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Neue jüdische Presse · 1909-05-07 · Heft 17 (7.5.1909) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
7 (1909)
Issue
Heft 17 (7.5.1909)
Date
1909-05-07
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Ente 10. Frankfurter Israelitisches FamüienLlaL Nr. 17. feiner Todesnot, iwch keine halbe Stunde, bevor er seine reine Seele auSgehaucht hat. Da ist meine fromme Mutter über fein Bett gefallen, ihre Tränen find geflossen, und sie hat zu ihm gesagt: „Mein lieber Eidam, wollt Ihr mir nichts sagen oder befehlen?" Hat er geanüvortet: „Ich weiß nichts zu sagen oder zu befehlen, als tröste mein betrübtes Glückelchen." Damit hat er weiter kein Wort reden wollen, wie an anderer Stelle schon weiter folgen .wird. — Wer ist nun mein Tröster? Wem soll ich nun meine bittere Not klagen, und wohin soll ich mich wenden, an wen lehren. Ich versauf leider jetzt fast in meinen Nöten und schweren Gedanken. Wir haben ja manche Widerwärtigkeit gehabt, gleich der folgenden. Auch ist ein großer Kummer gewesen, den der große, gütige Gott mit 'Gnade und Barmherzigkeit bald von uns gewendet hat. (Fortsetzung folgt.) Bericht von Fräulein Bertha Pappenheim, 1. Vorsitzenden des Jüd. Franenbundes, über ihren Aufenthalt in Rumänien. (Schluß). Volles Verständnis für alles, was ich vorzubringen hatte, fand ich in Galätz bei den Damen?rau Mendel-H alford und Frau Conful lchmierer, ebenso bei Frau Orenstein und trau Glaser, die versprach, zur Bildung eines omitees Herrn Glaser zu interessieren, der in seinem filmt als Jnspekor der Donaudampsfchisfsahrt unserer Sache unschätzbare Dienste leisten kann. Der Handel geht natürlich den abgelegenen und weniger kontrollierten Wasserweg, oft auf Frachtschiffen, und es wird bei den Konferenzen immer wieder auf die Notwendigkeit einer Schiffsmisfion hingewiesen werden müssen. Galätz ist eine jüdische Gemeinde und besitzt außer den Schulen Wohlfahrtsanstalten, die sowohl der Opferwilligkeit als dem Verständnis der Gemeinde ein schönes Zeugnis ausstellen. Bemerkenswert als Bau und durch seine Einrichtung ist das unter der Leitung von Dr. Feldmann stehende Hospital, dem nur eine Oberin und geschultes weibliches Pflegepersonal fehlt,' um es zu einer vorbildlichen Anstalt für das ganze Land zu machen. Die Krankenpflege als Beruf für die gebildete Frau ist im ganzen Lande gänzlich un- , bekannt. Auch ein Asyl für Alte und Einrichtungen für Kinderspeisung sind schön. Hervorragend ist die Mädchenschule, deren Neubau durch Mittel der Jca ausgefuhrt ist und wo leider die Beschränkung der Kinderzahl auf 250 nur durch die Beschränkung der Mittel geboten ist. Frau Mendel vermittelle mir >wch eine Rücksprache mit dem Stadtpräfekten Herrn Gussi, ebenso mit dem Gemeindevorstand Herrn Gottes- - mann und dem bekannten Vertreter des Zionismus Herrn Pineles, und so hoffe ich, daß sich aiuh die maßgebenden Kreise von Galatz bald zu einem Komitee für eine Auskunftsstellc zusammenfindeü werden. Der wiederholten Aufforderung, solange in der Stadt zu bleiben, bis die Konstituierung eines Komitees erfolgt, konnte ich natürlich nicht Nachkommen. Am 13. März kehrte ich wieder nach Bukarest zurück und hatte die Freude, am 14. morgens die Mittellung zu bekommen, daß ich noch am selben Tage zur Audienz bei der Königin erscheinen solle. Es waren für mich höchst interessante lVa Stunden, die die hohe Frau in anregendstem Gespräche