Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 7 (1909)
- Issue
- Heft 23 (18.6.1909)
- Date
- 1909-06-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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" " „ M Nr. 2Z des Frankfurter Ifmetitilifien, FamilimklMs. Aus der zionistischen Bewegung, l Barel i. Oldenb. Herr Gustav Schwabe | einer der tätigsten und angesehensten Zionisten Deutschlands, feiert mit seiner Frau am 24. Juni die silberne Hochzeit. Basel. Unter dem Präsidium des Herrn Dr. L. F. Pincus-Ziirich wurde hier der Delegiertentag des Schweizerischen Zionist e n v e r b a n des abgehaltcn. Der Geschäftsbericht, aus dem die Gründung je einer Ortsgruppe in Lausanne und in Genf erwähnt sei, konstatiert ein langsames Fortschreiten der Bewegung in der Schweiz, und dem Kassenbericht entnehmen wir, daß 890 Fr. Landesbeiträge, 901 Fr. Schekel und 147 Fr. Parteisteuer eingingen. Die Verhandlungen brachten nur Geschäftsmäßiges auf die Tagesordnung, ohne prinzipielle Fragen zu berühren. Als Präsident des Landesverbandes wurde Herr Moritz Levy-Liesthal gewühlt. Gleichzeitig mit dem Delegierteiltag fand die Generalversammlung des Shareklubs statt. Das Vermögen des Klubs besteht aus 1550 Franken, aus lvelchem Betrage für die zahlenden Mitglieder Aktien der Jüd. Kolonialbank und der Anglo Palestinc Cie. angekauft werden, worauf solche in den Besitz der Eigentümer gelangen. Die Generalversammlung beschloß, auf Ansuchen die Aktien der Mitglieder bis zu 662/30/0 gegen 5«/o Zinsen zu beleihen. New Bork. Die 18. Jahresversammlung der Foederatio» der amerikanischen Zionisten, die hier am 12. Juni eröffnet wird, wird die größte aller bisherigen werden; nahezu tausend Delegierte werden erwartet. Personalien. Berlin. Es erhielten.- Frau Emilie Masse den Wilhelms-Orden, Ernst Hirsch, Mitinhaber am Louis Hirschs Telegraph. Büros, und Sanitätsrat Dr. I. K a m n i tz e r in Allenstein den Roten Adlerorden 4. Klasse und Dr. med. Arthur Alexander das Prädikat Professor. Dresden. Max Elb. Vorsteher der jüd. Gemeinde und Vorsitzender des Verbandes der Israel. Religionsgenieinden im Königreich Sachsen, wurde zum Kommerzienrat ernannt. Prenzlnu. Dem Dr. med. Julius Liebrecht. Sohn des Herrn Moritz Liebrecht, ist auf sein Ansuchen von der Rcichsregierung gestattet worben, einen Teil seines praktischen Jahres in Jerusalem zu absolvieren. ch Colmar i. Elf. Infolge einer unheilbaren Krankheit erschoß sich in seiner Wohnung der erst 28 Jahre alte Arzt Dr. H. Hirsch. Der Verstorbene war seit zwei Jahren verheiratet. — Im besten Mannesalter erlag Kaufmann Josef .Strauß einem qualvollen Leide». Er war ein echter Jehndi und allgemein geachtet und geliebt. Tüor». Dr. H. W o l p e, Repräsentantenmitglied der jüd. Gemeinde, erhielt den Charakter als Sanitätsrat. Graben lBadenl. Gottschalk Baer, Senior, chef der Branntweinbrennerei Heinrich Baer und Söhne in Karlsruhe, feiert ani 18. Juni in voller Rüstigkeit seinen 9 4. Geburtstag. (L.) Schwersenz. Infolge Herzschlages verschied Frau Johanna Grünfeld, Gattin des pensionierten Lehrers Moritz Ärünfeld. Mit der 70 Jahre alt gewordenen Frau ist wieder eine typisch? Persönlichkeit unseres Ortes aus dem Leben geschieden, die hier ein Menschenalter hindurch nach den verschiedensten Richtungen hin eine segensreiche Tätigkeit entfaltet