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Neue jüdische Presse · 1909-01-29 · Heft 4 (29.1.1909) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
7 (1909)
Issue
Heft 4 (29.1.1909)
Date
1909-01-29
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. i* •' nur . „als ein schlichter Mann ans dem Volke" vorstellte, den beinahe 2 Stunden währenden Bortrag höchst interessant zu gestalten und die Zuhörer bis zum Schlüsse seiner mit großem Beifall ausgenommenen Ausführungen zu fesseln. — Als Zeichen der Dankbarkeit für die genußreichen Stunden wurde Herr van Clcef mit einer Oelbaumspendc bedacht: — Aus -er Lehrerwett. 8mS. Von den 40 000 Mark, die die Staats» Verwaltung s. Zt. in den Kultusetat setzte, um leistungsschwachen Synagogengcmeinden einen Zuschuß zum Religionsunterricht zu gewähren, ist nun erstmalig Gebrauch gemacht worden. Den isr. Gemeinden im Bezirksrabbinat Ems: Nassau, Diez und Singhofen ist eine Staatsbeihülfe von je 200 M. zugewiesen worden. U. BreSIa«. Die Rabbiner-Prüfung lklljüd.- theolog. Seminar bestanden: Dr. Auerbach aus Rawitsch, Dr. Kahlberg aus Uslar, Dr. Alf. LevY aus Wingersheim und Dr. Steckelmacher «ms Mannheim. Der Kandidat Dr. Julius Wolfsohn aus Dresden erlag kurz vor der Prüfung einer Krankheit. Budapest. In Kaposvar wurde Oberrabbiner Dr. E. Herzog mit 353 von 370 abgegebenen Stimmen in den G c m e i n d e r a t gewühlt. — In Mezö-Keresztes wurde an Stelle des verstorbenen Rabbiners Sal. Klein s. A. dessen Schwiegersohn Rabbiner I. Z. Fn ch s - Grotzwardcin gewählt. 0 Jenillßton. (Sitte versunkene Wett. Roman von Jakob Levy. (Fortsetzung). 14. Kapitel. Dem Rabbiner, den Bär Kuchenheim begleitete, fiel es nicht schwer, den Erzbifchhof zu begütigen. Der Bogt hatte seinem Herrn schon vorher"berichtet, daß das Jüdchen Joseph dem Bär Kuchenhedn anscheinend einen hätte versetzen wollen; er hübe ihm gestanden, daß er ihn sträslich belogen. Der Erzbischhof, der für seine Fehden und für seine Bauten immer Geld benötigte, war gar nicht abgeneigt, den Schutzbrief um zehn Jahre zu verlängern, wofern die Juden dies gut bezahlen. Bär äußerte sich nicht über seine Verhandlungen mit den Ratsherren, saß aber ' manchmal sorgenvoll in seinem Stübchen. Eines Tags faßte er den ihni auf der Straße begegnenden Arzt am Arm und sagte: „Abraham Du mußt heute Mittag bei mir essen. Ich muß eine Zerstreuung, eine Ablenkung haben, sonst werde ich krank, und das mußt Du als Arzt verhüten." Der Arzt lachte und versprach, zur richtigen Zeit zu erscheinen, wofern es die Kranken gestatten. Und Abraham kam gerne. Er blickte sich wie immer nach der Tochter des Hauses um, die er so selten sah und deren Wirken an allem, an der zierlichen Tafel, an dem bunt bestickten Leinen sichtbar war. Jetzt traf er sie im Zimmer, als sie die letzte Hand an die Ordnung der Tafel legte. Er faßte ihre Hand und sagte: „Bäschen, jetzt entschlüpft Ihr mir nicht. Weshalb seid Ihr stets unsichtbar für mich, ich bin doch nicht Joseph." Sie antwortete errötend: „Es ziemt mir nicht, bei den Männern zu weilen und an ihren ernsten Gesprächen teilzunehmen. Kränken würde mich, wenn mein Vater mich