Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 7 (1909)
- Issue
- Heft 34 (3.9.1909)
- Date
- 1909-09-03
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 34. - Rumänien. Bukarest. In den die Juden in Rumänien betreffenden Vorkommnissen der letzten Wochen nehmen besonders Mißhandlungen von I u d e n __ einen breiten Raum ein. Auf oer hiesigen -strada Mosilor überfiel vorige Woche eine Antisemitcnbande die jüdischen Passanten und verwundete manche von ihnen schwer. In Falliceni ließ ein Offizier eine jüdische Dame, die, da ihr Mann verreist war, keine Einquartierung ausnehmen wollte, sowie deren intervenierenden jüdischen Nachbaren durch seine Soldaten prügeln. Il—r. Palästina. ' Jerusalem, 16. August. Die hl. Stadt ist in Trauer gehüllt. Ihr geistiges Oberhaupt, Oberrabbiner Samuel Salant, ist ihr genommen worden. Nach kurzem Leiden hat der greise Seelenhirt in der Nacht auf den 16. August seine lebensmüden Augen für immer geschlossen. Fast 70 Jahre war er der alleinige Leiter der Gemeinde. ..Nichts geschah ohne Ihn, alles ging durch seine Hand. Aus Bjalvstok (Rußland) stammend, wunderte Salant gerade vor siebzig Jahren ein. Er stand damals in seinem 26. Lebensjahre und war bereits ■ als „Jluj" bekannt. Ungeachtet seiner Jugend ernannte ihn R. M. Auerbach, damals Obcrrabbiner von Jerusalem, zum Dajan, und als dieser wenige Jahre darauf das Zeitliche segnete, ward er dessen Nachfolger. Um die Einheit der Gemeinde erwarb sich -Salant große Verdienste; durch seine große Klugheit gelang cs ihm, Einigkeit in die zerrissenen Gemeinden zu bringen-. Namentlich hat ihm der Waad kol Hakollim —sein Werk— viel zu verdanken. Vor Jahren wurde dieser von den Amerikanern heftig angegriffen. Wenn nicht Salant, wäre er in Trümmer gegangen, zumal die Amerikaner am sel. Rabbiner Diskin einen Rückhalt fanden/In Jffur wa-Heiter war Salant immer ein großer Mekil. Diesem Umstände ist es zuzuschreiben,. daß zwischen ihm und dem Vorgenannten zeit Lebens eine große Spannung bestanden hatte. Gleichwohl ließ Salant dem Sohne Gerechtigkeit widerfahren. Diskin wurde nämlich berufen, die Leitung des Waisenhauses, welches sein Vater gegründet, zu übernehmen. Mit den Gabbaini unzufrieden, wollten sich diese schon wenige Monate nach seinem Amtsantritte des unliebsamen Mannes wieder entledigen — woran sie jedoch Salant verhinderte. Salant hat ein Alter von 96 Jahren erreicht. .Bis auf fein Augenlicht, war er körperlich immer rüstig. Schmächtig und klein, unansehnlich, hatte er doch etwas an sich, das imponierte. Sein Gedächtnis, das ihn berühmt inachte, verließ ihn bis zur letzten Minute nicht. Nur leider gesehen hat er nicht. Vor zwei Jahren ward er seines Augenlichtes beraubt. Daß unterdeß viel Unfug mit seiner Unterschrift getrieben wurde, wird allgemein behauptet. Ob nicht mit Salant die Einheit der Gemeind? zu Grabe gegangen ist, wird die Zukunft lehren. Salant war der geborene Führer; er vereinigte in sich alle Fähigkeiten eines Führers. Seit lange gährt es ja in der Gemeinde. Wird sich nun auch., der Mann finden, der einen Zwiespalt zu verhindern imstande sein wird? Ein Salant nicht sobald. Das Andenken des Frommen sei gesegnet. .. H. Amerika. New-Aork. Im Juli sind allein von dem Ncwyorker Hafen 1938 Einwanderer zurückgeschickt worden, während sonst in sämtlichen Häfen der Vereinigten Staaten die Zahl der Zurückgewiesenen nicht die Hälfte beträgt. Alle Proteste gegen das strengere Verfahren der Eiuwanderungsbehörde sind vergeblich gewesen; man ist bei der Regierung in Washington durchaus einverstanden damit, daß die Einwanderer die Gewähr bieten müssen, sich aus eigenen Mitteln erhalten zu können, bis sie Arbeit finden, und hierfür erscheint in der Regel der Besitz einer Summe von 28 Dollars erforderlich. 