Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 7 (1909)
- Issue
- Heft 23 (18.6.1909)
- Date
- 1909-06-18
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Jffc. 23.. Die Ausführungen des Herrn Wyler, wonach das Problem des jüdischen Wanderbettels nicht durch einen Paragraphen gelöst werden kann, da es innig zusammenhängt mit den schwierigen Verhältnissen Osteuropas, sind wohl richtig. Glaubt der Herr aber, daß er diese Verhältnisse eher zu einer relativen Gesundung führt, wenn der alte Zustand des Wanderbettels bestehen bleibt, oder wenn man Organisationen schafft, durch die alle zur Verfügung stehenden Hilfsmittel ausschließlich denen zugeführt werden, die die ihnen zugewiesene Unterstützung dazu benutzen, sich wieder eine Existenz zu schaffen? Ich vermisse, um meine Ansicht zu präzisieren, in jenem Beschluß durchaus nicht den Pulsschlag des alten jüdischen Herzens. Ich bin vielmehr der Ansicht, daß die vorgeschlagenen Grundsätze für die Ausübung der Hilsstängkeit durchaus die Folge der Verhältnisse sind und den einzigen Weg bedeuten, auf dem inan, wenn auch vielleicht in der ersten Zeit mit großen Schwierigkeiten, zu einem durchaus erstrebenswerten Resultat — nämlich der allmählichen Gesundung von der sozialen Krankheit des Schnorrerwesens — gelangen kann. Hochachtungsvoll! Lothar Stark, Redakteur, Frankfurt a. M. Die Veröffentlichung des Vorstandes der A l t - israel. Kultusgemeinde zu Wiesbaden in Nr. 22 Ihres geschätzten Blattes widerlegt zwar mit keinem Worte unsere Mitteilung in Nr. 20, veranlaßt uns jedoch zu folgenden Ausführungen: Der Vorstand.der hiesigen Religionsgesellschaft übersieht mitzuteilen, 1. Auf Grund welcher Uebertretungen jene zwei polnischen Familien (es waren übrigens Oesterreicher) von hier ausgewiesen wurden, 2. Durch wessen Anzeige diese Ausweisungen erfolgten. Zur Charakteristik diene Folgendes: Auf Grund einer nassauischen Verordnung von 1852 dürfen Privatandachten hier nicht stattfinden. Diese Verordnung benutzte der Vorstand der Altisrael. Kultusgemeinde wiederholt, um Privatandachten zu verhindern. So hat erwiesenermaßen der Vorstand dieser Gemeinde vor den: jüngsten Roschhaschono an den kgl. Herrn Polizeipräsidenten eine Eingabe gerichtet mit dem Ersuchen, die Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Privatandachten zu verbieten. Diese Eingabe war von dem Vorstande der Altisrael. Kultusgemeinde unterzeichnet. Dem Anträge entsprechend, wurden auch vier Privatandachtcn untersagt, während unserm Herrn N. ein Verbot nicht zuging. Dieser veranstaltete eine Privatandacht, an der ca. 100 Personen teilnahmen. Der Beginn des Festes war in allen Synagogen auf 6 Uhr festgesetzt. Gegen 7 Uhr erschien bei N. ein Polizeiassistent in Begleitung zweier Schutzleute, um den Gottesdienst sofort ev. mit Gewalt auszuhcben. Auf Vorstellung des N. wurde erwidert, „es sei soeben (!) von der Altisrael. Kultusgemeinde telephoniert worden, daß bei N. Privatgottesdienst abgehaltcn werde." Mit knapper Not durste das Maarivgebet beendet werden. In liebenswürdiger Weise wurde N. noch am Roschhaschono Abend nach 8 Uhr von dem kgl. Herrn Polizeipräsidenten in seiner Wohnung empfange», doch Ivar an jenem Abend leine Genehmigung für weiter nicht zu erreichen. Durch das Eingreifen des Vorstandes der Hauptgcmeindc Wiesbaden wurde nun am ersten Tage des Roschhaschono die Weitersührung dieses