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Neue jüdische Presse · 1908-12-31 · Heft 51 (31.12.1908) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 51 (31.12.1908)
Date
1908-12-31
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 51 Frankfurter JsraelitWes FmnilienKakt. Seite 3. Chorgesang, Rede des Gemeindepredigers Dr. Rabbiner und Anzündcn der Lichter. — Ferner veranstaltete die j ü d. Schule wie alljährlich ein kleines Fest. Vcrschiedensprachige Deklamationen und Lieder wechselten mit ebensolchen Szenen, die zum Teil sehr iutcressaut waren, ab. Als Religionslehrer sprach auch hier Herr Dr. Rabbiner. Er sagte u. a.: „Fünf Jahre bin ich als Lehrer au der hiesigen Schule tätig und habe immer die größte Freude empfunden, daß hier den Kindern alles Jüdische in der jüd. Nationalsprache initgeteilt wird. Mil umso größerem Bedauern muß ich nun den Rückschritt konstatieren, daß auch die jüd. Geschichte nicht mehr wie bisher in hebräischer, auch nicht in einer anderen, den Kindern Nutzen bringenden Sprache gelehrt wird, sondern in der zweiten Eoluth-Sprache, im spaniolischen Idiom, welches man in jüdisch-national gesinnten Kreisen ebenso ivie den deutsch-jüdischen Jargon auszurotten bestrebt ist." — Die Feier des Turnvereins „Makkabi" war vortrefflich gelungen und hat für den Verein allgemeine Sympathie erweckt. Ben Hoamitti. Personalien. Mannheim. 73jährig verschied Oberrat und Altstadtrat Max S t o ck h e i m, Inhaber des Zäh- .ringer Löwenordens 1. Klasse und des Roten Adlerordens 4. Klasse. Ltockheim war auch Vorsitzender des Synagogenrates der jüd. Gemeinde und betätigte sich in der Leitung einer Anzahl jüd. Wohltätigkeitsinstitutionen. Lübeck. Hier v.rschied im Alter von 74 Jahren Frau Dr. D. E. Joel geb. Koch, Schwiegermutter des bekannten Misrachiführers Dr. med. Adler- Nordrach und Rabbiners Dr. Einanuel Carlebach- Köln. Die Beisetzung fand in Alsbach (Hessen) statt. Mülhausen r. Elf. Alexandre Haas har iemc Stellung als Generaldirektor der Banque de Mulhouse, die er seit 35 Jahren bekleidet, aus Altersrücksichten niedcrgelegt. Llmützi Mähren. Josef Loew, einer der ange- . sehensten und beliebtesten Bürger der Stadt, ein Mann von großem Wohltätigkeitssinn, ist 67jährig verschiedeir. Dreimal wurde Loew einstimmig in die Stadtvertretung gewählt, die ihn in den Gemeinderat entsendete. Er war Mitglied der Handels- und Gewerbekammer, Vizepräsident der Israelit. Kultnsgemeinde usw. Paris. Albert Jacques Meyer gen. Meyer-May und Leon Maximilian Getting wurden zu Rittern der Ehrenlegion ernannt. Aus der Lehrerwett. Sulz a. Wald. Im Alter von 59 Jahren verschied der pensionierte Kantor Jakob Weill, von 1868 bis zum Februar dieses Jahres Kantor der hiesigen jüdischen Gemeinde. Triescü »Mährens. Rabbiner K. Nürnberger, Schüler der Preßburger Jeschiwa und des Berliner Rabbiner Seminars, wurde in sein Amt als Rabbiner unserer Gemeinde feierlichst e i n g e f ü h r t. Nemes-Szalük «Ungarns. Zum R .bbiner der hiesigen Gemeinde wurde Rabb. Moses Ahron Kraus, Sohn des Lakenbacher Rabbiners, gewählt. Eine versunkene Wett. Roman von Jakob Levy. lFortsetzung). 