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Neue jüdische Presse · 1909-07-02 · Heft 25 (2.7.1909) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
7 (1909)
Issue
Heft 25 (2.7.1909)
Date
1909-07-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Leite 4 Frankfurter JsraeMsHes Aamilienbüikt. Nr. 25. der Berbandsgründung Unklarheit besteht. Wir könnten es dabei bewenden lassen, in den von Vereinswegen eingeleiteten Aussprachen alle geforderte und erforderliche Aufklärung zu geben. Notizen und Auslassungen der Presse, die, von falschen Grundlagen ausgehend, Verwirrung zu stiften geeignet sind und gestiftet haben, machen cs uns jedoch nachgrade zur Pflicht, auch öffentlich, außerhalb unserer Vereinsveranstaltungen, das Wort zu ergreifen. Allen, die am Zustandekommen des Verbands gearbeitet haben, schwebte gewißlich das Ziel der Kräftigung der jüdischen Jugendbewegung im Ganzen wie des einzelnen Jugendvereius vor Augen. Mit denen, die der Meinung leben, der Zusammenschluß sei von einigen einflußreichen Organisationen betrieben worden, um die Assiinilation, also im letzten Ende des Aufgehen der deutschen Judenheit zu fördern, ist nicht zu rechten; sie begehen einen logischen Schnitzer des Maßes, daß eine Diskussion mit ihnen zu nichts führen wird, da sie nicht einsehen wollen, daß keiner Geld und Zeit verschwenden wird, Gebilde zu schöpfen, zu beleben und zusammenzuschließen, um sie alsbald ins Ml und Nichts zerfließen zu lassen. Noch mehr als der gute Wille muß aber das gute Ziel und die Möglichkeit des guten Erfolges anerkannt werden. Die jüdische Jugend bedarf einer Aufraffung in ihrem religiösen und ihrem sittlichen Wandel, einer Stärkung ihrer geistigen und körperlichen Widerstandsfähigkeit, einer Bereicherung ihres jüdischen und, wofern sie in jedem Felde menschlicher Betätigung gefestigt und beivährungsfreudig soll auftreten können, ihres allgemeinen Wisfens. Die letzten Jahrzehnte haben Hunderte und Aberhundcrte unsere Glaubenssatzungen verlassen, bald auch alle Ideale der Väter vergessen und mählich vollends unserer Gemeinschaft, und dem was sie eint, entfliehen gesehen, mögen auch der politische und gesellschaftliche Antisemitismus und seine heterogenen Bundcsbrüder, der religiöse, sagen wir besser, der ein wenig antimaterialistische Zug der Zeit und der Zionismus oder die ihm verwandten Erscheinungen das jüdische Solidaritätsbewußtsein gehoben haben. Die Jugendzeit, die Zeit freier frischer Hingabe an den großen Gedanken, wo Geist und Hand zu regem Schaffen eifern, muß genützt werden, um Charakter, Gemüt, Wissen und Lebensart heranzubilden und zu bereichern, um ihnen allen die Kraft jüdischer Lebensanschauung einzuimpfen. Lokale Gründungen, die solchen Absichten entsprungen sind, haben Treffliches zu Wege gebracht. Unser Verein grade hat dank weiser ihm gewordener Förderung vielen einen Halt für das Leben gegeben. Noch leistet er nicht genug; doch nimmt er täglich günstigsten Einfluß auf viele, denen der schlichte Schmuck seiner Räume die Heimat, die in ihm gewährte Belehrung die Schule, der dort gebotene Bortrag der heiligen Schrift das Lehrhaus ersetzt, die in der Gewöhnung an die gesunde Anspruchslosigkeit seiner gastfreien Hallen den entsittlichenden Wirkungen des „Kaffeehauslebens" entgehen. Wo der Verein noch nicht zur Erfüllung seiner Zwecke geschritten ist, regt er an, wirkt gesprochenes und geschriebenes Wort, das von ihm ausgeht und in ihm vertrieben wird, Gutes. Es liegt auf der Hand, daß solche Gründungen überall notwendig sind, wo nur jüdische junge Leute, einheimische und zugewanderte, einen Sammelpunkt suchen können. Ebenso klar und wahr aber ist es, daß hier und dort die materiellen und ideellen Vorbedingungen solcher Gründungen, die nötigen Geldmittel, die geeigneten Organisatoren, Führer, Redner und Lehrer