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Neue jüdische Presse · 1909-08-06 · Heft 30 (6.8.1909) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
7 (1909)
Issue
Heft 30 (6.8.1909)
Date
1909-08-06
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 . tend, ohne den angstvollen Blick von der angeb. lichen Hexe. Lst wenden, verließ er die Zelle. Sie hörte ihn' .den Schlüssel im Schloß wieder drehen und atmete' «leichtert tief auf. Doch dieses Gefühl der Erleichterung hielt nicht lange an, was sollte denn nun ans ihr werden? — Großer Gott! was sollte aus ihr werden? — Nahezu Serzweifelnd rang sie die Hände; doch nur einen Moment währte diese Mutlosigkeit, gleich darauf klagte sie sich derselben an. — Durch das Loch dort oben in der Mauer drang jetzt ein Sonnenstrahl, zahllose Atome schwellten wirbelnd auf und nieder. Träumerisch blickte Tirza aus das seltsame Wogen der Sonnenstäubchen. Das heißt, seltsam war das eigentlich nicht; nur ihr kam es im Moment seltsam vor, da sie es sonst nicht beachtet chatte. Aber es war doch dieselbe Sonne, die ihre Strahlen in ihr trautes Heim sandte, die hatte den einen Strahl auch hier her in den finstern Kerker gesandt und sandte ihre Strahlen auch in das Schloß des Grafen Turnxk und. in. den Palast des Königs. — Op. war überall dieselbe Sonne) und bereinig einMe) der! alleinige Gott hatte die Sonne erschaffen und ihr die strahlende Macht verliehen und das zahllose Heer der Sterne und im unermeßlichen Weltenräum alles — alles. — Und dieser einig einzige Gott, der Himmel und Erde erschaffen, er war auch bei ihr, bei dem kleinen Mädchen in dem düstern Kerker und sandte Trost und Hoffnung in ihr bebendes Herz. Noch immer saß sie da und folgte mit ihren Blicken den wogenden Atomen im Sonnenstrahl, da vernahm sie von draußen her wiederum Stim. - men und herannahende Männerschritte. Wer mochte das sein? — Ach, jetzt wußte sie es! Das waren vermutlich die Männer, die sie gestern hierher gebracht hatten, die sie nun zu dem Richter bringen würden, der sie verhören würde. Denn das hatte sie schon einmal gehört, daß alle Gefangenen vor einen Richter geführt werden, der sie fragt, wann, wie, wo und warum sie das Böse getan haben, dessen sie angeklagt sind. Wer was würde sie antworten können? Wußte sie doch nicht, wessen man sie beschuldigt! Die Schritte kamen näher. — Das war der Kerkermeister, sie hörte schon die schweren Schlüssel klirren. — Doch — heiliger Gott im Himmel! wer sprach da? — war das nicht ihr Vater? — - ihr Vater? Sie war aufgesprungen, mit leichenblassem Angesicht stand sie zitternd da und starrte hin zu der Tür, in derem Schloß sich jetzt der Schlüssel drehte. — Jetzt ging die Tür auf, und in der Oeff. nung ward die hohe Gestalt des Arztes sichtbar. Mit gellendem Aufschrei flog Tirza ihm entgegen und hing im Nu an seinem Halse. Bebend wie Espen» ^laüb drückte der starke Mann sie fest an seine "Brust und flüsterte Koseworte ihr in's Ohr. — Ob sie ihn hörte? — Als er sie los lassen wollte, gewahrte er, daß er eine Ohnmächtige in seinen Armen hielt. Mit kriechender Geschäftigkeit wollte der Kerkermeister zu Hilfe eilen, denn der Abgesandte des ^Bischofs, der Pater Anjelmo, hatte der Behörde nicht nur den schriftlichen Befehl des ober» Geistlichen überbracht, die der Zauberei angeklagte Tochter des jüdischen Arztes.sofort frei zu geben, mündlich hatte der Pater hinzugefügt, daß der Doktor .Len'Bischof von der vollständigen Schuldlosigkeit seiner Tochter überzeugt.habe und daß der Bischof sich im höchsten Grade irritiert habe über die Ungeschicklichkeit der Behörde, die aufmnhaltbare Gründe Knein unschuldiges Mädchen verhaftet habe, deren Vater sowohl den Bischof als auch die angesehensten Familien der Umgeegnd wiederholt zu hohem Dank verpflichtet habe. (Fortsetzung folgt.) Bunte Chronik. Die Bilharziakrankheit und die B e s ch n e i d u n g. Von Dr. med. Rainer, Arzt in Wiesbaden. Die Engländer haben zwar die Buren besiegt, aber dafür