herausgehn hieße, um sonder Zwang reden zu können." „Das würde doch sicher nicht geschehen. Außerdem sprechen wir nichts, was gehcini vor Euch bleiben müßte." »Ich weiß das. Im Nebenzimmer höre ich manchmal Eure Erzählungen, — und ich, die ich niemals einen Hügel gesehen habe, schaute mit Euch die Schneegipfel der Sierra Nevaoa, die Orangcnhaine Andalusiens, horchte den Liedern Eures Jehuda Halevi." Wie selbstvergessen sang sie mit leiser Stimme: „Ihr Zionsschaaren, alle, Engel leicht beschwingt Weckt Zion laut mit Schalle, Frieden, Frieden bringt!" Gr blickte sie überrascht an. „Woher kennt Ihr das Lied?" „Aus dem Büchlein, das Ihr meinem Vater geliehen habt. Aber ich muß Euch jetzt verlassen, meine Mutter wird mich in der Küche vermissen." Abraham war wie im Traum. Einem Mädchen wie Esther war er noch nicht näher getreten, die, dne fromme Zodjtec ihres Volkes, sich in den Sorge» r das große Hauswesen mit. der Mutter teilte, ihren Mußestunden spinnen mußte, die einfache Mzidhung der jüdischen Mädchen genossen hatte und in ihrer Phantasie die Schönheiten der Natur erblickte und bewunderte. Ein Mädchen, das "niemals etwas anderes, wie das Zeenu Urenu, allenfalls Frankfurter FsraÄktWrS FmnilienLlakt. einen deutschen Kalender gelesen hatte und sich an den Dichtwerken eines hebräischen Dichters begeistern konnte. Und wie beredt diese großen Augen blickten, wie richtig und verständnisvoll dieser Kindermund die wenigen.Verse gesprochen!! Abraham wurde in seinen Träumen von Bär unterbrochen, der vergnügt pntrat. Dieser dachte nicht an seine Sorgen, dein seltenen Gast zu Ehren, und das Mittagessen verlies sehr fröhlich. — Es war jedem Ratsniitglicde bei seinem Eid verboten, mit den Inden wegen Verlängerung ihrer Schutzfrist bis zu einem halben Jahre vor deren Ablauf zu unterhandeln. Deshalb konnte Bär Kuchenheim bis zu diesem Zeitpunkt nichts weiteres unternehmen, als sich seiner Freunde im Rat zu versichern und die Judengegner geneigt zu machen. Und das war sehr schwierig. Die Geistlichkeit hetzte gegen die Juden, und was sic bei dem Erzbischhof nicht erreichen konnte, suchte sie bei der Stadtregieruug auszurichtcu. Der Rabbiner Mordechai mußte seinem Kavitel von der ihm zugegangenen Verfügung Kenntnis geben, daß Christenhäuser nicht mehr in Besitz von Juden übergehen durften, daß Juden nur noch von ihren Glaubensgenossen Häuser kaufen dürften. Dagegen war nicht anzukämpfcn. Bär Kuchenheim fand wieder das richtige Wort. „Ich sinde darin keinen Grund zur Beunruhigung. Wenn man uns nach sechs Monaten den Aufenthalt in Köln verbieten wollte, würde man nicht zu derartigen Belästigungen greisen. Der weise Stadtrat schadet dadurch den Bürgern mehr als uns und wird diese Bestimmung rasch zurücknehmen." Der Rabbiner meinte: „Wenn wir, wie so oft, mit einem goldenen Händedruck nachhelfen würden!" Bär sagte: „Dafür würde ich nicht stimmen. Ich fürchte, daß wir unser Geld bald für viel Nötigeres gebrauchen." Und auf seinen Vorschlag wurde diese Erniedrigung widerspruchslos hingenommen. — All' diese Sorgen wurden jedoch nicht in die Häuslichkeit getragen. Die Männer hielten die Widerwärtigkeiten von