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Neue jüdische Presse · 1909-02-26 · Heft 8 (26.2.1909) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
7 (1909)
Issue
Heft 8 (26.2.1909)
Date
1909-02-26
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. S. Nrauk^urker KsraeÜtWe- HaanlienKkakt. EeitE^- Nochew Klesmer. Von I. Herzberg-Bromberg. (Nachdruck verboten!) (Schluß). Viele, viele Jahre waren verstrichen, seitdem Nochem Klesmer zum letzten Male Fidel und Bogen zur Hand genommen hatte, um seine munteren Weisen erschallen zu lassen. War er doch einst ein all» beliebter, äußerst geschickter Geigenspieler gewesen; Fidel, und Bogen waren seine ständigen Begleiter. Darum kannte man ihn einzig und allein unter dem Namen Nochein „KleSmer", das heißt: der Musikant. Weit, weit von hier, an der russisch - polnischen Grenze, war er geboren. Seine Eltern, die ein vagabondierendes Leben geführt hatten, waren eines Tages von Wegelagerern angefallen und getötet norden, und der damals etwa viersährige Nochem n ar wie durch ein Wunder gerettet worden. Salme Klesmer, der, mit Fidel und Bogen ansgestattet, eines Morgens von einer Hochzeit heimkehrte, hatte das Kind, das jammernd und wehklagend bei seinen armen, erschlagenen Eltern stand, angetroffen. Nachdeiil er die Fortfchaffung der Leichen veranlaßt hatte, nahni er den herzigen, hübschen Knaben bei der Hand und führte ihn in sein Haus. Da er selbst kinderlos war, beschloß er, das Kind bei sich zu behalten, und er 'hat diese menschenfreundliche Tat nie bereut. Der kleine Nochem bereitete ihm eine große Freude. Er bekundete hauptsächlich eine große Neigung für das Geigenspiel, und mit stiller Andacht lauschte er oft den Tönen die die gewandte Hand Salmes aus dem unscheinbaren Jnstruniente hervorzaubcrte. Und wenn er oft anstatt der sonst üblichen Weisen, die sein Beruf von ihin forderte, ernste Klänge erschallen ließ dann raunen wohl Tränenperlen über die glühenden Wangen des mit schier verklärten Blicken auf ihn schauenden Knaben. Dieser versuchte sich bald selbst im Spielen, und es waren für Salme die schönsten Stunden gewesen, wenn er seinem Nochem all die Kunstgriffe beibrachte, die erforderlich waren, um eine regelrechte Handhabung des Instrumentes zu bewerkstelligen. Nochem war ein fleißiger und gelehriger Schüler, und nach kurzer Zeit war er im Stande gewesen, den größten Teil des Repertoirs Salmes tadellos zu Gehör zu bringen. Als Nochem zwölf Jahre alt war, konnte er Salme begleiten, und er war ihm auf seinen Kunstreisen von Dorf zu Dorf von großem Nutzen, denn es gingen jetzt doppelte Gefälle ein, für ihn und seinen Gehilfen. So war Nochem ein Jahrzehnt der ständige Begleiter Salmes gewesen, bis dieser eines Tages sein Ende herannahen fühlte. Er übergab ihm die Zeichen seines MetierS mit der Mahnung, Geige und Bogen stets hoch zu halten. Und Nochem, der seinen Pfleger und Meister mit tiefem Schmerze aus dem Leben scheiden sah, hat diese Mahnung wohl beherzigt. Er hat es verstanden, die Wertschätzung, die Salme in allen Kreisen genoß, auch für sich zu gewinnen. Wie dieser, so zog auch er fortan selbständig von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt. Wo nur eine Hochzeit in jüdischen Häusern gefeiert wurde, durfte Nochem Klesmer nicht fehlen, der