eine neue lästige Krankheit aus Süd. afrika heimgebracht, nämlich die Bilharzia — eine Art Blutharnen. Interessant ist, was der Londoner Korrespondent der in Berlin erscheinenden, sehr angesehenen „Medizinischen Klinik" darüber schreibt: Der Urologe Dr. James Allen in Pietermaritzburg soll nach jahrelangen Beobachtungen -zu der Ueberzeugung gekommen sein, daß der Krankheitserreger — eine Art Distoma, Bilharzia Haematobia genannt —, welcher ausschließlich das männliche Geschlecht heimsucht, sich beim Baden in den Flüssen durch den meatus urethrae einschleicht und dann in die Blase weiter wandert, wo er Entzündung und Reizung hervorruft. Das Merkwürdigste dabei iflv daß diejenigen Völker Egyptens und Südarfrikas — der hauptsächlichen Krankheitsherde —, welche von Alters her Bes ch n eid un g ausüben, von dieser Krankheit verschont bleiben! Wnüstük« ZfraeMWe» WmMeMlckt. , .jf&; Nr. 30. Die Aegypter sollen nämlich, nach einer auf« gefundenen uralten Sculptur zu urteilen, vor sehr langer Zeit die Beschneid ung a llgemein ausgeführt habe» sogar qn ihren fremdländischen Sklaven! —.Vielleicht.haben sie es vonLen eingewanderten, Kon'.ihnen, geknechteten Israeliten gelernt und deren Vorzüge erkannt! Die Bilharzia e tz t sich nämlich m i t Vorliebe an der Vorhautöffnnng fest! Der Korrespondent der genannten Zeitschrift kommt nun zu dem Schluß, es sei nicht zn erwarten, daß diese einzig prophylaktische Operation allgemein zur Regel in Afrika würde, ein Schluß, für den er den Beweis noch zu erbringen hat. Die Juden in Indien. - Im letzten Bande des Berichts der englischen Regierung über Indien finden sich auch Aufzeichnungen über die dortigen Inden, die hier wiedergegeben seien: Die Zahl -er Juden Indiens ist in den letzten 20 Jahren von 12 000 auf 18 000 angewachsen. Dieser Zuwachs ist jedoch nicht der Einwanderung zuzuschreiben, da Indien mit seinen klugen eingeborenen Kaufleuten und mit seinen niederen Arbeitslöhnen für Ausländer wenig anziehend ist. In Indien existieren zwei gut eingerichtete jüdische Kolonien, die eine in Bombay und die andere in Kochin. Die Entstehungsgeschichte der Kolonie „Bnei Israel" in Bonibay ist sehr dunkel und wenig aufgeklärt, hingegen sind in Kochin »och zwei Kupfertafeln vorhanden, aus deren Inschrift hervorgeht, daß daselbst schon im achten Jahrhundert eine jüdische Siedlung bestanden hat. Die jüdischen Kolonien - bestehen aus einer weißen und einer schwarzen Volksschichte. Die schwarzen Juden haben sich mit den Eingeborenen vermischt, wie auch manche Indier zum Judentume übergetreten sind. In Wen wohnen 3059 Juden. In der.Stadt Bombay lebten im Jahre 1901 rund 5360 -Juden gegenüber einer Gesamtbevölkerung von rund % Millionen. In Kalkutta wohnten 1889 Juden. In ganz Zentralindien finden sich nicht mehr als 24 Juden, die in den englische» Kolonien und Schutzstationcn wohnen. In Kochin betrug im Jahre 1901 die Zahl der Juden 1137 und i» Ernaculas 412. Diese Stadt bildet die Endstation der Kochiiier Eisenbahn und Lat in kurzer Zeit einen großen Aufschwung genommen; ihr Handel befindet sich -zum großen Teile in den Händen der Juden. Nicht weit von da liegt die Stadt Mathanchery mit 474 Juden. Interessant ist auch derjenige Teil -es Berichtes, der sich mit einer Ortschaft beschäftigt, die den Namen „Jüdische Stadt" trägt und ausschließlich von weißen und schwarzen Juden bewohnt wird. Diese Juden stammen aus Spanien, woher sie nach der Vertreibung im 16. Jahrhundert eingewandert sind und eine große Kolonie gründeten. Mit der Zeit ist diese historisch interessante „jüdische Stadt" stark zurückgegangen. Von ihrer früheren Blüte sprechen drei alte Synagogen. einem Offizier, solange er dort war. Bei seinem Fortgang brachten die 300 Arbeiter der Fabrik ihm einen Fackelzug, und als er mir ander» Morgen in den.Eisenbahnwagen stieg, meldete siche ein Unteroffizier iin Auftrag des Kommandanten bei ihm, Ler ihn als Ehrenwache zur nächsten Station begleiten sollte. In Berlin, wo