Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 6 (1908)
- Issue
- Heft 50 (24.12.1908)
- Date
- 1908-12-24
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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1^rr~n~“ Rr. 50. Frankfurter Israelitisches Familienblatt Seite 11. Herren Sally Rosen heim er, Leopold Kurz und Edwin Frank Szenen aus Alfred N o s s i g s Drama „Abarbanell" aufgeführt, einem Stücke, dem es unseres Erachtens an der richtigen Psychologischen Durchführung fehlt. Mit einem Chorgesang des Neumann'schen Gesangvereins schloß die Feier, die, wie wir aus den Acußerungen.des Publikums vernahmen, allgemein befriedigt hat. — Für eine künftige Makkabäerfcier wären einige hebräische Nummern im Programm erwünscht. Mit einer nur platonischen Liebe der Zionisten ist der hebräischen Sprache nicht gedient. Frankfurt a. M. Bei der Expedition gingen für den Nationalfonbs ein: N. N. ein Oelbaum 6,— JL Wien. Die jüdisch-nationale Partei erscheint zum ersten Male in der offiziellen Statistik über die letzten ReichsratSwählen. Es ist dies eine Anerkennung des jüdischnationalen Gedankens, die ungemein sympathisch berührt. Es entfielen auf diese junge, aber rührige Partei 31941 Stimme», die sich auf folgende Provinzen verteilten: Niederösterreich 529,' Galizien 24757 und Bukowina 6655 Sie bildeten von allen in den betreffenden Kronländcru abgegebenen Stimmen in: Niederösterreich 0,09, Galizien 2,01 und Bukowina 5,71 Prozent. Aus de« Vereinen. Frankfurt a. M. Verein .Nachlaß Z w i.* Es war ein hoch interessantes Gemälde das Herr Rabb. Dr. K o t t e k - Honiburg mit seinem Vortrage „Johann N e u ch l i n s Kampf für den Talmud" vor den Augen seiner Zuhörer entrollte. Auf der einen Seite der getaufte Jude Joseph Pfefferkorn, ihm zur Seite die Dominikaner mit oem Jnquisitionsrichter Hochstraten und Arnold von Tungern, Professor der Dominikanertheologie, an der. Spitze;, auf der anderen Seite der bedeutendste christliche Hebraist seiner Zeit Johann Renchlin (geb. 1455, gest. 1522) mit denr edleu Erzbischof Uriel von Mainz und später dem edlen Ulrich von Hutten zur Seite. Wir sahen, wie Pfefferkorn auf Anstiftcn der Dominikaner voni Kaiser Maximilian die Erlaubnis zur Konfiskation aller hebräischen Bücher erlangt, wie er diese Konfiskation mit fanatischeni Eifer betreibt, aber in Reuchlin einen Gegner findet; wir durchlebten den jahrelangen Kampf zwischen Pfefferkorn und seinen reaktionären Anhängern und Reuchlin und seinen frcigesinnten Freunden, ein. Kampf, der sich am kaiserlichen Hofe und durch Schriften und Gegenschriften abspielte. Zwei Jahrzehnte währte mit wechselndem Erfolge der HamPs, der den Boden für die Reformation geebyetchat und damit schließlich ein Sieg des Humanismuswar. Frankfurt a. M.» 22. Dez Ein mächtiges Bild bot sich uns, als wir den gewaltigen Prnnksaal des Kaufmännischen Vereins zur Chanukafeier des „Montefio re"-Vereins betraten. Soweit das Auge schaute, überall duftige. helle Balltoiletten der Damen und elegante schwarze Festanzüge der Herren, und dazu eine solche Fülle von Menschen, daß der 1500 Personen fassende Saal voll besetzt gewesen sein dürfte. Mit den vertrauten Klängen des Chanukaliedes begann kurz nach 9 Uhr die Orgel leise und feierlich und brachte sofort ernstes Schweigen in das flüsternde Stimmengewoge. Nachdem die Töne der Orgel verklungen waren, bestieg Herr Dr. I. Heinemann die