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Neue jüdische Presse · 1909-03-26 · Heft 12 (26.3.1909) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
7 (1909)
Issue
Heft 12 (26.3.1909)
Date
1909-03-26
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Frankfurter UraÄitiGeS FamilienblM. Nr. 12. Paris. Der bekannte Rechtsgelehrte Professor A. Wahl-Hille wurde zum ordentlichen Professor für Zivilrecht an der hiesigen Universität ernannt. Senator Paul Strauß, Präsident der Gesellschaft republikanischer Journalisten in Frankreich, wurde zum Mitglied der Pariser Akademie der medizinischen Wissenschaften gewählt. — Im Departement Dornte wurde der Ingenieur Jean Javal zum Deputierten'gewählt. Er ist ein Sohn des im vorigen Jahre verstorbenen Augenarztes und ein Enkä von Leopold Javal, welche beide ebenfalls dasselbe Departement in der Kammer vertraten. Die Familie Javal stammt aus Colmar. New-Aork. Der Wechsel in der amerikanischen Präsidenteuschaft hat, wie üblich, eine umfassende Äenderung unter den Beamten des inneren und äußeren Dienstes zur Folge gehabt. Eine der schwierigsten diplomatischen Vertretungen Amerikas dürfte gegenwärtig derjapanischeGesandtschaftsposten sein. Für diesen Posten hat nun Präsident Taft den bisherigen Handelsminister Oscar S t r a u ß misersehen, der sich vielfach mit der aktuellen Jäpanerfrage befaßt hat und durch seine umfassenden statistischen Nachweise die Schärfe der Gegensätze zu mildern wußte. New-Aork. Den 75. Jahrestag ihrer Hochzeit feierte in Gegenwart ihrer 3 Kinder, Ä Enkeln und 9 Urenkeln das Emmanuel Op - penheimer'sche Ehepaar. — In Philadelphia feierte das William Bayersdorfer'sche Ehepaar die goldene Hochzeit. Beide kamen 1851 aus Bayern nach Amerika. Die Tochter Äes Kardinals. Historische Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung). ,Aas hat gut getan," flüsterte sie „aber helfen wird es nicht auf lange Dauer, — denn — ich vermag sie nicht zu bannen die aufregenden Gedanken, — sie sind es, die das Mark des Bebens zernagen." ,Aas wären sie allerdings imstande, und darum muß ich darauf bestehen, daß die ' Frau Gräfin sie mit Gewalt zurückdrängt durch heitere Umgebung — vielleicht durch die Gegenwart der Herren Söhne —" „Nicht! nicht!" stammelte die Kranke, abermals die Farbe wechselnd und heftig den Kopf schüttelnd, „mein Söhne sollen nicht kommen — jetzt nicht. —" „2Bie Ihr befehlet, Frau Gräfin! Ich hoffte nur, daß die Gegenwart der jungen Herren die Gemütsunruhe beschwichtigen 'könnte — und das wäre dringend vonnöten." „Ich weiß es," flüsterte,die..Krpnke mit Am strengung, „mein Leben hängt davon ab.,— Aber die Gegenwart meiner Söhne —" sie schüttete aber mals den Kopf. Der Arzt zuckte die Achseln. „Das vermag ich freilich nicht zu beurteilen. — Aber wenn vielleicht die Gegenwart einer andern Persönlichkeit." Sie winkte zustiminend. „Ihr sollt mir helfen, Doktor! — Ihr! —" „Insofern es in meinen Kräften steht, — gern. — Was jedoch die Gemütsunrnhe betrifft —" „Ihr könnt sie bannen, Doktor! — Ihr allein!" „Da müßte ich mir vor allem erlauben, nach der Ursache derselben zu forschen." Sie winkte abermals zustimmend und schien reden zu wollen, aber die bebenden Lippen brachten keinen Laut hervor, und mit unheimlicher