Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 6 (1908)
- Issue
- Heft 42 (30.10.1908)
- Date
- 1908-10-30
- Page
- Seite 5 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 5. Nr. 42. vom Herzen kommenden Sprache des Poeten erzielt werden kann. Da Rosenfeld noch längere Zeit in Europa weilt, so dürfte es sich für Vereine empfehlen, ihn für einen Abend einzuladen; in Wien, wo Sonnenthal ihn durch hochdeutsche Rezitationen unterstützte, ist er bereits mehrmals ausgetreten. Köln a. Rh. Die Zion. Bereinigung wählte in ihrer Generalversammlung als Vorstand: Max Goldrcich (1. Vorsitzender), Julius Bayer (2. Vorsitzender), Aron Hofmann, Abraham Reinhard, Adolf Pollak, Wilhelm Dannenberg und Dr. Simon Weil. Ans der Lehrerwett. Hoppstädten. Am 7. und 8. November finden die Iubiläumsfestlichkeiten zu Ehren des Herrn Lehrer F e r d. Epstein statt. Samstag werden die Gemeinde und die ehemaligen Schüler das 40jährige Amtsjubiläum ihres geliebten Lehrers festlich begehen. Am folgenden'Sonntag wird der Bezirksverein „Trier-Birkenfeld" durch seinen zweiten Vorsitzenden, I. Heß-Saarwellingen, dem Jubilar, seinem langjährigen verdienstvollen Präses, einen Stock mit silberner Krücke und Widmung überreichen. Auch der „Verein israel. Lehrer für Rheinland und Westfalen" wird sein wackeres Mitglied, das lange Jahre dem Vorstand mit angehört hat, entsprechend ehren, indem er ihm durch Herrn Lehrer Ransenberg-Neuwied eine kunstvoll ausgcführte Adresse widnret. Endlich wird der christl. Lehrerverein das Jubiläum würdig begehen. —U.— Bukowsko (Galizien) Nach 33 jähriger segensreicher Tätigkeit in unserer Gemeinde hat Rabbiner Majer Spire, 63 Jahre alt, das Zeitliche gesegnet. Bereits am Tage seiner Beisetzung, der 1500 Personen beiwohnten, wurde sein Sohn zu seinem Nachfolger ausgerufen. Melbourne (Australien). Rabbiner Dr. Joseph Abrahams feierte sein 25jähriges Jubiläum als Rabbiner der hiesigen jüd. Gemeinde. Eine versunkene Welt. Roman von Jakob Levy. (Fortsetzung). 5. Kapitel. Moses Ems war als ein zuverlässiger Mann bekannt und so wurde er von manchem Patrizier zu Geschäften benutzt, die einen vertrauten Mann erforderten. Peter Overstolz, ein reicher Kölner Ritter, hatte ihn zu sich bescheiden lassen. Zur bestimmten Stunde am Spätnachmittage klopfte Moses an der Tür des Overstolzhauses an der Rheingasse. Ein Diener öffnete und führte den ihm bekannten Juden in ein kleines, getäfeltes Gemach, in dem Peter Overstolz, ei» Mann in den besten Jahren mit klugem, weinfrohen Gesichte, an einem mit Papieren bedeckten Tisch saß. „Setze Dich Moses. Du bist pünktlich, und ich liebe Pünktliche. Ich habe ein wichtiges Geschäft für Dich." Moses setzte sich und blickte den Ritter erwartungsvoll an. „Bor langen Jahren habe ich vom Erzbischof das Gut Beuelshof, Bonn gegenüber, gekauft und bezahlt. Dieses Gut habe ich meiner Tochter als Morgengabe geschenkt, als sie den Amtmann Konstantin ehelichte, die jungen Leute Hausen auch allda. Mein Schwiegersohn, ich muß es ihm lassen, ist fleißig und tüchtig, er hält jetzt über zweihundert Stück Vieh und macht auf der Sonnenseite seiner Berge manchen Eimer Wein. Jetzt kommt nun der Erzbischof Heinrich und verlangt von mir die Uebergabe des Gutes mit der Begründung, der Pachtvertrag, den ich mit seinem Vorgänger abgeschlossen habe, müsse längst abgelaufen