Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 7 (1909)
- Issue
- Heft 16 (30.4.1909)
- Date
- 1909-04-30
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite iO Frankfurter Israelitisches Famüicnblatt- Nr. 16. Freundschaft gewährendes Herz verliehen, das sich in seiner reichen Pracht ganz besonders dann entfaltete, wenn es sich Gleichgesinnten erschließen konnte. Die relativ geringe Zahl mit ihm religiös Gleichdcnlender an der Stätte seiner Wirksamkeit und die daraus resultierende häufige Fruchtlosig, keit seines Eintrelens für orthodox-jüdische Ansorderungen empfand er stets schmerzlich, und mit wehmütigem Neid blickte. er auf die Erfolge des gesetzestreuen Judentums in Frankfurt a. M. War er auch Schüler Frankels, von dem er. stets nur mit Verehrung sprach, so hatte er doch volles Verständnis für den abweichenden Standpunkt und die Größe und Bedeutung eines Samson Raphael Hirsch, in dessen Jdcengang er sich immer mehr einzuleben verstand. Wer will ihm, der in seiner nächsten Umgebung Fundamente wanken sah, verarge», wenn er manches, wofür man sich anderwärts erhitzte, als „Kirchturmspitzcn-Politik" empfand, und wie leicht begreift sich's, daß der Mann, welcher glücklich war, in seiner Klasse einen Schüler zu finden, den er vom Schreiben am Schabbds dispensieren konnte — ach wie selten wollte einer davon Gebrauch machen — gegenüber dem Großen, das er in Gefahr sah und das cs zu erhalten galt und gilt, manchen Streit im gesetzestreuen Lager um relativ kleine Fragen schmerzlich bedauerte'. Wer aber das Wesen Prof. Badt's, losgelöst von allen beruflichen Schlacken, so recht kennen lerne» wollte, mußte ihn in seinem geliebten Norderney sehen, wo er seit vielen Jahren seine Ferien regelmäßig verbrackste und Natur kneipend Erholung von seiner anstrengenden Berufstätigkeit suchte und fand. Aber bei allem Nuhebedürsnis fehlte er auch da niemals beim täglichen Morgen- und Abendgottcsdienst, wie er denn als Mitglied des Curatoriums der Norderneyer Synagogen-Verwaltung seit Jahren an der Seite Landrabbiner Dr. Loeb's- Emden, für die Erhaltung und Verschönerung des Gottesdienstes energisch wirkte. Die schon längst wünschenswerte Vergrößerung der primitiven Norderneyer Synagoge, ebenso die immer gebieterischer sich als notwendig erweisende Errichtung einer jüdischen Leichenhalle daselbst, lagen ihm sehr am Herzen und cs war ihm ein schmerzliches Gefühl, daß von den vielen tausenden Glaubensgenossen, welche alljährlich auf der schönen Insel Ruhe und Kräftigung fanden, nur verhältnismäßig Wenige zur werktätigen Acithilfe für jene wahrhaft edlen jüdischen Aufgaben gewonnen werden konnten, wie er es überhaupt beschämend empfand, daß so mancher, wohlhabende Glaubensgenosse zwar von den synagogalen Einrichtungen — wenn auch nur zur Ableistung des Jahrzeits-Kaddisch — gerne Gebrauch machte, cs aber nicht als Ehrenpflicht betrachtete, in Ermangelung einer Jnselgemeinde und in Ernrangclung eines entsprechenden Fonds, ein angemessenes Scherflcin zu den Kultuszwecken - beizusteucrn. So .hat der Heimgang Prof. Badt's auch in die Schaar der alljährlich auf Norderney weilenden gesetzestrcuen Glaubensgenossen eine schmerzliche Lücke gerissen, und überall wo nur einer derselben weilt, wird ihn die Kunde, daß dieses „jüdische Wahrzeichen" von Norderney geschwunden sei, mit aufrichtiger Trauer erfüllen. In der nie schwindenden Erinnerung Aller, die im Leben ihm nahestanden, wird aber das Bild Prof. Badt's weiterleben, als dasjenige eines Mannes, eines Charakters, einer Persönlichkeit reinster, edelster Prägung. Lecker Zaddik Liwrochoh! Aus der zionistischen Bewegung. Hamburg, In der Generalversammlung der zionistischen Ortsgruppe Hamburg- Altona