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Neue jüdische Presse · 1908-12-11 · Heft 48 (11.12.1908) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 48 (11.12.1908)
Date
1908-12-11
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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p fit. 48 ites fcfti#irfec UmMMm Familmklaikes. Aus den Vereinen. Frankfurt a. M., 7. Dez. Verein „Mekor Chajim". — „Die Nachahmungssucht in ihren verhängnisvollen Wirkringen für das jüd. Volk" lantcte das Thema, über das Rabbiner Dr. B o n d i - Mainz gestern sprach. Redner ging im Rahmen seines Themas die gesamte jüdische Geschichte durch — von der egyptischen Knechtschaft bis auf den heutigen Tag —, und die Einblicke, die er gewährte, waren überaus lehrreich. So wies er darauf hin, daß die spanische Emanzipationsepoche eine jüdische Glanzperiode sah, während hie Emanzipation vor hundert Jahren einen Niedergang des Judentums zur Folge hatte; ini ersteren Falle blieben die Juden init ihrer Religion innig verbunden, weil auch bei den sie umgebenden Mauren die Religion blühte, im zweiten Falle treten sie in eine Kampfesstellung zu ihrer Religion, weil man in der sie umgebenden Christenheit die Dogmen des Christentums und die Herrschaft der Kirche bekämpfte, (— und dabei hat das Judentum weder Dogmen noch' eine herrschende Geistlichkeit. Redner zeigte auch recht geschickt, wie all' die Katastrophen, die durch die Nachahmungssucht entstanden, schließlich das jüdische Volk seinem Ziele eine Stufe näher brachten: Her .fortwährende Abfall von Gott, um Götzen zu dienen, verschwand durch das babylonische Exil, und seitdem hat ganz Israel stets nur dem einen Gott gedient; der Unvcrbindlichkeitscrklärnng der Tradition seitens der Sadduzäer wurde mit der Zerstörung des zweiten Tempels ein Ende gemacht, und die Tradition wurde in Mischnah und Gemara in feste, verbindliche Normen gebracht usw. Redner schloß mit der Mahnung, sich ständig mit der Lehre und der Geschichte des jüdischen Volkes zu beschäftigten; Hie Erkenntnis der jüdischen Werte sei das beste Mittel gegen die Nachahmungssucht. Frankfurt a. M. «Montefiore"-Berein. Die Nachfrage nach Eintrittskarten zu der Chanuka- Feier des Montefiorc-Vereins am Samstag, den 19. er. ist eine andauernd starke, so daß die verfügbaren Saalplätze sehr bald vergriffen sein dürften. Die Ausgabe der bestellten Karten findet im Vereinslokal statt; bezüglich der Zeiten und Tage verweisen wir auf das Inserat in der heutigen Nummer dieser Zeitung. Die Vereinsleitung bittet uns, schon heute darauf aufmerksam zu machen, daß die Feier Präzise 8% Uhr beginnt. Die Festteilnehmer werden gebeten, ihre Plätze rechtzeitig einzunehmen, da sowohl während der Festrede des Herrn Dr. Heinemann als auch bei den „lebenden Bildern" die Saaltüren unbedingt geschlossen bleiben. — Einen seltenen, lünstlerischen Genuß haben die Besucher der Feier durch die pianistische Mitwirkung des Herrn Alfred Hoehn aus Köln zu gewärtigen. Der junge Pianist feierte kiei Konzerte» in Hamburg, Mannheim, Köln während der letzten Wochen bei Publikum und Kritik förmliche Triumphe. Hoehn hat auf Ersuchen des Vorstandes und aus Freundschaft für den Verein Montesiore seine künstlerische Mitwirkung zugesichert. Frankfurt a. M., io. Dez „M o n t e f i o r e Verein. — Der gestrige Vortrag des Privatdozenten Dr. I. Go Idstein-Darmstadt über die Aesthetik der Bibel bot selber einen ästhetischen Genuß, denn harmonisch war hier eine einschmeichelnde Rhetorik mit einem klassisch - edlen Wortnnd Satzbau