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Neue jüdische Presse · 1908-11-06 · Heft 43 (6.11.1908) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 43 (6.11.1908)
Date
1908-11-06
Page
Seite 10 (sequence 11)
Language
German
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knte 10. Frankfurter FsraeMsHeS Fmnilienblatt. Nr. 48. tendenzen und als die radikalen Vorbildner neuer Literarurgatrungen (Brandes, Schn.tz.er, Gg. Hirschfeld) und ganzer absoluter Werte (siehe den großen Sozialpotirller Gamptomij)), sowie als die L-cyöpfer und Beherrscher des Feurlletons, durch das sie die Abhanolung und den Esiay verdrängten und den Gedanken dem Menschen näherbrachlen, indem sie alle Steifheit weglasien und nur ihren sprudelnden, lebendigen Geist sich bewegen lassen. Redner schließt, nachdem er die Kmturtendenzen unserer Zeit in ihrer jüdischen Umwertung und ihrer jüdischen Umprägung gezeigt hat, mit dem Hinweise aus die ungünstigen Bedingungen, unter welchen der schafsenve judl,che Geiß arbeitet; der Um>land,.daß der jüdische Genius trotz aller Anfeindungen und Einengungen so Gewalliges schaffe, lege den Gedanken nahe, was er erst in der Freiheit eines eigenen Mischen Mllieus schaffen könne. Kraukfurt a. M. a.ie Bereinigung zur Pflege von Literatur und Geselligkeit 1905 hat seit 1. Oktober er. ihre Vereinstätigkeit wieder ausgenommen. Als erstes Stück wird in den allwöchentlich stattfindenden Lektüreabenden : Ibsen's „Nora" gelesen. Das allgemeine Interesse zur Jvsen'schen Literatur, als auch die Möglichkeit einer gründlichen Besprechung des gebotenen Stoffes, dürste jeden jungen Mann, der unsere schöngeistige Literatur liebt, veranlassen, die Abende zu besuchen. Frankfurt a. M.» 3. November. Ueber die Wertschätzung der Arbeit beim jüdische Volke herrschen in nichtjüdischen Kreisen Anschauungen, die der Wahrheit gerade entgegengesetzt sind. Besonders unsere Feinde sprechen gern davon, daß der semitischen Rasse Handelslust und Verachtung der produktiven Arbeit inne wohne. Da mcm aber heute leider auch in jüdischen Kreisen häufig nicht mehr weiß, wie das Judentum theoretisch und wie das jüdische Volk, als es noch in seinem Lande nach seinem Willen leben konnte, praktisch die Arbeit bewertete, so war es anerkennenswert, daß Herr Dr. I. Heinemannin seinem gestrigen Vortrage im Verein für jüd. Geschichte u. Literatur dies zeigte. Während sich — so führte Redner aus — die Griechen das goldene Zeitalter der Vergangenheit und das der Zukunft als ein Schlaraffenland ohne jegliche Arbeit vorstellten — die phantasiearmen Römer dachten überhaupt nicht so well —, hören wir in der Bibel, daß der Mensch im Paradiese arbeitete und sehen wir die Propheten das Bild der goldenen Zukunft als ein friedliches, aber arbeitsames Leben malend: Die Schwerter werden zu Winzermessern — oder wie der große Moltke so schön übersetzt: die Kanonen zu Eisenbahnschienen umgeschmiedet, und ein jeder wird unter seinem Weinstock — dessen Kultur bekanntlich sehr viel Arbeit macht — und unter seinem Feigenbaum wohnen. Bei den alten Völkern war die Arbeit des freien Mannes unwürdig, Kriegshandwerk und Jagd bildeten seine Beschäftigung, nie konnte einer aus -er arbeitenden Horde zu einer Stellung gelangen, geschweige denn ein Fürst werden. Anders bei den Juden! Die Jagd war unbekannt, das Kriegshandwerk wurde nur zur Verteidigung gehandhabt, das ganze Volk, vom ersten bis zum letzten Mann, arbeitete. Im Talmud wird uns von einem Hohenpriester erzählt, der als Maurer zu seinem hohen Amte berufen wurde, von einem Gelehrten, der das Böttcherhandwert betrieb und stolz darauf war, seine' Vorträge auf eiyem selbst gemachten Fasse stehendzu hallen re. In den