erstattete der Vorsitzende Herr Dr. Kalmus den Jahresbericht, nach welchem im verflossenen Geschäftsjahr 26 neue Mitglieder der Ortsgruppe beigetreten sind. An der Diskussion über den Jahresbericht und die Bilanz beteiligten sich Moritz Goldschmidt, Abraham, Dr. Victor, Dr. Halpern und Estermann.. Sodann entspann sich eine lebhafte Diskus - sion über die Tätigkeit der Ortsgruppe. An der Aussprache beteiligten sich Abraham, der eine kräftige Agitation, beispielsweise durch Veranstaltung von Volksversammlungen anregt, Referendar Oskar Nathan, der sich ausführlich über die geleistete Arbeit verbreitet und eine Propaganda im größeren Maßstabe wünscht, Referendar Möller, der die Agitation durch Ausnutzung persönlicher Beziehungen und Bekanntschaften für aussichtsreich hält, Dr. Halpern, der ebenso wie Dr. Victor strengste Reserve heim Schekelverkauf verlangt. Dr. Victor sowohl wie Estermann sind der Meinung, daß bei der augenblicklichen Situation durch Volksversammlungen keine nennenswerten Erfolge erzielt werden können. An der Diskussion beteiligten sich ferner Joseph Goldfchmivt, Michael, Moritz Goldschmidt, Heinrich Mayer, Dr. Kalmus. Sodann fand ein Antrag des Vorstandes Annahme, das Geschäftsjahr (statt wie bisher von April bis April) von Oktober bis Oktober laufen zu lassen. Bei der sodann folgenden Vorstaudswahl wurden Dr. Kalmus zum Vorsitzenden, S a m u c l Cohen zum Kassierer, Rechtsanwalt David zum Schriftführer, Dr. Chwolles, Estermann, Dr. Halpern, Dr. Huldschiner, Frau Huldschiner, Dr. Victor zu Beisitzern gewählt. Lemberg. Die Zion Landeskonferenz wurde am 18. April in Anwesenheit von 184 Delegierten aus 75 Städten eröffnet. Die Verhandlungen waren hauptsächlich der Frage der Landespolitik gewidmet. Nach einer sehr lebhaften Debatte wurde mit Zwcjdrittelmajorität der Beschluß gefaßt, den alten Kurs beizubehalten, d. h. im Wege ein und derselben Organisation sowohl die zionistische Agitation als die jüdisch-nationale Landespolitik zu betreiben. In einem Briefe, den Abgeordneter Dr. Straucher an die Konferenz richtete, empfiehlt er derselben, von der Schaffung einer besonderen politischen Organisation abzusehen. Aus den Vereinen. Frankfurt a. SB., 28. April. Für alle die. jcnigen, denen bei einem etwaigen Todesfälle sofortiges flüssiges Geld gut zu statten kommt, kann nicht dringend genug auf die Notwendigkeit hingewiesen werden, der „I s r a e l. W o h l f a h r t s - lasse" beizutrcten, die gegenwärtig bei einem Jahresbeiträge von 10 JL 500 JL Sterbegeld ausbezahlt. Wie wir aus dem Berichte, der auf der 'gestrigen Generalversammlung erstattet wurde, entnehmen, hatte der Verein am 31. Dezember 368 ordentliche und 61 außerordentliche Mitglieder und verfügte über ein Vermögen von 26 856 M Seit der Gründung des Vereins sind 60 000 M an die Hinterbliebenen verstorbener Mitglieder ausgezahlt worden. Die Generalversammlung wählte die ausscheidenden Vorstandsmitglieder Max G. Adler (Vorsitzender) und David Kaiser wieder und für den eine Wiederwahl ablehnenden Herrn Daniel A. Worms Herrn Jos. B. Levy in den Vorstand. Meran. Verein Asyl für mittellose, kranke Israeliten. — Am 23. Januar 1909 fand die Einweihung des neuen Hauses statt» am 26. d. M. wurde das Genesungsheim mit Kranken belegt. Vom 26./1. bis 1./2. wurden 60 Pfleglinge ausgenommen, vom 1. bis 15. Februar weitere 24, sodah zu diesem Termine das Asyl vollständig belegt war. Unter den 84 Pfleglingen waren aus Böhmen 12 (hiervon 9 aus Prag), aus Deutschland 17, aus Wien 33, aus Mähren und Schlesien 11 (davon 4 aus Brünn), die übrigen Kranken rekutierten sich aus Galizien, Ungarn, Steiermark und Rußland. Dem Stande nach waren 40 Handelsangestcllte, die übrigen verteilten