Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 7 (1909)
- Issue
- Heft 13 (2.4.1909)
- Date
- 1909-04-02
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. New-Aorl. - Professor Richard Gottheil ist zum Leiter de» amertkan. Institut» für Ausgrabungen in Palästina ernannt worden. Rew-Uork. Der Dichter und Schriftsteller Arthur Guiterman, Verfasser der Bücher „Betel Nuts" und „The Guest Book", verheiratete sich mit Schriftstellerin Vida Lindo. — Der sehr angesehene Major a. D. Edmund Louis Gray Z a lins ky, der aus militär-technischem Gebiete zahlreiche Erfindungen gemacht hat, verschied am 10. März. Kr wurde 1819 in Kurnik (Posen) geboren, machte den amerikanischen Bürgerkrieg mit und diente als Offizier von 1865 bis 1894. New-Pork. Anläßlich der »Lincoln - Hundertjahrfeier schrieb die „Times" mehrere Preise für ein Essay über Lincoln aus, an dessen Preisbewerbung sich nur Volksschüler und Schüler der unteren Mittelschulen beteiligen durften. Unter ten mit einem Preise ausgezeichneten Arbeiten gehören üun vier jüdischen Kindern, deren Eltern e^t vor einigen Jahren aus Rußland eingewandert sind. Eine der Preisgewinner, die kleine Rosa Klatschki, die vor zwei Jahren mit ihren Eltern aus Rußland kam, lieferte schriftlich und inhaltlich die beste Arbeit. Frau Taft, die Gattin des neuen Präsidenten, hat Fräulein Alice Blech, eine Jüdin, zu ihrer Sekretärin erkoren. 0 leuiüefon. 0 Die Tochter des Kardinals. Historische Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung). Rabbi Jizchak, preßte die Lippen aufeinander: eigentümlich zuckte es um seine Mundwinkel, doch er schwieg. Die Kranke fuhr fort: „Wie gesagt — ich weiß mein Kind glücklich in Euren Händen; — ich selbst darf nie daran denken, es als mein eigenes anzuerkennen; darum war ich entschlossen, es nimmer von Euch zu verlangen. — Ihr habt sie erzogen, habt sie gehegt und gepflegt. — Ich weiß, sie ist Euch teuer wie Euer Augapfel, — Euer Anrecht auf sie ist größer als das meine. — Wie gesagt, so hatte ich immer gedacht. — Doch bei meinem jüngsten Aufenthalt in Rom, da habe ich zum ersten Mal jene» wieder gesehen; dem ich die höchste Wonne und den herbsten Schmerz meines Lebens schulde. — Er hat mich aufgesucht und nach seinem Kinde geforscht. Ich habe ihn versichert, daß es in den besten Händen und frisch und froh und schön und glücklich und von treuester Liebe mngeben ist. — Er klagte mir, daß trotz der Höhe, die er erklommen hat, Liebe und Treue das Einzige ist, wonach er sich vergebens sehnt. — Und als ich ihm sagte, daß ich mich noch mehr nach Vergebung meiner großen Sünde sehne, — da erwiderte er, daß er mir die vollständige Absolution des heiligen Vaters garantiere, wenn ich ihm sein Kind zusenden würde, das er als seine Nichte anerkennen und in sein Hans nehmen wolle." „Und das habt Ihr ihm zugesagt?" rief Rabbi Jizchak auffahrend. „St! st! um aller Heiligen willen! mäßigt Euch! — ich beschwöre Euch!" — ' Wer Rabbi Jizchak dachte nicht daran, sich zu mäßigen! Mit finster zusainmengezogcnen Brauen staiö» er ihr gegenüber und blickte drohend auf sie nieder. „Ihr wähnet über das Kind, dessen Ihr Euch in leichtsertigster Weise entledigt habt, nach Eurem Belieben verfügen zu können?" „Nein! nein! — Ihr