hat. Budapest. Dr. Alexander Sana, der bisherige Chefarzt des Temesvarer Kinderasyls, wurde zum Direktor des hiesigen königl. Kinderasyls und zum königl. Rat ernannt; anscheinend in Verbindung damit, hat er sich gestern katholisch taufen lassen. London. Chief-Rabbi Dr. Adler erhielt an. läßlich seines 70. Geburtstages ein herzliches G t ü ck w u n s ch s ch r c i b e n von König Eduard. New-Uork. Lazar Raditz, der vor sechs Jahren nach Amerika kam und sogleich in die Hochschule der schönen Wissenschaften zu Philadelphia cintrat, hat einen bemerkenswerten Rekord erreicht, indem er nunmehr sämtliche Preise, die die Hochschule zu vergeben hat, sich erworben hat. Raditz ist jetzt nach Bristol übergesiedelt, wo er Landschaften malt. Ans der Lehrerwett. Breslau. Die diesjährigen Ferienkurse in Religionswissenschaften beginnen Sonntag, den 4. Juli, und dauern bis Freitag, den 23. Juli. Es werden lesen: Seminarrabbiner Prof. Dr. Lewy: 1. Mischna: Sebachim Kap. 5 (6. Borl.), 2. Buch der Gesetze' von Maimonides (6. Borl.), Dozent Dr. Brann: 3. Geschichte der deutschen Juden im 16. und 17. Jahrhundert (6. Borl.), 4. Pentateuch - Exegeß (Patriarchen) (6. Borl.), 5. Methodik und Didaktik des systemat. Religionsunterrichtes mit anschließende» Probelektionen (3. Borl.), Dozent Dr. Horovitz: 6. Religionsphilosophie (Philo) (6. Borl.), 7. Midrasch mit homiletischen Uebnngen (3. Borl.), Rabbiner Dr. Deutsch: 8. Ritualien unter besonderer Berücksichtigung der hohen Festtage (6. Borl.), Rabbiner Fabian: 9. Hebr. Gramatik: Allgemeine Einleitung, über das Verbum mit Uebnngen (6. Borl.), Kapellmeister Elsner: 10. Musiktheorie (für Kantoren) in noch festzusetze;iden Stunden. — Der Kursus ist ' unentgeltlich und steht j ü d. Lehrern und Lehrerinnen allgemein frei. Auswärtigen Teilnehmern werden nach Maßgabe der vorhandenen Mittel Subventionen gewährt. Mit der Leitung des Kursus sind die Kollegen Prediger Karlsberg-Reichenbach und Hauptlehrer Heymann - hier betraut worden. — Neben der wissenschaftlichen Arbeit sollen Annehmlichkeiten mannigfacher Art geboten werden. Die Nachmittage, die von Vorlesungen frei gehalten sind, sollen besonders dazu benutzt werden, Breslaus Museen, gemeinnützige Institute, Sehenswürdigkeiten usw. unter sachverständiger Führung kennen zu lernen. — Anmeldungen zur Teilnahme an dem Kursus sind baldigst an Lehrer Moops - Breslau, Ohlauerstraße 1 zu richten, der gern weitere Auskunft erteilt und den Teilnehmern Wohnung mit und ohne Beköstigung Nachweisen kann. Der Preis eines Zimmers mit Frühstück dürfte sich skr einen dreiwöchentlichen Aufenthalt nicht höher als auf 25 JL stellen. Der allgemeine Studienplan wird den sich meldenden Teilnehmern rechtzeitig zugesandt werden. Die Kommission, welche mit den Vorbereitungen zu dem Kursus betraut worden ist. wird sich freuen, wenn viele ihr Interesse für die Fortbildungsbestrebungen der jüd. Lehrerschaft durch rege Teilnahme an dem Kursus zum Ausdruck bringen wollten. Kronen verfügt, unterrichtete in ihrem abgelaufenen Schuljahre in 47 Schulen 7557 Schüler und in 20 Abendkursen 782 Schüler. A«S den Vereinen. Frankfurt a. M. »Montefiore"-B erein. Sonntag früh 10 Uhr findet für die Mitglieder des „Montefiore"-Vereins eine Besichtigung des Salomonischen Tempels unter sachkundiger Führung zum ermäßigten Preise von 30 