11. Kapitel. Joseph erstattete seinem Vater Bericht und meinte: „Es ist für mich nicht so leicht, vertraut mit den Leuten zu werden. Das Mißtrauen ist zu groß. Denke Dir, nicht Einer hat mich nach meinem Unfall befragt, so gleichgültig sind wir den Juden. Wer das Mädchen ist schön, ich möchte sie heiraten." „Joseph, dann mußt Du aber auch ein.ganz anderes Leben führen, denn mit dem christlichen Wesen hast Du nun einmal kein Glück. «Du könntest der beste Schidduch in allen Gemeinden Deutschlands sein, wenn Du ein guter Jude wärest, Bär müßte es eine Ehre sein. Dich Schwiegersohn zu nennen." „Ich will es versuchen, Vater. Wer weshalb hast Du mich nicht frommer erzogen? Du hast es doch immer als Stuß bezeichnet, was wir im Cheder und später im Beth Hamidrasch gelernt haben." „Nun ja, ich habe aber nicht gemeint, daß Dü es so bunt treiben sollst. Du siehst doch, daß ich selbst fromm bin und niemals Verbotenes esse." Joseph lachte. „Dafür war ich ja da. Du hast es immer sehr beisällig begrüßt, wenn eine Mahlzeit in einer Schenke uns goldene Früchte getragen hat." „Dü sollst es auch nicht mehr. Seit Deinem letzten.Unglück habe ich kein Zutrauen mehr dazu." - >,Nun, es sind schon frommere Juden als ich mißhandelt worden. Wenn ich mit den Junkern wieder Freund werde," — jäh brach er ab. Er dachte an die Drohung des jungen Overstolz, und eiskalt überlief es ihm. Sein Vater aber sagte: „Das letzte Geschäft ist fehl gegangen, ich wünsche, ich hätte von meinem Geld nur die Hälfte zurück." „Und dies Geschäft schien von Anfang bis Ende gut zu sein. Uebrigens hat mir der Vogt versichert, daß unser Geld sicher loäre." „Fange mit den großen Herren an. Willst Du vielleicht den Erzbischof vor Gericht laden?" „Vater, sei zufrieden," suchte er ihn zu beruhigen. „Ich werde die Schuld schon einbringen." Er selbst freilich glaubte seinen Worten nicht ganz. — Was vorher in den zehn Bußtagen noch niemals geschehen war, erfolgte jetzt; — der Rabbiner berief bas Kapitel zu einer schleunigen Sitzung zusammen. „Ihr Männer, cs ist nichts Unwichtiges, weshalb ich Euch gebeten habe. Im nächsten Jahre ist das zehnjährige Geleit abgelaufen. Mit den Räten dürfen wir noch nicht verhandeln, aber mit dem Erzbischof. Und es wurde mir von zuverlässiger Seite anvertraut, daß man uns dort nicht mehr günstig gesinnt sei. Was sollen wir nun tun, um clnem drohenden Unheil vorzubcugen?" Wieder war es der alte Würzburger, der zuerst das Wort ergriff: „Wir leben in Frieden mit den Christen, leisten unsere Abgaben, und die Stadt hat ihren Reichtum nicht zuni wenigsten uns Juden zu perdanken. Sott sie die Henne schlachten, die ihr die goldenen Eier legt? Und wenn uns das Heim genommen wird, so ist cs die Strafe des Ewigen für den Abfall von seinen Geboten, der bei uns überhandnimmt. Wir müssen auch das Leiden hinnehmen, so wie wir das Gute empfangen." Der Rabbiner erwiderte: „Wir sind eine Gemeinschaft von Menschen, nicht von Engeln. Und wenn einer oder mehrere die Gebote nicht befolgen, so wird Gott, gelobt sei Er, nicht die ganze Gemeinde dafür strafen. Unsere Pflicht jedoch ist es, alles aufznbieten, damit uns die Heimat erhalten bleibt. Oder sollen wir, ohne Wwchrmaßregeln zu treffen, mit unseren Frauen und Kindern ins Elend ziehen? Das ist nicht der