Rednertribüne. In seiner Festrede beleuchtete er, der bekannte vorzügliche Kenner der altgriechischen Kulturwelt, das Verhältnis des Judentmns LU Hellas. Daß der Kampf der Makkabäer dem Griechentum gegolten habe, wie gewöhnlich gesagt werde, führe zu einer falschen Anschauung. Es müsse hier zwischen Hellas und Hellenismus sorgfältig unterschieden werden. Ei» Kampf gegen Hellas hätte ,-ein, Kampf gegen die Wissenschaft und gegen die - Kunst bedeutet, — und das Judentum weiß Wissenschaft und Kunst sehr wohl zw würdigen und zu ehren. Die Ehrfurcht vor dem, was über uns ist und . das Maßhalten in allen Dingen, die Ideale der Freiheit und der Besonnenheit sind es, die Hellas zu-,verwirklichen suchte. Anders aber der Hellenismus, der seit Alexander dein Großen durch die Vermischung der griechischen mit der orientalischen Kultur entstand und eine Dekadenz der reinen griechischen Kultur bedeutete. Diesem Hellenismus galt der Kamp r der Makkabäer. Den geistvollen Ausführungen des Festredners folgte eine ebenso vorzügliche Leistung für das Verständnis der damaligen großen Zeit. In fünf prächtigen lebenden Bildern, die künstlerisch etwas Erstklassiges darstellten, zog die ganze Makkabäergeschichte, von entsprechcuoer musikalischer Vertonung — Herr Organist Moritz Meier vom Schauspielhause an der Orgel — begleitet und vorher durch Herrn Kantor und Lehrer I. B. L e v y in klassisch edler Sprache erklärt, anuns vorüber. Herrn Levy gebührt für dieses ungewöhnlich hohe Anforderungen stellende Arrangement ein besonderer Dank. Nachdem nun der akademische Teil der Feier beendet war, trat eine längere Pause ein. — Hatte die Veranstaltung des „Montefiore" in ihrem ersten Teile das Gepräge des Ernstes, der Weihe, >vie es bei dem Feste der Erinnerung an der Makkabäer Kämpfen und Siegen natürlich war, w fiel den musikalisch-deklamatorischen Darbietungen im weiteren Verlaufe des Abends die vornehme Ausgabe zu, Behaglichkeit und frohe Laune bei den zahlreichen Festtciluehmern zn wecken. Das gcchickt arrangierte, fein abgetönte Programm löste dann auch alsbald die erwünschte Stimmung aus. Die Vereinsleitung hatte wieder Sorge getragen, daß eine Reihe namhafter Künstler auch dem verwöhntesten Geschmack gerecht wurden. Gleich das Auftreten des jugendlichen Pianisten Alfred Höhn, der auf Grund seiner bisherigen Erfolge voll Spannung erwartet Ivurde, war ein künstlerisches Ereignis, das der Verein in seinen Annalen mit merklichen Lettern eintragcn. darf; denn Höhn wird einst zu den 'Auserkorenen in seiner Kunst gezählt iverden. Die phänomenale Technik, das wunderbar plastische Gestaltungsvermögen, mit der er zwei Werke von Liszt spielte, wird nicht nur bei den Kunstverständigen die Ucberzeuguug hervorgerufen haben, daß hier ein Gottbegnadeter die Saiten zum Klingen brachte. Der gesangliche Part des Mends war Fräulein Sellin von der hiesigen Oper übertragen worden. Sie zeigte in einer Arie aus „Figaros Hochzeit" und in Liedern von Jenssen, Frommer lind Reumann all' die Vorzüge ihrer sympathischen Künstlernatur, die sic seit etwa Jahresfrist zum Liebling der Frankfurter Opernbesuchcr machten: eine klangschöne, ausgiebige Stimme und scelenvollen liebenswürdigen Boitrag. Sie wurde von Herrn Wcill am Klavier bestens begleitet. Biel Gefalle» fand auch der Rezitator des Abends, Herr 'Arthur Hellmer vom Schauspielhause; er hatte in Dichtungen von Janssen und E. Neuburger