Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 7 (1909)
- Issue
- Heft 15 (23.4.1909)
- Date
- 1909-04-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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**,f „ M llr. 15 fe FraMarter UmeliMm lamiMaffes. Jas JUSauneineut auf dos FrMs. tfraeC. JFaiiWCatt für Mai/Jutti kostet nur 60 Pfennig (und 8 Pfennig Bestellgebühr). Sämtliche Pastanstalten des In- und Auslandes nehmen Abonnemets «ntgegen. Der laufende Roman wird von der Geschäftsstelle des Frankfurter Israel. Familienblattes gern kostenfrei nachgeliefert. Aus aller ZZVeir. Deutsches Reich. Frankfurt a. SR., 22. April. Nach einjähriger Pause hat sich der Vorstand der israelit. Gemeinde wieder zu der Oeffentlichkeit der Ausschutzsitzungen entfchlofscir. Gestern war zum ersten Male wieder eine Ausschußsitzung der i s r. Gemeinde. Es lag der Etat vor. Der Voranschlag sieht für das Ordinarium in Einnahme und Ausgabe 572 000 Mark (1008: 517 000 JL) vor. Unter den Einnahmen befinden sich 413 000 JL Kultusstcnern, unter den Ausgaben 102 000 JL Zuschuß für das Philanthropin. Das Extraordinarium ist mit 778000 JL veranschlagt, darunter 272 000 JL für den Neuban der Westcnd-Synagoge, 95 000 JL als letzte Baurate der Realschule, 410 000 JL für den Terrainerwerb des neuen Hospitals, Stratzenherstelluug und Bauvorarbeiten. Der Etat wurde genehmigt und der israelit. Religionsschulc ein unverzinsliches Darlehen von 5000 Mark bewilligt. Personalien. Frankfurt a. M. In hohem Alter verschied Herr K. Michaelis, einer der wenigen, die jüdische Lebensführung mit einem hervorragenden jü> bischen Wissen verbinden. Herr Michaelis kam vor etwa 40 Jahren aus giußland nach Frankfurt und wurde hier Talmudlehrer im Hause Direktors Dr. Mendel Hirsch s. A. Von seinen damaligen Schülern nehmen heute verschiedene eine angesehene Stellring irr der jüdischen Welt ein (Philipp Schiff-Frankfurt, Professor Dessau-Perugia, Moritz Prinz-Amsterdam). Als die Verhältnisse in Rußland besser wurden, kehrte er nach dorten zurück. Seine erste Frau, eine geborene Frankfurterin, starb irr Rußland, und er heiratete dann aus der berühmten Familie Straschun. Die Revolutionsjahre zwangen ihn, wieder nach Frankfurt znrückzukehren, und hier verlebte er die letzten Jahre seines Lebens. Der Verblichene zeichnete sich durch eine harmonische Vereinigung von Gefühl und Verstand aus. Er galt als sehr klug und stand vielen mit Rat und Tat. hilfreich zur Seite. In Wilna wurde er in schweren Fällen als Baurer (Schiedsrichter) häufig in Anspruch genommen. Von seinen, jüdischen Wisfen machte er nicht gern materiellen Gebrauch. Er war in seinem bürgerlichen Berufe ein fleißiger, ungewöhnlich reeller Kaufmann und erfreute sich wegen all seiner guten Eigenschaften allseitiger Liebe und Achtung. Berlin. Dr. Heinrich Loewe wurde zum Bibliothekar an der Universitätsbibliothek befördert. — Der Verfasser des Schauspiels „Der Brief des U r i a", der sein an der Neuen Freien Volksbühne zur Erstausführung gelangtes Werk mit dem Pseudonym E. Bernhard deckt, ist der Prediger Dr. Emil Cohn -Kiel, früher Berlin. Freienwalde a. Lder. Herr Louis Simon, der mehr als 50 Jahre der Repräsentanz der isr. Gemeinde angehörte, ist g e st o r b e n. Breslau. Am vergangenen Donnerstag Abend verschied im Alter von 65 Jahren Professor Dr. B. Badt, ein Mann, der nicht nur wegen seines jederzeitigen kräftigen Eintretens für die. Interessen des orthodoxen Judentums, sondern auch wegen seiner vorzüglichen Charaktereigenschaften sich allgemeiner Wertschätzung erfreute. In frischer Erinnermrg sind noch die Kämpfe, die er für die Sache des traditionellen Judentums vor einem halben Jahre in dem Repräsentantenkollegium der israelit. Gemeinde zu führen hatte. Wir behalten uns eine eingehende Würdigung dieser Persönlichkeit, deren Verlust in unserer für das Blühen der Ideale des Judentums so winterlichen Zeit ein besonders schwerer ist, noch vor. ch Horburg i. Elsaß. Unserem jüdischen Mitbürger und Gemeinderatsmitgliede Isidor Bickart wurde dieser Tage eine ehrende Aus« z e i ch n u n g seitens der Gemeindeverwaltung zuteil. Der Würger me ist er überreichte dem .Genannten zu