Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 7 (1909)
- Issue
- Heft 25 (2.7.1909)
- Date
- 1909-07-02
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. Frankfurter Israelitisches FaNriMnblati. Nr. 25. Mülhausen t. Elf. Die Israel. Gewerbeschule hatte 1808 34 Schüler: 1 Konditor, 5 Tlektrotechniker, 1 Friseur, 1 Hemdenmacher, 3 Holzbildhauer, 2 Klempner, 1 Mrschner, 1 Lithograph, 2 Mechaniker, 1 Photograph, 1 SchGsser, 6 Schneider, 1 Schriftsetzer, 1 Schuhmacher, 1 Steindrucker, 2 Tapezierer, 2 Zeichner. Zwei Zöglinge, die noch schulpflichtig sind, werden nach ihrer Schulentlassung ebenfalls ein Handwerk lernen. Zehn junge Harwwerker, von denen 7 bereits mit gutem Erfolg die Gesellenprüfung bestanden haben, haben die Anstalt nach beendigter Lehrzeit im Laufe des Jahres verlassen. An ihrer Stelle sind 9 neue Zöglinge eingetreten. Bier Schüler beteiligten sich an der elsaß-lothringischen Lehrlingsausstellung in Hagenau und erhielten einen 1., zwei 2. und einen 3. Preis. Bei der Ausstellung von Zeichnungen am Schlüsse des Schuljahres hat das Komitee der Industriellen Gesellschaft den Zöglingen' der Anstalt 4 öffentliche Belobigungen erteilt. Die Schüler besuchen regelmäßig die Lehrlingskurse der hiesigen technischen Schicke, die Fortbildungsschule, sowie die Zeichenkurse der Industriellen Gesellschaft. In der Anstalt selbst wird der Unterricht vom Direktor und von 2 Lehrern erteilt. London. Chief-Rabbi Dr. Adler ist anläßlich seines 70. Geburtstages von 150 jüdischen G emeinden der Vereinigten Staaten von Nord-Amerika in einem Album eine Adresse überreicht worden. A«S de« Vereinen. Berlin. Die vom Deutsch-Israel. Gemeindebunde und der Großloge des Bnei-Briß-Ordens begründete, durch einen besonderen Verein verwaltete Israel. Erziehungsanstalt für geistig zurückgebliebene Kinder Wilhelm-Äuguste-Viktoria-Stiftung in Beelitz versendet ihren ersten Jahresbericht. Aus der Vorgeschichte der Anstalt sei erwähnt, daß ein vom General-Sekretär Dr. Nemnann auf dem 10. Gemeindetage in Frankfurt a. M. am 13. Juni 1905 erstattetes Iieferat den Anstoß zur Bearbeitung dieser Frage im Schoße des Gemeinde- Lunds gegeben hat! Eine Sammlung, an der sich die Gemeinden Berlin, Breslau, Frankfurt a. M. mit je 10000 JL und zahlreiche Private beteiligten, hatte bis znm Frühjahr 1907 ca. 69000 JL ergeben. Durch den Beitritt der Großloge Bnei- Briß mit einem Betrage von 40 000 JL, war die auf 105000 JL berechnete Bausumme beisammen. Das Bauterrain in Größe von 5 Morgen hatte die in geographischer mrd hygienischer Beziehung gleich günstig gelegene stadt Beelitz - (Mark) geschenkt. Am 8. August 1907 wurde der Anstalt durch Allerhöchsten Erlaß der Name: Wilhelm Auguste-Biktoria- Stiftung verliehen. Am 28. Juni 1908 war die Konstituierung eines besonderen Vereins erfolgt. Der Bau ist innerhalb Jahresfrist durch Baumeister Alterthum-Bcrlin nach den Vorschlägen des um das Werk verdienten Fachnianns Dr. Nawratzki-Nikolässee in praktischer und ästhetisch befriedigender Weise ausgeführt. Die wohlgelungene Eröffnungs seier erfolgte am 25. Oktober 1908. Leiter der Anstalt ist Erziehungs-Inspektor S. Bein. Seine Frau steht ihm als Lehrerin zur Seite; bas übrige Personal besteht aus einem Pfleger (gelernter Buchbinder), einer Pflegerin (beide jüdisch), einem Pförtner (gelernter Gärtner) und Küchenpersonal. Der Zöglingsbeftand ist zurzeit 23 Knaben und 13 Mädchen aus allen Teilen Deutschlands. 