Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 6 (1908)
- Issue
- Heft 47 (4.12.1908)
- Date
- 1908-12-04
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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M 1t. 47 fe Frankfurter FamikmklMs. Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Im Bureau für den jüd. Nationalfonds ginge» ein: Gesammelt am zion. Stannntisch im (Safe Bauer 0,60 Jt. Leopold Speyer, Tiergarten 38 10,— „ 10,60 J(. Ferner Materialien von Frl. Hcnni Goldschmidt, Sandweg 16, Parterre. Frankfurt a. M. Bei der Expedition ging für den Nationalfonds ein: S. L.. 1,— JL An Materialien: Marken, Regina Jakob; Staniol, Hella und Robert Watlach, Quedlinburg: 2000 Briefmarken und 1 Kiste Staniol von Frl. Levh, Bicrstadt und von der Religionsschnle Bierstadt zum größten Teil von den Schülern Sclma und Max Levi, Erbenheim; Marken. Salli Roscnheimcr; Staniol: Liesel, Erna und Leo Halle, Mannheim. Frankfurt a. M. In denk Inseratenteil der heutigen Nummer veröffentlichen wir das Programm der M a k k a b ä e r f e i e r der hiesigen zion. Ortsgruppe. Da bei dem vielversprechenden Programm ein lebhaftes Interesse für die Veranstaltung zu erwarten ist, so dürfte es angebracht sein, sich in ö g l i ch st frühzeitig Eintrittskarten — die Plätze sind nummeriert — zu besorgen. Wiesbaden. Die Zionistische Ortsgruvpe veranstaltete am 25. November einen Diskussionsabend, in dem Herr Bertram Stern über „Was hat der Zionismus bis jetzt erreicht?" referierte. Nachdem der Redner am Eingänge seiner Ausführungen die finanziellen Schöpfungen des Zionismus, wie Kolonialbank, Nationalfonds nsw. besprochen hatte, wandte er sich den Veränderungen zu, die der Zionismis in Beziehung auf das geistige jüdische Leben, besonders in Westeuropa, hervorgcrnfen hat. Selbstbewußtsciu, istammesgefühl hat er verbreitet, eine jüdische Kultur hat er erweckt. Neues Leben hat er in dem alten Judenland herbcigeführt, neuen Lebensmut hat er dem Judentuni eingeflößt. Unter dem lebhaften Beifall der Erschienenen schloß der Referent seine Ausführungen, indem er am Schlüsse erklärte, daß das, was wir für das jüdische Volk schafften, der ganzen Menschheit zu Gute käme. Pilsen (Böhmens. Einen glänzenden Wahlsieg hatten die Zionisten bei den Wahlen in den Vorstand und in die Umlagekommission der hiesigen jüdischen Gemeinde zu verzeichnen. Es wurden in den Vorstand folgende Zionisten gewählt: Dr. med. Julius Zentner, Dr. jur. Friedrich E i dl i tz, Dr. med. S i e g f r. L ö w e n st e i n, Adolf Sauer, Josef Eisler, Jul. Deutsch und Hubert Gutwillig und in die Umlagekommission : Simon Brunner, Gustav Grünwald, Friedrich G n t f r c u n d und Hermann Lederer. Antwerpen. Der Misrachi-Berein „Bnei Zion" veranstaltet in seinem Lokale Stroomstr. 7 wissenschaftliche V o r r r ä g e, die bezwecken, weitere Kreise mit der Weltauffassung des ges e tz e s t r e u e n Judentums bekannt zu machen. Herr Dr. Mirkin spricht über jüd. Religio nsphilosophie, Herr Dr. Rosner über jüd. Geschichte. Petersburg. Der Philanthrop I. Feiuberg- Jrkutsk, der bereits vor einem Jahre 10000 Rubel und vor einigen Monaten 10 000 Frs. dem Odessaer Komitee für die Zwecke der jüdischen Kolonisation in P a lästina zur Verfügung gestellt hatte, hat diesem Komitee neuerdings 20 000 Rubel überwiesen. — Es ist erfreulich, daß die jüdischen Philanthropen allmählich einzusehen beginnen, daß es nicht damit getgn ist, wenn