Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 7 (1909)
- Issue
- Heft 29 (30.7.1909)
- Date
- 1909-07-30
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2692297-2692614-2692643--04842-2699691- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 18. Nr. 29. Frankfurker JsraÄikiMeS FünMenblatL lehrsanlkeit wie ehedem vor Jahrhunderten. Dann würden die Flachköpfe die Begabten nicht verdrängen können. Dr. Kunst und Literatur. Das Wiener Ghetto. Seine Häuser und seine Bewohner. I. Das Judenviertel in der inneren Stadt bis zu seiner Aufhebung im Jahre 1421. H. Die Judenstadt im unteren Werd 1625—1670. Im Aufträge der historischen Kommission der israelitischen Kultusgemcinde in Wien. Bearbeitet von Dr. Jgn. Schwarz. Mit zwei Plänen und sieben Textabbildungen. Wien und Leipzig. Wilhelm Braumüller. 1909. VIII und 314 Seiten, Großoktav. Preis 6 Mk. — 7,20 Kr. Die Wiener jüdische Gemeinde erobert sich ihre Vergangenheit. Die Gemeinde, die wir als eine der jüngsten zu betrachten gewohnt sind, gehört zu den ältesten uiid bedeutendsten der deutschen Judenheit. Ihre Kontinuität ist aber so häufig durch gewaltsame Eingriffe unterbrochen worden, daß wir 'eigentlich das Bewußtsein verloren haben, in Wien nä»en der großen auch die alte Gemeinde ehren zu müssen. Umso dankbarer müssen wir der Wiener Kultusgemcinde sein, daß sie ihre Größe in den Dienst ihrer Vergangenheit stellt, daß sie mit beispiellosiger Opserwilligkcit große Summen einer' historischen Kommission zur Verfügung stellt zu dem Zwecke, ihre Geschichte zil erforschen, unbekannte Quellenschriften zu.veröffentlichen. Wir hatten bereits Gelegenheit, über die geplante mnstergiltige Edition der Wiener -Grabinschriften seitens Dr. Wachstein zu sprechen, über die gelehrte Abhandlung Goldmanns über die Judenniedcrlassung in der Schcsfstraße zu berichten. Das vorliegende Buch, das als 2. Band der Quellen und Forschungen erscheint, reiht sich seinen Vorgängern würdig an. Es zerfällt in 2 Hauptteile. Der erste Teil behandelt die älteste», urkundlich nicht näher scstznstellcnden sozusagen prähistorischen Ansiedlungen der Inden in Wien bis zum Jahre 1421. Die Juden durften in Wien ursprünglich wohnen, wo sie ivollten. Für ihre freiwillige gcnieinsame Niederlassung waren neben religiösen auch soziale Interessen bestimmend. Die Herzoge fanden es dann viel übersichtlicher und bequemer, wenn sie ihre Kammcrknechte, denen sie ja ein bedeutendes fiskalisches Interesse entgegenbrachteu, schön beisaminen hatten. Schon im Jahre 1204 lassen sich Anfänge einer Judenstadt Nachweise», gegen Ende des 13. Jahrhunderts besteht bereits das Ghetto, wie die mannigfachen Bezeichnungen „in der juden straz", „under den Juden", „inter Judacos" beiveisen. Den Mittelpunkt der Judenstadt bildet der Schulhof, der seit 1437 den Namen Judenplatz führt. Die Judenstadt hat eigene Tore und umfaßt 69 Häuser (davon 50 im Besitze von Juden) darunter Synagoge, Spital, Schlachthaus, Badestube, Friedhof. Die Judenstadt fand bei der bekannten Gescras Wien 1420 durch die Ermordung, Plünderung und Vertreibung der Juden ihr Ende. . Die Herzöge von Oesterreich konnten ihre Gcldbedürfnisse mit den häufigen Aderlässen, die sie an den Juden Vornahme», nicht befriedigen, und so entschloß sich Herzog Albrecht zu einer Radikalkur. Der Anlaß war leicht gegeben. Man konstruierte eine Anklage wegen Hostienschändung, und der konnten auch die vielen teuer bezahlten Privilegien und Schutzbricse der Inden nicht staudhalten. Der Besitz der Juden fiel natürlich an den Herzog, der seine Beute bald zu Geld machte. Herzog Albrecht bezog aus dem Verkaufe der