der Rede vereint, dieser Rede Lehren mühelosen Weg und bereitwillige Aufnahme zu den Hörern zu geben. Leider kann es aber im Rahmen eines Berichtes nur ein Weniges und Flüchtiges sein, was wir aus der reichen Fülle des Gesagten, das sich übrigens auch noch durch feinsinnige Bemerkungen aktszeichnete, zu verzeichnen vermögen. Redner wies darauf hin, in welch' inniger Verbindung zu dem Gefühlsleben des Menschen die Bibel früher gestanden hat, so daß den Größten der Menschheit — so einem Kant und Goethe — in ihren höchsten Momenten nichts anderes als unwillkürlich die Worte der Bibel vor ihr geistiges Bild traten. Heute haben besonders bei uns Juden — nicht «nur bei den liberalen, sondern auch bei den orthodoxen — diese rein menschlichen Beziehungen zur Bibel anfgehört. Redner zeigt nun den gewaltigen ideellen Verlust, den wir dadurch erlitten haben, indeni er an der Hand zahlreicher Beispiele aus der Bibel deren einzigartigen, unübertroffenen ästhetischen Charakter hell beleuchtet. Damit es wieder besser werde, sei es nötig, daß wir lernen, lvie man die Bibel lesen muß, eine schwierige Forderung in einer Zeit, in der die meisten Menschen verlernt haben, wie man liest. Und wenn man die Bibel lese, langsam lese, nur sich und dem Buche gehörend und abgewendet von allem anderen, dann werden einem ihre Herrlichkeiten offenbar werden und dann werde man auch den göttlichen Odem in ihr spüren. Redner schließt mit der Mahnung: „Was du ererbt von deinen Vätern hast,, erwirb es, um es zu besitzen." Berlin, 16. Dezember, abends 8 Uhr. findet im Bibliothekszimmer der Großloge für Deutschland, Berlin, Wilhelmstr. 118, die diesjährige Generalversammlung des Vereins „Bezalel" statt. «- Posen. Dem 4. Jahresbericht der Jüdischen Lesehalle (Lokal: Friedrichstr. 5) entnehmen wir: Die Frequenz betrug an 300 Tagen des Jahres im ganzen 3655 (im Vorjahre 3213) Personen; davon nahmen den Leihverkehr in Anspruch 2396 (im Vorjahre 2061) Personen. Der Bücherbestand stieg von 770 auf 1000 Bände. Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Im Bureau des Jüdischen Nationalfonds Frankfurt a. M., Grüncstraße 29, gingen ein: Von Anonymus 4 Oelbäume im Herzlwald 24,— Jk Von Cilli Landauer, Stuttgart und Martin Levigard, Frankfurt 1 Oelbaum im Hcrzlwald zum Andenken au Frau Jeanette Levigard in Laupheim 6,— „ Ferner gesammelt bei der zion. Versammlung im Börsenrestanrant 3,— „ 33 — JL Frankfurt a. M. Aus einem Artikel Rabbiners Dr. Max Joseph -Stolp, des Verfassers des Buches „Das Judentum am Scheidewege", in der letzten Nummer der ..Welt" seien hier folgende Stellen wiedergegeben: „Hat er die historische Notwendigkeit des Zionismus begriffen, dann arbeitet er mit persönlichem Verzicht und mit Entsagung für die Zukunft seines Volkes. Das ist schön und edel, aber für den, den es angeht, nicht gerade herzerfreuend. Nicht gar zu viele können sich unter kraftvollem, unermüdlichem Schaffen für das große, ferne Ziel zu solcher Resignation entschließen. Daher die Müdigkeit mancher Zionisten in den letzten Jahren. Wer da glaubt, der wird nicht müde. Es klingt so wenig modern, aber wir müssen es doch sagen: Den Weg und die Wege zum Ziele kennt nur Gott.... (Wir können nur den richtigen Weg für uns zu erkennen, in jedem 'Augenblick unsere Pflicht zu Nm bemüht sein, das übrige müssen wir der Vorsehung überlassen." „Das religiöse Judentum kann von seiner historischen Wurzel, dem nationalen Judentum, nicht losgelöst werden, ohne daß es verkümmert und verdorrt. Das aber drängt iinmer mehr zu einer Lösung des