0 leuületon. 0 Die Tochter des Kardinals. Historische Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung). „Ihr habt mein Wort," entgegnete der Graf gepreßt, indem er sich wieder in den Sessel uiederließ, den rechten Arm auf den Tisch stemmte und das Haupt auf die Hand sinken ließ. — Ihm war seltsam schwer zu Mute. Was würde, er erfahren? — Um Geringfügiges konnte es sich nicht handeln, der Arzt war lein Kleinigkeitskrämer. Mit ängstlich pochendem Herzen saß er da und harrte der Dinge, die da kommen sollten. Rabbi Jizchak war aufgestanden, hatte die Tür des anstoßenden Zimmers geöffnet, um sich zu Frankfurter JfraÄBWes FarnMenbkatL Seite 3. überzeugen, daß Tirza, die sich gleich nach Ankunft des Grafen auf seinen Wink entfernt hatte, nicht drinnen. Das Zimmer war leer. — Der Rabbi drückte die Tür vorsichtig wieder ins Schloß, trat dann zum Schreibtisch, öffnete das Schubfach, in dem er wichtige Dotumente aufzubewahren pflegte, und entnahm demselben mehrere Schriststücke, die er vor dem Grafen aus dem Tische ausbreitete. „Wollet Euch vor allem überzeugen, Herr Graf, daß dieses Siegel das Wappen Eures Hauses ist, und außerdem wird Euch doch auch die Handschrift Eurer seligen Frau Mutter bekannt sein." „Es ist, wie Ihr sagt." __ „So leset zuerst dieses Schriftstück und dann die übrigen." Graf Arnulf nahm das Schriftstück; ja, das war die Handschrift seiner hochverehrten, über alles geliebten Mutter. — Was mochten diese Zeilen enthalten? — Warum zitterte das Blatt in seiner Hand? Warum pochte sein Herz so ungestüm? — Er wußte es nicht, er wußte nur, daß er dieses Blatt am liebsten fortgeschleudert hätte, denn er hielt sich überzeugt, es mußte ihm Unglück bringen. — Und dennoch zog es wie mit magischer Kraft seine Blicke an. Er begann zu lesen. — Seltsam, seine Mutter hatte sich sonst immer so klar ansgedrückt — aber was sie da geschrieben hatte — er konnte cs nicht fassen — unmöglich! — er mußte falsch gelesen haben. Und nochmals und abermals las er die Zeilen, mehr und mehr verließ das Blut seine Wangen, immer stierer ward sein Blick, wie entgeistert saß er da. — Der Arzt hatte Mitleid mit dem Schwergetroffencn, dessen Brust keuchend sich hob, der kaum imstande schien, zu atmen. „Fasset Euch, Herr Graf, Eure Mutterhat schwer gebüßt, hat unsäglich gelitten, hat durch ihr ganzes weiteres Leben nach menschlicher Anschauung alles gesühnt, — und Gott ist barmherzig." Der Graf ergriff die Hand des andern und drückte dieselbe, als wolle er sie zermalmen. „Dank Euch!" stammelte er/ „Ihr —" Die Sprache versagte ihm, ein Strom von Tränen entstürzte seinen Augen, vcrzweiflungsvolles Schluchzen entrang sich seiner Brust. Da ward die Tür hastig aufgerissen, Tirza erschien auf der Schwelle. „Um Gott —" Rabbi Jizchak eilte zu ihr und zog sie mit sich in das andere Zimmer, indem er die Tür hinter sich in's Schloß drückte. „St, Kind, st! daß er Dich nicht hört!" „Aber um's Himmelswillen, was ist dem Grafen