seinem 80. Geburtstage eine prachtvolle K n n st st a t u e t t e und drückte ihm im Namen der ganzen Einwohnerschaft den Dank aus für die Verdienste um das Gemeindewohl, ganz besonders aber für die Einführung und Verbreitung des sogenannten „Ricjeuspargels" in hiesiger Gemeinde. Der Gefeierte ist einer der ältesten Bürger hier und hat der Gemeinde durch die Spargelanpflanzung eine reiche Einnahmequelle eröffnet. Kottbus. .Fabrikbesitzer Max Grünebaum erhielt den Charakter als K o m m e r z i e n r a t. Wien. Der dieser Tage verstorbene Dr. Elbogen war einer der bekanntesten Wiener Rechtsanwälte. Aus seiner rechtsanwaltlichen Praxis hat seine Einsetzung für den bekannten angeblichen Ritualmörder Leopold Hülsner besonderes Aufsehen erregt. Auch als Dramatiker machte er sich einen Namen. Czernowitz (Bukowina). Postrat Norbert Lichtendorf wurde zum Ober post rat befördert. Prag. Hier verschied Kammerrat Alfred Pollak, Chef der gleichnamigen Hofsilbcrwarenfabrik, Mitglied der Handels- und Gewerbckammer, Direktionsmitglied der deutschen Spar- und Vorschußkasse rc. Rom. Lodovico Mortara wurde zum Oberstaatsanwalt am Kassationshofc.in Palermo und sein Bruder A r i st o M v r t a r a zum Senatspräsidenten am Appellgericht in Mailand ernannt. Die beiden Brüder sind Söhne des Rabbiners Mortara s. A. in Mantua. Odessa. Der wirkliche Staatsrat, Exzellenz Dr. W. B e r t e n s o n, einer der angesehensten Aerzte der Stadt, verschied im 86. Lebensjahre Paris. Die hier wohnhaft gewesene Witwe des Militärarztes Felix, die vor wenigen Wochen heinigcgangen ist, hat der E c o l e Normale Orientale, d. i. der Alliance Jsraelite Universelle, 400 000 Fr. vermacht. New-Aork. Oskar Straus hat den Botschafterposten in Japan a b g e l e h n t. New-Aork. Mayer S u l z b e r g e r, Richter am Obergericht für bürgerliche Angelegenheiten in Chicago, hat den G e s a u d s ch a f t s p o st e n für die Türkei, den ihm Präsident Taft anboi, a u s g c s ch l a g c n. — Jakob H. Schiff schenkte die berühmte Tissot-Kollektion alttestamentarischer Bilder, die er vor wenigen Wochen für 37 000 Dollars erwarb, der N c >v y o r k e r O e f f e nt - lichen Bibliothek. — Jakob H. Schiff fuhr am 6. April nach Europa ab. Er will England und Deutschland besuchen und zwei Monate unterwegs bleiben. Aus der zionistischen Bewegung. Wien. Die „Jüd. Zeitung". Organ der Zionisten Oesterreichs, ist in eine „G. m. b. H." umgewandelt worden. L u z i a n Brunner und Adolf Böhm wurden als Geschäftsführer und Dr. Isidor Ai a r g u l i e S, Dr. Paul Weiseng r ii n und Dr. Egon Zweig als Aufsichtsräte bestimmt. Außerdem wurde ein Prcßkomitce gewählt, in dem der Jüd. Nationalverein in Oesterreich, das zion. Zentralkomitee für Westösterreich und das Distriktskomitec für Juneröstcrreich vertreten sind. — Die Palästinakommission in Drohobycz (Galizien) hat eine Genossenschaft m. b. H. unter dem Namen „Palästina, Gesellschaft für Handel und Industrie" gegründet, die industrielle Unternehmen in Palästina errichten soll. 100 Anteile a 100 Kronen sind bereits gezeichnet worden. Jaffa. Die heißen Schwefelquellen bei Tiberias, die wegen ihrer großen Heilwirkung bei Rheumatismus und Hautleiden seit den, Altertum berühmt sind und in jedem Jahr von vielem Tausenden aus Syrien und Palästina besucht werden, sind in diesen, Jahr auf die Initiative des Palast in a-Judu st ric-Syndikats von Inden aus Tiberias gepachtet worden. Saloniki. Die spaniolische Zeitung .La Libertat" wird auf Anregung des Großrabbiners Jakob Meir in Kürze eine hebräische Wochenschrift auf nationaler Grundlage herausgeben. — Hebräische Zeitungen gab es in der Türkei außerhalb Palästinas bisher nicht. In Jerusalem erscheinen in hebräischer Sprache die Tagesbezw. Halbwochenblätter „Hazewi" und „Habazeleth". Die anderen jüdischen Zeitungen der Türkei erscheinen zumeist in dem spaniolischen Dialekt, den die ehemals spanischen (sephardischen) Juden sprechen. Odessa. Nach Aufzeichnungen des hiesigen Palästina-Komitees wanderten im vorigen Jahre 2097 Juden von Odessa nach Paläst i n a aus. Aus -er Lehrerwett. Aus Mittelfranke«. Am 22. April hat in körperlicher Rüstigkeit und geistiger' Frische Herr