Judenproblems, wie sie der Zionismus anstrebt. Der Zionismus will ein gesundes, volles nationales Leben 'schaffen, und damit wird er auch dem religiösen Judentum die Entfaltungsmöglichkeit bieten." Frankfurt a. M. Die Makkabäer-Feier der „Zion. Ortsgruppe" dürfte der Nachfrage nach den Billeten zufolge eine sehr besuchte werden. Es dürfte deshalb für diejenigen, die die einen prächtigen Abend versprechende Feier besuchen wollen und noch kein Billet gelöst haben, zweckmäßig sein, sich s o f o r t ein solches in der Musikalienhandlung Firnberg oder bei den hebräischen Buchhandlungen zu kaufen. Frankfurt a. M. Die .Zionist. Ortsgrupp e" hatte Montag 'Abend ihre Mitglieder zu einein D i s k u s s i o n s a b e n d versammelt, den für den verhinderten Vorsitzenden Rechtsanwalt Dr. Schwarzschild das Vorstandsmitglied Martin Levigard leitete. — Das Vorstandsmitglied Lewis o h n erstattete beu Bericht des Vorstandes über seine Tätigkeit in den verflossenen Monaten und verbreitete sich dann über die in Aussicht genommene Makkabäerfeier. — Eine rege Diskussion rief der Antrag Karl Rosenheimer, einen Lehrgang für die Geschichte der Juden einzurichten, hervor. Man erkannte allseits die Bedeutung eines solchen Lehrgangs an; verhehlte sich aber nicht, daß die großen Kosten einer solchen Einrichtung nur durch einen großen Besuch gedeckt werden können. Bezüglich dieses großen Besuches wurden Zweifel geäußert; unser jüdisches Publikum ströme wohl in das Hochstift, wo ein Professor Gumbel das Judentum heruntersetzt, — nicht aber in einen jüdischen Verein, wo es die Kenntnis des Judentums zu fördern gilt. Frankfurt a. M. Ein Bortrog, den Herr Georg Freudenstein im „Verein Tifres Bachurim" über „Die historische Entwickelung des Zionismus" hielt, hatte eine interessante zweistündige Debatte im Gefolge. Es sprachen Anhänger und Gegner der zionistischen Bewegung. Das Resultat des Abends darf als ein für den Zionismus günstiges bezeichnet werden, indem die Gegner einsehen lernten, daß die Zionisten nicht nur durch begeisterungsfähiges Gefühl, sondern auch durch die kategorische Forderung ernsten Denkens mit der Bewegung verbunden sind. München. Die soeben erschienene Nummer der Monatsschrift „Palästina" (Herausgeber: Felix Teilhaber, München, Pettenkoferstraße 25; Jahres^ abonnement 3 Jk) enthält u. a.: Dr. E. Müller: Die Schulfrage Palästinas, Dr. Bruno Tannenwald: Kommunale Selbstverwaltung in der Türkei, Fritz Lorch: Die Weinkrise in Palästina. Wir entnehmen dem reichhaltigen Hefte folgende palästinensische Nachrichten: Buchhändler Ludwig Mayer aus Pr enzlau wird dieser Tage in Jerusalem eine europäische Buchhandlung eröffnen. Raob. Dr. Wiesel soll, wie wir hören, voraussichtlich sich an dem Unternehmen beteiligen. ~ D. Glasman n hat eine Versuchsa t i o n für Hühnerzucht eingerichtet. — Dr. Tschernichowski, der bekannte hebräische Dichter ans Odessa, hat sich in der galiläii Kolonie als Arzt niedergelassen. Hamburg. Am Sonntag den 29. November veranstaltete die hiesige Misrachi-Gruppe eine öffentliche Agitationsversammlung, in der Herr Referendar I. Möller-Altona vor einer mehrhnndertköpsigen Zuhörerschaft über das Thema „Die Zukunft des Judentums" referierte. Von dem Gegensatz der herrschenden Weltanschauungen ausgehend, suchte Redner den Grund dieses Gegensatzes zu beleuchten und den Nachweis zu führen, daß, obwohl nur eine Weltanschauung objektiv wahr sein könne, subjektiv jede ehrliche Ueberzeugnng Berechtigung habe und Sichtung verdiene. Daraus resultiere die Notwendigkeit, Andersdenkenden