ältesten Zellen betrieb das Volk Viehzucht, dann noch Ackerbau und dann noch Gartenbau (Weinbau «.); die Werkzeuge verfertigte sich jeder selbst. Zur Zell Salomon's begannen sich auch Handwerke auszudehnen. Aber von einem Waren- oder gar Bankgeschäfte, welch' letzteres z. B. bei den allen Babyloniern in großer Blüte gestanden hat, wußten unsere Väter in der vörexilischen Zeit nichts. Wohl gab es eine große Reche Städte in Palästina, aber keine Warengeschäfte darin, sondern der Produzent setzte selber seine Ware ab. Auch der Auslandshandel, der unter Salomos Regierung in Blüte kam, bestand nur darin, daß man für sein Geld fremdländische Erzeugnisse einkaufte und dann wohl auch, daß man eigene Produkte verkaufte. Der Warenhandel entwickelte sich erst in nachexilischer Zell mit dem Schwinden der Selbständigkeit und dem Einströmen fremder Einflüsse, war aber auch dann noch verachtet. Der Talmud preist den Vater, der seinen Sohn ein Handwerk lernen läßt. Das Geldgeschäft, das das jüdische Gesetz innerhlllb des jüdischen Volkes verbietet, konnte sich aber auch im nächexilischen jüdischen Reiche nur mäßig Zum Schluß beleuchtete Redner, wie die Arbeit der Frauen im alten Israel bewertet wurde. Sie war nicht, wie sonst im Orient, von der Außen-, west abgeschlossen. Die jüdische Frau bewegte sich frei, und hatte ihre ausgesprochen wirtschaftlichen Ausgaben. Redner schließt mit dem „Esches-Chajil"-Lied, hoch der arbeitenden, schaffenden Frau gewidmet ist. Nur wenig ist das, was wir hier von den lichtvollen Ausführungen wiedergeben können, die sicherlich in den Zuhörern den Wunfch erweckten, msmaassamamBmBBSBS^imä daß diese gewesenen Zeiten im jüdischen Volke wieder seiende Zeiten werden; — doch der beschränkte Raum erlaubt kein Mehr. Frankfurt a. M. Am Montag, den 26. Olt. eröffnete der „Jüdische F r a u e n v e r e i n" seine Lehrtättgkeit für das Wintersemester. Nach Begrüßungsworten von Frau Hedwig Cr am er und einer Erläuterung des Winterprogramms durch Fräulein Regine Schwarzschild nahm der Referent des Abends, Herr Dr. AlbertFeuchtwanger, das Wort zu dem Thema:. „Einiges aus der Psychologie und Pädagogik". Der Referent verstand es vortrefflich, den Hörerinnen einen Einblick in das Gebiet der experimentellen Psychologie und ihrer Anwendung aus die Erziehungslehre zu eröffnen. Er begrenzte einerseits die Leistungsfähigkeit der modernen experimentell-psychologischen Forschungen nach der metaphysischen Sette und betonte andrerseits nachdrücklich den Wert ihrer Ergebnisse als methodische Grundlage der Pädagogik. Der Referent wies dabei auf die heute noch bedeutungsvolle Stellung des alten Meister der nattonalen Psychologie und Pädagogik hin. Am Mlltwoch den 28. Oktober begann Herr Direktor Dr. Lange, der dem Verein bereits im vergangenen Jayre in überaus dankenswerter Weise seine bewährte Lehrttast zur Verfügung gestellt hatte, für diesen Winter seinen Lehrkurs über das Buch Hiob. Er übersetzte und besprach das erste Kapitel und knüpfte daran Betrachtungen über die Seelengröße des vom Leid schwer getroffenen Helden des Buches und über die Auffassung der Schicksalsschläge als Erziehungsmittel. Krauksurt a. M. Verein »Montefiore". In der am 27. Oktober d. I. stattgefundenen außerordentlichen Hauptversammlung wurde Herr Leo Bing zum 2. Schriftführer gewählt. Die Ersatzwahl fand statt, da Herr S. Auerbach zur Ableistung seiner Militärpflicht sich genötigt sah, sein Amt niederzulegen. Frankfurt a. M. Bergnügungs-Ge>el.