ihren Frauen, von ihren Kindern fern. In den Häusern herrscht eine reinere Luft, als auf den Gassen. Da war das Familienleben in seiner ganzen Innigkeit und Lauterkeit, — und das wollten die Verfehmten sich schützen und erhalten, als ihren schönsten Besitz, den ihnen keine Macht der Welt rauben konnte. — Doktor Abraham lebte in einem sonderbaren Zwiespalt. .Er war sich sehr bald bewußt, daß er Esther liebte. Der Lockenkopf des jungen Mädchens, das er immer nur auf Augenblicke sah, drängte sich in seine Träume. Er hätte ja das Mädchen befragen können, aber eine gewisse Scheu hielt ihn davon ab. Wenn er bei Bär saß und mit ihm ernste Gespräche Pflog, bei denen er so oft der Belehrende war, kam er sich so gesetzt vor, daß er fürchtete, von seinem spottlustigen Oheim ausgclacht zu tverden, wenn er ihm von seinen Liebesgedankcn sprechen würde. Und das Mädchen schien ihn ja förmlich zu fliehen! Er verschob die Frage seufzend immer von einer Woche zur aitderen, hatte aber auch wenig Zeit, seinen Träumen nachzuhängen, denn sein Ruf als Arzt verbreitete sich stets weiter, sooaß er auch immer mehr von vornehmen Christen berufen wurde, denen der ernste, gütige Doktor so wunderbares Vertrauen cinslößte, daß der Kranke schon bei seinen tröstlichen Worten Besserung verspürte. — Der Hochzeitstag von Mendel Ems und Bliemchen Reiß war herangenaht. Die Braut.war mit der ganzen Verwandtschaft Tags zuvor angekommcn und hatte bei Moses Ems und dessen Sippe Unterkommen gefunden. In der damaligen Zeit war das Ausübcu von Gastlichkeit keine unbequeme Pflicht, sondern den Juden ein Vergnügen. In der beschränkten Wohnung nahm man den Gast auf, bereitete ihm Lager und nötigte ihni fast ohne Panse Speise und Trank auf. Der Gegenwert, den der Gast zu leisten hatte, bestand darin, daß er möglichst viel Neues erzählte. So geleitete Moses Ems zwei Verwandte aus Emmerich zu seinem Schwager Bär. ,Hicr bringe ich Dir zwei Balbatim, die bei Dir schlafen sollen." Bär schüttelte den Besuchern die Hand. „Meine Schwester, Schwager und drei Kinder sind zwar schon bei mir, aber für 'Euch schaffen wir doch noch Platz." Und nach kurzer Zwiesprache mit seiner Frau wurde auch Platz gemacht, indem die beiden Männer bei Doktor Abraham untergebracht wurden. Der..hatte nun keine Betten, verständigte sich aber sehr rasch mit den gemütlich aussehenden Fremden. ,Onkel Bär, bleibe bei uns, wir wollen ein Stündchen lernen." „Ich habe selber Beftuh, muß nach Hanse. Gute Nacht." Die Männer lernten bis Mitternacht. Dann holte der Doktor Wein, und der Trank machte sie Nr. 4. so müde, daß sie vorzüglich aus Decken schliefen, die auf dem Boden ausgebreitet waren. Der Tag war strahlend schön. Der Hof der Synagoge lag in der leuchtenden Sonne da und war gefüllt von frohen, festlich gekleideten Menschen. In der Mitte war die Chuppa ausgestellt, eine Decke von blauem Sainmet mit golbenein Gehänge auf vier Stangen. Als die Braut mit ihren Begleitern unter die Chuppa trat, riefe» Alle: „Boruch habo!" Dann wurde die Braut dreimal nnl den Bräutigam herumgesührt, tveil geschrieben steht: Das Weib wird den Mann unigcben. Danach führte der Bräutigam die