlin. Die Stadtschuldeputation hat eine Verfügung erlassen, wonach jüd. Lehrer vor ihrer Anstellung einen Revers unterzeichnen müssen, in dem sie sich verpflichten, an Sonnabenden und jüdischen Feiertagen zu unterrichten und alle schriftlichen Arbeiten zu verrichten. Birftein. Am 18. August hat unsere Gemeinde einen schweren Verlust erlitten, denn an diesem Tage starb Herr Israel Schn st er, unser früherer Lehrer und Kantor, im 63. Lebensjahre. 33 Jahre hat er sein Amt in segensreicher Weise bekleidet, nachdem er 6 Jahre in der benachbarten Gemeinde Salmünster gewirkt hatte. Der Entschlafene stand ob seiner hervorragenden pädagogischen Befähigung in besonderem Ansehen bei der Regierung und erhielt anläßlich seiner vor 3 Jahren erfolgten Pensionierung den Hohenzollcrorden. Die außerordentlich starke Beteiligung aller Konfessionen und aller Gesellschaftsklassen an seiner Beerdigung bezeugte, welche Liebe und Zuneigung er sich allseits zu erfreuen hatte. Der tiefen Trauer, die nicht nur seine Hinterbliebenen erfüllt, sondern auch alle, die den Vorzug hatten, ihm bei Lebzeiten näher treten zu können, gaben Herr Rabbiner Dr. Bambcrger-Hanau und Herr Lehrer Strauß- Gelnhausen beredten Ausdruck. Das Leben - des allzufrüh Dahingegangeiieu war voll Mühe und Arbeit, aber cs war ein gesegnetes Leben, und wenn heute unsere Gemeinde in religiöser Beziehung in fortgesetztem Aufblühen begriffen ist, so ist der rastlosen Tätigkeit des Verstorbenen ein wesentlicher Verdienst hieran zuzuschreibe». (Lj Posen. Unter zahlreicher 2-etciligung sand hier die Beerdigung des städtischen Lehrers Bernstein statt. Der Verstorbene, am 17. Juli 1853 geboren und an der Lehrerbildungsanstalt zu Berlin vorgcbildet, trat am 1. Juli 1879 in den Dienst der hiesigen städtischen Comenius-Schule. Nebenamtlich war er auch als Lehrer an der jüdischen Religionsschule tätig. Lemberg. Rabbiner Frankel -Podgorzc erläßt im „Machsike Hadas" eine Aufforderung, ihm Vollmachten zu senden, laut welcher er befugt ist, ein Gesuch an das Min i steri u in zu richten, nach welchem auch ferner die g a l i z i s ch e n Rabbiner v o m N a ch w e i s der Gymnasialbildung dispensiert bleiben. 140 Gemeinden haben schon zugestimmt, von 112 stehen die Erklärungen noch aus. Wien. Die Auslegung des Schulgesetzes. — Die Besetzung der Oberlchrerstelle an der Werdertorschule bildet seit Jahren eine Kampfsragc, denn die Mehrheit der Schüler ist israelitisch und der Wiener Stadtrat will entgegen den gesetzliche» Bestimmungen keinen jüdischen Oberlehrer für diese Schule eriienncn. Trotz der bestehenden gesetzlichen Bestimmungen schrieb aber der Stadtrat diese Stelle im Jahre 1906 für eine katholische Lehrkraft zur Besetzung aus. Man sollte glaube», daß die Behörde ex offo gegen einen solchen Willkürakt cinschreiten würde. Erst durch einen Rekurs der israelitischen Kultnsgemeinde wurde dieser ungesetzliche Vorgang inhibiert und endlich vor kurzem diese Konkursausschreibnng aufgehoben. Bekanntlich ist erst auf Drängen der Klerikalen in die Schulnovellc die Bestimmung ausgenommen, daß der