mir zu widmen geruhte. Eine Frau, gütig, klug, liebenswürdig, von feinem sozialen Empfinden beherrscht, ist Königin Elisabeth von Rumänien diejenige, von der für das ganze Land die Jniative werktätiger Hilfe in modernem Sinne ausgeht, und nach kurzer Zeit, die man in dem Bann der Persönlichkeit Carmen Silvas steht, findet inan die Begeisterung begreiflich, die ihr aus allen Schichten der Bevölkerung entgegengebracht wird. Die Königin versteht ebenso gut zu fragen als sprechen, und mit großem Geschick steuerte sie das Schifflein unserer Konversation, die die hervorragendsten Punkte des modernen Frauenlebens berührte: Mädchenhandel iin Zusammenhang mit Erziehungsfragen, Fraucnkleidung, Frauenstimmrecht, Mutterschutz, Wohlfahrtseinrichtungen jeder Art, Abolition, Älkoholismus und vor allem die Judenfrage. Wenn die Königin Einiluß auf die Politik hätte, die vorläufig in Rumänien ein Reservat der Männer ist, dann würbe den rumänischen Juden sicher mehr Gerechtigkeit zuerkannt werden. In den sozialen Einrichtungen, die der Initiative und dem Einfluß der Königin unterstehen, duldet sie keine konfessionelle Unduldsamkeit. Ihre Lieblingsschöpfung ist das Blindenheim „Baträ luminoasa Elisavcta", die zukünftige Blindenanstalt. Bis heute fanden 153 Blinde Aufnahme, darunter 17 jüdischer Konfession, und 3 jüdische Blindenlehrer unterrichten. Die Königin selbst sagte mir, daß diejenigen jüdischen Blinden, die Wert daraus legen, aus einer jüdische» Restauration beköstigt werden. Bei dem, wie die Königin selbst sagte, „brennenden Interesse", das sie längst den verschiedenen Teilsragen entgegenbrachte, die in der Bekämpfung des Mädchenhandels zusammenlaufen, glaube ich zuversichtlich, daß die Petition des jüdischen Frauenbundes der äußere Answß dazu gewesen sein wird, daß man sich auch in Rumänien offiziell zur Bekämpfung des Mädchenhandels bekennen wird, und wenn ich auch immer wieder hören mußte, wie sehr zu unserer Schande Juden an dem Markte beteiligt sind, so dürfen wir jüdischen Frauen auch mit einer gewissen Befriedigung konstatieren, daß wir anfangen, auf dem Wege der Bekämpfung des Mädchenhandels Erfolge zu erringen, indem wir unerschrocken für Recht und gute Sitte eintreten. Aus de« Vereine«. Frankfurt a. M. Dienstag Abend fand im kleinen Saal der Börse eine Mitgliederversammlung des „Zentral-Bereins israel. Gemeindemitglieder" statt. Auf der Tagesordnung stand: 1. Der Entwurf eines Gesetzes betreff, die Verfassung der jüdischen Gemeinden Preußens. 2. Wahl eines Delegierten zum il. Deutsch-Israel. Gemeindetag. Dr. W. H a n a u e r, der Referent des Abends, sagte in seinen einleitenden Worten, daß eine einheitliche Verfasung der Gemeinden dringend not tut. Schon der Umstand, daß in Preußen ein Dutzend Rechtsordnungen für die jüdischen Gemeinden existieren — Frankfurt (französisches Recht), Schleswig-Holstein (dänisches Recht) etc. — beweist dies zur genüge. Was nun den vorliegenden Entwurf, der sich aus 133 Paragr. zusammcnsetzt. betrifft, so enthält derselbe besonders zwei Kardinalfehler: der eine, das; er weiten Massen das Wahlrecht ninmit und den Gutsituierten ein vielfaches Recht — ihrem Beitrag zur Gemeindekasse gemäß — gibt; der andere, das Recht der Einmischung in religiöse Dinge, welches Recht der jüdischen Oberbehörde in der Person des Provinzialgemeinde- und Landcsgemeinde-Borstandes eingeräumt wird. Redner kritisiert noch manchen Paragraphen und schließt