Wille des Ewigen. Er — gelobt sei sein Name — verlangt, daß der Mensch das Seine tue; .beim Vater im Himmel ist der Endbeschluß. — Das Wort hat Markus Richard." Dieser/der als einer der ersten sich zum Worte gemeldet hatte, erhöh sich. „Ihr Herren, ich komme als Juwelenhändler durch viele Städte und kenne die Großen. Mit Schmeicheln und Gold gewinnt Ihr sie alle, cs sei denn, daß sie durch ihre Willfährigkeit ihre Stellung gefährdet glauben. Das Volk ist uns hier nicht feindlich gesinnt, also kaufen wir uns die Geneigtheit der Edlen." Allgemeiner Beifall lohnte den Redner. Jetzt begann Bär Kuchenheim: „Die Worte meines Freundes Markus Richard verdienen wohl Beachtung; aber in Köln, wo Erzbischof und Rat nicht in vollem Frieden leben, ist es nicht so leicht, sich alle geneigt zu machen. Haben wir uns den einen gewonnen, sagt uns der andere aus Trotz vielleicht ab. Die Gemeinde muß mit allen verhandeln, aber nicht durch viele Unterhändler, sondern durch möglichst wenige. Ich möchte Vorschlägen, unfern verehrten Rabbi Mordechai zu beauftragen, mit den maßgebenden Großen zu reden." Lebhafte Zustimmung erfolgte von allen Mitgliedern des Rats; sogar der alte Würzburger nickte beifällig. Der Rabbiner begann: „Ihr lieben Freunde, wie es meine Pflicht ist, unterwerfe ich mich Eurer Entscheidung, aber unter einer Bedingung. Ich übernehme es, mit dem Erzbischof zu unterhandeln" — er lächelte —. „Ist doch meine Würde und mein Titel Judenbischof und darf doch ein Amtsbruder dem andern nichts verweigern. Aber zu dem Rate der Stadt müßt Ihr einen andern abordnen, der mit den Herren reden kann und dem sie geneigt sind, — »und da wüßte ich keinen besseren als Bär Kuchenheim." Der Rabbiner wurde von Beifallsbezeugungen unterbrochen. „Ihr hört, Red Bär, alle sehen ein, daß Ihr der beste Mann dafür seid. Ihr nehmt doch den Auftrag an?" Bär stand langsam auf, sein Gesicht hatte sich gerötet. - „Rabbi, Ihr legt mir Schweres auf. Wie vermag ich ungewandter Mann mit so vielen stolzen Männern, zxnter denen Judenhasser, zu verhauhandeln und sie uns günstig zu stimmen? Ich erkenne aber an, daß es geschehen muß und nehme den Auftrag cm. Nur eine Bitte habe ich. Vorläufig befraget mich nicht, was ich in dieser Angelegenheit schaffe, denn ich muß über alle Schritte, die ich unternehme, Schweigen beobachten, damit uns nicht durch unzeitiges Plaudern Schaden erwachse." Der Rabbiner sagte: „Ich danke Euch im Namen der Gemeinde, die Sorge um deren Wohl ist bei Euch in besten Händen, und ich verspreche, daß Ihr nicht befragt werden sollt. Wer Ihr Herren, ich richte an Euch die Mahnung, schweigt gegen alle, auch gegen Eure Weiber und Kinder, von dem, was wir heute besprochen. Die Gemeinde soll nicht beunruhigt werden und im Perkehr mit den christlichen Mitbürgern so nnbefang'.j bleiben, wie zuvor; das ist so wichtig für bas Wohlergehen von uns allen, daß Ihr mir durch Handschlag Schweigen geloben sollt!" Und die Männer gaben die Versicherung mit festem Händedruck. Reb Würzburger aber sprach: „Wenn der Ewige beschließt, daß wir wandern sollen, sind unsere Entschlüsse Spreu und Rauch. Ich werbe schweigen; aber ich halte inich bereit uild werde nicht murren. Den Verjagten ist