geschehen? Ich bin so erschrocken, ich glaubte, ich hätte Dich gehört —" „Mich hast Du vermutlich sprechen gehört. Der Graf hat seinen Antrag von neulich wiederholt und ist dabei sehr dringend geworden, da war ich gezwungen, ihn von der Unmöglichkeit seines Begehrens zu überheugen. — Das hat ihn übermannt." „Der Arme! — er tut mir so leid. Wenn Du willst, Baterle, kannst es ihm sagen, daß es mir sehr, sehr leio tut." „Das werde ich ihm nicht sagen, er soll nicht ahnen, daß Du ihn gehört hast." „Nein, gewiß nicht, er könnte sich sonst schämen — er soll gar nicht wissen, daß ich hier gewesen bin, - ich gehe wieder hinaus in die Küche." . Sie eilte hinaus, während der Arzt sich wieder in das erste Zimmer begab. Er brachte dem Grafen ein Glas frisches Wasser, als hätte er sich nur deswegen entfernt. „Trinket Gras Turnek, es wird Euch gut tun." Unwillkürlich entsprach der noch immer mächtig Erschütterte der Weisung und leerte das Glas. Dann atmete er doch einigermaßen erleichtert, tief auf. „Habt Ihr die andern Schriftstücke auch gelesen?" fragte Rabbi Jizchak. Ein verneinendes Kopfschütteln war die Antwort. „Um etwaigen Mißverständnissen vorzubeugen, möchte ich doch bitten, alles zu lesen." Mit schwerem Seufzer griff Graf Arnulf nach den Schriften und - las eine nach der andern aufmerksam durch. Dann legte er sie aufeinander und reichte sie dem Arzte. „Ich danke Euch," sagte er mit heiserer, noch immer'nicht ganz sicherer Stimme, „es hat mich schwer getroffen — schwerer als Ihr ahnen könnt — dennoch fühlte ich mich Euch verpflichtet." „Glaubet mir, Gras Arnulf, es ist mir schwer geworden, überaus schwer, — aber ich habe es als meine Pflicht betrachtet. Euch die Augen zu öffnen." „Das war Eure Pflicht, denn, wer weiß, wozu mich die wahnwitzige Begehrlichkeit meines Herzens verleitet hätte. Ich habe mich doch selbst nicht gekannt, habe nie geahnt, welcher Medertracht ich hätte fähig sein können." „Ich glaube, Graf, Arnulf, Ihr kennt Euch auch jetzt nicht," entgegnete der Rabbi mit mildem Lächeln, „einer Niedertracht seid Ihr nie fähig gewesen; nur vor einer Uebereilung, glaubte ich. Euch schützen zu müssen." „Lassen wir das," unterbrach ihn der andere, noch immer nach Fassung ringend, „Ihr seid im Recht und ich bin Euer Schuldner. Aber saget mir doch, warumwollt Ihr fort von hier?" „Ich will nicht, ich muß. — Ich muß, weil eine hohe Geistlichkeit es nicht dulden kann, daß ein Christenkind, das vor mehr als sechzehn Jahren einem Juden ins Haus gelegt worden und von demselben gehegt und gepflegt worden ist, als ob es fein eigenes wäre, daß das auch ferner bei ihm bleibt." ,Lerr Gott im Himmel! Was weiß denn die Geistlichkeit davon?" „Das wißt Ihr nicht? Das könnt Ihr Euch nicht denken? — Aber Ihr wißt doch, daß Tirza angeklagt war. Euch und Eure Mutter durch ihre Teuselskünste verhext zu haben, und wie, .glaubt Ihr, daß sie frei geworden ist?" „Wie mir berichtet wurde, durch das Dazwischentreten des Bischofs, der Euch zu großem Dank verpflichtet ist, da Ihr ihm im vorigen Jahr das Leben gerettet habt." Ein bitteres Lächeln zuckte um die Mtmdwinkel des Arztes. „Und das habt Ihr geglaubt? habt geglaubt, aus Dankbarkeit hätte der hochwürdige Herr sich des unschuldigen Mädchens angenommen? — Verzeihet, aber sür so naiv hätte ich Euch doch nicht gehalten. Ich hatte zwar auch gehofft, daß er aus