fehlen werden, daß die lokale Organisation in ihrer stilleren unkontrollierten Wirksamkeit leicht Mißgriffe unternimmt, die eine große und großzügige zentrale Leitung kraft ihrer Zusammensetzung, ihres Zusammenhangs mit allen leitenden Faktoren vermeidet und rerhindert, daß eine zentrale Stelle Anregungen empfangen und fruchtbringend weiterleiten kann, daß das Dasein einer umfassenden Organisation die Bedeutung jedes einzelnen Glieds und den Wert der Organisation für den einzelnen hebt, indem sie, ein wichtiger Punkt grade für unsere wanderlustige junge Kaufmannschaft, jedem Neuankömmling möglichst überall Bürgerrecht und Anschluß verschafft. Wird sonach auch ein großer blühender Verein wie der unsere sicher dem Verbände mehr materielle Opfer bringen müssen als er Vorteile greifbarer Art einheimst, so wird ihm doch die Einfügung in eine große arbeitsfreudige Gemeinschaft, in der er seine Methoden, seine erfolggekrönten Grundsätze durchsetzen und auch in andere lokale Gründungen übertragen kann, Genugtuung geben. Auch möchte unser Verein ein gerüttelt Maß Verantwortung auf sich laden, wenn er dem Verbände fernbliebe und somit in zahlreiche Vereine einen Geist einziehen ließe, der manche lokale Gründung anderwärts erfüllt und von verderblichen Wirkungen sein kann, wenn er weiter durch seine Abstandnahme von einer Beteiligung vielleicht das Zustandekommen des Verbands in Frage stellen und somit den gesunden Keim einer Entwicklung ersticken möchte. Die Festlegung der Verbandszwecke ist vorderhand in dem Statut nicht erfolgt. Der vorgclegte Entwurf sprach von der Heranbildung der Mitglieder der Einzelvereine zu „selbstbewußten Juden und guten Staatsbürgern". Gegen diese Fassung wurde von vielen Seiten und mit verschiedenartigen Begründungen Widerspruch laut. Die Notlage, aus der die Jugcndvcreinc erwachsen sind, und der auch der Verband soll abwehren helfen, besteht nicht oder doch nur zum geringsten Teil darin, daß unsere jüdische Jugend es mit den staatsbürgerlichen Pflichten nicht ernst nähme. Auch an Selbstbewußtem, oft sogar an jüdischem Selbstbewußtsein, läßt es unsere Jugend nicht fehlen. Was not tut, ist vor allem eine treue und starke Erfassung der religiösen und sittlichen Pflichten, die dem Juden unserer Tage obliegen müssen, und die ihm darum doppelt und dreifach obliegen müssen, weil jeder charaktervolle Wandel uns allen und dem Judentum zur Ehre gereicht, und weil jede auch noch o geringe Verfehlung der ganzen Gemeinschaft zur Last gelegt wird. Eine von uns vorgcschlagene Fassung fand nicht die Gunst der Delegiertenverämmlung; schließlich ist auch der Streit um die Worte nicht von Bedeutung und wir werden zurieben sein, wenn wir aus den glücklichen Erfolgen >es Verbands eine geeignete Fassung für den „Tendenzparagraphen" gewinnen. Aus Drängen der Organisationen, die bei Gründung des Verbands Pate gestanden haben, soll der Verband nur die Jügendvereine umfassen, welche keine bestimmte politische - oder religiöse Richtung verfolgen. Man kann Bedenken haben, ob der Anschluß der Vereine mit bestimmter politischer oder religiöser Tendenz angebracht war. Wenn auch unser Verein nicht die Opposition gegen die Aufnahme der beregten Vorschrift führte, wie aus einer Presse. Nachricht gefolgert werden könnte, so vertrat er doch bei der Verbandsgründung die Anschauung, daß man aus dem Ausschluß der Vereine mit betimmten politischen oder religiösen Tendenzen keine Kardinalfrage machen dürfe, daß vielmehr bei prinzipieller Aufnahme solcher Vereine nur durch eine Statutenbcstimmung Vorsorge getroffen werden müsse, die Delegiertentage nicht in unfruchtbare und zwecklose Diskussionen über politische und religiöse Partcifragen aufgehen zu lassen. Sicher hätte der eine oder andere lieber in dem Verband die Vereine aller Richtungen, auch die „Lernvereine" und