Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 6 (1908)
- Issue
- Heft 46 (27.11.1908)
- Date
- 1908-11-27
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Nr. 46. Freitagabend.^) Am Fenster suchst Du jetzt den Abendstern: Sabbatbeginn! Klar steht das Licht des Herrn. Du schaust zu Deines Glaubens Höhn hinauf, Und FLrstenruhe legt Dir Adel auf. Entweche nichts die priestcrreine Hand! — Der beiden Silberleuchter stiller Brand Bescheint den festlich weiß gedeckten Tisch Und Dein Gesicht, vom Bade blumcnfrisch. Indes Dein Haupt sich, lesend vorgebückt, Mit des Gedankens reinen Lilien schmückt, Geht hinter Dir die Mutter auf und ab Und betet leise Glück auf Dich herab. Auf Deinen Scheitel legt die Hände sic, Dein Herz umfängt des Buches Pocfie, Das; Dich verherrlicht wie ein Bräutigam — Der große Sabbat Deines Lebens kam. Leo Sternberg. Aus den Vereine«. Frankfurt a. M. «Montefio re"-Verein. Der Versand der Einladungen zu dem Chanuka- Fest, welches bekanntlich am Samstag, den 19. Dezeniber er., in den Räuine» des neuen „Kaufinännischen Vereinshauses" gefeiert wird, erfolgt am nächsten Montag. Bei der erfahrungsgemäß überaus starken Nachfrage nach Eiiltrittskarten dürfte cs sich empfehlen, die dem Programm beigefügte Bestellkarte sogleich ausgesüllt abzusenden, da die Zuteilung der Plätze genau nach dem Eingang der Bestellung erfolgt. Für den 2. Teil des Programms haben u. g. Frl. Lisbeth Sellin vom .Opernhaus, Herr Arthur Hellmer vom Schauspielhaus, sowie der bekannte Pianist Herr Alfred Höhn aus Köln ihre Mitwirkung zugesagt. Nach Beendigung der Ausführungen wird auch die tanzlustige Jugend zu ihrem Recht kommen. Frankfurt a. M., 26. Nov .Montefiore"- B er ein. — Der Redner des gestrigen Vortragsabends, Rechtsanwalt Dr. Siegfried Schwarzschild, sprach über das Thema „Juden und Judentum in dcrgege uw artigen deutschen und preußischen G e s e tz g e b u n g". In Preußen — so führte Redner aus — gilt noch heute das Gesetz von 1847 betreff, die Verhältnisse der Juden. Dieses Gesetz verlangt, daß die Juden sich zu einer Gemeinde zusammenschlicßen, daß jede Gemeinde von den Mitgliedern gewählte Repräsentanten und einen von den Repräsentanten gewählten, höchstens 7gliedrigen Vorstand hat, welch' letzterer der Bestätigung der Regierung bedarf; ferner muß jede Gemeinde ein. Statut haben und den Kindern ihrer Mitglieder Religionsunterricht angedeihen lassen. Um alles Sonstige im jüd. Gemeindelcben kümmert sich die Negierung nicht. Dieses Gesetz gilt nur in den alten preußischen Provinzen, d. h. in den Landesteilen, die bereits vor 1866 preußisch waren; in den anderen Landesteilen bestehen die dortigen, bei der Anncktion vorhanden gewesenen Bestimmungen. Das Gesetz von 1847 ist in vielen Teilen veraltet; man denke nur an einen nur 7gliedrigen Vorstand für die 100 009 Seelen zählende Berliner jüdische Gemeinde. Einigermaßen ist den veränderten Zeiten durch das Gesetz von 1676 Rechnung getragen worden, welches die Zwaugsgemcinde aufhebt, indem es den Austritt aus der Gemeinde und Bildung einer neuen Gemeinde gestattet. In Frankfurt gilt das Gesetz von 1899 betreffend die Frankfurter Synagogengemciuden. Nach diesem Gesetze gehören alle Juden, die nicht drei Monate nach ihrem Zuzug oder nach ihrer Großjährigkeit und bei Witwen nach hem Tode ihres Mannes ihren Beitritt zur Synagogcngcmeindc „Israelitische Religionsgesellschaft" erklärt haben, der Synagogcngemeindc „Israelitische Gemeinde" an. Redner geht nun auf zahlreiche Details über. Wir hören, daß in Altpreußen noch das Allgemeine Landrecht von 1812 gilt, nach dem die jüd. *) Aus dem bei Cotta im Erscheine» begriffenen Buch des Verfassers „Neue Gedichte". Gemeinde keinen Ausländer anstellen darf, daß der Rabbiner vor dem Gesetze als Geistlicher betrachtet wird und eine Störung des jüdischen Gottesdienstes gleich dem christlichen strafbar ist, daß eine