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Neue jüdische Presse · 1909-09-03 · Heft 34 (3.9.1909) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
7 (1909)
Issue
Heft 34 (3.9.1909)
Date
1909-09-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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“ " W Ur. 34 des Frankfurter IsmeliWm lamiMfattes. Personalien. Frankfurt a. M. In einem englischen Seebade, wo sie gelegentlich des' Besuches ihres Londoner Sohnes weilte, verschied plötzlich — 75 Jahre alt — die in der jüdischen Welt sehr bekannte und beliebte Schriftstellerin Frau Dr. Gugenheimer, älteste Tochter Rabbiners S. R. Hirsch und Witwe Rabbiners Dr. Gugenheimer - Kolin. Frau Dr. Gugenheimer, die eine würdige Tochter ihres großen Vaters war, indem sie in sich seine Geistesgaben und Charaktereigenschaften vereinigte, stellte in unserer Zeit eine ungewöhnliche jüdische Frauenerscheinung dar. Trotz ihres Jiches und ihrer großen geistigen Gaben war sie eine bescheidene, einfache Frau; still aber ungewöhnlich emsig arbeitete sie in ihren vier Wänden für die jüdische Gesamtheit, getragen von dem Geiste ihres großen Vaters zu belehren. Als Schriftstellerin war sie überaus fruchtbar, und auch unsere Zeitschrift zählte sie seit Jahren unter den Pseudonymen „Friedrich Rott" u. „Ernst Schwarz" zu ihren beständigen Mitarbeitern. Im ehemaligen Jeschurun hat sie unter dem Zeichen „8" ihre schriftstellerische Tätigkeit begonnen und dieselbe bis zu ihren letzten Lebenstagen' ununterbrochen fortgesetzt: Die Früchte ihrer Arbeit sind in Kalendern und Zeitschriften zerstreut; in Buchform sind nur erschienen: „Gerettet", „Nach 400 Jahren" und „Esterra, Königin von Polen", letzteres unter dem Pseudonym „Hugo Freund." Frau Dr. Gugenheimer ist in London beigesetzt worden.' Ihr Andenken wird im jüdischen Volke nichtvergessen werden. ' Frankfurt a. M. Am vergangenen Donners tag verschied der im 51. Lebenjahr stehende Herr David Mayer, Seniorchef der Firma David Schnadig & Co. Der so früh Abgerufene hatte es verstanden, durch wahrhafte Freundschaft und aufrichtige Liebe sich einen großen Freundeskreis zu schaffen, in welchem er zwischen Hoch und Nieder, Reich und Arm keinen Unterschied kannte. Ein „Bal Zedokoh" im besten Sinne, sah er in der Linderung fremden Leids seine höchste Befriedigung. In Vertretung seines Vaters sprach Herr Dr. Jacob Horowitz vor der überaus großen Trauerversammlung tiefempfundene Worte der Anerkennung, wonach der Verstorbene, der einer kleinen Gemeinde entstammte, dort Gelegenheit hatte, altjüdische Frömmigkeit und Liehe zu sehen und stets bemüht war, solche zu betätigen. Das bekannte Wort Hillels „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" stellte der ehrwürdige Redner als die Lebensmaxime des Dahingeschiedenen hin. Möge die rege Anteilnahme ihrer Mitmenschen der trauernden Witwe und den verwaisten Söhnen ein Trost in ihrem Schmerze sein! Posen. Professor Dr. Jaffö, Oberarzt der chiurgischen Station im Stadtkrankenhause und dirigierender Arzt im jüdischen Krankenhause, stürzte in seiner Villa auf dem Bodenraum, auf dem Reparaturen vorgenommcn wurden, durch eine nicht gedeckte Lucke und zog sich eine schwere Rückgrat Verletzung zu. (L.) Wongrowitz. Kaufmann Bernhard Rothheim erhielt den Kronenorden 4. Klasse. Wien. Chemiker und Dozent Dr. AdolfJolles erhielt den Professortitel, Oberrevident der Staatsbahnen Hermann Strach den Titel „Kaiser!. Rat". In Floridsdorf seierte das Ehepaar Sälomon und Caecilie Dulchner die diamanten e Hochzeit. New-Aork. In dem Pr eis aus schreibe des Münzamtes von Philadelphia für eine nesse Type von Centstücken errang Viktor B. Bren a n, der in seiner Jugend Zeitungen verkaufte und heute einer der bedeutendsten Medailleure Amc rikas ist, den Preis. Aus -er Lehrerwelt. Jarotschin. Lehrer Lauser, Vorstandsmitglied der freiwilligen Feuerwehr, erhielt das Erinnerungszeichen für Verdienste um das Feuerlöschwesen. Wien. Am I. September tritt Dr. Moritz F r i e d b e r g e r sein Amt als Direktor der hiesigen Israel. T a u b st u m m e n a n st a l t an. Wie erinnerlich, wurde er seiner Zeit unter einer großen Anzahl von Bewerbern an erster Stelle' kandidiert und einstimmig gewählt, das schwere Erbe des verewigten