Raschheit wechselte sie abermals die Farbe. Der Arzt ward ernstlich beunruhigt, er zählle noch einige Tropfen des Medikamentes in ein Glas Wasser und reichte es der Kranken, die es hastig trank. „Dank euch! — jetzt werde ich's euch sagen." — „Ihr solltet setzt zu schlafen suchen," erllärte der Arzt, „was Ihr mir zu sagen habt, werde ich morgen hören, und ich hoffe, Frau Gräfin, Ihr seid von meiner Bereitwilligkeit, euch zu dienen, überzeugt; — aber heute scheint euch das Sprechen all zu sehr anzustrengen." „Nicht doch, nicht doch! — Heute noch muß ich mit .euch sprechen! — Nur deshalb habe ich euch herbitten lassen trotz des. Unwetters, das draußen tobt! — Aber hier tobt es noch ärger," fügte sie, in sich erschauernd, hinzu, Indem sie beide Hände mit Gewalt gegen den wogenden Busen drückte. Der Arzt beobachtete sie mit steigender Besorgnis. Einige Minuten herrschte Schweigen. Die Kranke schien bemüht, ihre Gedanken zu ordnen; Rabbi Jizchak vernahm deutlich ihr lautes, zuwellen keuchendes Atmen. Er hatte sich niebergesetzt, um selbst die leisest geflüsterten Worte der Kranken . verstehen zu können; denn daß es sich um feine Mitteilung ernsthafter Art handelte, erschien ihm zweifellos. Abermals verstrichen einige Minuten unter lautlosem Schweigen; dann begann die Gräfin mit' leiser, bebender Stimme: Sind wir allein? — Ist die Kaiilmerfrau nicht im Vorzimmer?" Der Arzt erhob sich, öffnete die. Tür des Vorzimmers und blickte hinein. „Es ist niemand drinnen." „Lasset die Tür zum Vorzimmer offen, damit ich's gewahre, wenn jemand dort herein kommt." Rabbi Jizchak entsprach ihrem Verlangen und ließ sich dann auf ihren Wink wiederum an ihrer Seite nieder. Er inußte jedoch abernials eine Weile warten, bis die Gräfin von neuem das Wort nahm. „Wie geht es eurer Tochter?" flüsterte sie endlich. Er blickte iibferrascht auf. „Ich danke für die huldvolle Nachftage, meine Tochter ist Gottlob frisch und munter." Der Atem der Kranken ging rascher; ihre Lippen bebten; wiederholt öffnete sie den Mund, als wolle sie sprechen; endlich fragte sie: „Ihr habt sie lieb — eure Tochter?" Welcher Vater würde seine Tochter nicht lieben! — Und zu dem ist meine Tochter mein einziges Kind — mein Eins und mein Alles, — denn ich hatte vor zwei Jahren das Unglück, meine Frau zu verlieren." „Ich weiß es," versetzte die Gräfin, „ich habe mich für eure .Frau sehr interessiert." „Ihr habt sie gekannt?" „Ich habe sie nie gesprochen — aber fast täglich bin ich auf meinen Spazierfahrten hiilter die Judengasse gefahren und habe vom Wageit aus in euer Gärtchen geschaut, wo bei günstiger Witterung Eure Frau mit dem Kinde zu weilen pflegte. Sie war eine herrliche Frau, — wie hat sie das Kind gehegt und gepflegt." Rckbbi Jizchak atmete tief auf und fuhr sich mit der Hand über die Augen. Er hatte offenbar vergessen, woer sich befand, denn er erwiderte: ,Sie war eine Esches Chajil in des Wortes höchster Bedeutung." „Was war sie?" fragte die Gräfin. „Sie war eine hochherzige, edle Frau, die Krone, das Licht meines Hauses." „Sie war glücklich," entgegnete die Gräfin mit tiefem Seufzer, „ihr Gatte hat sie geliebt, hat sie auf Händen getragen." „Wer hätte eine solche Frau nicht ans Händen getragen?" „Saget das nicht!" flüsterte die Kranke, während sich auf ihren bisher wieder lilienbleichen Wangen zwei dunkelrote Flecke zeigten „es gibt Männer, die selbst die schönste, die tugendhafteste Frau vernachlässigen — sie mit Geringschätzung behandeln, .