Kollege M. Mayer in Schnaittach nach fast 43jähriger ersprießlicher Wirksamkeit den siebenzigsten Geburtstag gefeiert. — Wir gratulieren dem verdienstvollen Jubilar und wünschen, es sei ihm unter Gottes Beistand vergönnt, noch recht viele Jahre segensreich, wie bisher, in seiner Gemeinde und für die heiligen Ideale des Judentums zu wirken. H—. W—r. Nürnbera. Der hiesige Verein .Adaß-Jsraej" hat in seiner gestrigen außerordentlichen Genera l v e r s a in m l u n g auf Antrag des Vorstandes einstimmig beschlossen, die Klausel, nach welcher der Rabbiner nicht Mitglied der Bnei-Brith-Loge oder der Zionistis ch e n Organisation sein darf, a u f z u - hebe u. Hannover. In Lüneburg trat nach 44 jähriger Amtieruug Lehrer Th. Philippi in den Ruhestand. — Lehrer S. Levi-Vlotho ging zur Samsonschule in W o l f e n b ü t t e l; an seine Stelle trat Lehrer L. M e Y e r h o f f, bisher in A r o l s e u. Lbcraula «Bez. Caüell. Herr Lehrer Brandes tritt nach 51jährigcr Dienstzeit am 1. Mai in den wohlverdienten Ruhestand. Lions iPasen) Im Alter von 56 Jahren v erschied der hiesige Kantor und Lehrer B r u n o L a ch m a n n. Neustettin. Rabbiner Dr Wilhelm Lewh wurde an die vor einem halben Jahre in der Bismarckstraße zu Charlottenburg erösfnctc Synagoge berufen. Jerusalem. Das Lehrerseminar des Hilfsvereins der Deutschen Juden entließ jetzt zum dritten Mal seit seinem Bestehen Absolventen — 9 an der Zahl. Sämtliche 9 Examinanden haben die Lehrerprüfung bestanden. Bis auf einen jungen Mann, der direkt ans Rußland kam, sind sie in Palästina heimisch, fünf in Stadien, drei in Kolonien. Fünf sind Zöglinge der Lämelschule in Jerusalem, die übrigen haben eine Kolonieschnle oder eine' Jeschiwah dnrchgemacht und alsdann zu der erforderlichen Vorbereitung für das' Seminar die Präparandenklasse desselben besucht. Bon den Thematen für die schriftliche Prüfung seien genannt: Hebräischer Aufsatz: Inwiefern trägt die persönliche Anschauung von Land und Leuten in Palästina zum tiefern Verständnis der Bibel und der jüdischen Geschichte bei. Jüdische Geschichte: Maimonides und sein Zeitalter. Exegese: Psalmen Kap. 42 und 43. Pädagogik: Das Interesse als Mittel und Zweck des Unterrichts. Deutscher Aufsatz: Nichts ist schwerer zu ertragen, als eine Reihe von schönen Tagen. Weltgeschichte: Ludwig XIV. und sein Zeitalter. Geographie: Das Nilgebiet, ein Landschasts- und Kulturbild. Mathematische Geographie: Inwiefern ist die Richtung der Passatwinde ein Beweis für die Rotation der Erde um ihre eigene Achse von Westen nach Osten. Physik: Es soll eine kurze Darlegung der mechanischen Wärmetheorie mit einer Erklärung des Wesens des Lichtes und der Wärme gegeben werden. Chemie: Die Flamme. Naturkunde: Das Nervensystem. Der Stamm und seine Ernährung. Die Absolventen finden u. a. an der Lämelschule, an Kolonieschulen, die der Hilssverein subventioniert und an Schulen des Hilfsvereins AnsteUnng. Aus den Vereinen. Frankfurt a. M. Der .Jüd. Frauenverein" hat seinen Namen in „Jüd. Frauenvereinigung" umgewandelt. Wie das gekommen ist, darüber lesen wir in dem soeben erschienenen 1. Jahresbericht des Vereins folgendes: „Nachdem s. Z. bereits die Anmeldung unseres Vereins zur Eintragung in das Bereinsregister erfolgt war, gelangte au unseren Vorstand ein Schreiben des hiesigen „Israelitischen Frauenvereins", worin wir, unter Hinweis auf durch die Aehnlichkeit beider Namen zu befürchtende Schädigungen, ersucht wurden, eine Aenderung unseres Namens vorzunehmen. Nach gewissenhafter Ucberlegung kam der Vorstand zu dem Entschlüsse, dieser Aufforderung vorläufig nicht zu entsprechen, sondern zunächst abzuwarten, ob die befürchteten Störungen auch tatsächlich eintreten würden. Es schien uns das um so unwahrscheinlicher, als der „Israelitische Franenverein" sich satzungsgemätz aus die Führung eines, Mädchen-Waisenhauses beschränkt, also auf ganz andrem Gebiet arbeitet als unser Verein, und die Namen zwar ähnlich, jedoch, wir führen noch den Zusatz „E. V". durchaus nicht gleich sind. Wir erklärten uns aber bereit, falls unsere Anschau- I ung sich durch die Erfahrung als irrtümlich erweise, in Verhandlungen wegen einer Abänderung einzutreten. 4785