er seit zwei Monaten etabliert ist, bewegt er sich in den bedeutendsten Kreisen der liberalen Partei — Böckh, Stahr, Lassalle usw., dabei 'ist er der Restaurateur und Chef des ganzen Berliner Turnwesens; Pietsch sagt, Ludwig Löwe ist eine Macht, er kann 4000 Arbeiter konimandieren. Noch ehe er etabliert war, nahm er zwei seiner Brüder nach Berlin und sorgte ganz für sie, wie er' für den noch hier aus dem Gymnasium befindlichen das Schulgeld zahlte. Ws .Bismarck das Säbelgerassel in betreff Schleswig-Holsteins machte, meldeten sich viele seiner Turner, wenn er mit ihnen ziehen wollte, als Freiwillige, was er ihnen auch zusagte. Es ist natürlich nichts daraus geworden. Daneben ist er Präsident einer Bezirksvorsteherversammlung, Mitglied Gott weiß welcher philosophischer Gesellschaften, mit einem Wort ein selten begabtes Menschenkind. Ich.habe diese Dinge nicht von ihm, denn er tritt mit der Bescheidenheit eines Jünglings auf und spricht in dieser Weise nie von sich selbst. Da er ein Liebhaber meiner Schriften ist, machte er mir, da er neulich seine Familie besuchte, seine Visite, und da er uns wie allen Mensche» ausnehmend gefiel, veranlaßten wir ihn, während seines dreiwöchentlichen Aufenthaltes öfter zu uns zu kommen, und dabei hat er sich denn mit der lebhaftesten Zuneigung an unS geschlossen und namentlich auf Hans ei»en lebensfrischen und anregenden Einfluß geübt." Kaiser Friedrich Quelle —— Offenbach a. X. - Gegen Gicht und Rheumatismus bewährt. •ws M nrg. Pension Mais -e» rnitDep. Prinzenhof. Prospekt gratis. Max Hecht. D Qnhmjrit ^rrmslknMerei. ÖWUUIIUI Reparaturen prompt u. billig. Sandweg 85 Anzug anfbflgeln Mk. 1.20. 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Dieser Sohn — er ist jetzt erst 25 Jahre alt — ist in geistiger wie in sittlicher Hinsicht eine Art Seltenheit. Nachdem er hier aus Sekunda abging, wurde er zum Kaufmann ausgebildet und machte sich dann ganz durch eigenes Studium zum Techniker, derart, daß er jetzt ein wissenschaftliches Werk über Technik herausgibt. Er ist von einer Noblesse und Feinheit des Wesens und der Erscheinung, daß selbst die mit starken Judenapathie ausgestattete Frau von Wussvw (die Gattin des Heiligenstadter Ländrats) sich gänzlich überwunden erklärte, als sie eines Wends mit ihm bei uns zusammen war. Mit 19 Jichren stand er einer großen Blechfabrik vor; ich meine in Frankfurt a. O- Nachdem er durch ein höchst energisches Eingreifen die Fabrik und den Besitzer bei einem entstandenen Brande gerettet, mußten auf Anordnung des Kommandanten ihm von den Wachen dieselben militärischen Ehren gemacht Iverden, wie Wochen-Kalender. (Zeitangaben nach dem Laacb.) Samstag, den 7. August (— 20. Aw): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 25 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 8 Uhr 55 Min. in Berlin 8 Uhr 40 Min. Wochenabschnitt: Ekew. Gott verheißt Segen im Haus, im Feld und Hände-Erwerb für die Treue gegen sein Gesetz. Wiederholt wird eingeschärft, die heidnischen Gräuel im gelobten Lande nicht fortbestehen zu lassen, furchtlos zu sein gegenüber den Ureinwohnern. Es wird erinnert an den Zug durch die Wüste, an die wunderbare Versorgung des Volkes mit Nahrung, Kleidung und schützender Wohnung. Aufzählung der 7 Früchte, die Kanaans Stolz und Ruhm bilden. (Dabei der Satz: Und du wirst essen und satt werden, dann sollst du loben den Ewigen usw., woraus bekanntlich die Pflicht, das Tischgebet zu verrichten, abgeleitet wird.) Einen großen Teil des Wochenabschnittes. bildet die Geschichte des goldenen Kalbes. Sie ist wiederholt erzählt. Moses inbrünstige Bitte für.Israel. .Gott verzeiht und gibt nochmals zwei steinerne Tafeln. Die Auserwählung Israels; Zweck dieser Auserwählung. Im Schlußteil wird die zweite Parscho von „Schema" angeführt: Lohn und Strafe Gottes durch Regenspende oder .Dürre; die Pflicht des Thorastudiums. Das Gebot der Denkriemen und Pfvstenschrist.

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