gegenüber tolerant zu sein. Diesen Grundsatz müsse man auch als Jude beherzigen. Auch hier gäbe es eine .Reihe 'verschiedener Auffassungen des Judentums, die subjektiv jede berechtigt sei. Da aber auch nur eine Erfassung des Judentums objektiv die richtige sein könne, so würde diese sich mit der Zeit schon Kraft ihres intellektuellen Uebergewichts durchzusetzen wissen. Von diesem Standpunkte aus müsse man auch als gesetzestrencr Jude seine Stellung zum Zionismus betrachten und könne sich dem Misrachi anschließen, da man durch Zugehörigkeit zu demselben seiner Ueberzeugung 'Ausdruck verleihe, daß das Ziel des Zionismus, die Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina, auf dem Boden der Tradition zu erstreben sei. Der Zionismus würde sich natürlicherweise von der rein nationalen zur religiös nationalen Ersassung des Judentums entwickeln, und da das Basler Programm nur als Ausgangspunkt der Entwicklung des Zionismus zu betrachten sei, sei der Misrachi berechtigt. Er sei aber auch notwendig, weil die Entwicklung des Zionismus, da hierbei menschliche Willensbetätigung im Spiele sei, nicht blind.erfolgen würde, sondern das gesetzestreue Judentum müsse den Einfluß auszuüben suchen, den es haben könne, und würde dann durch die Wahrhaftigkeit seiner Anschauungen das geistige Uebergewicht erlangen. Daß der Misrachi bisher nicht den gebührenden Einfluß gehabt habe, sei darauf .zurückzuführen, daß die Mehrheit der gesetzestreuen Juden sich noch von ihm fernhalte. Die Zukunft des Judentums sei in dem Streben zu erblicken, eine öffentlich rechtlich gesicherte Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina auf Grundlage der Tradition zu schaffen. Der Endpunkt dieser Entwickelung sei die Erfüllung der messianischen Hoffnungen, die erste Phase des heutigen Zionismus. Und er schloß mit einem warmen Appell an die Anwesenden, sich dem Misrachi anzuschließen. An das Referat, das mit großem Beifall ausgenommen wuroe, schloß sich eine Diskussion, an der sich die Herren Estermann, Bachrach, Lichten st ädter und andere beteiligten. Eine Sammlung für die misrachistische Mittelschule erzielte ein erfreuliches Resultat. Für die Gruppe wurde eine Reihe bisher nichtzionistischer neuer Mitglieder gewonnen. Ans der Lehrerwett. Würzburg. Israel. Lehrerbildungs- Anstalt. — Dem Berichte über das 44. Jahr des Bestehens der Anstalt (1907/08) entnehmen wir: Sieben Zöglinge bestanden die Austrittsprüfung am König!. Schullehrer-Seminar und winden in die Praxis entlassen. Die Anstalt zählte im abgelaufenen Schuljahre 30 Schüler, von denen 19 die Beköstigung ganz zahlten; Unterricht und Wohnung ist für alle Schüler unentgeltlich. Den Preis der „Seligmann Bär Bamberger - Stiftung" erhielt der Schüler des 3. Kurses David Weinmann aus München, z. Zt. Lehrer in Ermetzhofen. Vom 9.—11. August waren von den 15 Abiturienten des Jahres 1883 11 mit ihren Familienangehörigen in Würzburg festlich vereint. Wie«. Die Festrede, die der k. k. Feldrabbiner Dr. Armin Abeles anläßlich des 60jährigen Regierungsjubiläums Se. Majestät vor 700. jüdischen Soldaten, einem Teile der Generalität und dem Wiener Vizebürgermeister im hiesigen Leopoldstädter Tempel hielt, ist durch Allerhöchsten Erlaß der kaiserl. Fideikommiß- Bibliothek einverleibt worden. Wie«. Rabbiner JsakHorowitz -Stanislau, Oberrabbiner Dr. Jakob Tauber -Prerau erhielten das Ritterkreuz des Franz Josef- Ordens und Rabbiner Abraham Schnur- Tarnow das goldene Verdien st kreuz mit der Krone. 4785

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