5 davon sind durch Behörden überwiesen; möglich ist noch die Ausnahme von 3 Knaben nnd 7 Mädchen. Vorsitzender des Vereins ist der geschäftsführende Vorsitzende des Gemeindebundes, Professor Philippson. Sein Stellvertreter ist Justiz, rat Timendorser, Großpräsident des Bnei-Briß Ordens. Der Verein hat 178 Berliner, und 58 auswärtige Mitglieder. Unter letzteren zahlreiche Gemeinden und Logen. Die Jahresbeiträge belaufen sich auf 7874 JL, oie Pensionseimrahmen auf 13 430 Mark. Die Anstalt wird selbstverständlich nach den Vorschriften der jüdischen Religion geführt. Sie ist für bildungsfähige Minderjährige bestimmt. Die Altersgrenzen für die Aufnahmeliegen zwischen dem 7. und 14. Lebensjahre. Der Pensionspreis beträgt, auch für Bemittelte, höchstens 600 JL Die ungünstige Vermögenslage der Angehörigen findet weitgehende Berücksichtigung. Die noch nicht gesicherte Finanzlage der Anstalt gestattet zur Zeit nur zwei bereits besetzte Freistellen. ch Stratzburg. Kürzlich hielt der „Jüdische Turnverein" im „Bäckehiesel" sein 1. Sommer, fest ab, das infolge der schlechten Witterung im Saale stattfinden mußte. Nichtsdestoweniger hatte sich ein zahlreiches Publikum eingefunden, das den turnerischen Aufführungen wohlverdientes Lob spendete. Vor allein fanden die Pyramiden und ein von 4 Herren und 4 Damen ausgeführter Kalabresertanz in Originalkostümen großen Beifall. Auch der Blumenreigen der Damenriege, sowie sämtliche Uebungen wurden von den zahlreichen Anwesenden mit lauter Anerkennung ausgezeichnet. Ein flotter Ball bildete den Schlliß des schönen Festes Der jüdische Gesangverein „Rhein gold" in Winzenheim nahm vergangenen Sonntag an einem Sängerseste in Horburg teil und erzielte mit seinen Gesangsvorträgen allgemeinen Beifall. Alle waren in dem Urteil, einig, daß der Verein am schönsten und besten gesungen habe. Zu diesem Erfolge hat besonders die herrliche Tenorstimme des Herrn Bloch viel beigetragen. Meran. Das Genesungsheim, Asyl für mittellose, kranke Israeliten wurde am 16. Mai geschlossen. In der Zeit vom 26. Januar bis 16. Mai, durch 110 Tage, wurden 101 Kranke in 7624 Tagen verpflegt. Die Heilerfolge waren sehr günstig. 30°/o wurden als geheilt oder wesentlich gebessert, 65»/o gebessert, 5 o/o wurden als ungebessert entlassen, 1 Kranker starb in den letzten 8 Tagen. Aus Oesterreich-Ungarn stammten 76 Kranke und zivar aus Wien 41, aus Böhmen 15, aus Mähren und Schlesien 8, aus dem übrigen Oesterreich 12. Aus Deutschland wurden uns zugewiesen 22, aus Berlin 3, aus Frankfurt 8, aus Hambürg 3, aus Cassel 2 und aus dem übrigen Deutschland 6. Aus Rußland wurden uns 3 zugewiesen. Der Beschäftigung nach waren 51 Kranke aus dem Handels st an de, 8 Studenten, 5 Studentinnen, 3 Lehrer, 11 Schneiderinnen, 2 Vorbeter, 21 Patienten hatten die verschiedenartigsten Berufe. Das Asyl wird streng rituell geführt. Gesuche sind schon jetzt, längstens Ende August nach Meran einzusenden, da die nächste Saison schon mn 26.'September beginnt. Der ungedeckte, durch Mitgliedsbeiträge und Spenden aufzubringende Zuschuß beträgt jährlich an 60 000 Kr. Die Verwaltung richtet daher an alle Menschenfreunde die Bitte, bei allen Gelegenheiten, in Freud' nnd Leid, der armen Kranken zu gedenken, die in Meran Gesundheit und neue Kraft erlangen, um in ihrem Berufe weiter tätig sein zu können. Spenden übernimmt der Verein: Asyl für mittellose, kranke Israeliten in Meran Dr. Wilhelm Hersch, Meran, Winkelweg Nr. 7, und die Redaktion dieser Zeitung. Sprechsaal. (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.) Roch einmal die „Wanderbettelei" Im „Sprechsaal" der Nr. 23 d. Bl. gibt sich Herr Redakteur L. St. große Mühe, die durch Unterzeichneten an dem Reglement des Verbands Schweiz. Israel. Armenpfleger in Betreff Steuerung