mißverstehet mich, — ich beschwöre Euch! — lasset mich ausreden!" — Ein heftiges Zittern hatte sie erfaßt, in ihrem Angesicht zuckte es unheimlich; der Arzt sah ein, daß er sich bezwingen müsse. Anscheinend ruhig ließ er sich wieder iu den Sessel nieder und sagte in möglichst gelassenem Ton: „Wollt Ihr Eure Mitteilungen nicht fortsetzcn?" „Freilich — freilich. — Nun, Ihr werdet es begreiflich finden, daß die Wsolutton des heiligen Vaters von größtem Wert für »sich ist. — Wer vor allem bin ich Mutter, — und ich habe nicht vergessen, daß ich durch den mir dereinst auferlegten Zwang das unsäglichste Elend erduldet habe; — davor will ich mein Kind schützen — um jeden Preis. — Darum habe ich dem mir noch immer Teuren erwidert, daß ich es ihm von Herzen gönnen würde, das liebreizende Wesen als seine nächste Anverwandte anzuerkennen und zu sich zu nehmen, — daß ich jedoch in Erinnerung an mein eigenes Unglück, keinen wie immer gearteten Zwang gegen sie weder mir noch eineni andern gestatten würde — und daß ich nur dann meine Hand dazu biete, sie ihren: Vater zuzuführen, wenn ich mich überzeugt habe, daß sie ihre gegenwärtigen einfachen aber glücklichen Verhältnisse gern und freudig mit den ihr gebotenen glänzenden vertauschen würde." Erschöpft hielt sie inne. Auch Rabbi Jizchak blickte schweigend vor sich nieder. Erst nach längerer Pause fragte er: „Und was beabsichtigt Ihr nun zunächst?" Frankfurter FsraelitiWes Familienblakt. Nr. 18. Flehend blickte sie zu ihm empor. „Lasset mich mein Kind sehen!" flüsterte sie; — „lasset mich sie sprechen! — zum ersten Mal im Leben! — Wenn Ihr wüßtet, wie ich mich danach sehne?" — „Ihr beabsichtigt, bas Geheimnis ihrer Geburt ihr zu enthüllen?" „Um keinen Preis! — Glaubt Ihr, ich möchte erröten vor meinem Kiirde, — auf daß ihre reine Seele sich der Schuld schäme, der sie entsprossen?" Er neigte zustiinmend das Haupt. „Ich glaube, Ihr beurteilt die Angelegenheit von dem richtigen Standpunkt aus. — Wenn ich Euch recht verstehe, so möchtet Ihr, um Eurer Zusage gegenüber dem Kirchenfüsten Euch zu entledigen, iu möglichst harmloser Unterhaltung das Kind kennen lernen, um danach zu beurteilen, ob es durch einen solchen Wechsel der Verhältnisse in Wirklichkeit gewinnen oder nicht vielmehr verlieren würde." Sie atmete tief auf. „Gottlob! Ihr habt mich verstanden —. und Ihr willigt ein?" »Ich glaube, einwilligen zu dürfen." „Gott segne Euch!" stammelte sie, „Gott segne Euch!" — Ein ström von Tränen entsttirzte ihren Augen. „Ich werde mein Kind sprechen! — mein Kind —" „Frau Gräfin, ich bitte Euch um Gotteswillen! — sucht Euch zu fassen. — Die übermäßige Erregung könnte Euch krank machen, und ich dürfte dann nicht gestatten, was Ihr so heiß ersehnt." Er hatte bei diesen Worten nach ihrem Handgelenk gegriffen, um den Pnlsschlrig zu prüfen; sie aber erfaßte rasch seine Hand und drückte sie mit wilder Heftigkeit an ihre heißen Lippen. Er fuhr nahezu entsetzt zurück. Sie lächelte und schien mit einem mal vollkommen ruhig. „Wann werdet Ihr sie zu mir führen?" „Ich hoffe, Ihr werdet eine gute Nacht haben, denn Ihr habt Euer Herz entlastet. — Wenn ich mich morgen in den Frühstundcu von Eurem Wohlbefinden überzeugt habe, werde ich Euch eine Medizin durch