sein. Ich stellte ihm vor, daß ich den Hof gekauft und bezahlt habe, darauf verlangte er die Quittung zu sehen, und die habe ich nicht gefunden — ich weiß nicht, wo sie ist, und das scheint dem Pfaffen bekannt zu sein. Mein Schwiegersohn ist heute gekommen und klagt, der Erzbischof habe ihm gedroht, ihn mit Gewalt aus seinem Besitz zu entfernen, so er ihn nicht binnen drei Monaten geräumt hat. Jetzt hat mein Schutzpatron Petrus mir in der schlaflosen Nacht ein helles Lichtlein aufgesteckt Beim Kauf habe ich mit dem Erzbischof auf seinem Schloß in Brühl manchen Krug rotes Drachenblut geleert, sodaß mein Kopf etwas wirbelte, lote ich das Geld aufzählte. Der Erzbischof hatte sein redlich Teil mit getrunken und lachte in einem fort. Als nun alles in Freundschaft und Ordnung beendet war, tranken wir noch einen guten Humpen aus einem Mutterfaß, während der Schreiber das nötige Pergament schrieb. Als dieser seinen Herrn nun unterschreiben ließ und ich die Urkunde nehmen sollte, drehte sich das Pergament wie im Kreise herum, und ich sagte ihm: „Verwahre mir den Zettel, bis ich ausgeschlafen habe." Nach einer '■ " .— ... Frankfurter FsraÄMWs FcmnlienvlM. kurzen Pause zechten wir weiter. Als ich anderen Tags wegritt, dachte ich nicht mehr an meinen Schein, und diesen Schein muß jetzt Heinrich gefunden haben." Wohl in Erinnerung an den damaligen schönen Durst ging Overstolz an ein Seiteutischchen, auf dem ein Krug' und ein silberner Becher standen, schenkte sich ein und nahm einen mächtigen Schluck. Dann setzte er sich wieder Moses gegenüber und fuhr fort: „Jetzt sollst Du mir helfen, Moses." Dieser erwiderte: „Gnädigster Herr, ich wüßte nicht, auf welche Weise." „Passe auf. Herr Heinrich hat nicht verstanden, die alten Diener seines Vorgängers sich geneigt äu machen. Den Schreiber, der zwanzig Jahre lang seines Anites in Treue gewaltet hat, schickte er fort, weil er jüngere, kräftige Leute haben will, und jetzt haust der Alte kümmerlich in seinem Heimatsdorf Flammersfeld und hat nichts zu beißen. Zu diesem Manne sollst 'Du gehen und ihn befragen, ihm großen Lohn in Aussicht stellen, so er der Wahrheit ungescheut die Ehre gibt. Wenn es sich so verhält, wie ich sicher glaube und wie ich Dir eben erzählt habe, werden wir mit Herrn Heinrich ein Wörtlein reden." „Gnädiger Herr, sollte sich ein anderer, ^in Christ, nicht besser zu solchem Amt eignen?" „Nein, Moses. Meinen Dienern, die verschwiegen sind, fehlt die Ilmsicht, und den einen klugen Mann, der wohl mit dem Alten zu reden wüßte, halte ich nicht für treu. Außerdem Mllt es in dem Dörflein auf, wenn der Schreiber fremden Besuch bekommt, während ihr Juden in eueren Geschäften überall und zu jedem kommen dürft. Du bist treu, klug und verschwiegen." „Gnädiger Herr, es ist ein schwerer Auftrag, den Ihr mir da auferlegt. Wenn nun der Alte ein Feind unseres Volkes ist?" „Das war er früher nicht und ist es hoffentlich später nicht geworden. Gieb ihm übrigens einen Schilling, wenn Du ihm die Tageszeit bietest, dann ist er jedenfalls freundlich zu Dir, noch niemals hat selbst ein Judenfeind jüdisches Geld verachtet, und Du kannst dann vorsichtig tasten, wie er Dich aufnimmt." „Gnädiger Herr, ich bin nicht niehr der Jüngste, und wenn die Sache mir mißlingt, möchtet Ihr an meinem Fleiß und Eifer zweifeln." „Nein Moses, mag es auch