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Neue jüdische Presse · 1908-11-13 · Heft 44 (13.11.1908) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 44 (13.11.1908)
Date
1908-11-13
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Frankfurter Israelitisches Famittenblatt. ■SSW V Nr. 44. Aktionskomitees den Heimgegangenen Kollegen zn würdigen. Antwerpen. Der Nachruf, den Jean Fischer, der Präsident der belgischen Zionisten, unserem großen Aron Becht am Grabe widmete, sei hier einem großen Publikum im Auszuge wiedergegeben. Nachdem Fischer als Mitglied des Großen Aktionskomitees im Aufträge des Präsidenten Wolffsohn und im Namen des Landeskomitees der belgischen Zionistenföderation dem verdienstvollen Zionskämpfer die letzten Grüße nachgerufen hatte, fuhr er fort: „Ein seltener, edler Mensch ist in Aron Vecht §estorben, ein edler Mensch und ein jüdischer lüde, in der edelsten, höchsten Bedeutung des Wortes: ein jüdischer Jude, eine Kraftnatnr, eine ungewöhnliche Erscheinung, auf die wir mit Stolz hinzuweisen gewohnt waren. Merkwürdig wie der Mann selbst, war seine Laufbahn. In Elburg neben Amsterdam geboren, ging er in jungen Jahren nach London. Vecht war nicht einer von denjenigen, die dem Judentum beinahe den Rücken gekehrt hatten und dann zurückkamcn, als der neue Ruf des nationalen Lebens erscholl, er war auch keiner von denen, die dem Judentum treu bleiben u:ck> von einem jüdisch-nationalen Leben nichts wissen wollen. Vecht war immer schon, vor mehr denn zwanzig Jahren, ein ganzer Jude, und als solcher hat er in London den „Jewish Standard" ins Leben gerufen, in welchem Blatte einige Jahre hindurch ein Kamps für die Chowewe - Zion - Idee geführt wurde. Der „Jewish Standard" hat der fortwährenden Gehässigkeit assimilatorischer Anfeindungen weichen müsse». Aber Vecht war ans dem Kampfe gestärkt hervorgegangen, denn in Neuseeland, wohin er von London übersiedelt war, finden wir ihn wieder in voller Tätigkeit für Judentum und jüdische Ideen. Becht hat den Äolus durchkostet; wenn es seiner Arbeit auch gelungen war, daß er nicht als armer Mann durch die Welt wandern mußte, er wanderte doch von einem Land ins andere. Bon Neuseeland ging er an das Australische Festland und lebte nacheinander in Sydney und Melbourne. Wo ex geweilt hatte, da hinterließ er bleibende Spuren, ueberall rüttelte er die jüdischen Ejnwohncr zu religiösem und nationaljüdischem Leben auf. Ueberall trachtete er, den Inden die Möglichkeit religiöser Betätigung zn verschaffen, überall entfachte er den Funken nationalen Aufstrebens und gründete Zionistische Vereine. Von Australien sehen wir ihn, immer begleitet von seiner mit der Zeit zahlreich gewordenen Familie, nach Südafrika ziehen. Hier hat er dann längere Zeit gewirkt, und ob sein Wirken segensreich war, das wissen wir Zionisten, denn die südäsrikanischc Zionistenföderation ist ein Stolz unserer Bewegung. Von Südafrika ging er nach Harlem, er sehnte sich nach Ruhe und wollte auch den Seinigcn einen bleibenden Wohnsitz geben. Wer nicht lange darauf verließ er mit seiner Familie Europa und ging nach Argentinien Auch da arbeitete er mit Feuereifer, regte die indifferent lebende» Juden mit Wort und Beispiel an, führte sie wieder zu religiösem Leben, entzündete das Nationalgefühl und gründete zionistische .Vereine. Von Argentinien begab er sich wieder nach London und trug sich ernstlich mit dem Plane, in Palästina, wo er nur einmal vorübergehend geweilt hatte, seine letzten Jahre zn verleben. Er kam vor ungefähr anderthalb Jahren mit feiner Familie nach Antwerpen. Leider war es chm hier nicht gegönnt, tätig aufzutreten, denn kurz nach seinen: Eintresfen verschlimmerte sich sein Leiden. Nur vorübergehend wollte er sich hier aufhalten, wie er es bisher überall getan, definitiv wohnen, in Ruhe leben oder aufs Neue beginnen zu arbeiten für das Volk, wollte er nur in einem Lande: in Palästina! Becht war einer derjenigen, denen der Gedanke unerträglich ist> umsonst gelebt zu haben, und um nicht umsonst gelebt zn haben, stellte er seine ganze Kraft in den Dienst der Menschheit, und um der Menschheit zn dienen, fand er den Weg zn seinem Volke, das er über alles liebte und den: er treu ergeben mit jedem Atemzuge seines Lebens diente. Wo er nur konnte, arbeitete er für das Wohl der Bedürftigen, der materiell und geistig Bedürftigen. Er war wohltätig, wie es nur ein Jude sein kann. Er empfand es schmerzlich, wenn er einen Juden sah, der der