seinen Meister an Virtuosität weit übertras. Er verstand es meisterhaft, die Empfindungen der Hörer durch der Fidel Töne wiederzugeben. War es doch kein handwerksmäßiges Spiel, das er bot, nein es war das Produkt eines gottbegnadeten Künstlers. Ueberall rühmte man die Fertigkeit und Eleganz, mit welcher er namentlich jene altbekannte Melodie aufspielte, die stets in dem Momente ertönen mußte, da „die Kalle unter die Chuppe geführt wird", — eine Melodie, nach der im nordwestlichen Deutschland merkwürdigerweise auch jene Stelle in der Purimmegillo vorgetragen wird, die da lautet: ^llnd man hängte Haman an den Galgen, den er für Mordechai errichtet." Wo Nochem' Klesmer fehlte, konnten Heiterkeit und Frohsinn nicht aufkommen, er war das belebende Element. Sein Spiel ließ die Herzen erzittern, und in den Beinen zuckte es nur so, wenn seine Geigentöne in die Ohren der tanzlustigen Hörer drangen. Und wenn der „Mizwotanz" anhob, — mit welcher Behendigkeit hüpfte er da vor dem tanzenden Paare her! Wie glühte sein den Tanzenden zugewandtes Gesicht, das ein freundliches und ermunterndes Lächeln, schmückte, wenn die verschämte Braut zögerte,' dem sie zum Tanze auffordernden Gaste zu einem züchtigen Reigen zu folgen. Und wenn der letzte Ton seiner Fidel verhallte, dann war auch der Hochzeitsjubel verrauscht, und er zog, nachdem er die mehr oder weniger reichen Gefälle eingeheimst, nach.einem anderen Orte, um daselbst abermals in einem jüdischen Hause den Engeln der Freude eine Stätte »u bereiten. — So führte Nochem Klesmer viele Jahre ein unstätes Musikantenleben, und als er sich eine Lebensgefährtin nahm, da wurde diese auf seiner ruhelosen Kunstwanderung seine treue Begleiterin. Allmählich war er aus dem fernen Osten, nach dem Westen gelangt, begleitet von Weib und Kind. Nirgends hatte er ein dauerndes Heim, überall war er ein Gast nur und ein Fremdling, den keinerlei Bande an irgend einen Ort knüpfte». Da hatte ihn eines Tages eine Krankheit gezwungen, in A. für längere Zeit seinen Aufenthalt zu nehmen. Dieser Krankheit aber war ein dauerndes Siechtum gefolgt, das es ihm unmöglich machte, seinem bisherigen Metier fernerhin obzuliegen. Er war genötigt, mit Weib und Kind in A. zu bleiben. So lange er seiner Kunst gelebt und dem vielseitigen Verlangen nach heiterem Spiele hatte genügen können, war er überall stets willkommen gewesen. Sah man in ihm doch lediglich das Werkzeug, dessen man sich bedienen konnte, um sich einige heitere Stunden zu verschaffen! Als er aber das Begehren stellte, in die Eenieinschaft der Volksgenossen ausgenommen zu werben, da wies man ihn schnöde zurück, da man ihn gesellschaftlich als nicht gleichstehend ansah. Trotzdem blieb er in A. und bezog ein außerhalb der Judenstraße gelegenes Häuschen. Hier hatte er jahrelang gewohnt. Sein Sohn Jossef hatte ein ehrbares Handwerk erlernt, und er hatte die Freude, daß dieser ihn mit einem Enkel, dem scholem, beglückte. Mit den zunehmenden Jahren war aber auch infolge des Siechtunis eine Abnahme der Berstandskräfte eingetreten. Wohl hatte Nochem Klesmer seit dem Tage, da seine Krankheit begann. Fidel und Bogen nicht mehr zum lustigen Spiele geführt, wohl war die Geige verstummt; doch konnte und wollte er sich nie von ihr trennen. Er trug sie stets bei sich; doch nimmer