schlecht gehen, ich iveiß, daß Du das Beste gewollt. Gehe, tue es mir zu lieb, ich vergelte es Dir reichlich." „Ich will es versuchen, gnädiger Herr. Nennt mir den Namen des Mannes, den ich ausforschen soll." „Das ist recht, Moses. Der Mann heißt Nikolaus Eberlein. Sei nur vorsichtig, daß kein Mensch etwas vom Zweck Deiner Reise vermerkt, sonst fährt der Pfaffe mir dazwischen." „Gnädiger Herr, Ihr kennt mich und mögt unbesorgt sein. Aber ich muß Euch auch herzlich bitten, meine Hülfe in dieser Sache gegen Jedermann zu verschweigen. Denn wenn der Herr Erzbischof erführe, daß ich wage, etwas gegen ihn zu unternehmen, die ganze Judenschaft müßte es entgelten." Overstolz ergriff die Hand Moses mit festem Druck. „Sei unbesorgt. Es bleibt bis in den Tod geheim; auch den Schreiber nehme ich auf mich." Moses erhob sich. „Morgen früh reise ich fort. Ich sende Euch keine Botschaft, Ihr werdet also erst nach meiner Rückkehr Nachricht von mir bekommen. Lebt wohl, gnädiger Herr." „Reise mit Gott. Ich habe gutes Vertrauen, die Sache wird von Dir zu gedeihlichem Ende geführt." Moses entfernte sich. Overstolz ging in ein großes, straßenwärts gelegenes Zimmer, wo seine Frau und sein Schwiegersohn saßen, und er sagte: „Ich habe den besten und treuesten Boten für unsere Sache genommen, einen mir schon lange Jahre wohlbekannten Juden." Sein Schwiegersohn schob die Unterlippe vor und meinte: „Herr Vater, Ihr werdet noch einmal bereuen, daß Ihr dem Judenvolk so viel Vertrauen schenkt." Overstolz erwiederte nur: „Das wirst Du dem alten Moses noch einmal abbitten." — Just an demselben Tage hatte Salomon Basel vornehmen Besuch. Ein Vogt des Erzbischofs war gekommen und mit ehrerbietiger Freundlichkeit empfangen worden. Nachdem er den ausgiebigen Willkommstrunk genommen hatte, kam er zur Ursache seines Besuches. „Der Herr Erzbischof braucht zweihundert Mark Gold, ich soll in der Judengasse fragen, wer sie verleihen will. Er verpfändet die Einkünfte seines Beuelshofes vom künftigen heiligen Osterfeste an dafür. Ich habe dabei an Euch gedacht." „Bringt der Gutshof was ein?" „Ich will's meinen. Ihr würdet Euer Geld rasch genug verdient haben. Der Herr Konstantin, Eidam des Herrn Overstolz, wirtschaftet jetzt auf dem Hofe." Salomon und sein Sohn ioechselten einen Blick, und der Vater nickte unmerllich. Dann begann Joseph: „Herr Fabrizio, Ihr braucht nicht weiter Euch zu befragen, wir wollen Eurem Herrn die Summe verschaffen, denn wir haben nicht selbst so viel." Der Bogt aber meinte zögernd: „Ich müßte doch noch mit einigen Eurer Glaubensgenossen reden, man kann doch nicht wissen, ob nicht einer geringere Zinsen nimmt." Mit überlegenem Lächeln meinte Salomon: „Es ist nicht also, daß einer Eurem gnädigen Herrn billiger rechnet, als ich, denn es wäre keiner dazu im Stande. Macht Euch deshalb keine unnütze Mühe und trinket lieber den Krug leer. Seht einmal, ich habe ein schönes Stück für Eure Frau Liebste." Dmnit reichte er dem Bogt ein kleines Kästchens Der öffnete es neugierig und zog eine goldene Mantelspange heraus. Der Mann lachte aus vollem Halse. „Bei unserer heiligen Frau, was müßt Ihr viel .verdienen." Joseph antwortete: „Dem ist nicht so. Die Spange ist Euch schon lange für Eure Freundesgefälligkeiten zugedacht, und — ich gestehe es Euch — es macht mir Freude, den anderen ein Geschäft