sich auf Lehrer, Techniker, Schlosser,' Tapezierer, Marqueure, Maler. Diamantenschleifer, Schneider, Schneiderinnen, Erzieherinnen, Modistinnen Sängerinnen Lehrerinnen usw. Verheiratet waren davon 15, die Pfleglinge standen im Alter von 15% bis 50 Jahren. Aus dieser vorläufigen Statistik, die wir wenn inöglich monatlich veröffentlichen wollen, ist zu ersehen, daß aus allen Ständen, aus allen Altersstufen und aus allen Ländern in unserem Heime Hilfe gesucht wird.?iür die Verpflegung, welche aus 7 Mahlzeiten t, für die Wartung, Bedienung, Beheizung usw. haben wir einen Aufwand von ca. 90,000 Kr. zu bestreiten^ hiervon sind ca. 50,000 Kr. ungedeckt. Wir mußten, um unsere Baurechnungen zu bezahlen, den Betrag von 150,000 Kr. auf unser Haus aufnehmen und müssen auch diesen Betrag verzinsen und amortisieren. Wir sind daher auf die Subventionen aller Vereine, sowie auf die wohltätige Hand aller Glaubengenossen angewiesen. Adresse für Geldsendungen: Verein Asyl für mittelose, kranke Israeliten in Meran oder Dr. Wilhelm Hersch, Meran, Winkelweg. Aus der Lehrerwett. Frankfurt a. Dder. Martin Salomonsk^ von der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin wurde zum Rabbiner der hiesigen jüd. Gemeinde gewählt. Stuttgart. Ein Erlaß des Israel. Oberkirchenrates stellt es den Rabbinern frei, in der Halle des Krcmatoriuins bei Leichenfeiern ihres Amtes zu walten. Köln, 27. April. Das jüdische Lehrernar zu Cöln beabsichtigt eine Statistik aller aus seiner Anstalt hervorgegangenen Lehrer und Beamten zusammenzustellen. Es werden daher sämtliche, ehemaligen Zöglinge der Anstalt gebeten, dem Seminar baldmöglichst ihre jetzige Adresse, sowie eine kurze Notiz über die bisher innegehabten Stellungen mitzuteilen. Briefkasten. „Mehrere Abonnenten." Anonyme Anfragen müssen prinzipiell unbeantwortet bleiben. Uebersetzungen In alle Sprachen. Nationale Lelirkriifte. Kaiserstrasse 31. Mr .Percy Gill’s Institut Bereius-Kalerrder. Samstag. Verein „Me kor Chajim" Schützenstraße 2, 4% Uhr: Mikro-Vortrag (Professor A. Weyl). — Hatchio, 5 Uhr: Das Schwinden des jüdischen Idealismus. Sonntag. Verein zur Wohltätigkeit, Allerheiligenstr. 34, 2% Uhr: Generalversammlung. Montag. „Misrachi" - Ortsgruppe, Langestr. 26, 8% Uhr: Gibt es ein von der Thora losgelöstes Nationaljudentum? (Rabb. Dr. Kahn, Eßlingen); Generalversammlung. Verein Mekor-Chajim, E. B. LehrPlansürdasSommersemester. Gemara: Sonntag Morgen 9 Uhr und Dienstag Morgen 7% Uhr, Herr Rabb.-Ass. G. Posen. Gemara: Montag Abend 8% Uhr und Mittwoch Wend 8% Uhr, Herr Dr. Joseph Breuer. Mischnah: Sonntag Morgen 7% Uhr und Dienstag Abend 8% Uhr, Herr Rektor B. Falk. Mikroh: Samstag Nachmittag 4 Uhr, Mitglieder- Vortrag. Schulchatt-Aruch: Samstag Vormittag nach Schluß der Synagoge Friedberger Anlage, wenn weder Predigt noch Vortrag des Herrn Rabbiners stattfindet, Herr Rektor B. Falk. Elementar-Kursus in Chumesch rc.: Samstag Mittag 12 Uhr, Mitglieder des Vorstandes. Sudowehr verhütet jede übermässige Schweissabsonderung. Friedr. Ad. Schmidt Nacht. Inh. Apotheker W ehr, Opernplatz 4. - Telephon 1049. —:- Ludwig Ross, Architekt Bureau kür Architektur und Bauausführung. mmmmmam Kaiserstrasse 21!• Moderne Umbauten — Innenausbau — Taxationen — Kunslgewerb- Telephon 10 710. liehe Entwürfe. Telephon 10710. Spezialgeschäft für frische Blumen. Pflanzen, Dekorationen und Blumen - Arrangements. Henny Ehrhard-Vogel, im Neubau des Kaufmann. Vereins, Ecks Eschsabairaer Anlage und Oederwes. . Telepbon 747. Telephon 747. Konditorei nnd CM J. Buntenbach Allerheiligenstrasse 30. Inhaber: Heb. Mayor. Telephon 7248. . Eis — Torten — Kuchen — Gebäcks etc. . Stets frische Ware. — Billigste Preise. — Bestellungen erbitte rechtzeitig.