die rein zionistischen Vereine vertreten gesehen. Zu beachten bleibt aber, daß die gesetzestreuen jüdischen Jügendvereine bereits in einem Bunde geeint sind, der für ihre besonderen Interessen sicher besser Sorge tragen kann, als ein Verband, der auch eine Einwirkung auf einzelne und Vereine nehmen will, die sich nach ihren Zielen, Veranstaltungen und nach der Zusammensetzung ihrer Mitglieder nicht auf gesetzestreucm Boden befinden. Trotz des Statuts ist es naturgemäß möglich und uns wie dem gesamten Verbände nützlich und erwünscht, daß sich dem Verbände Vereine zugesellen, die nach dem ganzen Weg, den sie gehen, eine Stärkung der Treue zum Religionsgesetz bezwecken und herbeiführen. Nur wenn statutengemäß der Einzclvcrein der orthodoxen oder neologen Richtung dient, kann er nach dem vorhandenen Statut im Verband nun keine Aufnahme finden. Die neu gegründete jüdisch - liberale Vereinigung will solch neologe Tendenzvercine errichten und stärken. Wir erachten das schon nach unseren Erfahrungen für ein trauriges Vorhaben und Beginnen, da wahrlich kein Grund bestehen kann, den schwachen Faden, der viele am Judentum hält, noch zu lockern. Wollten aber andere alle Vereine bestimmter religiöser Richtung ausgeschlossen sehen, so konnten wir keinesfalls darauf rechnen, eine Ausnahme gerade für die orthodoxen Jügendvereine zu erwirken, nachdem wir den Ausschluß der tendenziös-liberalen Vereine, schon aus Gründen des Friedens, nicht zu bedauern brauchen. Daß sich die Berbandsgründung bewußt und nach dem praktischen Ergebnis ausschließlich gegen die gesetzestreuen Jügendvereine richtet, ist hiernach unsinnig. Wie verschiedene Phasen der Verhandlungen zeigte», sind denn auch eine erhebliche Anzahl in gesetzestreucm Geiste geleiteter Jugendvereine dem Verbände endgültig oder unter Vorbehalt beigetreten; das konnte geschehen, weil sie sich nicht statutengeniäß auf das orthodoxe Judentum festgelegt hatten, was ja auch für den überzeugten Gesetzestreuen, der eben sein Judentum für das Judentum hält, unnötig ist. Gewiß besteht auch die Möglichkeit, daß liberal geleitete Vereine dem Verbände angchören werben, freilich werden solche Vereine auch bereits beigctreten sein; sofern sie aber nur nicht sich statutarisch dem religiösen Liberalismus ergeben haben, kann bei einer Zusammenarbeit mit ihnen der gefestigte auf traditionellem Boden stehende Verein nur weitere Erfolge zu seinen Erfolgen häufen, wenn es ihm gelingt, seine Anschauungen in andere Kreise zu übertragen. Praktisch Ivird auch der Ausschluß der tendenziös zionistischen Vereine nicht ricl Schaden bringen. Es wird sich ergeben, daß in manchem Jugendverein das zionistische Element vorwiegt, daß es in anderen kaum zrr Worte kommt, und beides hat voin Standpunkt der Entwicklung einer allgemeinen jüdischen Jugendbewegung gesehen, nichts zu sagen. Will aber ein Verein seine Mitglieder statutarisch zu Zionisten erziehen, so mag sein Platz in der großen zionistischen Organisation und einem bestehenden oder zu gründenden Verbände zionistischer Jugendvereine sein. In diesen Gemeinschaften wird auch viel besser die politische Erziehung gefördert werden, die solch ziouistischc Jügendvereine bezwecken. Entscheidend ist sonach, daß der Ausschluß der Vereine mit bestimmter politischer oder religiöser Richtung diese Vereine nicht in ihrer Entstehung und Entwicklung behindern wird, daß diese Vereine bereits eine Sonderorganisation haben oder schaffen können, die ihren Zwecken besser genügen wird, daß aber andererseits die Organisationen, die dem Verbände ihre Erfahrung, ihr Ansehen und ihre Mittel darleihen, auf dem Ausschluß dieser Vereine bestanden haben. Wir hätten am wenigsten erwartet, ob unserer Bemühungen uni die Aufnahme des Paragr. 