das dritte Paradies sicher, in dem die Israeliten ruhen, die aus Egypten gezogen sind und das Geschlecht, das in der Wüste war. Nischmath chajim trügt nicht." — Doktor Abraham hatte noch am Roschhaschonoh bei der Mahlzeit seine Base aufgefordert, mit ihm eine Partie Schach zu spielen. Diese aber stotterte, sie sei keine würdige Gegnerin für einen Meister nick» und machte sich an den Platten zu schaffen, die sie ihm reichte. Auf die Antwort Wrahams, er sei kein Meister, meinte Bär: „Sie spielt nicht schlecht; sie könnte wirklich einmal mit Dir spielen." Wer sie ichüttclte lachend de» Kopf und ellte ans dem Zimmer. — Abraham besuchte seine Kranken nach wie vor, und wenn er auf einige Minnten zu seinem Onkel kam, war Esther nicht sichtbar. Ein regelmäßiger Besucher, der viel mehr Zeit als der Doktor Abraham hatte und deshalb auch seinen Besuch nach Herzenslust ausdehnen konnte, wurde Joseph Basel. In einer vertraulichen Unterredung mit Bär Kuchenheim gestand er diesem, daß er ein ordentlichen jüdisches Gemeindemitglied werden wolle. Außerdem aber wünsche er, manche Geschäfte mit Bär zusammen zu machen, denn sein Vater habe immer genügende Mittel. Uebrigens ein Geschäft sei ihm schief gegangen, das mit dem Beuelshof, von dem ihm Bär abgeraten habe. Er fragte lauernd: „Ihr habt sicher gewußt, wie es mit dem Beuelshof stand?" Der Gefragte schwieg, und dadurch wurde Josephs Vermutung zur Gewißheit. Doch rasch ging er darüber hinweg und widerholte, daß er nun seinen Platz in der Gemeinde einzunehmen gedenke. (Fortsetzung folgt.) i&aiH«r t rieilrlca ^juefiie ... Offenbach a. M. — ... Gegen Gicht und Rhenmatfamna bewShrt» Wel t-Mund wasser. Der Menschheit Wohltäter. Retorte-Flasche MW.125 Überall erhältlich! Wohack iiatMiiloei,. Inhaber: M. WaJlail. PeWon, Juwelen, Gold«raren» Auf Wunsch Aoswahlsendungeu. **-*—■■ ' Wocheu-Kalerrver. (Zeitangaben nach dem Lnacb.) Samstag, den 2. Januar (— 9. Tewes) : Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 4 Uhr 05 Mtn. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 5 Uhr 30 Mm. in Berlin 4 Uhr 55 Min. Wochenabschnitt: Wajigasch. — Juda bietet sich für Binjamin als Sklave an, wie es seine Bürgschaft beim Vater ihm zur Pflicht gemacht. Nun kann Josef sich nicht mehr enthalten, er gibt sich zu erkennen. Bestürzung, Weinen, Umarmung und Küssen bringt die aufregende Szene mit sich. Auch Pharao. vernimmt gern die Kunde. Mit reichen Geschenken und kostbaren Wagen ziehen die Brüder heim, dem bekümmerten Vater die glückliche Botschaft zu bringen. Sie sollten ihn mit nach Egypten nehmen. Jakob bleibt erst kcüt und sprachlos. Die Erzählung der Brüder, der Anblick der königlichen Wagen wirken jedoch überzeugend. Jakob zieht nach Egypten, opfert an der Landesgrenze und bekommt die göttliche Zusicherung, dereinst wieder nach Kanaan gebracht und dort begraben zu werden. — Josef fährt entgegen. Unterwegs trifft er den Vater. Lange umarmen sie sich und weinen. Die ganze Famllie wohnt nun im Lande Gosen. Fünf Brüder stellt. Joses dem Könige vor. Als Hirten dürfen sie im Lande wohnen. Auch Jakob hat eine Audienz bei Pharao. Er wird nach seinem Aller gefragt

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