Ministerialverfügung die jüd. Kinder nicht nur vom Schreiben am Samstag befreit, sondern sie auf Wunsch sogar voni Schulbesuch dispensiert usw. Redner hatte cs verstanden, die etwas spröde Materie lebendig zu gestalten, sodaß das Publikum ihm bis zum Ende aufmerksam folgte. Personalien. Gelnhausen. Am 24. d. Mts. beging der noch als Kreisvorsteher fungierende Herr I. D. Goldschmidt die Feier seines 9 0. Geburtstages, aus welchem Anlaß dem alten, noch rüstigen Herrn zahlreiche Ovationen dargebracht wurden. Der Landrat des Kreises Gelnhausen, Herr v. G r ö n i n g, überreichte persönlich im Namen Sr. Majestät den K r o.n e n o r d e n 4, Klasse. — Herr Prov.-Rabbiner Dr. Bamberger aus Hanau brachte die Glückwünsche des Vorsteheramtes Und des .Rabbinats und hob in einer herzlichen Ansprache die Verdienste des Gefeierten hervor. — Der Magistrat, unter Führung des Bürgermeisters Dr. Schmidt, sowie das Stadtverordnetenkollegium, sogar das Presbyterium — durch Herrn Metropolitan Schäfer vertreten — boten ihre Glückwünsche dar. — Die israelitische Gemeinde gratulierte unter Uebergabe einer -kunstvoll ausgearbciteten Adresse. — Die „Bikknr Chaulim"-Kippe, welcher der alte Herr 66 Jahre, und die „Kabronim"- Kippe, welcher er 64 Jahre als Mitglied angehörte, waren durch Deputationen vertreten und ehrten ihr pflichttreues Mitglied ebenfalls durch Darreichung von künstlerisch ausgeführten Adressen. Aus -er zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Im Bureau für den jüd. Nationalfonds gingen ein aus Büchsen: Louis Lypstadt, Wolfgangstr. 83 7,10 Jk Frau Aaron Seligmann, Röderbergwcg 32 4,84 „ Ferdinand Ehrmann, Röderbergweg 36 0,90 „ Kunstmaler Kowinski, Waldschmidtstr. 11 2,70 „ Herm. Lipinski, Sandweg 29 2,63 „ Benzion Bamberger, Sandweg 31 3,25 „ Kantor Neumann, Sandweg 14 0,46 „ Beruh. Gradwohl, Maulbecrstr. 4 0,18 „ E. Lion, Heiligkrcnzgasse 32 1,25 „ Pension Langer, Nene Zeil 15 1,75 „ Ferdinand Freudenstein, Mainluststr. 15 6,28 „ 31,34 Je Ferner Materialien von Frl. Judith und Evcline Lyppstadt. Bei der Exp. gingen für den Natjonalfonds ein: 1 Oelbaum für den „Herzlwald" Max Bier s. A. gewidmet von M. Pappenheim 6,—.4L Verlorene Wette 2,— „ Markus Heilbrun, Sondershausen, Helene Adler, Wittenberge, Bcz. Potsdam, Auguste Hirsch. Frankfurt a. M., Hermcsweg 24, zuni Andenken an ihre sel. Eltern Mendel und Gclla Heilbrnn, Sondershause», 2 Oelbäume 12,— „ Frankfurt a. M. Es finden von jetzt ab jeden Donnerstag Abend 9 Uhr im Cafe Bauer zwanglose Z u s a m m e n k ü n s t e von Zionisten statt. — Die M a k k a b ä e r f c i e r, die am 21. Dezember iw. große» Saal des Kaufmännischen Vereines veranstaltet wird, weist ein überaus glänzendes Programm auf. Die Festrede wird Schriftsteller V orktciner-Wien halten. Hamburg. Am 9. November hielt Herr Pastor Eberhard in unserer Ortsgruppe einen Vortrag über das Thema: „Volksleben in Paläst i n a". Ein zahlreiches Auditorium füllte den großen Saal des „Lvgenheims" bis zum letzten Platz. Das heilige Land — so führte Redner aus — hat trotz seines geringen Umfanges nichts von der Anziehungskraft cingebüßt, die diese historische Stätte seit dem srühesteu Mittelalter znm Zielpunkt zahlreicher Pilgerscharen gemacht hat. Diese Palästina-Sehnsucht hat nach ihrer jeweiligen Stärke einen literarischen Niederschlag erzeugt. Früher gab es eine mehr oberflächliche Reiseliteratur; erst in den letzten Jahrzehnten hat die Palästina- Literatur das Gepräge wissenschaftlich vertiefter Kenntnis erhalten. Die moderne Popularisiernngstendenz und die Entwicklung eines erleichterten Verkehrs nach Palästina haben diese Kenntnis in weite Kreise getragen. Aber dieses literarische Wissen bleibt nur ein Surrogat für die wirkliche Anschauung. „Hinauf nach Jerusalem" muß es für alle heißen, die ein Herz für Palästina haben. Von den palästinensischen Ansiedlungen, die uns interessieren, kann