man momentan die Not mildert, sondern daß cs darauf ankommt, diejenigen jüdischen Unternehmungen zu unterstützen, die dazu angetan sind, den notleidenden Inden das zu schaffen, dessen Fehlen die Ursache aller ihrer Leiden ist, nämlich eine Heimat, in der man sie nicht verfolgt und drangsaliert. Warschau. Ein Situationsbericht aus Palästina, den der Jerusalemer Korrespondent der hiesigen Zeitung „Unser Leben" veröffentlicht, berichtet: Eine neue Epoche hat in der Türkei begonnen, die Schwierigkeiten einer realen Kolonisationsarbeit sind verschwunden, dem Landkauf, der Errichtung von Fabriken, der Erwerbung von Konzessionen steht nichts im Wege. Schon beginnt nichtjüdisches Kapital ins Land zu kommen, und mit ihm werden nichtjüdische Arbeiter einziehen. Und wir Juden, welche nicht aufhören, über Palästina zu sprechen, stehen untätig. Bald wird es in Palästina nichts mehr zu tun geben für uns. Der Boden wird verloren sein, die Industrie werden fremde Hände betreiben. Soll dies das Ende des 2000jährigen Strebens sein? Rew-Nark. ' (Dr. Schmarju Lewin trifft dieser Tage von Europa aus hier ein, um wie vor zwei Jahren in Amerika für den Zionismus und seine Zwecke propagandistische tätig zu sein. Aus den Vereinen. Frankfurt a. M. Verein „Nachlaß Z w i". Aus dem reichen Borne der Aussprüche unserer Weisen schöpfend, stellte- Herr Provinzialrabbi n c r D r. B a m b e r g e r - H a n a n in seinem fesselnden Vortrage Staats- und Bürgerpflichten der Inden sowohl die Pflichten des Einzeljuden gegenüber dem jüdischen Staate von früher, als auch die gegen das nichtjüdische Gemeinwesen von heute zu beobachtenden Vorschriften zusammen. Für alte Arten der Staatsverfassung — ob monarchisch, absolutistisch oder republikanisch — gelten dieselben Verhaltungsmaßregeln für den jüd. Bürger. Seine Achtung gilt der Gesamtheit, in welcher Form sie auch auftritt; denn unentbehrlich sür den Einzelnen ist die Gesamtheit. Da er deren Schutz, Fürsorge und Rechte genießt, muß er mitschaffen durch Ausübung eines werktätigen Berufs am Gesamtwohle. Er darf sich nicht der Arbeit entziehen, denn dadurch schadet er Ser bürgerlichen Gesellschaft. Die Ehrfurcht vor der Menschengemeinschaft, die der Staat darstellt, erstreckt sich auch auf die Obrigkeit, die dem Gemeinwesen vorsteht, auf den Herrscher. Die Dankbarkeit, die der jüd. Bürger sür die Segnungen des Staates diesem gegenüber empfindet, soll durch seine Bereitwilligkeit, sich auch im Gesamtinteresse Opfer anfzuerlegen, Ausdruck erhalten. Alle die Pflichten und die Gesetze, die der Jude als Mitmensch gegen das jüd. Staatswesen zu beobachten hatte, muß er — ja in noch gewissenhafterer Weise — im Golus dem Staatsgetriebe seines Wirtsvolkcs gegenüber erfüllen. Jirmijahu beschwört seine Brüder ausdrücklich, das Wohl der Städte, in die sie verschlagen werden würden, zu fördern. In Werken der Liebe solle man auch dem nichtjüdischen Mitbürger beistehen. Sich dem Staatsgesetze fügen, der Rechtspflege obliegen, das sei die Aufgabe des Juden, eingedenk des Spruches: Das Gesetz Deines Landes sei Dir Gesetz. Denn welch' großes „Chillul Haschem" ists, wenn ein Jude Unrechtes tut! Aber der wahre Jude hat die Pflicht, „Kid du sch Haschem" zu verbreiten. Das kann er nur durch einen Lebenswandel im Sinne der Tauroh, der jede falsche Vorstellung von den Pflichten der Juden im Exil, die leider in .weiten Kreisen grassiert, von vornherein beseitigt. Alles hat