16 in das Verbandsstatut, wonach von Verbandswcgen nichts geschehen darf, was gegen das Religionsgesetz verstößt, einen Angriff von orthodoxer Seite erleiden zu müssen. Wenn dieser Angriff damit operiert, daß der Verband doch parteilos sein will, und daß er deshalb nicht orthodoxe Wünsche zu berücksichtigen brauche, so fehlt uns grade vom orthodoxen Standpunkt aus jedes Verständnis dafür, wie man aus lauter Liebe zur angeblichen Folgerichtigkeit im Verband fast lieber das Religionsgesetz übertreten sehen möchte. Auch der Vorfall mit dem Berliner Ausflug darf nicht dem Verband zur Last gelegt werden; der Verband veranstaltete den Ausflug weder offiziell noch inofsiziell und nur dem gebührend gekennzeichneten Vorgehen einiger Herren des Berliner Vereins ist es zuzuschreiben, wenn dieser Verein, freilich inoffiziell, unrituelles Essen darbot. War es auch stets unser Streben, soviel noch im engeren ' Kreise zu arbeiten bleibt, über den Bereich unserer Stadt hinaus jüdisches Leben und ein Leben im Geiste des Judentums und aller Ideale zu fördern und zu verbreiten, so haben wir zu dem Verband, der nun erstanden ist, nicht gedrängt und stehen mit mancher Sorge an seiner Wiege. Alle Zweifel an unserer und anderer Schaf, fenskraft dürfen uns aber nicht in dem ernsten Willen und Bemühen wankend machen, den Verband lebensfähig hinzustcllcn und zu erhalten und seiner Arbeit den Erfolg zu sichern. Denn nicht so bald mehr wird man bereit sein, mit offenen Händen der Jugend die Mittel zu geben, auf weitem Gebiete zu wirken, wenn die empfangende Jugend bedenkenreicher ist als das spendende Alter. Es gibt ein „Zurück", wenn wir im Verbände auf starren Widerstand stoßen und sich dort Tendenzen und Methoden unüberivindlich breit machen, die wir nicht billigen, die wir für verderblich halten. Doch gilt es, den Versuch zu wagen. Unsere Mitglieder und Freunde werden unsere Darlegungen billigen und unseren Beschluß, deni Verbände beizutreten, gutheißen! Kaiser Friedrich Quelle ■ Offenbach a. M. . Gegen Gicht und Bhemnatlsmus bewährt. -ws Bad Hanburg, Pensios Paikhani -üä mit Dep. Prinzenhof. Prospekt gratis. Max Hecht. Wocheu-Saleuder. (Zeitangaben nach dem Laach.) Samstag, den 3. Juli (= 14. Tamus): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 50 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 9 Uhr 40 Min. in Berlin 9 Uhr 35 Mn. Wochenabschnitt: Balak. — Balak, der Moabiterkönig, empfindet Grauen vor Israel, das die benachbarten Riesenkönige Og und Sichon schlug und deren Reich eroberte. Er sendet Boten zum heidnischen Propheten Bileam in Midjan, der durch seines Mindes Fluch Israel unschädlich machen soll. Gott verbietet, mit Bolaks Gesandten zu gehen. Der Moabiterkönig sendet wiederum Boten. Unter Vorbehalt darf Bileam mit ihnen gehen. Ein Engel stellt sich ihm hindernd in den Weg. Die Eselin sieht - ihn, weicht mehrmals aus, wird dafür von Bileam geschlagen. Gott öffnet ihren Mund, sie macht Bileam darüber Vorwürfe. Er erblickt nun den Engel, will umkehren, doch zu spät; seine Gewalt ist unterbunden. Balak holt voll Ungeduld den Bileam ab, führt ihn auf verschiedene Höhen, von denen aus er das Lager Israels sehen konnte. Balak opfert jedesinal, Bileam aber segnet Israel drciinal.mit den herrlichsten Worten. (Darunter das bekannte Matauwu usw.) Verzweifelt schlägt Balak die Hände zusammen. Bileam gibt seine Ohnmacht zu. - Vor dem Weggehen gibt er den listigen Rat, Israel zum Absall zu verführen, und zwar durch Einladung zu Götzenmahlen. Dies geschieht/ Sie vermischen sich nrit den heidnischen Moabitern und Midjanitern. Selbst ein Stammfürst — Simri — zeigt offen seinen Absall. 24 000 Mann starben daraus an eurer Seuche. Pinchas, Eleasars Sohn, erstach in heiligem Eiser Simri ebenso dessen Frau. Gottes Zorn wendet sich. Pinchas wird der Friedensbund Gottes zugesichert. — —

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