Menschlichkeit, aus Gerechtigkeit oder aus Dankbarkeit sich ihrer annehmen werde, aber zur Vorsorge habe ich doch diese Schriftstücke mitgenommen. — Himmelhoch habe ich den hochwürdigen Herrn gebeten, er möge sich meines unschuldigen Kindes annehmen, das in der Reinheit seines Herzens nicht einmal eine Ahnung hat von den Scheußlichkeiten, deren man es beschuldigte. Der hochwürdige Herr hat sich huldvoll meiner ihm geleisteten Dienste erinnert und versichert, wenn er mir gefällig sein könnte, würde es ihn sicherlich freuen, aber in diesem Falle wäre es unmöglich, denn es märe Christenpflicht, das Böse auszurotten, wo es sich zeige, namentlich alle Hexen zu vernichten. Er hat jedoch huldoollst hinzugefügt, ich könnte versichert sein, es werde kein Unschuldiger verurteilt und falls die Probe ergeben werde, daß meine Tochter unschuldig, so werde sie sofort in Freiheit gesetzt. Ein schöner Trost! — Kennt Ihr die Untersuchung und die Probe, denen jene unglücklichen Frauenzimmer unterzogen werden, die angeklagt sind, mit dem Teufel gebuhlt zu haben? Ich glaube nicht, daß mein Kind das überlebt hätte; — Darum entschloß ich mich, dem Bischof den Zauber zu erklären, mit dem mein Kind Eure Mutter bestrickt haben soll. — Doch erst nachdem er das Schreiben des Kardinal H. gelesen hatte, in dem der hohe Kirchenfürst verlangt, daß seine Tochter in zuverllässiger Begleitung zu ihm gesandt werde, damit er sie als seine Nichte anerkenne, da erst entschloß sich der Bischof, schleunigst für die Tochter des Kardinals einzutreten, doch fügte er die Bedingung hinzu, ich müsse sie sofort in zuverlässiger Begleitung nach Rom senden. Nun, ich bitte Euch, wo könnte ich eine zu diesem Zwecke geeignete Persönlichkeit finden? Ich erklärte daher, daß ich selbst meine Tochter dorthin geleiten werde und unter der Bedingung, daß ich spätestens nach zwei Wochen die Reise mit ihr antreten würde, wurde sogar beschlossen» um allen weitern Skandal zu vermeiden, bis dahin hier alles beim alten zu lassen. Doch ich werde überwacht, der Pater Anselmo wird unser Reisebegleiter sein." — Unter wiederholtem Zähneknirschen hatte Graf Arnulf die Mitteilung entgegengenommen; wiederholt hatten sich drohend feine Fäuste geballt, als wolle er unsichtbare Feinde niederstrecken r „Elendes Gesindel! — Heuchlerische Rotte! — Aber seid Ihr denn in Wirklichkeit entschlossen. Euer Kind, Eure Tirza, die durchdrungen, die begeistert ist von den Lehren, in denen Ihr sie erzogen habt, jenem fremden sittenlosen Manne zuzuführen, der sie in doppelter Sünde erzeugt hat?" Schwer aufatmend zuckte Rabbi Jizchak die Achseln. „Was soll ich tun? ich bin dazu gezwungen," Graf Arnulf schüttelte den Kopf. „Ihr gebt Euch zu rasch gefangen. — Könntet Ihr nicht mit ihr entfliehen?" fügte er im Flüsterton hinzu. „Daran habe ich allerdings auch gedacht, bevor ich wußte, daß Pater Anselmo unser Reisebegleiter sein wird. Aber unter diesen Umständen ist jede Flucht unmöglich." „Das käme doch noch darauf an. — Wenn ich Euch irgendwie unterstützen könnte, — Ihr könntet aus mich rechnen." (Fortsetzung folgt.) Kaiser iYledriea tfneUe - Offenbach a. M. - Segen Gicht und Rheumatismus bewährt. fl Schmidt a^‘ ^rrmsämMerei. ÖVUUllHl Reparaturen prompt u. billig. Sandweg 85 Anzug aufhageln Mk. 1.20. ivm Welt-Mundwasser. Der Menschheit Wohltäler. Rehorbe-Flasche Mk.125 Überall erhältlich!