für einen jüdischen Verein besonders geeignete Vortragsstücke gewählt und brachte bei diesen, wie auch den launigen, österreichischen Dialektsächelchen den Stimmungsgehalt erschöpfend zum Ausdrucke. Für die Bestreitung des kernigen Humors hatte man Herrn Menzinger gewonnen, dessen etwas urwüchsige Komik man sich angesichts dcr vorgcrücktcn Stunde (cs war schon lange nach Mitternacht!) gerne gefallen ließ. Nach Erledigung des reichhaltigen Programnies blieb die Jugend noch beisammen, um Terpsichoreu zu huldigen, und cs sei nicht.inehr „früh" ani Tage gewesen, als das unausbleibliche Ende auch dieses Festes' einträt. Mainz, 80. Dez. Heute feieiie im großen Konzertsaal der Liedertafel die Rhenus-Loge ihr C h a n u k a f e st. Wir Eingeweihten hatten wirklich Angst davor, öettir in den Proben sah's schauerlich aus, zuletzt wurden gär noch Mitl^irkende krank, so daß wir uns mit Recht noch mehr fürchteten. Unsere Beklemmung wuchs noch, als bereits >/, Stunde vor. dem Beginn der Saal gedrängt gefüllt war. Wvr alles ging wie am Schnürchen, und es wurde trotz allem Mißgeschick Glänzendes geleistet. Nach dem Anzünden der Chanukalichter und der Rede des Herrn Rabb. Dr. S a l f e l d betrat Fräulein G e r t r u d e R u ß b a u in das Podium, uin mit ihrer sehr wohlklingenden und ausgebildeten Stimme einen von Frl. Elsa N e u g a r t e n gedichteten Prolog vorzutragen. Eine Kindersymphonie von Haydn, ansgeführt von 25 Kindern, fesselte sodann den Blick des Publikums. Die Symphonie klappte vorzüglich; die Kinder waren alle sehr eifrig bei der Sache, jedoch verdienen Klavier (Marxsohn, N u ß b a u m) und Cello (51. G o l d s ch m i d t, F. K a l l m a n n) ein besonderes Lob. Ein Frankfurter Zauberer beschäftigte nun bjp Zuhörcrschar für eine Stunde. Ihm folgte „Das internationale Wachsfiguren-Kabinett". Ein durch seine Erfolge — er erzählt uns u. a., daß er den Drachenorden hat und inan ihm schon 6 Fraiien nebst — 6 Schwiegermüttern zum Geschenke bot — überspannter Bndeubesitzer (Richard Metzger) wird von seinem Diener (Karl Goldschmidt) verspottet. Nachdem , Beide in langem Dialog das Publikum ergötzt hatten, entschließen sie sich, dem „verehrten Publikum" endlich ihre Sehenswürdigkeiten vorzuführen. Was sich nun unserein 'Auge bot an Grazie, an Kuiist der Mimik, der Deklamation und des Gesanges vergesse» alle, die es sahen, sobald nicht. Nr. 1: Häusel u. Grete (Fritz H a i n e b a ch und Gert r. 51 a h u). Vielleicht das beste vom ganzen!? Die Menge war begeistert über das reizende Singen der beiden Kinder. Nr. 2: Mirijams Abendgebet (Toni M e tz g e r) wurde sehr nett vorgetragen. Nr. 3: Frl. Evcheu Lebrecht sang zwar etwas befangen, aber mit einer Stimme, von der man noch viel erivarteu kann, ein Couplet. Auch Nr. 4.. das Gigerl (Leonhard Fulda) war befangen; aber er machte seine Sache sehr hübsch. Nachdem als 5. Nummer T r u d i Lebrecht und Lilly Herz einen Schäsertanz sehr lieb vor Augen geführt hatten, trug Arthur Heinemann als hessisches Bäuerlein ein formvollendes Gedicht seines Vaters im Dialekt ganz ausgezeichnet vor. Eine Pantominc (F r i tz und Erna Kahn) suchten uns zu überzeugen, wie schnell Amerika erobert wurde. Lilly Raphaelsohn brachte ein humoristisches Gedicht sehr lieb zu Gehör; auch JosephLipanowitsch hatte mit „Der Kritik der Weltschöpfung" großen Erfolg. Fritz und Erna Klei» trugen den „Lustigen Ehemann" vor und ernteten reichen Beifall. 