Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 7 (1909)
- Issue
- Heft 8 (26.2.1909)
- Date
- 1909-02-26
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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E Seite 10. Frankfurter UraMWS FärMWEE. " Rr. ». Weltvernunft feiert. Die Schranken der griechischen Monotheismus liegen in der Anerkennung von Untergöttern, namentlich aber in dem Mangel an Wärme und der Verflüchtigung der Persönlichkeit Gottes: teils diesen Mängeln, teils aber der naturfrohen, am Sichtbaren haftenden Art des Durchschnittsgriechentums ist es zuzuschreiben, daß der Monotheismus in Griechenland nie zur Volksreligion hat werben können. Frankfurt a. M. »Montefiore"-8erein. In seinem Vortrage „Strafrecht in Bibel und Talmud" zeigte Herr Dr. S. Lutz-'Mannheim den klaffenden Unterschied zwischen dem jüdischen und dem deutschen Strafrecht. Im jüoischen Strafrecht kennt man keinen Staatsanwalt, keinen Verteidiger und keinen Sachverständigen. Diebstahl und Roheitsdelikte gehören in das Zivilrecht. In Deutschland wurde jüngst ein armer Teufel, der 40 Pfennige gestohlen hatte, zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt; nach dem jüdischen Rechte wäre er zu V0 Pfennig, dem doppelten Bettage des Gestohlenen, verurteilt worden. Hatte jemand einem anderen ein Auge ausgestoßen, so wurde auf dem Zivilwege der materielle Verlust, der dem Bettoffenen dadurch entstand, genau abgeschabt (,-Aug' um Aug'", heißt es in der Thora) pnd das Schmerzensgeld berechnet. Das Kriminalverfahren kam nur für Vergehen, auf die Todesstrafe stand, in Anwendung. Dazu gehörte auch-die falsche Beschuldigung eines todeswürdigen Vergehens gegen jemanden. Die Richter mußten Männer sein, denen nicht eine einzige Gesetzesübertretung nachgewiesen werden konnte, sie dursten keine Leibessehlcr haben, mußten im Gesetz durchaus beschlagen und in den Wissenschaften (so in der Medizin) bewandert sein und die in Palästina bekannten Sprachen beherrschen, auch dursten sie gewissen Berufen (z. B. Würfelspieler, Steuerpächter) nicht angehörcn. Die Zeugen hatten den Angcschuldigten selbst vor Gericht zu bringen, denn es gab weder Polizisten noch Gefängnisse. Die Zeugen — es mutzten stets mindestens zwei sein, die das Vergehen zur selben Zeit und vom gleichen Orte aus gesehen und den Uebeltäter vorher verwarnt hatten — wurden erst auf die Folgen einer falschen Anschuldigung aufs eindringlichste hingewiesen, und wenn sie ttotzdem beharrten, so wurde genau ihr Vorleben geprüft und erst, wenn dieses tadellos war, wurde 'in das eigentliche Verfahren eingetreten. Aber auch dann noch wurde die Fällung eines Todesurteils sehr erschwert, kam es aber wirklich dazu, dann wurde eS, nachdem der Verurtellte betäubende Getränke zu sich genommen hatte, sofort vollzogen und zwar von den Zeugen selbst. Frankiart a. M. „Montefiore"-Verein Die Purim-Feier des Montefiore-Bereins findet am Mittwoch, den 10. März, im großen Saale her Frankfurt-Loge statt. Näheres bezüglich des Programms, sowie der Eintrittskarten wird noch bekannt gegeben. Frankfurt a. M. Es sei an dieser Stelle noch einmal auf den „Scholaum Aleichem"- Abend hingewiesen, der nächsten Mittwoch im Saale der Liederhalle (Langesttaße 26) veranstaltet wttd. Es find erprobte Kräfte gewonnen worden. Die Festrede wird Herr Leo Schapiro -Kowno halten. Eintrittskarten sind noch zu 90 und 40 Pfg. in der Buchhandlung von Sänger u. Friedberg erhältlich (an der Abendkasse kosten sie 1 JL und 50 Pfg.). Berlin. Tie 15. Generalversammlung der„JLd. LcsehalleundBibliothek" fand unter reger Beteiligung statt. — Dr. Max Ginsberg, der Vorsitzende, erstattete den Bericht, dem wir folgendes entnehmen: 79 jüd. Zeitschriften und 6400 Bücher stehen den Besuchern kostenlos zur Benutzung und Entleihung zur Verfügung. 