Dr. Bronncr anzutreten, wozu er kraft seiner langjährigen Praxis — er war in England 26 Jahre auf diesem Gebiete anerkannt tätig — berufen erschien. Hoffentlich bringt er aus London, wo er auch in den Reihen' der Zionisten eine große Rolle spielte, sein echt jüdisches Fühlen und Denken in diese israelitische Lehranstalt Wiens mit t. Budapest. Jn Nagybanha wurde Rabbiner Benjamin Fuchs, Sohn des Großwardeiner Rabbiners, und in Bille Rabbiner Josef N. ornitzer, Sohn des Rabbiners Akkiba' Kornitzer in Krakau, zum Rabbiner gewählt. Jaffa > Palästina). Vom 1. vis 3. Ellul tagte in der Kolonie „Sichron Jakob" die 6. General-Verammlung des Lehrer Verbandes in Palatina. Das Programm umfaßte folgende Punkte: 1. Berichte des Zentralkomitees und der Zweigabteilungen. 2. Revision der Prinzipien des Verbandes — von Lehrer Wilkowitz. 3. Der Erdarbeitsunterricht in den städtischen und Dorfschulen — von I. Wilkansky. 4. Die Pflege des ästhetischen Empfindens bei den Kindern, in Kindergärten und in Schulen — von Prof. B. Schatz. Die Verhandlungen boten manche wichtigen und lehrreichen Anregungen für eine erfolgvcrheißende Ausgestaltung des national-jüdischen Erziehunaswesens in Palästina. Rew-Aork. Im 6l. Lebensjahr verschied Rabbiner L o u i s W e i ß in Bradford. Der Verstorbene wurde in Kotay (Ungarn) geboren und besuchte die Jeschiwah in Großwardcin. Er hat veröffentlicht: „Talmudic and Other Legends", „Some Buruing O.uestions" und „More Light". . Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a.M. Der Share-Club lBorsitzender: Karl Roscnheimer, Feststr. 2) teilt uns mit, daß er Coupon Nr. 5 der Kolonialbank- Aktien mit 50 Pfg. pro Aktie in Verrechnung annimmt. Für Aktien-Besitzer, die noch. nicht dem Share - Klub angehören, bietet sich so günstige Gelegenheit, dem Klub beizutreten und dadurch ihren Aktienbesitz zu vermehren. Köln a. Rh. Der 9. Zionistenkongrcß findet in der Zeit vom 26.—31. Dezember in Hamburg statt. Die Stellungnahme der zion. Bewegung gegenüber den veränderten Verhältnissen im türkischen Reiche und die Schaffung eines ausgedehnten Älararkredits für Palästina werden einen breiten Raum im Rahmen der Verhandlungen einnehmen. Wien. Wie die „Jüd. Volks stimme" in Brünn mitteilt, hat der türkische Ministerrat das Gesuch der zehntausend russischen Judenfamilien, sich in Palästina und in Syrien an siedeln zu dürfen, bewilligt. - Jerusalem. Die hiesigen Behörden sind von der Hohen Pforte angewiesen worden, die einwandernden ausländischen Juden auf ihren Wunsch in den türkischen Untertanenverband anfzunehmen, wodurch die Betreffenden das vollkommene türkische Staatsbürgerrecht erlangen. Jeder Immigrant, der einen „roten Schein" erhalten hat, kann diesen ohne jede Schwierigkeit gegen ein Landeszugehörigkeitsdokument eintauschen. Diese Maßnahme ist zweifellos auf die Initiative des neuen Ministers des Innern, Talaat Bey, zurückzuführen und wird von den Beteiligten mit um so größerer Genugtuung begrüßt werden, als gerade letzter Zeit von interessierter Seite Tartarennachrichten über das Einsetzen einer antijüdischcn Tendenz in .der Reuen Türkei verbreitet wurden. Alles, was bei näherem Zusehen als wahrer Kern dieser Berichte übrig blieb, war auf die Machenschaften des Exministers Ferid Pascha zurückznführen. „N. I. K." t Bmrte Chronik. Eine interessante Zahlenübereinst i m m u n g. Durch die Bibel hindurch zieht sich die Eigenartigkeit der Zahlen 4, 40, 400 wie ein roter Faden, und es lassen sich bis in die Neuzeit hinein Analogien verfolgen. Während im Leben der Familie das vierte Geschlecht in der Läuterung begrenzt wird, treffen wir 'bei Moses selbst auf die Zahl „40 Tage", während welcher Zeit der gottbegnadete Bolkssührer ins Gebirge sich zurückzieht, um in der einsamsten Zurückgezogenheit sich selbst zu „läutern und zu entschulden" und die reine Gotteslehre in Empfang zu nehmen. Analog Vieser Zahl „40" würde ich zur Läu terung und Sühne des Weltalls die Sintflut auffassen. Diese währte „40 Tage" und „40 Nächte", aus welcher durch die Barmherzigkeit Gottes nur Noach und Familie und das nötige Getier zur Neubelebung des Weltalls erhalten blieb. Es folgt die Verheißung an den Erz Vater Abraham, wonach das vierte Geschlecht nach dem Tode Abrahams erst zurück kehren