3 Nummern ivareu es^ die über den Dilletantismus weit hinausgingen: Sophie Plaut und L e n i K r o n e n b e r g e r im Blumentanz. Fritz und Erna K r o n e n b e r g e r im Ringel - reih'n aus der Dollarprinzessin und Trude und Paula N e u g a r t e n in der Pikkoloszene aus dein Walzertraum. Die stumme Wachsfigur Struwwelpeter (E m ui y M e tz g e r) hat allen den erwünschten Abscheu eingejagt. Mit einer Gavotte fand der Reigen der Darbietungen sein Ende. Zum Schluß rief man stürmisch nach Herrn Hühner vom Stadttheater und Frl. R e u g a r t e n, die alles einstudiert hatten und denen man die wochenlange Mühe ein wenig mit Klatschen lohnen wollte. — — Das Theaterstück „G estalten aus Israels Vergangenheit" von E l s a N e n g a r t e n. das zur vorigen Chanukafeier hier seine Uraufführung hatte, Ivurde im Berliner israelitischen Waisenhaus vor 8 Tagen mit großem Beifall ausgenommen. E. G. Köln a. Rh. De Chewroh .Gemilus C h a s s o d i m" wählte Lehrer M. G o l d s ch m i d t wieder und Dagobert Bier neu in den Vorstand. Sie zählt 475 Mitglieder und hat in ihrem letzten Geschäftsjahre 8098 ,IL vereinnahmt und 7288 Mark (davon 4863 JL für Unterstützungen) verausgabt. Die Mouatsvorträge des Vereins erfreuen sich eines guten Besuches. (L.1 Posen. Der seit 17 Jahren bestehende jüd. Verein „Frauenhilfe" (Vorsitzende: Frau Rabb. Dr. Feilchenfeld) vereinnahmte im abgelaufenen Geschäftsjahre Mk. 9624 und verausgabte Mk. 4528. A«s der Lehrerwelt. Bukarest iRumänien). Der Kultusminister hat neue Anordnungen erteilt, die den Zweck haben, den hebräischen Unterricht in den Schulen, der mit schwerer Mühe ans jüdischen Mitteln erhalten wird, zn untergraben. Hannover. Landrabbiner Dr Grone mann feiert am 26. Dezember d. I. sein 25jähriges A m t s j ub i l ä u m. Nach dem Tode des Landrabbiners Dr. Meyer wurde er zn dessen Nachfolger erwählt und im Dezember 1883 hon Atadtdirektor Haltenhoff in sein Amt eingeführt. Zu Ehren des Jubilars wird am Sonnabend, 26. d. Mts., vormittags, in der Synagoge ein Festgottesdienst veranstaltet. Am Sonntag. 27. d. M. findet im Hause des Jubilars die Beglückwünschung durch Vertreter der israelitischen Gemeinden, Korporationen usw. statt, woran sich um 2*/» Uhr im Konzerthause eine von seinen Freunden veranstaltete Festlichkeit anschließen wird. Kunst und Literatur. Jüdische K u 1 t u r b i I d e r (Aus meinem Leben). Von Dr. 'Armin Schnitzer, Oberrabbiner in Komäroin. Preis 2 Kr. Verlag: Sandor Spitzer, Komorn. An der Hand seines Lebenslaufes, in einer 'Art von Selbstbiographic bietet der Komaromer Oberrabbiner uns eine Reihe interessanter Bilder aus dem Leben der Juden in den letzten 60 Jahren. Er ist ein amüsanter Plauderer, der seine Erzählung durch Bonmots und Anekdoten zu beleben versteht. Wir erfahren arrs Schnitzers Kulturbildern viel Wissenswertes über jüdische 'Sitten und Bräuche in Ungarn, die uns in der Regel ganz fremd bleiben. S. Vereins-Kalender. Verein Mekor-Chajim. Samstag, den 26. Dezember 1908 Nachmittags 3Ve Uhr: M kro-Bortrag des Herrn Josef Bamberger. Tie nächstwöchentliche Nummer — die letzte im laufenden Quartale — erscheint bereits Donnerstag früh. Inserate für die Nummer mnffen bis Mittwoch Bormittag in unserem Besitze sei». Die Beilage „Indische Jugend" erscheint «ächfte Woche. Carl Grebenau, TgS Sk Juwelen. Uhren. Soldn. Stlhenoaren. Answahlsendungen gerne zu Diensten.