50 Prozent der Bücher waren verliehen; die Lesehalle wmcke von 22 639 Personen besucht. Den jüd. Körperschaften, die einen Jahresbeitrag gewähren, hat sich nunmehr auch die Alliance Jsraslite Universeile hinzugeseW. *— Wie der pon dem Schatzmeister Benas Levy erstattete Kassenbericht ergibt, bilanzierten die Einnahmen und Ausgaben mit 6 700 Mark und konnten nur 518 Mark zur Anchaffung von Büchern aufgewendet werden. — Der Vorstand wurde wieder gewählt. Hamburg. Jüdische Turnprschaft v. IW?. Dem Jahresberichte entnehmen wir: Bei einer Mitgliederzahl der Herrenabteilung von 96 sind an 93 Turnabenden 2616 Turner auf dem Turnplätze erchienen, also durchschnittlich 28 Personen gegen 22 im Jahre 1907. Die Uebungsstunden der Damenabteilung, welche 55 Mitglieder zählt, waren an 81 Abenden von 2082, also durchschnittlich von 26 Turnerinnen besucht, gegen 21 im Jahre 1907. Hannover. Der .Verein zur Förderung des Handwerks unter den Juden in der Provinz Hannover" vereinnahmte in seinen letzten drei Geschäftjahren insgesamt 17162 Mark und schloß am 31. Dezember 1908 mit einem Kassenbestand von 2173 Mark ab. Die Mitgliederzahl beziffert sich auf 299. Aus -er Lehrerwett. Frankfurt a. M. Vakanzen. Stmmern (Rheinl.) Borbeter und Religionslehrer per bald. Zirka 1500 Mk., bei Uebernahme des Schächters noch 450 Mk. — Burgsteinfurt;i. Wests. Schächter, Gemeindediener und Hilfsvorbeter per balo. Gehalt 1000 Mk. — Düsseldorf. 1. Akademisch gebildeter Religionslehrer. 2. Kantor per bald. Meldungen unter Angabe der Gehaltsansprüchc an den Vorstand. Prag. .Der Rabbinerverband in Böhmen" nahm in seiner Generalversammlung, die am 15. d. M. hier stattfand, einstimmig folgende Resolution an: „Von dem Wunsche beseelt, die religiösen Interessen des Judentums in unserem Vaterlande zu fördern, halten wir es für zweckdienlich, daß in jedem Kronlande ein Rabbinerverband gebildet werde, daß ferner die Vorstände sämtlicher Verbände jährlich mindestens einmal abwechselnd in den verschiedenen Hauptstädten zur Besprechung der gemeinsamen Interessen zusammenkommen. Die Anregungen der Gesamtvorstände sollen den einzelnen Verbänden zur Beratung und Beschlußfassung vorgelegt werben) um so ein einheitliches und ziclbewutztes Vorgehen im Dienste des Judentums herbeizuführen." Prag. Die Israel. Rcligionslevrer S a l o m o n Knöpselmacher und Dr. Aladar Deutsch erhielten den Titel „P r o s e s s o r". Ungvür (ll-garn). Obrriadbiner Lazar Löw feierte am 14. Februar seinen 70. Geburtstag. Oberrabbiner Löw, der früher in Satoraljaujhely .als Nachfolger seines berühmten Vaters Jeremias Löw wirkte, spielte in den Sechziger- und Siebziger-Jahren, bevor er Rabbiner wurde, in der Kaufmannswelt eine Rolle. Er gründete mit dem jetzigen Ministerialrat Kornel. Chyzcr die Satoraljaujhelyer Bürgerbank. Von Sr. Majestät wurde er im Jahre 1906 mit dem goldenen Derdienstkreuz Ausgezeichnet. Philadelphia (Amerika). Dr. E m a n u e l Schreiber wurde für eine Zeitdauer von 21/» Jahren zum Rabbiner der „Beth-El - Gemeinde" in Philadelphia gewählt. Der Gewählte wurde 1852 in Leipnik (Mähren) geboren. Er besuchte die Jcschiwoh in Eisenstadt und die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin. Er war zuerst Rabbiner in Elbing, dann in Bonn und ging dann nach Amerika. — Wohl selten hat Newyork eine solch' große Beteiligung an einer Beerdigung gesehen, wie dieser Tage. Denn an 40 000 Menschen gaben den sterblichen Ueberresten Dr. Adolph Moses Radius, seit 15 Jahren Hauptrabbincr aller Besserungsanstalten und Gefängnisse und Rabbiner an der Volkssynagoge der Erzichungsallianz, das letzte Geleite. Kunst und Literatur. Meyers Großes Konversationslexikon. 