Pfg. a Person statt. Treffpunkt: 10 Uhr Allerheiligenstratze 76. Hamburg. Der »Verein für Gesundheitspflege schwacher israelit. Kinder" (Vorsitzender: Ludwig Mathiason) veröffentlicht anläßlich seines 25 jährigen Bestehens einen ausführlichen Bericht. Bekannt ist das von dem Verein im Juni 1904 cröffnete mustergültige Kinderhospiz in Duhnen bei Cuxhaven, das in den vier Jahren 1905—08 von insgesamt 749 Knaben und 608 Mädchen besucht wurde. Der Verein beabsichtigt die Errichtung eines zweiten Hospizes» und zwar in einem Soolbade. Würzburg. Im hiesigen Hotel Goldschmidt fand eine Versammlung gesetztreuer Juden Bayerns statt. Der Saal war dicht besetzt; auch viele Rabbiner waren anwesend. Nach häufig recht stürmischer Debatte wurde die Gründung eines Vereins zur Wahrung der religiösen Interessen des Judentums beschlossen. Als Hauptthema stand auf der Tagesordnung die Revision des Jndenedikts von 1813. Ausführlicher Bericht folgt. Das Ende eines Hanswursts! (9k o v e l l e.) Stratzburg. Die Generalversammlung des Elf. - Lothr. Rabbinerverbandes beschloß eine Petition an die „Kommission des Landausschusses für die Pfarrerbesoldungsvorlage", in der' sie Gleichstellung der Rabbiner mit .den protestantischen Geistlichen verlangt. Es wurde ferner beschlossen, falls sich eine strengere Beaufsichtigung der Mazzosbäckereien nicht durchführen lasse, die Aufsicht ganz fallen zu lassen und dies den Gemeinden bekanntzugeben. Rabb. Dr. Schwarz- Lauterburg hielt auf der Generalversammlung ein Referat über „Religions- und Moralunterricht." Er führte aus: Die Verlangen nach Ersetzung des Religionsunterrichts durch einen «konfessionellen Moralunterricht setzt dreierlei voraus: 1) daß es einen akonsessioncllen Moralunterricht gebe, 2) daß er in die Schulen als Unterrichtsgegenstand cingeführt werden soll und 3) daß er den Religionsunterricht ersetzen könne. Die 3. Voraussetzung ist auf alle Fälle falsch, denn Moral ist nicht gleich Religio». Die 2. Voraussetzung ist nicht unbedingt abzuweisen, falls nur „akonfessionell" nicht als „antikonfessionell" aufgcsaßt werde; dann aber müsse Religionsunterricht neben dem Moralunterricht erteilt werden. Die Hauptfrage aber bleibt, ob ein akonfessioneller Moralunterricht niöglich ist. Es frage sich dabei zunächst, ob es eine akonfessionelle Moral gebe? Utilitarismus und Eudämonismus könnten dabei nicht in Betracht kommen, ernsthafter sei das Kantische System, das übrigens ohne religiösen Abschluß nicht auskoinnlt. Kant fordert auch zuerst Moralunterricht. Es frage sich aber weiter, wie eine solche Moral gelehrt werden solle. Es gibt hierfür ' zwei Versuche, a) Kant gibt selbst «ine Anweisung dazu. Nach Verlesung eines Musterbeispiels, wie einem zehnjährigen Knaben ein sittlicher Begriff beigebracht werden soll, kommt der Redner zu dem Schlüsse, daß durch verstandesniäßiges Räsonnieren keine moralischen Uebcrzcugungen erzeugt werden können, sondern nur durch Gewöhnung (Chinilch). Darum haben, wie bereits S. R. Hirsch dargelegt habe, alle Unterrichtsfächer, selbst die Mathematik der sittlichen Erziehung zu diene», hauptsächlich aber der Religionsunterricht, b) Verwirklicht wurde der Moralunterricht in Frankreich seit der Einführnng der allgemeinen Schulpflicht im Jahre 1882. Das französische Experiment ist aber eben nur ein Experiment, ein