— bis sie — bis sie die Geringschätzung verdient." Die Gräfin hatte die letzten Worte kaum hörbar geflüstert. Nach kurzer Pause fuhr sie fort: „Ich bin schön gewesen — anerkannt die Schönste aller meiner Gespielinnen — und keusch und tugendhaft. — Gegen meinen Willen hat mich mein Vater einem reichen, sittenlosen Kavalier vermählt, der sich in meine Schönheit vergafft hatte; — trotzdem ist er mir nur in den ersten Monates mit liebevoller Aufmerksamkeit begegnet, — während ich ihm Jahre hindurch die treueste Gattin gewesen bin. — Seine Ausschweifungen waren sprichwörtlich; der Fürst selbst hat ihn darüber zur Rede gestellt und hat ihil dann an einen ifremdcn Hof geschickt, der dortigen Gesandschast zugcteilt. — Ich habe aufgeatmet, denn ich bin mit unfern Kindern hier geblieben, während er dort sein wüstes Leben fortgesetzt hat." Sie hielt innc, ein heftiges Zittern hatte sie erfaßt, wie im Fieberfrost schlugen ihre Zähne aneinander. Ich bitte inständigst, Frau Gräfin, regt euch nicht dermaßen auf durch diese Erinner ungen. Euer Gemahl ist im Ausland gestorben, und es ist selbstverständlich, daß Ihr ihm kein übermäßig inniges Andenken bewahrt, trotzdem er der Vater eurer Kinder ist. Aber euch dieserhalb Gewissensskrupel zu machen; — dazu seid Ihr keineswegs berechtigt, und ich, als euer Ordinarius, muß darauf bestehen, daß Ihr mit euren Mitteilungen inne haltet, — Ihr seid ja nahezu überwältigt." Nicht durch bas, was ich euch mitgeteilt Er ließ sich wieder nieder und blickte in schweigender Erwartung, doch in steigender Besorgnis auf - die Schwerleidende, in derem geisterbleichem Angesicht es unablässig zuckte. Als das nervöse Zucken nicht nachließ, reichte er ihr abermals von dem beruhigendem Medikainent,' das sie mit dankendem Kopfnicken entgegennahm. „Jetzt ist's vorüber," flüsterte sie tief aufatmend, „jetzt werde ich es euch mitteilen könuen." Sie hüstelte leise und fuhr dann fort: „Viele Jahre hindurch bin ich meinem sittenlosen Gemahl die treueste Gattin gelvesen. Trotz der ein- ,örenden Vernachlässigung, die .mir seinerseits zll Teil geworden, habe ich meinerseits nie —" „Strengt euch nicht unnötigerweise an! die Tugend der Frau Gräfin Turneck ist sicherlich nie verdächtigt worden." „Nein!" stammelte sie und drückte mit wilder Heftigkeit die Hände gegen die Brust. „Nein, kein Mensch hat meiue Tugend je bezweifelt. — Aber — aber — der Schein trügt" — ügte sie kaum hörbar hinzu. (Fortsetzung in der Beilage). habe," stieß sie hervor „aber „Frau Gräfin — ich bitte inständigst —' „Ihr habt versprochen, nrir zu helfen, — und nun weigert Ihr euch —" „Ich weigere mich mit Nichten; — im Gegenteil, ich will euch helfen, Frau Gräfin, so weit es in meiner Macht steht. — Aber eben deshalb darf ich nicht zugeben, daß Ihr euch in Mitteilungen ergeht, die euch in einen Grad von Erregung versetzen, die mich für die Wiederherstellung eurer Gesundheit ernstlich fürchten läßt." Sie hatte sich in ihrer steigenden Erregtheit aufgesetzt und fuhr sich mit zitternder Hand über die Stirn. „Ihr