- schaft.junger Leute gegr 1893. In der am 31.. Oktober stattgehabten Generalversammlung, wurden folgende Herren teils neu- und teils wiedergewählt: B. Blumenthal (1. Vorsitzender), L. Richard (2. Vorsitzender), Nathan Kaufmann, D. Rosenthal (Kassierer), A. Klinger, I. Fuld (Schriftführer), A. Stern, A. Krause (Beisitzer), A. Blumenthal und B. Karpf (Revisoren). — Das diesjährige Channka- und Stiftungsfest findet am 12. Dezember er. in der Frankfurt-Loge statt. Frankfurt a. M. Die Besitzer der Büchsen, der Jerusalemer Jeschiwa „Tauras Chajim" werden darauf aufmerksam gemacht, daß von jetzt ab die Büchsen in der Wohnung geöffnet, geleert und wieder versiegelt werden. Breslau. Hier ist ein jüdischer Turnverein gegründet worden, dem ohne Agitation berells 60 Mitglieder beigetteten sind. Der Vorstand des neuen Vereins setzt sich aus folgenden Herren zusammen: Isaak Pleßner (1. Vorsitzender), Max Kober, Zahnarzt Georg Lewy, Siegfried Pionkowski und Franz Weiß. Posen. Am 29 Okiober beging der V e r ei n der wohltätigen Freunde seine Jahrhundertfeier mit einer akademischen nnd einer gemütlichen Feier. Der akademische All wurde mit Gesängen und den Reden der Rabbiner Dr. Feilchenfeld, Caro (Rabbiner des feiernden Vereins) und Dr. Bloch ausgefüllt. Rabbiner Dr. Bloch gab in seiner Rede einen Ueberblick über das Werden des Vereins; es sei deshalb aus seiner Rede folgendes wiedergegeben: Gegen Ausgang des MUtelalters war die Synagoge nicht nur die Stätte der Erbauung, sondern auch der Ort sozialer Betätigung, belehrender Unterhaltung und gemeinsamer Beratung. Bei der Vorlesung der hl. Schrift den Segen zu sprechen, galt als das höchste Ehrenamt, das aber meist nur den Verhellateten zu tell wurde. Der ausgesprochen - Wunsch jugendlicher Elemente, die dem kaus.»Lnnischen Stande in dem Gewerk angehörten, an diesem Ehrenamt teil zu haben, hat in Posen wohl 1808 den Anstoß gegeben, eine eigene Synagoge für sich zu begründen. Dazu kam auch die Einwirkung der politischen Verhältnisse. Posen war in das Großherzogtum Warschau einbezogen worden. Die straffe preußische Verwaltung'' hatte überall scharfe Zucht und Ordnung gehalten und dadurch den Juden. Schutz und Sicherheit geboten. Bei der nun folgenden Gärung und Umsturz aller Zustände scheinen die Juden ganz besonders gelitten zu haben. Der Stadtmagistrat hat wohl alte Privilegien, herausgesücht, um das Wohnrecht und Erwerbsleben der jüdischen 'Bevölkerung einzuschränkey. Jene Jünglinge scheinen auch der elterlichen oder noch verwandtschaftlichen Anlehnung entbehrt zu haben. Sie traten daher zur Förderung ihrer religiösen, und sozialen Interessen zusammen und nannten sich „Verein wohltätiger Brüder". In erster. Reche wurde eine Kranken- und Beerdjgungskasse begründet; zu der erhöhten Rekrutensteuer wurde dem Betresfenden ein Beitrag zugestchert, und Durchreisende sollten unterstützt weroen. Um diese Vereinbarungen legte sich als fester zusammenhaltender Reifen die enge synagogale Gemeinschaft. Ein Rabbiner wurde angestellt, daß er ihnen Borträge aus der hl. Schrift halte und sie zur Gottesfurcht, Zucht und Sitte anhalte. Mit der Zeit wurden aus den Jünglingen Männer, Familienväter, darunter manche sehr wohlhabend. Der ursprünglich soziale Zweck wurde mehr oder weniger gegenstandslos, trat jedenfalls in den Hintergrund, und 1848 wurde eine Revision der Statuten vorgenommen, welche als Programm an die Spitze ihrer Satzungen stellte: „Der Verein hat die Bestimmung, ein Bethaus für die Mitglieder zu unterhalten, in welchem ein geregelter Gottesdienst abgehalten weroen soll".' Aus einem Jünglingsverein hat sich nun ein Gebetsverein entwickelt. Die Munifizenz der Salomo und Röschen Danzigerschen Eheleute ermöglichte es, für die Synagoge ein eigenes Heim aus der Dominikanerstraße herzurichten. 1879 erhält „der Verein wohltätiger Freunde", wie er seit 48 sich nennt, Korporalionsrechte. 