Notbehelf, entsprungen der Logik der Franzosen, die die allgemeine Schule auch für alle allgemein benutzbar machen wollte. Das Experiment ist aber ohne praktischen Wert; es ist auch nicht ein Schulbuch geschaffen worden, von dem man behaupten könne, es erfülle seinen Zweck. Die Frage, ob Moral¬ oder Religionsunterricht zu erteilen sei, könne, so schließt 5er Redner nur dahin beantwortet werden, daß der Religionsunterricht allein zum Ziele führe. Wien. Die Baron Hirsch-Stiftung zur Förderung des Bolksschulunte'rrichtes in Galizien und der Bukowina, die über einen Jahres -Ausgabeetat von 677 000 (Schluß). Jahre vergingen. Ich war in der Fremde gewesen und hatte Wolf eine Weile aus den Augen verloren. Als ich zurückkam, war ich nicht wenig überrascht zu hören, daß er sich inzwischen verheiratet hatte. Die greise Mutter und die sonstigen Angehörigen Wolf's hatten geglaubt, daß es kein anderes Mittel gäbe, aus ihm ein brauchbares Mitglied der Gesellschaft zu machen, als: eine gute Heirat. Und trotzdem Wolf gar nicht in der Lage war, eine Frau zu ernähren, trugen sie doch kein Bedenken, für ihn auf die Freite zu gehn. Man tröstete sich über seine Mittellosigkeit mit den Worten: Der liebe Gott wird schon alles zum besten wenden. Dann war's wieder die ewig neue Geschichte: ein ältliches Mädchen, das da glaubt, das Glück gegriffen zu haben. Wolf's vergoldeter Zwicker und die abgedroschene, geistreich verbrämte Scchsgroschenweisheit. die er für solche Gelegenheiten parat zu halten pflegte, hatten auch hier Eindruck gemacht. So füllte man denn die Gläser mit Wein, nm auf eine glückliche Zukunft zu trinken. Daß der Bräutigam es trotz seiner 42 Jahre noch zu keiner Existenz gebracht hatte, bedachte die Braut nicht. Vielleicht wollte sie es auch nicht bedenken. Der Mensch ist ja bekanntlich dasjenige Lebewesen, das die Hoffnung bis zum Grabe fortpflanzt. Glückliche Zukunft! Wie oft haben schon Sterbliche in gleichen Augenblicken das gleiche Wort auf den Lippen gehabt. Die Stube ist' vom Kerzenschein erfüllt, und Scheiben und Jalousieen halten den Nachtwind ab, der in seinem Aerger wimmernd in den Kamin fährt. Aber niemand hört seine langgezogenen, nnheilschwangern Töne. Das Lachen — jenes menschliche Lachen, in dem Angst und Hoffnung und Glaube und Glück zu einer zitternden Harnronie zusamnrenklingen, hat sie erstickt. Inzwischen fängt es an zu regnen — stärker und immer stärker. Die Nacht weicht, der Tag setzt seine tausend Räder von neuem in Bewegung, und mählich — allmählich beginnt die Zukunft sich aufzurollen. Und sie ist oft, ach so oft — nicht glücklich. Es erwies sich sehr bald, daß die Spekulation der Wolf'schen Familie verfehlt war. Mau kuriert eben nicht den eingefleischten Hang eines Menschen zum Schwätzen und Nichtstun dadurch, daß man ihm eine Frau gibt. Wolf blieb der alte. Freilich: die erste Zeit nach seiner Heirat war er voll tausend guter Vorsätze und ging mit einem wahren Feuereifer daran, sie auszuführen. Ein paar Tage sah man ihn im Bratenrock und Chapeau claque durch die Straßen der Stadt rennen. Er rannte hier und rannte dort, aber ehe man sich's versah, hatte er das Rennen bereits aufgegeben, um wieder das zu werden, was er bisher gewesen war: die Stadtpost. Daheim aber, in den zwei armseligen Stübchen, die er bewohnte, saß eine junge Frau 4785