Braut einmal um die Chuppa. Die Umstehenden streuten Weizen und Körner auf das Brautpar und tiefen: „Pruh Urwuh." Nach den Scgenssprüchen und dem Kiddusch schleuderte der Bräutigam einen Becher Wein gegen den an der Synagogenmauer befindlichen Stern. Dann wurde ihnr Asche auf den Kopf gestreut zum Andenken an die Zerstörung des Tempels. Nach der Hochzeit wurde die Nacht durch bis an den grauenden Morgen getanzt. Der Tanz war ein Vergnügen, das .auf den Hochzeiten selbst der ärmsten Juden Nicht fehlen durfte. Er hieß sogar Mizwoh, Iveil es geboten ist, den Bräutigam und die Braut zu erheitern. — Andern Tags erschien Blümchen mit ihrem Mann bei ihrem Onkel Bär. Dieser betrachtete die junge Frau in ihrem Hauskleidcheu, mit Scheitel und. Häubchen mit kritischem Auge, dann wandte er sich zu Esther. „Es wird auch für Dich Zeit. Da war gestern auf der Hochzeit der Veit Mittelbrunn, ein feiner Mensch; — ich glaube. Du hast ihm gefallen." Esther lachte. „Nein Vater, meine Haare gefallen mir vorläufig noch zu gut. Ich fteirate nicht." Bär schmunzelte, sagte dann aber doch ernsthaft: „Es ist Bestimmung der jungen Mädchen, zu heiraten. Wenn ich nicht mehr da bin und ein Unglück über die Juden hereinbrechen sollte, — wer würde Euch beschützen?" „Vater, ich vertraue auf Gott. Aber Du wirst mich nicht zu einer Ehe zwingen >vollen, in der ich mein Glück nicht finden kann." „Was soll das heißen: zwingen? — Aber ich bin vernünftiger als Du, und in meinem Hause gehorchen die Kindern den Eltern!" Mit gefurchter Stirn ging er aus dem Zimmer. Esther aber flüsterte ihrer Freundin Blümchen in's Ohr: „Und ich lasse mich zu einer Heirat nicht zwingen. Mein Vater behanpet ja immer, ich hätte seinen harten Kopf geerbt." (Schluß folgt.) I&aiser Friedrich (Quelle - Offenbach a. M. Oexen Sicht und Rheumatismus bewährt. i x/ifi Welt-Mundwasser Der Menschheit Wohltäter. Retorte-Flasche Mk.1.25 Überall erhältlich! Wohack tiadifolger. Hofjuwelicr, Kalserstr. 1, Frankfurt a. M. Inhaber: JML. W«2IaiZ. Perlen, Juwelen, Goldwaren. Auf Wunsch Answahlsendongen. Wocheu-Kaleuver. (Zeitangaben nach dem Laach.) Samstag, den 30. Januar (— 8. Schwat): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 4 Uhr 50 Mn. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 6 Uhr 5 Min. in Berlin 5 Uhr 20 Min. Wochenabschnitt: B a u. — Die letzten drei Plagen! Auf Gottes Befehl kündigt Moses eine Heuschreckenplage an. Dabei gerät Pharao, der nur teilweis Konzessionen an Israel machen will, in Zorn und vertreibt Moses und Ahron von seinem Angesichte hinweg. Die Heuschrecken vernichten alles Grüne im Feld. Ein Westwind führt die Heuschrecken wieder fort. Eine dreitägige Finsternis entsteht. Nur Israel hat Licht. Pharao will das Volk sortlassen, nur das Vieh soll Zurückbleiben. Moses widerspricht und scheidet erregt von Pharao, nachdem er noch die letzte Plage angeküudigt: das Sterben der Erstgeborenen. Um Mitternacht sollen alle Erstgeboren, hoch und niedrig, dem Tode verfallen, ebenso die des Viehes. Dann , wird Pharao das Volk förmlich fortdrängen. Vorher sollten sie jedoch das

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