die mohamedanische, d. h. die tscherkessische, als bedeutungslos erscheinen. Die Kolonisation der Deutschen, der Templer, war bisher im wesentlichen städtisch; sic beginnen, sich jetzt auch mehr der Landwirtschaft zuzuwenden. Ihre Lage ist günstig. Das Gerücht von einer Abwanderung nach Dentsch-Ost-Afrika ist übertrieben, es trifft nur auf einzelne zu. Das Land befindet sich in einem allgemeinen 'Aufschwung. Je mehr fleißige und intelligente Ansiedler nach Palästina kommen, desto günstiger gestaltet sich die allgemeine wirtschaftliche Lage und darum besteht für die deutschen Kolonisten kein Grund, in dem starken Zuzug von jüdischen Kolonisten nach Palästina für sich eine Gefahr zu erblicken. Deutsche und jüdische Kolonisation sind durch Interessengemeinschaft verknüpft. Die jüdischen Kolonien haben die Bedeutung eines Kulturfaktors erlangt. Sie haben die Kinderkrankheiten aller Kolonisationen durchgemacht, aber jetzt, wo an die Stelle eines verfehlten Wohltätigkeitssystems zielbewußte Arbeit getreten ist, stehen wir vor schönen Resultaten. Ein weniger erfreuliches Bild gewähre» uns die städtischen Juden. Tiefe Schatten lagern über der Judenhcit von Jerusalem. Die Institution der Chalukah hat der Arbeitsscheu und Trägheit Vorschub geleistet. Zudem bildet sie auch eine materielle Waffe in der Hand intrasigenter Rabbinen, um alle diejenigen von der Almosenverteilung auszuschließe», die ihnen der Teilnahme an modernen Einrichtungen, z. B. neueren Schulen, verdächtig scheinen, mögen diese in religiöser Hinsicht noch so unbedenklich sein. Pflicht aller denkenden und ehrlichen Juden ist es, diesen Zuständen ein Ende zu machen; die großen Summen der Chalukah dürfen nicht sinnlos vergeudet werden. Redner schildert die auch in den Städten sichtbaren Anfänge einer neuen Zeit und schließt unter stürmischem Beifall. Vereius-Kalender. Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Montag, 30. Nov., abends 81/2 Uhr, in der Frankfurt-Loge, Eschersheimer Landstraße: „DaS jüdische Volkslied" unter Leitung des Herrn Dr. Bogumil Zepler und künstlerischer Mitwirkung von Herrn Leo Gollaniu und Fräulein Vera Gvldberg, Berlin. „Montefiore"-Vereiu. Mittwoch, 2. Dezbr., abends 9 Uhr, Herr Rabbiner Dr. S. Salfeld-Mainz: „Ursachen und Wirkungen der mittelalterlichen Judenverfolgungen". Jüdischer Frauenverein E. V. Montag, 30. Nov., abends 8*/» Uhr, im Hörsaal der Jsr. Ziel.-Ges., Schützenstr. 12: „Einführung in die soziale Hilfsarbeit" auf Grund von Alice Solomon: Soziale Frauenbildung. Herr Moritz A. Loeb. Mittwoch, 2. Dez., abends 9 Uhr, in der Realschule der Jsr. Rel.-Gcs., Am Tiergarten: Lektüre und Erläuterung des Buches Hiob. Direktor Dr. Lange. Verein Mekvr-Chajim. Samstag, 28. Nov., nachm. 3% Uhr: Mikro- Vortrag des Herrn Joseph Kausmann. Verein „Nachlaß Zwi". Mittwoch, den 2. Dez., abends 9 Uhr im Verciuslokale, Schützenstraße 2, Vortrag des Herrn Prov.-Rabbiner Dr. S. Bamberger-Hanau: „Staats¬ und Bürgerpflichten der Juden". Samstag, den 28. Nov., mittags 12Vi Uhr, im Hörsaale der Synagoge Friedberger Anlage, Lektüre der „Neunzehn Briefe" unter Leitung des Herrn Dr. I. Bondi. Verein Tiseres Bachurim. Sonntag, 29. November:- Vortrag des Herrn Georg Frcudcnsteiu: „Die historische Entwicklung des Zionismus." Hatchio. Sonntag, nachm. 5 Uhr: Verschiedenes. Carl ftrehenan, tSS Sb. Juwelen. Uhren. Soldu. Silbemaren. Auswahlsendungen gerne zu Diensten. + Frauenleiden + behandelt mit Kräuterbädern. — Schülerin des Medizinalrats l)r. Ebers—Berlin. 22jiihrige Praxis. Empfehlungen von höchsten Herrschaften. Frau Hertel, Mainzer Landstr. 71,2. rechts |HP" direkt am IdZauptfoatmiiof. gauniweg 2 Frau Anna Both Sehe Landweg vis-ä-vis der Königs warterstrasse. Obst, Gemüse, Südfrüchte, Butter und Eier ZU Markt-Engros-Preisen. Billigste Bezugsquelle! JDnimniuid Breitegasse 33. Bebe Nene Zell. . uorngraa, Teiepnon 10259. TO MO«.