Judenhäuser zirka 12 000 Pfund Pfennig, d. i. ungefähr 100000 Mark, abgesehen von den Schulden, die die Juden bei christlichen Schuldnern ausstehen hatten und die auch der herzoglichen Kassa verfielen. Die Verwertung der Judenhäuser ist in den Wiener Stadtbüchern genau registriert, und diese Aufzeichnungen ermöglichten es dem gelehrten Verfasser Dr. Schwarz, unter Heranziehung der sonstigen reichen Schätze des Wiener Stadtarchivs einen Plan der ersten Wiener Judenstadt, veranschaulicht durch Abbildungen einzelner hervorragender Häuser nach alten Stichen, zu entwerfen, die ehemaligen Gemeindehäuser eingehend zu beschreiben und ein genaues Verzeichnis der Hausbesitzer zu geben. Zwei Jahrhunderte hatte Wien kein Judenviertel. Wohl hatte man schon 1451 eine päpstliche Dispens erlangt, kraft welcher man die Inden, deren Entfernung sich schon unangenehm fühlbar machte, ohne daß sie sich darum beworben hätten, wieder nach Oesterreich einlasscn konnte. Die Juden kamen nur in geringer Zahl nach Wien und erfreuten sich einer halbivegs liberalen Behandlung, sie wohnte» als Mieter bei Wiener Bürgern. Im Jahre 1623 wurden den Juden plötzlich über Auftrag der Stadtobrigkcit ihre Wohnungen gekündigt, und da man die Juden nicht wiederum vertreiben mochte, beschloß man, sie in einem Ghetto anzusiedcln, für welches man den unteren Werd Ivählte. Es wird ei» eigenes Judcngrundbnch geführt, das älteste stammt ans dem Jahre 1632' und enthält auch die Eintragungen über die Hanskänfc im Gründungsjahrc. Damals zählte die Judenstadt 104 Häuser. Doch auch die neue Judenstadt hatte keinen langen Bestand. Kaiser Leopold war durch die Türkcnkriege in finanzielle Schwierigkeiten geraten, und da kam ihm das.Angebot der Stadt, für den Fall, daß die Juden aus Wien vertrieben würden, nicht nur die Toleranzgebühr der Juden zu übernehme», sonder» auch die Judenstadt — allerdings zu einem Spottpreise, der nicht einmal die Hälfte des Schätzungswertes betrug — zu kaufen, sehr gelegen. Die Juden wurden Vertrieben, Wien war gerettet, doch hat diese Rettung der Stadt außer den uiikoiitrollicrbarcn riesigen Verlusten, die der Abzug dcr.Jude» vornehmlich in koinmcrzicller Hinsicht brachte, 1078 000 fl. gekostet, die die Stadt von 1670—1814 als Ersatz der Toleranzgebühr abführen mußte. Auch dieser Teil cnrhält neben Abbildungen einen genauen Plan der Wiener Judenstadt. Bisher ist eigentlich nur der allgemein interessierenden Partien des' vorliegenden Buches Erwähnung geschehen. Es kann hier nicht meine Aufgabe sein, die wertvollen urkundlichen Publikationen zu würdige», sie seien darum hior nur anfgezählt. Es sind dies die Häuserchronik des Ghettos in der inneren Stadt 1421, das Grundbuch der Judenstadt im unteren Werd 1632, die auf Juden bezüglichen Eintragungen des Wiener Totenprotokolls 1648—1669, die alle in extenso abgedruckt ^und durch -gewissenhaft aüsgearbeitete Indizes benützbar gemacht erscheinen. Die historische Kommission und Dr. Schwarz haben sich durch diese Publikation gewiß den Dank des gebildeten Laien sowohl als des Forschers erworben; denn beide kommen darin nicht zu kurz. Noch von einem anderen Gesichtspunkte ans aber möchte ich das Werk begrüßen, es ist ein memento an die herrschende Rathauspartei in Wien, ihren Mitgliedern — soweit sie nicht bücherscheu sind — möchte ich dieses Buch in die Hand geben, und 1 ich glaube, die eindringliche Sprache der geschichtlichen Taten würde ihnen besser und eindringlicher als alle Vereine zur Abwehr des Antisemitismus zeigen, wohin ein antisemitisches Regime führt, notwendigerweise führen muß. S. H. L. Prag. i Bmtte Chronik. j Jude n