1884 wurde die Synagoge in der jetzt bestehenden Weise neu aufgebaut und von ihrem „Gebetordner" Caro eingeweiht. Bunte Chronik. Der Jude als Soldat. Der Rede, die der frühere Oberst G ä d k e jüygst in der Generalversammlung des „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus" hielt, seien folgende Stellen entnommen: Sobald die Schranken gefallen waren, die ihn wie einen Paria vom Walsendienste ausschlossen, hat der Jude mit derselben Treue, Opferwilligkeit und Tapferkeit die Sache unseres Vaterlandes auch auf dem Schlachtfelde--geführt, wie irgend ein christlicher Junker. Das hat er getan, obwohl man ihn vorher wirklich nicht verwöhnt und besondere Vaterlandsliebe ihm nicht beigebracht hatte. An .den Befreiungskriegen von 1813 bis 1815 haben 343 Juden teilgenonimeN. Davon sind 263 freiwillig eingetreten. Der Prozentsatz der Freiwilligen ist also außerordentlich viel größer als bei der christlichen Bevölkerung. Dabei ist das Material nicht einmal vollständig. Eine ganze Anzahl dieser Juden sind auch Offiziere geworden, eine ganze Reihe ist gefallen. Einer ist auch im Frieden im Heere geblieben, er hat es bis zum Stabsoffizier gebracht, es ist der Major Burg, ein tadelloser Mann, dem man es recht schwer machte, Jude zu bleiben. Auch an ihn ttat man mit der Forderung heran, überzutteten. Er ist aber treu und fest geblieben, und nach einigem Zögern hat Friedrich Wilhelm in. des Gerechtigkeitsgefühl gehabt, ihn ttotzdem zu befördern. Er ist im Dienste gestorben. Heute würde vielleicht eine solche Weigerung, überzutreten, als Mangel an richtigem Offiziersgefühl angesehen werden. Auch der Hoch-Tory Wellington bescheinigt,- daß seinem Heere in oer Schlacht bei Waterloo- Juden angehört haben, u. a. f ü n f z e h n j ü d i s ch e Offiziere, denen er ein ausgezeichnetes Zeugnis ausstellte. Sehr groß war ihre Beteiligung am amerikanischen Sezessionskriege. Amerika aber kennt keinen Dienstzwang, alle sind also freiwillig eingetteten. In den Heeren der beiden feindlichen Läger haben 658 jüdische Offiziere gekämpft, darunter 9 Generale, 18 Obersten, 8 Oberstleutnants nsw. Man wird sagen: Dort konnte man leicht General werden! Das gilt dann aber für die Christen ebenso, gilt übrigens schließlich auch für andere Länder. Mal wird man durch Verdienst General, mal durch Verbindung. Insgesamt kämpften außerdem noch 7257 jüdische Unteroffiziere und Soldaten. DaS sind 5,37 Prozent der damals in den Bereinigten Staaten lebenden Juden und somit entspricht diese Beteiligung dem höchsten Prozentsatz, den das deutsche Heer im Kriege erreichen wird, wenn wir jetzt einmal einen Krieg haben sollten. Während wir diesen Prozentsatz aber im Wege des Zwanges erreichen, sind die Juden dort, wie gesagt, freiwillig eingetteten. Es wird ihnen von christlichen Generalen bescheinigt, daß sie immer ihren Dienst treu und fleißig getan und an Tapferkeit mit ihren christlichen Mit? bürgern gewetteifert haben. Aber wir brauchen nicht in die Ferne zu schweifen. An dem Feldzuge 1864 beteiligten sich 194 Juden, tm Jahre 1866 gegen Oesterreich 1025 und 1870—71 gegen Frankreich 4600. Bon letzteren waren 44 Offiziere, ohne die zahtteichen Aerzte und Offizierstellvertteter zu rechnen. Bvn den jüdischen Soldaten sind 448 getötet und verwundet worden. Das sind also 10 Prozent, — ein hoher Prozentsatz! 373 haben .Aus zeuchnu n ge n erhalt en. Dabei wird niemand behaupten wollen, daß mau die Juden-bevorzugt hat. Ms-er MGLftsweG Fri tz. Fr a n k , Inh. deS Atelierfhr zellgem. -Photographie,. Gr. FriedbergerM' 23, führt upS in seinem Erkersenster wiederum Bildwerkevor Äugenseinem Erkersenster wiederum Bildwerkevor Äugen-

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