20. Band, Leipzig und Wien, Bibliographisches Institut. Mit dem 20. Band hat dieses gewaltige Werk einen Abschluß gesunden. Wir haben es bei dem Erscheinen eines jeden Bandes in der unübertrefflichen Allseitigkeit seines textlichen und bildlichen Inhalts gewürdigt. Jetzt nach Abschluß des Werkes haben wir eine Anzahl Stichproben gemacht bezügl. der Frage, ob es uns Juden objektiv oder aus einem antisemitischen Geichtslrinkel betrachtet, und wir wollen uns nun diesmal niit deni Ergebnis dieser Stichproben beschäfttgen. Wenn cs unter „Juden" heißt: „Es kennzeichnen den Juden im allgemeinen eine lange, hakenförniig gettümmte Nase, vorstehende feuchte Augen, dicke hängende oder wenigstens umgestülpte Unterlippe, straffes, glänzendes Haar, schmächttger Brustkasten und Plattfüße" und weiterhin: „Mit mehr Zähigkeit haben sich bei den Juden gewisse Charaktereigenschaften der Semiten erhalten, wie Habgier, Verschlagenheit^ Schlauheit und Abneigung gegen körperliche Arbeit, Eigenschaften, denen wir bei den heuttgen Juden häustg genug begegnen" —, so sind dies Stellen, die einem antisemitischen Wahngebilde, aber nicht der Wirklichkeit entsprechen. In der gleichen Tendenz sind noch manche Sätze zu finden; jedoch das meiste müssen wir alsobjektiv gehalten anerkennen. Wir glauben daher annehmcn zu dürfen, daß die antisemitischen Aeußerungen auf das Konto einzelner Mitarbeiter zu setzen sind und daß unser heutiger Hinweis genügt, um den Verlag für die Zukunft zur Verhütung antisemitischer Ungerechtigkeiten zu veranlassen. Briefkasten. K. Ä. Per jüngst infolge eines Unglücksfalles verstorbene französische Dichter Cat ulke Mendds wurde 1841 ,in Bordeaux gls Sohn eines jüd. Vaters und einer kathol. Mutter geboren. — Der nach Breslau berufene ordentl. Universitätsprofessor Dr. med. Oskar Minkowski -Greifswald ist ein Bruder des jüngst verstorbenen berühmten Mathematikers ordentl. Universitätsprofessors Dr. Hermann Minkowski-Göttingen. R. 100. 2. Juli 1896 — 21. Tamus 5656. Ui M fl 1 fl iVmIP 11 ■ k National« Lehrkraft«. Englisch, Prmnsösis^h ct#.- Bnglisch, Vereins-Kalender. Samstag. „M ontefiore"»V er ein, 1214 Uhr, Scilerstt. 22: Tenach-Schiur (Dr. May). — Verein „Äekor-Chajim", 33/4 Uhr, Schützenstraße 2: Äikro-Bortrag (Jos. Wolf). — Hatchio, 4i/° Uhr: Die letzten Ereignisse in der jüd. Welt. — Verein „Tiferes Bachnri m", 5 Uhr, Hermesweg 25/7: Chase Odom - Schiur (Frankenthal). — Verein „Nachlaß Z w i", 121/, Uhr, Friedberger Anlage: Neunzehn Briese (Dr. I. H. Bondi). Sonntag. Verein ,.M ekorChaji m", 6 Uhr, Schützenstt. 2: Seser Schauftim (Professor Wehl). — Verein „Tiferes-Bachurim", 83/i Uhr, Hermesweg 25/7: Die Juden unter Pascha Mehmet Ali (Wilh. Rosen). Montag. Jüd. Frauen verein, 83/i Uhr, Schützenstt. 2: Ibsens „Rosmersholm" III (Dr. Schüler). Mittwoch, Jüd. Frauen verein, 9 Uhr, Realschule: Hiob (Direktor Dr. Lange). — Verein „4tachlaß Z w i", 9 Uhr, Schützenstt. 2: Selbsterhaltung und Lebensverkürzung (Julius Lewin). — „Äontefiore"-Verein, 9 Uhr, Scilerstt. 22: Die chemische Zusammensetzung der Luft (Dr. Edmund Speyer). Carl Grebcnsm, rggg fob. Dmoeleo. Uhren. Soldu. Silberwären. Aoswahlsendnngen gerne zn Diensten. Vereinigte Servais-Werke, A.-G. Telephon 4398. Frankfurt a. M. Gutleutstr. 98. 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