meine Tochter überbringen lassen." „Dank Euch! Dank Euch!" — Sie wollte abermals nach seiner Hand greifen: er wich lächelnd zurück. „Ihr gestattet, Frau Gräfin, daß ich mich für heute entferne." Die Gräfin hatte den Schellenzng gezogen, — die Kammerfrau trat in das Zimmer. „Geleite den hochgelehrten Doktor hinunter und sorge, daß ihn ein Fackelträger hcimgeleitct." Der Arzt verneigte sich tief und verließ, geleitet von der Kammerfrau, das Boudoir der Gräfin. Mit unverkennbarem Mißtrauen blickte die Frau auf die hohe, imponierende Gestalt des Arztes, der so lange und aus ausdrücklichen Befehl ihrer Herrin allein bei derselben geweilt hatte. „Pah!" murmelte sie vor sich hin „cs ist doch nur ein Jud." „Was wünschet Ihr?" ftagte Rabbi Jizchak, sich zn ihr wendend. Sie ward rot, sie harte kaum gewußt, daß sie ihren Gedanken Ausdruck verliehen. „Ich habe niir nur erlauben wollen," sagte sie mit einer gewissen Schüchternheit, „Euch zu fragen, wie Ihr über den Zustand der gnädigen Frau Gräfin denkt." Er zuckte die Achseln. „Wenn die Anfälle ausbleiben, dürfte die Frau Gräfin sich sehr bald erholen; — aber ein jeder solcher Anfall schließt Lebensgefahr in sich." Die Kaiinncrsrau warf ihm abermals einen scheuen, mißtrauischen Blick zu; dann wandte sie sich an den ihnen entgegenkommenden Verwalter. „Ihr sollt den Doktor durch einen Fackelträger heimgeleiten lassen," sagte sie mürrisch. „Es ist unnötig," fiel Rabbi Jizchak ein, „das Unwetter hat nachgelassen, der Mond ist anfgcgangen, ich finde meinen Weg allein." Der Verwalter wollte Einwendungen erheben; aber der Arzt lehnte jede Begleitung entschieden ab, zog rasch den Pelzoberrock über und verlies; das Schloß. „Wißt Ihr, wie cs um unsere Gräfin steht?" sagte die Kammerfrau zu dem Verwalter, „der Judeiidoktor hat mir klaren Wein einschenken müssen, ein jeder Anfall ist lebensgesährlich, er hat's gesagt. Der Verwalter zuckte trübe die Achseln. „Mich hat er schon vor acht Tagen darauf aufmerksam geniacht und mich ausgefordert, die jungen Herren benachrichtigen zu lassen. — Aber die Gnädige hat gemerkt, daß ich's tun Ivollte, und hat es strengstens verboten, — und gegen ihren ausdrücklichen Willen wage ich's nicht. Die jungen Herren könnten sonst vielleicht kommen und sie könnte sich darüber giften, — und wer weiß, ob nicht grade dadurch ein Anfall herbcigezogen werde» könnte. — Nein, nein, das tue ich nicht." „Weil Ihr ein alter Esel seid, zu was habt Jhr's Euch merken lassen, daß Ihr einen Boten an die Herren habt schicken wollen? — Aber übrigens, wenn die Gnädige sie nicht sehen will, — was sollten sie da? — Wer eine Sünde und eine Schande ist's, daß man den Herrn Pfarrer noch nicht gerufen hat. — Wer so' geht's, wenn man einen Judendoktor hat, dem fällt so etwas nicht ein, — oder wenn's ihm einfällt, sagt er's erst recht nicht. — Ihm wär's schon recht, wenn die Gnädig« verenden möchte ohne Beichte und ohne Sterbesakramente. — Ja, ja, so. geht's,..wenn mim einen. Judendoktor hat." — „Ich weiß nicht, was Ihr beständig mit dem Judendoktor habt; der heilige Vater in Rom hat doch selber einen Juden zum- Doktor." „Der Papst Hütte einen Judendoktor? Meint Ihr, ich ließe mir einen Bären aufbinden?" „Ich will Euch keinen Bären