der Jude dem Gesetze nnterznordncn, nur nicht die Tauroh, deren Lehren ihn dazu erziehen, der beste Staatsbürger zu sein. Diese erzieherische Kraft der Tauroh durch eigene Lebensführung zu beweisen, bedeutet „Kiddusch Haschem", bringt die Heiligung Gottes Namen mit sich und wird auch mit sich führen.einst im Gefolge jene von uns Juden fo heiß ersehnte Zeit, da unsere Bestimmung erfüllt, und die ganze Welt in der Heiligung des Einzig-Einen — eine große Gottesgemeinde — verbrüdert sein wird. Perl. . . Frankfurt a. M. .„Montesiore"-Verein Wie uns aus dem Büro des Montefiore-Bereines mitgeteilt wird, sind die Anmeldungen zu dem am Samstag, den 19. er., stattfindenden Chanukäse st sehr zahlreich eingelaufen; es liegt daher im Interesse derjenigen Mitglieder, welche mit ihren Angehörigen die Feier mitmachen wollen, ihren Kartenbedarf recht bald zu bestellen. Frankfurt a. M., 3. Dez. „Montefiore"- V er ein. In seinem gestrigen Vortrag verbreitete sich Rabbiner Dr. Salfeld -Mainz, der emsige Forscher auf dem Gebiete der Geschichte der deutschen Juden im Mittelalter, über „Ursachen und Wirkungen der mittelalterlichen Jude n-Verfolgung e n". Wir hörten, wie die Juden vor dem ersten Krcuzzuge fast gleichberechtigt mit den Christen waren, wie die Zerstörung der jüdischen Gemeinden Worms, Speier, Mainz usw. im ersten Kreuzzuge (1096) nur aus religiösem Fanatismus geschah, wie aber erst mit dem zweiten Kreuzzuge die Sucht nach dem Golde "der Juden hinzutrat und auch erst dann ihre Entrechtung begann. Besonders eingehend würdigte Redner "das 13. Jahrhundert, das Leibniz „das Jahrhundert der Dummheit" nennt. Es hatte sich allmählich ein starker Handelsstand unter den deutschen Christen gebildet, und dieser haßte natürlich die jüdische Konkurrenz. Außerdem entstanden Aufstände des von den herrschenden Klassen ausgebeuteten Volkes gegen diese, und da wurden die Juden dem Volke preisgegeben, ein altbewährtes Mittel, um Volksaufstände zu ersticken. Das Blutmärchen, welches einst die Römer gegen die Christen erfunden.hatten, wird jetzt wieder reproduziert, aber nun von den Christen gegen die Juden. Anschuldigungen wegen Brunnenvergiftungen, Hostienschändungen usw. werden erfunden, und Tausende von Juden müssen ihr Leben upter Martern aushauchen. Frankfurt a. M. Ein Gala-Abend des B ereins für jüdische Geschichte und Literatur; — statt fünfzig.Besucher, wie mitunter bei den Ivissenschastlichen Borträgen, fünfhundert! Aber der Abend war auch nicht für den kühlen Verstand, vielmehr für das warmblütige Herz, — und das .Herz ist bei uns Juden immer noch besonders warmblütig. Das jüdische Volkslied — des jüdischen Volkes Gefühlsleben war es, von dem der Verein durch erstklassige Gesangskünstler eine reiche und bunscheckige Auswahl von Proben geben ließ. Ist da nicht den fünfhundert Herren und Damen, als so eine den Juden Westeuropas fremd gewordene jüdische Welt an ihnen vorüberzog, eine schmerzliche Sehnsucht nach dieser Welt erwacht? Nicht, daß sie nun ihre nächstjährige Ferienreise nach, einem russischen oder galizischen Städtchen machen sollen, — sondern nur, daß Tag in ihnen geworden ist und ihnen sichtbar ward, daß das jüdische Volk neben der Fülle ethischer auch eine Fülle ästhetischer Werte sein Eigen nennt, die es zu hüten und zu erhalten gilt. Der spontane Beifall, der besonders den Liedern mit dem Zionsideal gespendet wurde, war doch jedenfalls ein beredtes Zeichen dafür, daß noch gut jüdisches Gefühl in unseren Frankfurter Juden schlummert und Pur auf seinen Erwecker wartet. Dem „Verein für jüdische Geschichte und Literatur gebührt für den prachtvollen Abend Dank! Emden. Der Montesiore-Berein eröffnete am Sonntag, den 25. Oktober sein Winterprogramm. 