Minjan ermöglicht. Die zwei „polnischen" Faniilien hatten sich des gleichen Vergehens schuldig gemacht. Der Vorstand der Hauptgemeinde erklärte wiederholt, e r habe niemals einen Antrag auf Schließung oder Untersagung eines Privatgottesdienstes gestellt mit den Worten: „Wir sind keine Denunzianten." Nachgcwiesener Maßen aber hat d e r V o r st a n d der „frommen" Altisrael. Kultusgemeinde verschiedenenen Ausländern gedroht, wenn sie an Privatgottesdiensten teilnehmen, würden sie a u s g e w i e f e n werden. Wenn der Vorstand nun den Herrn Rabbiner in der Sache erwähnt, so hat dieser damals wohl nur seine Schuldigkeit getan; wir haben aber Grund anzunehmen, daß jene Anzeige von einem Mitgliede seines Vorstandes ausging. Zur Sache selbst: Der betr. Bentauro hak niemals an einem der häufigen Privatgottesdienste iin Hause des N. teilgenommen, eben aus Furcht vor Denunziation. Er verkehrte im Hause N. lediglich, um bei dem Gemorohschiur vorzutragen. Dies war auch dem Vorstand bekannt. Seitdem ihm um Pessach der Vorsitzende des Vorstandes jenen „guten Rat" erteilte, meidet Seite 11. natürlich der Bentauro aus Furcht vor Denunziation auch den Schiur. Mit Einschreibebrief vom 8. Älpril hat 8t. den Vorstand der Altisrael. Kultusgemeinde um Erklärung ersucht, ob das Vorgehen des Vorsitzenden mit Wissen und Einverständnis des Vorstandes ersolgt sei. Eine Antwort hieraus erhielt N. nicht. Durch ein anderes Gemeindemitglied wurde der Rabbiner gebeten, dafür Sorge zu tragen, daß der Vorsitzende den Bentauro zur Wiederaufnahme des Schiur veranlasse. Aber auch hierauf ist Nichts geändert worden. Man freut sich offenbar, das Lernen gestört zu haben. Es wäre nur interessant zu erfahren, wo — wie der Vorstand behauptet — hier ein anderer öffentlicher, regelmäßiger Gemoro - Schiur stattfindet. Was die „Kette der zahlreichen Jntriguen" gegen das Gemeindewohl betrifft, so bemerken wir für heute nur kurz, daß damit unsere Bemängelungen an den Instituten der sogenaimten hiesigen frommen Gemeinde gemeint sind. Keine einzige Institution der „aus religiösen Bedenken ausgetretenen" Altisrael. Kultusgemeinde entspricht vollständig den Religionsvorschriften, und hierin Besserung zu schassen, ist von den verschiedensten Seiten schon seit 15 Jahren vergeblich angestrebt worden. Auch hierüber Ausführliches zu berichten, behalten wir uns vor. Ploni. Briefkasten. G n e s e n. Berichte, die uns anonym zugehen, dürfen wir grundsätzlich nicht aufnehmen. Vereins-Kalender. Samstag. Verein „M ekor-Chaji m", 12 Uhr im Hörsaal Friedberger Anlage: „Menauras- Hamoaur"-Bortrag (Steinberger): Uhr, Schützenstraße 2: Mikro-Vortrag (Markus Hirsch). Mittwoch. „Montefiore"-Verein, SUhr, Seilerstr. 22: Die soziale Ausgabe der Jugendvereine (Dr. Gustav Löffler). Für die Beilage „Jüdische Jugend" haben wir eine spannende Erzählung erworben, mit der wir nächste Woche beginnen. Eyach - Sprudel Kohlensaures Mineralquellen - Wasser das 1/s Liter 9 Pfg., Kaution 15 Pfg. pro Gefäss >5 V* » 12 ,, ,, 20 „ ,, ,, in Partien von 20 Stück franko Haus Frankfurt a. M. Ctlepbon 3371* Vertreter: P, Gold Hammer, Mainzerlandstrasse 116 a. Erfinder! kauft Ratgeber für die Verwertung von Erfindungen. Der Ratgeber enthält Adressen von Patentkäufern, Gebrauchsmusterkäufern und Licenznehmern. Viele Dankschreiben. Tausende verkauft! 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