ausbinden, aber was wahr ist, ist wahr. Und wenn der heilige Vater selbst' einen Judcndoklor hat, so darf unsere gnü dige Gräfin auch einen haben. — Und überdies ist er doch der geschickteste Doktor weit und breit. — Oder meint Ihr vielleicht, > unsere Gnädige hätte den Bader rufen lassen sollen?" „Besser wär's gewesen." „Aber wie könnt Ihr nur so reden! Wenn der Bader herauf in's Schloß gekommen wäre, wäre die Gnädige sicher schon unter in der Gruft." „Das mag schon sein! Doch der Bader ist ein Christ; wenn er herauf gekommen wäre, hätte er längst dafür gesorgt, daß der Geistliche gekommen wäre, um unsere Gnädige zu versehen. — Und wenn's auch richtig sein mag, daß sie vielleicht schon beigesetzt wäre, so wäre das doch auch kein gar so großes Unglück. Einmal muß sie doch hinunter, und wenn sie mit den heiligen Sterbesakramenten versehen loäre, — das bleibt doch die Hauptsache." Der Verwalter rieb sich die Glatze. „So ganz Unrecht habt Ihr nicht, ich werde morgen mit dem Doktor darüber reden." „Mit dem Jndendoktor?" „Mit wem sonst? — es ist doch leider Gottes! keiner sonst da, mit bem man darüber reden könnte. — Aber hört doch, die Gnädige schellt — geschwind, eilet hinaus!" Die Kammersrau wandte sich der Stiege zn. Ihr Schritt verriet durchaus keine Eile, wie solche der treuen, für die kranke Herrin sorgenden Dienerin wohl geziemt hätte. — Sie war noch nicht lange im Dienst der ^Gräfin und grollte derselben wegen deren Vorliebe für den jüdischen Arzt, der cs, wie sie sich überzeugt hielt, unmöglich treu mit dem Wohle der Gräfin meinen konnte — und mit deren Seelenheil gewiß nicht. Grollend trat sie in das Boudoir ihrer Herrin. (Fortsetzung folgt.) Hatewr f riedurlcit Quelle - Offeubach a. M. - - - - Gegen Gicht nnd Rheumatismus bewährt. Al9 9 anerkannt bestes Maatter, ärztlich empfohlen. Retorte-Flasche llk. 1.25 v überall erhältlich. WoHeu-Karesoer. (Zeitangaben nach dem Lunch.) Samstag, den 3. April l— 12. Nissan): Savbat-Ansang in Frankfurt a. M. 6 Uhr 25 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 50 Min. in Berlin 7 Uhr 25 Min. Wochenabschnitt: Z aw. — Es wird von den beständigen.Altarfeuer», von besonderen Arten von Speiseopfcrn, von den Vorschriften für das Sündopfer, Schuldopfer, Friedensopfer und Dankopser berichtet. Zeitnnd Reinheitsvorschrist für den Genuß der Opfcrteilc. Unerlaubte Genußstücke. Einkleidung und Weihe der Priester für ihren heiligen Dienst. (Aehnliches in Tczaweh). Salbung mit Olivenöl, siebentägiger Aufenthalt im Borhof des Stiftszeltes. Zugleich ist „S ch a b b o s - H a g o d a u l", der „große" Sabbat. Der Sabbat vor Pesach führt diesen Namen zur Erinnerung an das große -Wunder, das sich an unseren Vorfahren in Egypten vollzog. Sie stellten das von den Egyptern göttlich verehrte Lamm zum Schlachten bereit, und doch schwiegen ihre Zwingherren dazu! Das war gleichsam ein Wahrzeichen der bevorstehenden Erlösung. — Die „I a u z e r" -Einschaltung handelt von dieser wunderbaren Tatsache und enthält viele rituelle Vorschriften für Pesach. Pesach. (Schluß aus voriger Nummer). Pesach-Anfang in Frankfurt: Montag, o. April, abends 6 Uhr 50 Minuten. Die männlichen Erstgeborenen fasten am E r e v Pesach. Für Minderjährige tuts der Vater. Ist