Oberlehrer der gleichen Konfession sein muß, wie die Mehrheit der Schüler. Hier, wo sich ein solcher Fall trifft, sind cs die Klerikale», die davon ihnen beeinsliißtc Recht umgehe». Aus de« Vereine«. Frankfurt a. M. Ueber das zeitgemäße Thema: Konservatives und liberales Judentuni wird im Zentral-Vercin isr. Ge - m e i n d e nr i i g l i e d e r Herr D r. I. Heinemaun einen Vortrag halten. Derselbe findet am 20. September iin Saale des Kaiserhofes statt. Das Nähere ist aus dem Inserat in der heutigen Nummer zu ersehen Der Abschledssegen. Dem Talmud, Traktat Taanith, nacherzählt von D r. m e d. R a t n e r - W i c s b a d e n. Es gingen einmal zwei Weisen des Weges zusammen, und als sie an einen Scheideweg kamen, da sprach der jüngere zum älteren: „Weiser Lehrer, giebt mir den Abschiedssegcn!" „Gut," erwiderte der Angeredetc, „aber las; mich zuvor Dir ein Gleichnis erzählen. Ein Wanderer wanderte tagelang in sonnendurchglllhter Wüste. Nirgends ein Baum, nirgends ein Hälmlein, kein Tropfen Wasser zum Leben . . . Von Durst, Müdigkeit und Hunger gequält, warf sich der Pilger auf den heißen Sand nieder. . . Er verzweifelte. Er sah sein Ende nahen.. Plötzlich. . Horch! Ein leises Murmeln in der Ferne. . Er sammelt seine letzten Kräfte und schleicht dem Geräusche nach . . . Und siehe da! Aus geschwätzigem Quell rieselt perlendes Wasser, köstliches Naß. . . Ein schattenspendeiidcr Baum umsteht die miirmelnde Quelle. Goldig hängen die Früchte vom Baume herab, lieblich anzuschauen. . . Nachdem er seinen Durst gelöscht, seinen Hunger mit köstlicher Frucht gestillt, streckt er seine milden Glieder in den Schatten des mächtigen Baumes. . . Als er sich gestärkt und ausgeruht zum Weitergehen anschickcn will, da ruft er aus: „Herrlicher Baum, Du mein Lebensretter, womit soll ich Dich für die Labung segnen? Daß ctlva Deine Früchte köstlicher würden, oder Deine Zweige mehr -Schatten spendeten, oder gar die Quelle zu Deinen Füßen frischeres Wasser hcrgcbe? Das ist ja unmöglich! Aber eins wünsche ich Dir: Mögen Deine Sprossen dereinst Dir gleichkommcn! So auch ich, weiser Mann! Was soll ich Dir wünschen? Weisheit, Ruhm, Schätze? Die hast Du alle in Hülle und Fülle! Aber mögen Deine Schüler und Nachkommen Dir an Geist und Herz gleichkommen." Bunte Chronik. Wie alt war Methusalem? Rabb. Prof. Stark schreibt im „Prag. Tagbl.": Die unter obigem Schlagwvrt reproduzierten Erklärungen eines Mitarbeiters der „Jewish World" der biblischen Altersangabcn des ersten Menschengeschlechtes, das; anfangs unter einem Jahr nur ein Monat und nachher zur Patriarchenzeit fünf Monate zu verstehen seien, werden vollständig widerlegt durch Zeitangaben, welche die Bibel in der Erzählung von Noah und der Sintflut macht. Von Noah sagt sic, daß er 600 Jahre alt war, als.die Sintflut kam, und zwar im 2. Monate am 17. Tage des Monates (Gen. VII, 11). Und danach heißt cs (Gen. VIII, 4 und 5): „Und die Arche ruhte im siebenten Monate, am siebzehnten Tage des Monates ans dem Gebirge Ararat; und die Gewässer nahmen fortwährend ab bis zum zehnten Monate; im zehnten (Monat) am ersten des Monates wurden sichtbar die Spitzen der Berge." Daraus ergibt sich, daß das Jahr zur Zeit Noahs mindestens z e h n M o n a t e gehabt hat, und doch wird das Lebensalter Noahs mit 930 Jahren angegeben (IX, 29). Ueberdics würden sich bei der Annahme, das; bei der ersten Altcrsangabe unter Jahren nur Monate zu verstehen seien, wieder andere Schwierigkeiten .und Unverständlichkeiten ergeben. Von Adam heißt es, das; er zu 130 seinen dritten Sohn Seth gezeugt, dieser zu 10-1 den Enosch, dieser zu 90 den Kanon und dieser zu 70 den Mahallcl. Wäre unter „Jahr" nur ein Monat zu verstehen, so wäre letzterer schon vor Vollendung des sechsten Lebensjahres Vater geworden, was ebensowenig zu begreifen wäre, wie das mehr hundertjährige Lebensalter. Hygiene im Milchvcrschleiß. Die in Cassel cingetretene T Y p h u s - Epidemie soll, wie verlautet, durch den Genuß von Milch hervorgcrufen worden sein. Bei diesem Anlaß muß dem Philanthropen Nathan Strauß aus'New Jork beigepflichtct werden, der sich zur Aufgabe gemacht, insbesondere den Säuglingen nur pasteurisierte Milch znkommen zu lassen. Wenn auch bei der Produktion auf den Höfen und in den Stallungen die größte Vorsicht herrscht, um eine reine, keimarmc Kuhmilch zu erzeugen, so liegt doch der Hauptschwerpunkt in dem Behandeln der Milch vor Ausgabe in den Konsum. Es sind hierzu natürlich allerlei Maschinen notwendig, die in Bezug auf Hygiene und moderne Technik das Beste zu leisten im Stande sind. Eine solche Einrichtung befindet sich in der hiesigen Molkerei Alex Schloß. Die Milch wird bei Anlieferung 'durch einen Pasteur'schcn Apparat unter ständiger Temperatur von 75 bis 80 Grad gehalten, wobei.sämtliche schädlichen Keime getötet werden. Pumpen bringen alsdann die Milcki zur Vorabkühlung auf einen großen Wasserkühler und von da aus durch eine Eismaschine auf einen Solekühler, woselbst die Milch bis auf den Gefrierpunkt herunter gekühlt wird. Durch Sieben gereinigt, kommt die Milch als reine, keimarme Milch in den Verkehr und kann selbst ' unabgekocht ohne jeglichen Schaden genossen werden. Vereius-Kaleuder. Samstag. Verein „M ekor - Chajiin", 4i/i Uhr, Schützenstr. 2: Mikro-Vortrag (Leopold Oppenheimer). — R it ss. - Pol n, Besha m i - drasch, 4 Uhr, Rcchneigrabenstr. 12: Jüd.-wissenschaftlicher Vortrag des Schrisftftellers Ch. Katz ans Wilna. Barmizwohs. (Ohne redaktionelle Verantwortlichkeit. Wir bitten um gest. Mitteilung der Barmizwohs; die Aufnahme geschieht kostenlos). Reinhold, Sohn der Frau S. Strauß, Sternstraße 36, in der Synagoge Börneplatz. Ardeilsasvliveis für Israeliten. Wir bitten dringend uns Vacanzen und jede Art von Arbeitsgelegenheit aufgeben zu wollen. Arbeitsnachweis der Frankfurt-Loge und des Isr. Hilfsvereins, hangestrasse 30, I. Telephon 3728. Auskünfte 1 aber Vermögens-, Familientu GesoliäftsvethEltnisse, Beobachtungen, Ermittelungen an allen Plätzen der Welt. Grosse Detectiv-ZentralelU Telephon 4S59. gaLehaus 6, I- Samstag Abend S Uhr spricht Herr Schriftsteller E h. K atz ans W i l n a im alten Kanstn. Bereinssaal, Langestratze.