i n der englischen Politik. ( Anläßlich der Ernennung Mr. Herbert Samuels zum Minister erinnern englische Blätter daran, daß das erste Unterhausmitglied jüdischer Abstammung in England der berühmte Nationalökonvm David Ricardo war, der jedoch noch vor seiner Wahl ini Jahre 1819 ans - dem Judentume ausgetreten war. Er leistete seinen Eid schoil auf „den wahre» Glauben eines Christen." Noch viel früher war 'Lord George Gordon, der Führer der „No Popery"-Bewegnng vom Jahre 1780, Mitglied des englischen Parlaments. Damals war Lord Gordon jedoch noch nicht Jude. Sein Ilebcrtritt zum Judentumc erfolgte viel später. Baron Lion el de Rothschild, der Vater des gegenwärtigen Lord Rothschild, ivar wohl der erste, der als Jude ins Parlament entsendet wurde, aber nicht der erste Jude, der im Parlamente das Wort ergriff. Das war vielinchr der bereits verstorbene Sir David S a l o m o n s, der während der elf Jahre, die Baron Rothschild warten mußte, bis ihm erlaubt wurde, seinen Sitz im Parlamente cinzunehmen, als Deputierter für den Bczirk Greenwich ins Parlament cinzog, bald darauf eine historisch bedeutende Rede hielt nnd auch an den Arbeiten verschiedener Kommissionen teilnahm. Solomons erhielt eine sehr empfindliche Strafe, weil er seine aktive parlamentarische Tätigkeit begonnen, ohne vorher den Eid abgelegt zu haben. 'Der verstorbene Sir George Jessel ivar der erste Jude, der einen Staatsposten innehattc, und'der gegenwärtige Lord Rothschild ist das erste Mitglied des englischen Hauses der Lords. Gewinne der „Jla"-Lotterie. . In dem Schaufenster des Juweliers Felix H o r o v i tz (Schillerstr. 7.) sind die daselbst zur Verlosung der „Jla"-Lottcrie angekauften Gegenstände ansgestellt. Im vorwöchcntlichen Aufsatz über M a x Nord au muß es heißen: statt „herben Instinkt" — „Herdeninstinkt", statt „kongruent" — „inkongruent" und statt „cs spricht ganz für Nordaus Individualismus" — „es spricht ganz für Nordaus Idealismus". I'hiliintrop Philantrop Philantrop ist ein vorzügliches Metall- und Rostputzmittel, ist vollständig frei von Säuren und schädlichen Stoffen, in flüssiger Form enthält _ keine brennbaren Bestandteile und ist nicht feuergefährlich, wie viele andere Putzmittel. ist sehr ausgiebig und daher billig. kommt als Pomade, Pulver, flüssiger Putzextrakt und Philantrop Philantrop Seifensand in den Handel. Man verlange es in Colonialwarenu. Droguen-Geschäften. Chemische Fabrik Silicium Gm i». hm Hm Mainzer Landstrasse 349. ÜQreulich & Täubert! 3499. Äettenhofweg 93. Tafelöl für Mayonnaisen. Oelsardinen. Weine nnd Spirituosen. Niederlage von Pilsener, Storchenbrän, Culmbacher, LSwenbrän and Frankfurter Biere. } : >. Arndistrasse 34. , , Spezialität 1 4 Frischgerösteter Kaffee in allen jj j Preislagen, i j Thn, Chocolade, Cacao, Südfrüchte. c •. ~' Obst und Gemüse.- * * Stete frische i. i Molkerei - Süssrahmbutter. Willi. Flink, Glaserei und Kunsthandlung empfiehlt sich in allen vorkommenden Glaserarbelten. Bergerstrasse 22, Ecke Baumweg. — Beparatnren sofort nnd billig. Katharina Culie Hofphotographin empfiehlt ihr Atelier für künstlerische Photographien. spedaütst 3{inder-flujnahmen BpwMMt Hoehstrasse 12 parterre. Telefon 8646. FL0R9-DR06ERIE 9. Vöhl Telephon 3095. Frankfurt am ftflaln, Telephon 3095. Feuerbachstrasse S8, Ecke Kettenhofweg. Zur Einmachzeit empfehle: sämtliche Gewürze, prima Weinessig, Salicyl, Schwefel, Kordel. Pergamentpapier. Ferner zum Ansetzen: Kornbranntwein, Cognac, Arrac, Rum. Jetzt nicht mehr Bibergasse W sondern Schillerstr. 28. — Herrenstroliliüte - =■■■■■ . aller Art werden in 3 Tagen gewaschen und hergerichtet. Om Bertram/^