habt recht," murmelte sie „Ihr seid weiser als ich. Wenn ich mich nicht zur Mäßigung zwinge, werde ich nicht imstande sein, das Unerläßliche euch mitzuteilen. — Habet Geduldl" fügte sie bittend hinzu, als Rabbi Jizchak sich erheben wollte, „nur wenige Minuten' — ich werde mich bezwingen." Halser Friedrich Quelle - Offenbach a. M. - Gegen Gicht und Rheumatismus bewährt» ivm Weih-Mundwasser Der Menschheit Wohltäter. . Retorte-Flasche Mk.1.25 Überall erhältlich! Wohack Inhaber: ~B/T SlIISLZL. Porten, Juwoten, Goldwaran. ~ Auf Wunsch Answahlseudnngen. Wokye«-«aleiroer. (Zeitangaben nach dem Laach.) Samstag, den 27. März {— 5. Nissan): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 6 Uhr 15 Mn. Sabbat-Ausgang in Franksirrt a. M. 7 Uhr 40 Min. in Berlin 7 Uhr 15 Min. Wochenabschnitt: Wajikro. — Die verschiedenen Arten von Opfern und die Vorschriften für dieselben. Es gab freiwillige und Pflichtopfer, Gemeinde- und private Opfer, je nach dem Opfergegentande Tier- und Mchlopfer (Speiseopfer), auch Wein- und Gußopfer. Als Opfertiere siltd Rittder, Stiere, Kalb, Ziege und Tauben genannt. Die Mehlopfer konnten gebacken und in verschiedener Zubereitung gebracht werden oder auch als reines Mehl. Das Sprengen des -Opferblutes gegen den Altar war Hauptsache, nicht das Schlachten. Manche Opfer wurden ganz auf dem Altarfeuer verbrannt, von andern wurden verschiedene Teile von den Prietern gegessen, das übrige verbrannt. Es sind aufgezählt: Ganz- oder Emporopfer, Sündopfer, Schuldopfer, Dankopfer, Friedensopfer und verschiedene Äehlopfer. Auch sind die Sünden genannt, wegen derer Sühn- oder Schuldopfer zu bringen war. (Eidesaussage, Veruntreuung heilige» Guts, Entweihung des Heiligtums im Zustande körperlicher Unreinheit uslv.) — Wir bringen schon heute manches über das nahe P e s a ch f e st. A. Geschichtliches. Pesach erinnert an die Begründung des jüdischen Volks k ö r p e r s durch die Erlösung aus Egypten. Gottes Wundermacht bringt 10 Plagen. Israel zieht nach der letzten fort. Pharao bereut und jagt nach. Am roten Meere holt er sie ein, es vollzieht sich der zweite Akt der Erlösung: Pharao und die Egypter ertrinken, Israel zieht trockene» Fußes durch's Meer. Sie singen das „Meereslied" (Schiro). — Name n des Festes. 1. Pesach — Ueberschreitungsfest, ba &ott Israels Häuser überschritt oder verschonte, als er in der Nacht alle Erstgeborenen der Egypter schlug. 2. Chag Hamazaus — Fest der ungesäuerten Brote, die wir an diesem Feiertage genießen. 3. „Chag hooviv" — Fest der Aehrenreife, da in Palästina im Nissan die ersten Aehren reiften. 4. „Seman Cheiruseinu" — Zeit unserer Befreiung. B. Rituelles und Zeremonielles. Während des ganzen Festes ist uns alles Gesäuerte zum Genüsse und zum Besitze verboten. Geräte, die Chomezstoff enthalten, können auf Pesach nach vorgenommenem Glühen und „Koschern" benutzt werden; irdene ausgeschlossen. Das Gesäß muß 24 Stunden vorher ungebraucht gewesen sein. Das Wasser sei strudelnd. Oefen werden bis Rotglühhitze bezw. Funkensprühen erhitzt. Die Gefäße müssen vor der Prozedur peinlich gereinigt werden. Hier nur soviel! Der Chomezgenuß ist schon am Erew Pesach von ungefähr 9 Uhr untersagt; der Verkauf bis

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