versuchte er es, ihr einen einzigen Ton zu entlocken, und selbst die inständig sten Bitten seiner Umgebung vermochten es nicht, ihn zum Spielen zu bewegen. Es war, als sei die ehemalige Künstlerschaft für immer dahin geschwunden, und die Erinnerung an all die herrlichen Weisen, die er meist auswendig w herzbewegend vortrug, völlig erloschen. Die Fidel war sein kostbarstes Kleinod, das einst sein Enkel, sein Schalem, der ihm so sehr ans Herz gewachsen war, erben sollte. Und nun war diesesgute Kind einer bösen, tückischen Krankheit verfallen. Welch tiefes Weh erfüllte des Alten Herz bei dem Bewußtsein, seinen kleinen Liebling so schwer leiden zu Hetzen. Und wunderbar, der unermeßliche Schmerz brachte Unerwartetes zu Wege, er weckte wieder die Erinnerung an längst verllungene und vergessene Töne. Und als er mit dem Bogen auf den Saiten strich, da erklangen all die wunderbaren Melodien vergangener Tage. Galt es doch, das Leben seines Lieblings zu retten aus den Fängen des Würgeengels Da mußte er spielen, spielen, damit dieser Unhold verscheucht und das Kind wieder gesund werde, dessen. Stöhnen sein Spiel übertönte. Er ruhte und rastete nicht in der Handhabung des Bogens, keine Ermüdung erfaßte seine altersschwachen Glieder, und der arge Schnee sturm vermochte es nicht, ihn von seinem Tun ab zuhalten.- Inzwischen saß Michael am Krankenlager des schwer leidenden Knaben. der offenbar an einer gefährlichen Halskrankheit litt. Er war dem Ersticken nahe, und eine dunlle Röte färbte sein verzerrtes Angesicht. Es war unheimlich, angesichts dieses Ringens mit dem Tode draußen die lustigen Töne Nochems zu vernehmen! Da erhob der Knabe plötzlich seinen Oberkörper, und es war, als wollte er noch mit seinen letzten Kräften gegen 'den Tod ankämpfen. Seine Augen, die von Tränen erfüllt waren, drangen schier aus ihren Höhlen — und er öffnete den Mund, aus dem sich nun eine dunkle Flüssigkeit ergoß. Dann fiel der Kopf zurück in die Kissen. Da eilten Michael und Jossef mit dem Rufe: „Schma Jisroel" an das Lager, wähnend, das Kind habe seinen Geist aufgegeben. — Aber wie erstaunten die beiden Männer, als sie wahrnahmen, daß der Ausdruck des in Schweiß gebadeten Gesichtes sich vollständig verändert hatte. Die Röte war einer Blässe gewichen, dem schweren Röcheln war ein ruhiges, regelmäßiges Atmen gefolgt, und die Augenlider hatten sich zu einem sanften Schlummer geschlossen. Michael beobachtete mit seinem erfahrenen Blicke den Knaben, ein Ausdruck der Befriedigung überzog sein Gesicht, und er rief: „Jossef, Dein Kind ist gerettet!" Eben wollte der Vater freudetrunken auf sein ihm vom erbarmungsvollen Gotte wiedergegebenes Kind stürzen, — da hörten die Männer einen schrillen Ton von draußen, als ob die Saiten der Fidel zerrissen. Dann folgte ein kurzer Aufschrei,-ein dumpfer Fall!-Sie eilten hinaus. Im Schnee lag Nochem Klesmer, starr, — tot!