des Wanderbettels geübte Kritik als unberechtigt darzutun, was sein gutes Recht ist —; ob Logik und vor allen Dingen unverfälschte Gemiluth Chessed bei den von Herrn L. St. vorgebrachten Argumentationen bestehen können, dürste eine Frage sein, die zu beantworten, gerade Herr L. St. mir sehr leicht gemacht hat. Ich setze voraus, daß die in Kraft stehenden „Reglements" gegen den Wanderbettel in vielen jüdisch - deutschen Gemeinden dem Herrn L. St. nicht unbekannt sind, wie auch, daß besagte Reglements über ein Dutzend Jahre bereits angewendet werden. Liest man aber die Polemik des genannten Herrn im obenerwähnten Sprechsaal-Artikel mit einiger Aufmerksamkeit durch, dann wäre man versucht, anzunehmen, Herr L. St. wisse von der durch ihn so warm gerühmten „Praxis" bei Unterscheidüng zwischen Gewohnheitsbettlern und „wirklich bedürftigen Bettlern" kauni etwas vom Hörensagen, geschweige, daß er sich vorher persönlich von jener sehr praktischen „Unterscheidung" überzeugt hätte. Freilich tut sich Herr L. St. sehr leicht bei dieser Sache, denn er versichert, nicht verstehen zu können, wie bei jener. „Unterscheidung" das latent der Spionenriecherei notwendig sein soll, wie Unterzeichneter behaupten will, während doch so verkündet Herr L. St. mit apodiktischer Gewißheit — in der Praxis, „die sich natürlich erst mit der Zeit Herausstellen wird", die betr. Per sonen sehr bald zwischen echten und falschen Bettlern unterscheiden werden können. Und Herr L. St. versichert, „die zehn Unschuldigen, die im ersten Jahre mit den neunzig Schuldigen leiden, werden mit der Zeit zu fünf, zu einem vermindert, werden und überhaupt schließlich nicht mehr in Frage kom men." Also müßten die mit „Reglements" seit Jahren gesegneten deutsch-jüdischen Gemeinden von der „Schnorrcrplage" gesäubert sein, wie die Frankftirter Zeil am frühen Morgen, wenn die Feg. bürst - Maschinen ihre Arbeit getan? So möge sich Herr L. St. in Frankfurt an zuständiger Stelle selbst erkundigen, ob dort, wo das „Reglement" — vielleicht das älteste? — seit Jahren und Jahren in Uebung ist, die „Gewohnheitsschnorrer" höchstens sporadisch oder nicht vielmehr in durch Uebung erworbene Vorsicht, fast unverminderter Zahl sich lustig tummeln!? Und gerade deshalb, verehrter Herr L. St., ereignet es sich nicht selten, daß — um mit Ihnen zusprechen — die Unschuldigen mit den Schuldigen, aber nicht im ersten, sondern auch im zehnten und zwölften Jahre der „Reglementierung" leiden; denn dem Unschuldigen geht die „Fixigkeit" und Geriebenheit ab, die den „kommerziell" gebildeten Schnorrer zum Meister der „erfahrensten" Armen. Pfleger und deren Beamten stempelt, der daher in seine' Faust — vielleicht auch offen — lacht über den „grünen" Bittsteller, der beim Examen, welches er in der Armenkanzlei, häufig in Gegenwart der heiligen Hermandad zu bestehen hat, stottert, rot wird, kurz sich so geberdet, daß die „schlauen" Ausfrager fest überzeugt sind, daß der „Bettler" nicht „ganz koscher" ist, während er nur schüchtern, verschämt und verzagt der ungewohnten Situation gegenüber sich benimmt. Nur wer selbst noch nicht hat betteln müssen, d. h. in die Notwendigkeit versetzt war, von seinen Glaubensgenossen eine Unterstützung zu erbitten, kann gutgläubig schreiben: „. . . . der Jude wird um so lieber gÄen, als die persönliche Belästigung in Fortfall kommt, und .um so lieber geben, weil er endlich einmal die Gewißheit hat, daß seine Gabe in richtige Hände kommt." Das geschieht, Herr L. St., nur in den Fällen, wo man die Gesuchsteller persönlich genau kennt; in allen übrigen Fällen verhält es sich wie mit „Rouge et Noir". — Das Vorstehende ist dem praktischen Leben entnommen, d. h. die beststylisierten „Reglements" gegen „Schnorrer", mit oder ohne Berücksichtigung, werden es nicht hindern, daß die echten Schmarotzer üppig gedeihen, während ein bedeutender Prozentsatz wahrhaft Bedürftiger entweder ignoriert wird und Mangel leidet, weil sie „Unverfrorenheit", „Zudringlichkeit", „Unverschämtheit" (wie viele „Wohltäter" Personen benamsen, die ehrlich heraussagen, wo sie der Schuh drückt) nicht so heuchlerisch verschleiern können, wie die merkantilischen Schnorrer, die niemals leer ausgehen. Daher ist es verfehlt, den Wan derbette! reglementieren zu wollen; denn unter hundert Gewohnheitsschnorrern dürften kaum fünf ihr einträgliches Gewerbe, das sie mit stets erneuernden Raffinements zu verteidigen verstehen, aufgeben, während die armen, ehrlichen Bettler häufig die Prügelknaben einer von Gemiluth Chessed weit entfernten sch ab Ionisier enden eglementiererei bilden. I. M. (Basel). Geehrte Redaktion! In Nummer 22 Ihres gesch. Blattes veröffentlichten wir eine Erklärung, die jeden unbefangenen Leser über ein Mißverständnis genügend aufgeklärt haben dürfte, nur Ploni gibt sich damit nicht zufrieden nnd erwidert in einem neuen Artikel, um uns zu weiterer Aufklärung zu veranlassen. Gut, er soll sie haben, er und sein spiritus rektor, der Almoni. Wer weiß, unter welchen schwierigen Verhältnissen unsere Gemeinde ins Leben gerufen worden ist, und wie dieselbe beständig unter einer großen Schuldenlast bei einer relativ geringen Mitglieder, zahl zu kämpfen hatte, wird die Bemühungen des Vorstandes zu würdigen verstehen, die Interessen derselben zu wahren, gleichzeitig aber auch die Bestrebungen beurteilen können, die darauf hinauslaufen, die Existenz der Gemeinde zu untergraben, um auf den Trümmern eine neue Gemeinde zu gründen. Im 39. Jahre der Gründung, im vorigen Herbste, war es zum ersten Male, daß ein Gemeindemitglied es Ivagte, die moralischen und finanziellen Interessen unserer Gemeinde, die ihrem ganzen Zuschnitt nach auf die Unterstützung der Kurfremden angewiesen ist, öffentlich zu schädigen. Obwohl die Gemeinde zu den Jomim Nauroim mit'großen Kosten genügende Räume eingerichtet hatte, um den religiösen Bedürfnissen zu entsprechen, hat N. auf öffentlichen Plätzen, in einem Restaurant usw., Personen, die als regelmäßige Besucher unserer Syna. goge galten, verführt, der Gemeinde fern zu bleiben und sich einem Privatminjan anzuschließen, um die Gemeinde zu schädigen. Der Bor st and der Altisraelitischen Kultusgemeinde zu Wiesbaden hat, um diesem gefährlichen Treiben Einhalt zu tun, von dem ihm zustehenden Rechte Gebrauch geinacht und eine Aufhebung dieses Minjan betvirkt. Er hat ferner den Vorstand der liberalen Gemeinde über die Bestrebungen dieses Herrn orientiert, was zur Folge hatte, daß die Errichtung eines dauernden Minjan verweigert wurde. Der Almoni, der Entdecker der angeblichen Gemeindeschäden, erhielt ein Refus seines von N. beantragten Aufnahmegesuches von der liberalen Gemeinde!!! Sollen wir weiter berichten, daß N. vor etwa 3 Monaten, die von seiner Ahavas - Thauro beeinflußte Tätigkeit fortsetzte und sich wiederum an den Herrn Polizeipräsidenten mit einem Gesuch um Genehmigung eines Minjan wandte nnd als dies abschläglich beschieden wurde, eine weitere diesbezügliche Eingabe an die Königliche Regierung machte, um die Existenz unserer Gemeinde zu unterminieren. Hinc illae lacrimae! Wir glauben, diese.Proben von Ahavas-Thauro und jüdischen Gememsinnes dürsten federn Leser die Augen öffnen und über die frommen (?)- Be- _