sortzunehmen. Unsere Glaubensgenossen haben ineinem Hause Schimpf angetan." Der Vogt sagte gleichgültig: „Dann laßt sie laufen und kommt zu uns. Ihr freßt ja doch Schweinefleisch und besucht am liebsten uns auf Euren Schabbos, weil Ihr dann keine jüdischen Geschäftsleute bei uns trefft. Laßt Euch taufen, mein Herr wird selbst Euer Pate sein, Salomon." Salomon lachte gezwungen. „Wir wollen diese Scherze unterwegs lassen, Herr Vogt. Darf ich Euch noch einmal einschenken?" Dieser bewilligte das großmütig und trank. „Das muß ich sagen, der Wein ist gerade wie Ihr, ungetanst. Mein Herr trinkt keinen besseren." Salomon fragte: „Darf ich dem Herrn Bogt ein Fäßchen schicken?" Der Vogt klopfte dem Alten auf die Schulter. „Gern, Frennd, so hat mein Gespans doch nicht allein eine Freude durch Euch. Ich werde Euch wissen lassen, wann Ihr meinem Herrn das Geld bringen sollt." Mit etwas unsicheren Schritten entfernte er sich. Joseph folgte ihm und kehrte beruhigt zurück, als er sah, daß der Halbtrunkene ohne Aufenthalt aus der Judenstadt ging. Sein Vater war schon zum Ausgehen gerüstet, daun durchschritten beide breitspurig die Straßen des jüdischen Viertels und taten, als bemerkten sie nicht, daß ihnen jeder mrs dem Wege ging und sie sichtlich mied. Am Rhein ließen sie sich auf der fliegenden Brücke nach Deutz übersetzen und wandelten dann nach Poll zu, wo sie mit den Fischern Geschäfte hatten. Als sie gegen Abend zurückgingen, überholten sie auf der Landstraße den Schneider Gumpel, der mit einem schweren Pack Kleider langsam daherkeuchte. Salomon wollte ingrimmig fluchend an ihm vorübergehen, Joseph dagegen sagte freundlich: „Gumpel, was habt Ihr eine schwere Last, wollt Ihr Euch nicht etwas ansruhen?" (Fortsetzung folgt.) Kaiser Friedrich Quelle Ottenbach a. X. - Gegen Gicht and Bhenmatiamns bewährt. Wocheu-Salender. (Zeitangaben nach dem Lnach.) Samstag, den 31. Oktober (— 6. Cheschwan): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 4 Uhr 35 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 5 Uhr 55 Min. in Berlin 5 Uhr 84 Min. Wochenabschnitt: No ach. — Durch eine große Wasserflut, die fast ein Jahr dauerte, werden Menschen und Tiere vertilgt; nur der ftomme Noach mit seiner Familie, einer Frau, drei Söhnen und Schwiegertöchtern, blieb am Leben, und so wurde Noach der zweite Stammvater des Menschengeschlechtes. Noach baute eine sogenannte „Arche", ein kastenartiges Schiff von gewaltigen Dimensionen, dreistöckig, in viele Kammern abgeteilt, um auch verschiedene Tiere zur Rettung ausnehmen zu können. 120 Jahre wartet Gott vergebens auf der Menschen Besserung. Alsdann kam die alles verschlingende Flut, ein halbes Jahr steigend, ebenso lang fallend. Noach schickt Vögel aus, den Wasserstand zu erkunden. Die Arche bleibt schließlich auf dem Berge Ararat stehen. Noach bringt Dankopser beim Verlassen der Arche. Gott schließt einen Bund mit Noach und dem ganzen Menschengeschlecht. Nie mehr soll eine Wasserflut den Gang der Natur stören. Der Regenbogen wird Zeichen des Bundes. Verbot des Mordes und Selbstmordes. (Daß Gott den Selbstmörder — also nach seinem Tode — strafen will, ist der biblische Beweis für die EwigkeitHer Seele!) Erlaubnis, Tierfleisch zu genießen, jedoch nicht von einem lebenden Tiere abgenommen. (Ewer min hachai.) Völkertafel der nach-noachidischen Periode.