'Als Redner sprach Landrabbiner Dr. Mannheimer - Oldenburg über das Thema: „Erziehung, Bildung und Charakter einst und j e tz t". — Am Samstag den 28. November. veranstaltete der Verein einen Mitgliederabend, an welchem das Vereinsmitglied Herr Isaak. H e s einen Bortrag über „Gabriel R i e s s e r, sein Leben u n d Wirke n" hielt. Der nachfolgende Teil des Programmes, der aus Tanz mit abwechselnden humoristischen Kouplets bestand, hielt die Mitglieder in bester Stimmung noch lange zusammen. Vom nächsten Freitag Abend an wird der Verein regelmäßige Zusammenkünfte haben, an welchen besonders jüdische Themata Berücksichtigung finden sollen. Czernowitz (Bukowina). Der Holzverein „Machse Luewjion" ließ am 2. Dezember, dem Tage des 60jährigen Regierungsjubiläums des Kaisers, tausend Zentner Brennholz verteilen. Wilna (Rußland'. Die orthodoxe Organisation »Keneseth Jisroel" ist von der Behörde aufgehoben worden. Aus der Lehrerwett. Berlin. Der Centralausschuß des Rabbiner- Verbandes in Deutschland tagt am 29. Dezember in Berlin, Oranienburgerstraße 30/31. Tagesordnung: 1. Bericht des geschäftsführenden Vorstandes; 2. Bericht der in der vorjährigen Zentral- Ausschußsitzung eingesetzten Kommission zur Prüfung resp. Verbesserung des Entwurfes eines Organisationsgesetzes für die Synagogen-Gemeinden Preußens (Horovitz); 3. Bericht der Delegierten des R. Vji. D. über den von dem D. I. G. B. vorgelegten Entwurf'einer Petition an den Minister in Sachen des jüdischen Religionsunterrichtes an den höheren Lehranstalten Preußens (Munk); 4. Bericht der zur Aenderung unseres Statuts eingesetzten Kommission (Eschelbacher). Limburg a. Lah«. Verein isr. Lehrer im ehemaligenHerzogtumNassau,E.-V. — Am 18. Nov., Buß- und Bettag, fand ausnahmsweise eine außerordentliche Generalversammlung hier statt. Erschienen waren ca. 22 Kollegen und die zwei Ehrenvorsitzenden des Vereins, Rabb. Dr. Landau-Weilburg und Dr. Wcingarten-Ems. Der neugewählte Rabbiner in Wiesbaden, Dr. Aober, war nicht erschienen, entschuldigt hatten sich Rabb. a. D. Dr. Silberstein-Wiesbaden und mehrere Kollegen. Kollege Nußbaum -Wiesbaden, der Vorsitzende, eröffnete die Versammlung mit einer Begrüßungsansprache und begründete die Einberufung der diesmaligen außerordentlichen Generalversammlung damit, daß die am 7. Juni d. I. vorgenommene Vorstandswahl vom Kgl. Amtsgericht in Wiesbaden nicht genehmigt worden ist, weil sie auf Grund des neuen, behördlicherseits noch nicht bestätigten Statuts erfolgte. Es mußte daher eine Neuwahl auf Grund des alten Statuts vorgenommen werden. Den neuen Satzungen wurde, nachdem sie nochmals umgeändert wurden» von der Versammlung zugestimmt. In den Vorstand wiedergewählt wurden die Kollegen: Nußbaum-Wiesbaden, C a p e l l - Wiesbaden, Thalheimer- Wallau, Oppenheimer-Hadamar, Alt-Diez und neugewählt als Beisitzer die Kollegen Blum- Usingen und Frank-Idstein. Die eigentlichen beiden Hauptpunkte der Tagesordnung waren hiermit erledigt. Es folgten Kassenangelegenheiten. Für den 4. Punkt der Tagesordnung „Freie Besprechungen" standen mehrere Anträge auf der Tagesordnung. Zunächst wurde eine Ausknnsts- 1285