Religion gleichgiltig oder abgeneigt gegenüberstand, aber unbegreiflich fand er cs, daß religiöse Juden nicht nationalgesinnt waren, da doch das Judentum in seinen: ganzen Wesen national fei. Und er bemühte sich, in seiner Person das lebendige Beispiel zu geben, wie ein Jude religiös und national, konservativ und tolerant sein könne. Welcher Opserwilligkeit, welcher Begeisterung Vecht fähig war, erhellt aus folgendem Charakterzug. Als die Kunde von Herzl's Judenstaat und der auflodernden nationalen Bewegung ihn in Neuseeland erreichte, unternahm er sofort die Reise nach Wien und ging zu Herzl. Sodann ging er zum Kongreß. Und als der Kongreß in Basel vorüber war, jener Kongreß, der die Fackel der Begeisterung in die jüdische Welt hineinwarf, jener unvergeßliche Kongreß, auf dem die Existenz deZ jüdischen Volkes proklamiert wurde, da verließ Vecht, ein neues Licht im Herzen, schnell Europa, ohne sich irgendwo aufzuhalten und kehrte nach Neuseeland zurück, zu neuer Arbeit, zu fleißiger Tätigkeit. — Wenn es für die schwerbetroffenen Hinterbliebenen Kinder und für die arme Witwe einen Trost geben kann, so ist es der, daß so viele mit ihnen aufrichtig trauern. Das Volk trauert mit ihnen. Armes Volk. Es ist dein Los, eine Hoffnung nach der andern zu Grabe zu tragen, die besten deiner Söhne sterben zu sehen, bevor sie ihr Lcbenswerk verrichtet haben." Aus Le» Vereine«. Frankfurt a. M. »Verein Montefiore". Für den am nächsten Mittwoch, den 18. er-, stattsindenden musikalisch-deklamato rischen Unterhaltungs-Abend ist ein vorzügliches Programm zusammengestellt worden. Die Veranstaltung findet in: Saale des alten „Kaufmännischen Vereinshauses", Langestraße 26, statt, und beginnt präzis 9 Uhr. Die diesjährige Chanuka-Feier des Montefiore-Vcreins wird am Samstag, den 19. Dezember er. abgehalten und zwar in den großen Festsälen des neuen „Kaufmännischen Vcreinshauscs", da sich die Ermietung größerer Räume als dringend notwendig erwiesen hat. Die Vereiuslcitung war nämlich in den Vorjahren zn ihren: Bedauern gezwungen, Hunderten Mitgliedern infolge Platzmangels keinen Eintritt gewähren zu können, ein Uebelstand, den: nun in diesem Jahre abgeholfen ist, da die zur Verfügung stehende Säle 1500 Personen fassen. Näheres bezüglich des Progrannnes, welches ganz Hervorragendes bieten soll, wird demnächst bekannt gegeben. _ Aus der Lehrerwelt. Wiesbaden. Der Verein israel. Lehrer im ehemaligen Herzogtum Nassau veranstaltet an: 18. d, MtS. vorm. 11 Uhr im Restaurant Metzger zu Limburg eine außerordentliche Generalversammlung. Tagesordnung: Borstandsneuwahl, Statutenänderung, Kasseuangelegenheiten, Freie Besprechungen, Chasomusübungen. _■ Bereius-Kaleuder. Verein Mekor-Chajim. Saiustag, 14. Nov., nachm. 3:/- Uhr: Mikro-Bortrag des Herrn Gustav Ansbacher. Sonntag, 15. Nov., abends 6 Uhr: Vorlesung des Herrn Julius Hirsch aus „Jesaias". „Moutefiore"-Bereiu. Mittwoch, 18. Nov., abends 9 Uhr im Saale des früheren Kaufmännischen Vereinshanses, Langestraße 26: Musikalisch-deklamatorische Vorträge. Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Montag, 16. Nov., abends 8Vs Uhr, Frankfurt- Loge, Eschcrsheimer Landstraße: Herr Dr. Jampel, Karlsruhe: „Keilinschrift und Bibelwort." Verein Tiferes Bachurim. Sonntag, 15. Nov., abends 8»/- Uhr, Hermesweg 25/27: Vortrag des Herrn Marcus Golde über das Thema: „Menschen von damals." Verein „Rachlatz Awi". Samstag, 14. Nov., mittags 12—1 Uhr in: Hörsaale der Synagoge Friedberger Anlage: Kominentar-Kursus unter Leitung des Herrn S. Schachnowitz. Mittwoch, 18. Nov., abends 9 Uhr in: Vereiuslokale Schützenstr. 2: Vortrag des Herrn Prof. Dr. A. Sulzbach: „Betrachtungen über Pädagogik des Talmud". Jüdischer Fraueuverein E. B. Montag, 16. Nov., abends 81/2 Uhr in: Hörsaal der Jsr.-Rel.-Gcs., Schützenstr. 12: Einiges aus der Psychologie und Pädagogik III. Herr Dr. Alb. Feuchtwanger. Mittwoch, 18. Nov., abends 9 Uhr in der Realschule der Jsr.-Rel.-Ges., Am Tiergarten: Lektüre und Erläuterungen des Buches Hiob. Dir. Dr. Lange. Verein zur Wohltätigkeit. Sonntag, 15. Nov., nachm. 2% Uhr, in: Restaurant Seligmann, Allerheiligenstr. 34: Außerordentliche Generalversammlung. Hatchio. Freitag 5 Uhr: Monatsbericht. Mehrere Vereinsberichte mußten wegen Raummangels für die nächste Stummer zurückgestellt werden! Carl Grebenau Zeil 3> Kunden. Uhren, sollu. Abermreu. 9 Telephon 6069. Auswahlsendungen gerne zu Diensten. 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