- Der Malachhamowes, dem er den Eintritt ins Haus hatte verwehren wollen, hatte ihn selbst überwältigt; — das Kind aber war verschont geblieben! — Kaiser Friedrich yuette - Ottenbach a. X. - Gegen Klebt und Rheumatismus buwShrt. I Welt-Mundwasser. Der Menschheit Wohltäter. Rehorhe-Flasche MK.IZ5 Überall erhältlich! Wohack Inhaber: JVl WaHaU. Perlon, Juwelen, Goldwaren. Auf 'Wunsch Auswahlsendnogen. Woche»-SalerU>er. (Zeitangaben nach dem Laacb.) TamLtag, den 27. Februar (= 6. Adar): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 5 Uhr 30 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 8 Uhr 50 Min. in Berlin 6 Uhr 20 Min. Wochenabschnitr: Ter um oh. Der Wochen-- abschnitt führt seinen Namen nach der Hebe, welche die Kinder Israel brachten, um davon die Stifts- Hütte zu fertigen. Die Stistshütte, auch Auhel- Maued oder „Zelt der Zusammenkunft, ebenso kurz „Mischkon" oder Wohnung genannt, war das erste Heiligtum in Israel. Sie war ein trag- und zerlegbares Zelt aus Brettern, die mit Teppichen überhängt waren. Der Jnnenraum — 30 Ellen lang, 10 Ellen breit — war in das Helligtum und das Allerheillgste geschieden durch einen Borhang, die vorderen 20 Ellen das Helligtum, die hinteren das Allerheiligste. Um die Stistshütte war ein Hof, eigentlich „llmhof", 100 Ellen lang, 50 Ellen breit. Die ersten 50 Ellen nach dem Eintritte waren freier Raum, in den Hinteren 50 Ellen iand das Stiftszelt, jedoch von allen Sellen frei. Die Umhofswände waren aus durchbrochenen Umhängen gebildet. Am Eingang des Hofes wie am Eingang der „Wohnung" befand sich ein von Säulen getragener Vorhang. Ueberhaupt hatte der Umhof auf jeder Längsseite je 10 -sänken. Im Vorhof land Opferaltar und Waschbecken. Im Heiligtum selbst der goldne Tisch mit 12 Broten, die jeden Sabbat erneuert wurden. Ihm gegenüber der goldne Leuchter, sieben Flammen tragend. In der Mitte des Raumes der goldene oder Räucheraltar. Im Allerheiligsten die Buuoeslade mit den beiden steinernen Tafeln. Im heutigen Wochcnabschnitt nun hören wir von den Spenden an Gold, Silber, Kupfer, Wolle, Fellen, Oel, Gewürzen mrd Edelsteinen. Näher beschrieben. ist die hl. Lade mit dem goldnen Deckel und den Cherubimgestalten darüber, der Tisch, zu den Schaubroten samt den Bedienungsgefäßen, der kunstvoll aus einem Goldbarren getriebene Leuchter, ferner die Wohnung selbst. Die Bretter, in je zwei Silberfüßen ruhend, mit Golo überzogen, durch Hake» und Riegel verbunden. Drei Lagen von Teppichen als Bedachung, durch Schleifen und Spangen zusammenhängend. Der Kupferaltar nebst seinen Zünglein, Pfannen und sonstigen Gefäßen. Der kunstvoll gewebte Vorhang zur Scheidung im Heiligtumsinnern. Endlich der llmhof nach Größe, Einrichtung und Einteilung.— Am heutigen Schabbos ist „Havsokoh", d. i. Pause. Es wird nämlich kein besonderer Thora- Abschnitt verlesen, also nur 1 Sefer ausgehoben! — Man schaltet Jauzer ein. Am Donnerstag ist „Taanis-Ssther". Diesmal früher abgeyalten, da Purim auf Sonntag fällt. Es erinnert an Esthers Fasten, ehe sie zum Könige ging, um Israels Rettung zu erbitten. — Waj'chal - Vorlesung. Selichaus im Schemauno Esrei des Morgens. Aneinu-Einschaltung. ober Vermögens-, gamlHert» tU flftSnhBffcrowrliai*««—, B«k obachtungen, Ermittelungen an allen Plätzen der Welt* Qrosse I>etectiv-Zentrale!!X Telephon 48K Auskünfte! Nalzhans 6, I- Tapeiter u. Dekorateur Dopfxauar BSrnestrasae 27. FarrrUiemrachrichre«. Geburten. Einen Sohn, Herrn Sigmund Rindskopf (Hecht), Fürth. Eine Tochter, Herrn Wolfs Landsberger (Rosenheimer), Heilbronn. Einen Sohn, Herrn Otto Jontof (Singer), Straßburg. Einen Sohn, Herrn Siegmund Rosenthak (Bauer), Annen i. W.

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