wird, denn „nicht voll ist die Schuld des Emeriten bis jetzt". „Und Gott sprach zu Abraham: „Du sollst wissen, daß fremd sein wird dein Same in einem Lande, ihnen nicht gehörig, und man wird sie zur Arbeit treiben' und sie quälen „400 Jahre". Und auch das Volk, dem sie dienen werden, richte Ich, und nachher werden sie ausziehen mit großer Habe". Dann im 4. Buche Moses die „40 Tage" währende Auskundschaftung des verheißenen Landes, an dessen Grenze das Volk unter Moses Führung steht. Nach Rückkehr der Auskundschafter ergeht das Strafgericht, wonach die Wanderung durch die Wüste — je ein Jahr für je einen Tag — „40 Jahre" dauern soll, bis das ganze Volk, wie es aus Egypten ausgezogen, ausgestvrben ist. Nun zum Schluß meiner Betrachtung! Analog dem Strafvollzug nach 400 jährigem Aufenthalt der Israeliten in Egypten und deren Knechtung im Lande der Pharaonen erging es in der neuesten Zeit dem Reiche Spanien! Genau nach 400 Jahren seit der schrecklichsten Verfolgung und Austreibung der Juden aus Spanien (1492), dein derzeitig mächtigsten Reiche der Welt, dessen König mit dem Ausspruche sich rühmte, daß in seinem Reiche die Sonne (als Tageslicht) nicht untergeht, erfolgte die Vergeltung, indem Spanien (1898) aus seinem letzten kolonialen Besitz in Westindien durch die Amerikaner verdrängt und dessen Seemacht bei Santiago de Cuba total gebrochen ward. — Anschließend hieran reiht sich in unserer gegenwärtigen Zeit die Katastrophe in Messina und Kalabrien, die gleichfalls rund 400 Jahre nach den furchtbarsten Massakres und Austreibung der Israeliten aus diesen Landen sich ereignet hat. S. Ein interessanter jüdischer Fund. In Portsea bei London wird gegenwärtig eine Erweiterung der Synagoge vorgenommen, wobei der Abbruch der östlichen Mauer notwendig wurde. Bei der Demolierung dieser Mauer stießen die Arbeiter aus mehrere Gedenktafeln, welche die Namen mehrerer jüdischer Persönlichkeiten tragen, die in der Geschichte der Juden Englands im 18. Jahrhundert eine Rolle gespielt haben. Diese Gedenktafeln standen gewissermaßen eingebettet in der Mauer. Da sie flach und eine über der andern standen, sind die Inschrift leicht zu entziffern, obgleich sie zumindest seit der Erbauung der Synagoge, d. h. seit 129 Jahren, in der Mauer stecken. Einer der bereits geretteten Steine trägt den ■ Namen des CH ach am Moses d'Azevedo mit dem Datum 5540 (1780), der, wahrscheinlich vier Jahre vor seinem Tode, bei der Einweihung der Synagoge anwesend war. Bon den Steinen sollen neue Kopien hergestellt werden. Kunst «ud Literatur. Monatsschrift für Geschichte u. Wisi.enschast des Indent um s. 53. Jahrgang. Heft 5/6. Breslau, Koebner'sche Verlagsbuchhandlung. Inhalt: Zur Geschichte und Beurteilung der 'Juden vom 15. bis 19. Jahrhundert (Heinrich Hcidenheimer). — Leviticus 27 im Lichte des Talmud (Israel Schapiro). — Agada bei Philo (Leopold Treitel). — Exigraphische Beiträge zur Geschichte des Judentums (Johann Oehler). — Jagd, Fischfang und Bienenzucht bei den Juden in der kannäischen Zeit (Moritz Mainzer). — Der Sifre sutta nach dem Jalkut und anderen Quellen (S. Horowitz). — Vorarbeiten zu „Germania judaica" (H. Tykocinski). — Weitere Materialien zu einer Biographie Wolf Heidenheims (Louis Lewin). — 'Besprechungen usw. Wünsche zum jüd. Neujahr in Versen und Prosa für Knaben und Mädchen von 4 . bis 16 Jahren, sowie für die reifere Jugend und Erwachsene von I. Brandeis (60 Pfg.) Prag, Richard Brandeis. Das Buch bringt in der reichsten Auswahl und für jeden erdenklichen Fall Neujahrsglückwünsche; das Ernste wie das Heitere, der Bortrag wie der Brief, die Karte und die Ansichtskarte, — alles hat seine Berücksichtigung, gefunden. Wie baue ich mir selbst? Band- 15: Aquarien, nebst Anleitung zur Bepflanzung und Zucht und Pflege von Wassertieren. Einleitung zur Förderung der Handfertigkeit und des Natursinnes in der Familie von Hans Konwicska. 56 Seiten. 7, Abbildungen. (60 Pfg.) Leipzig, Herrn. Beyer. Magen Aboth, 24 talmudische Abhandlungen des Meiri. (Menachen ben Salomo), nach der einzigen Handschrift ediert und kommentiert von I. Last. London, 1909. Diese Handschrift des Meiri, der in der zweiten Hälfte des Dreizehnten Jahrhunderts in der Pro- 4786

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