damit, daß der Zentralverein sein Einverständnis zum Entwurf nur dann geben könne, wenn die Fehler — besonders die zwei oben erwähnten — beseitigt werden. — Das gründliche und gut ausgearbcitete Referat fand allseitigen Beifall. In der Diskussion sprachen u. a. Stadtverordneter Fromm und Moritz A. Löb, ersterer im Sinne des Referenten, letzterer verneinend. Alsdann wurde kolgende Resolution verlesen: „Der Zentralverein israelitischer Gemeindemitglieder in Frankfurt a. M. erblickt in dem Entwürfe des Gemeindebundes eine brauchbare Grundlage zu einer Verständigung über die Verfassung der jüdischen Religionsgemeinschaft in Preußen, muß aber feine endgültige Zustimmung davon abhängig machen, daß 1. das Gesetz jede Einmischung der Provinzial- und Landesgemeinde in die religiösen Angelegenheiten der Einzelgemeinden vermeidet; 2. daß alle Bestinnnungen aus deni Entwürfe ausgenierzt werden, tvelche das Wahlrecht der Gemeindemitglieoer zu schmälern geeignet sind; 3. daß innerhalb der Einzelgemeinden durch gesetzliche Festlegung d es Proportionalwahlrechtes für die Wahrung der Rechte der religiösen Minderheiten gesorgt wird und daß in allen Gemeinden, in welchen sich Anhänger verschiedener religiöser Richtungen befinden, auf Antrag der Anhänger der einen Richtung die Einführung von Kultuskommissiouen zu erfolgen hat, wie sie in Paragr. 126 des Entwurfs für Frankfurt a. M. vorgesehen sind." Die Resolution fand einstimmige Annahme. Die Versammlung beschließt darauf einstimmig. Herrn Dr. W. Hanauer als Delegierten nach Berlin zu entsenden. Köln a. Nh. Die Cbewra .Talmud Tora" hielt am vergangenen Sonntag nach 4 jähriger Pause die Generalversammlung ab. Es ergibt sich aus dein Rechenschaftsbericht des Vorstandes, daß der Verein gegenwärtig 120 Mitglieder zählt. Die Schiurim waren im allgeineiiien sehr gut besucht. Der vom Verein erteilte Jugendunterricht dürfte in absehbarer Zeit die Anstellung einer Hilfskraft zur Erteilung eines Teils der Stunden notwendig machen. Der Etat beträgt annähernd 3200 JL, das Vermögen über 10000 JL Ben Jair. (b) Stratzburg, 4. Mai. Gestern Abend fand hier die Generalversammlung des Jüd. Literaturvercines statt. Trotzdem die Verfammlung nur spärlich besucht war, entwickelt? sich eine heftige Debatte. Die Ursache hierzu war die, daß ein Koniiteemitglied die Auslösung des Vereins beantragte, trotzdem der Verein noch über achtzig Mitglieder zählt und über 1000 JL Baarvermögen besitzt.. Die Indifferenz der Mitglieder, und der maßgeblichen Persönlichkeiten lasse wünschen, daß die jährliche Beiträge einem besseren Zweck zugeführt werden mögen. Diesem Anträge wurde stürmischer Protest ciitgegenesetzt, und es wurde erreicht, daß daS neue komitee versprach, sein Mögliches zu leisten, uin der Verein u lü dautour zu bringen. Personalien. Frankfurt a. M. Der in weitesten Kreisen der hiesigen Judenheit bekannte und hochgeschätzte Herr Jacob S. Posen, hate dieser Tage zum 5000. Male die heilige Handlung der Brith- Miloh vollzogen. Zahlreiche Gratulationsfchreiben und -Depeschen — darunter von den Vorstandfchaften der hiesigen beiden Synagogengemeinden — liefen aus diesem Anlaß bei dem Jubilar ein. Grotzkrotzenbnrg. Hirsch Hirschmann erhielt anläßlich seines Scheidens aus dem Ehrenamte als Synagogengemeiudc-Aeltester das Allgemeine: Ehrenzeichen. Die Gemeinde ehrte ihn durch einen Fest-Gottesdienst. Koschmin. Zu Repräsentanten der jüd. Gemeinde wurden gewählt: Sanitätsrat Dr. F u ch.s, Kaufmann Glocke Justizrat Kantor»- wicz und Kaufmann Stecke!. Aus der Lehrerwett. Frankfurt a. M. Vakanzen. Kirf, Bezirk Trier (120 jüd. Seelen, 750 Einwohner), Kantor und RcligionSlehrer. Ca. 1300 JL Einkommen, freie Wohnung etc. — Diersburg i Baden (63 jüd. Seelen, 1039 Einwohner), Vorbeter, Lehrer und Schächter per bald. Ca. 1200 JL Einkommen und freie Wohnung. Meld. Dr. M. Rawicz, Offenburg. — München, Tenorist für Synagogenchor per 1. September. Meld. Verwaltung der israel. Kultusgemeinde. Lüneburg. Der am 1. April in den Rubestand;etretcnc Lehrer Philipp erhielt den Adler der Inhaber des Hausordcns von H 0 h e n z 0 l l e r n. Nikalaiken lOswr>. Die Regierung bewilligte der hiesigen jüd. Gemeinde eine ährliche Beihilfe von 500 JL zur Antellung eines seminaristisch gebildeten Rcligionslehrers. Hainsfarth. Eine erhebendeFeier fand am 3. Mai hier statt, welche sicher allen Teilnehmern in unvergeßlicher Erinnerung bleibe» wird. Aus Anlaß seines 50 jährigen Dienstjubiläums wurde Herrn Hauptlehrer Fried mann für seine in 50 Jahren mit Treue und Eifer geleistete Tätigkeit vom Prinzregenten die Ehrenmüuzc des k g l. L u d w i g 0 r d e n s verliehen. Die Ueberreichung erfolgte durch den Kgl. Bezirksamtmann des Kreises Nördlingen in Gegenwart des Distrikts¬ und Lokalschulinsvektors, des Distriltsrabbiners, der politischen und israelitischen Verwaltung der Gemeinde Hainsfarth, der Lehrer des Distrikts Ottingen, der Schuljugend und vieler anderer Teilnehmer; auch die Kinder des Jubilars waren zum Teil aus weiter Ferne zu dieser Feier herbeigekomnien. Anerkennende und ehrende Worte von seiten der Vertreter der Behörden wurden dem pflichttreuen Wirken des Jubilars gerecht, während die Kollegen in Rede und Gesang seine mannigfachen Verdienste priesen. In tiefer Ergriffenheit dankte der Jubilar für die ihm erwiesene Ehre, sowie für alle Kundgebungen und schloß mit einem Hoch auf den Prinzregenten. Möge sich der allseits beliebte Jubilar, noch viele Jahre dieser ihm zu teil, gewordenen Auszeichnung in körperlicher und geistiger Frische erfreuen! Wilna «Rußland). 4. Mai. Heute winde hier eine R a b b i n e r k 011 f e r e n z eröffnet. A«s der zio«istische« Bewegung. Frankfurt a. M. Die G e n e r a l v e r s a m mlnng der Z i 0 n. Vereinigung wählte zu Vorstandsmitgliedern: Rechtsanwalt Dr. Siegfried S ch w a r z s ch i l d (1. Vorsitzender), I. L. Goiteiu (2. Vorsitzender), Saly Geis, MartinLcvigard.Ä. Lewisohn Jos. Oppenhei m e r und Fritz S 0 n d h e i m e r. Frankfurt a- M. Die Rationolfondsk0 m m i s s i 0 n der hiesigen Zion. Bcre'i nigung vereinnahmte in ihrem letzten Berichtsjahre: Inhalt von 145 Büchsen 490 JL, Oelbaunispciiden 276 JL, gelegentliche Spenden 255' JL, Ablösungen der Roschyaschonoh-Glückwünschc 145 JL und Erlös aus Materialien 33 JL Warschau. Ein fortschreitendes Wachsen des Interesses für Palästina ist im jüdischen Publikum allerorten zu bemerken. In vielen großen und kleineren Städten haben sich Gesellschaften zur Auswanderung nach Palästina gebildet, so in Wilna, Witebsk, Bervczew u. a. m. In einer Versammlung nahm eine reiche jüdisch? Dame ihr kostbares Geschmeide von fich und stellte x s dem Fonds zum Bodenanka 11 f in Palästina zur Verfügung. Bnnte Chronik. E i n. M e ii u. Durch einen bekannten Frankfurter Philanthropen wird uns ein geschmackvoll ausgestattetes, in

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