Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1908-10-30 · Heft 42 (30.10.1908) · p. Seite 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 42 (30.10.1908)
Date
1908-10-30
Page
Seite 10 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2692297-2692562-2692604--04304-2699099
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 10. Nr. 42 Frankfurter Israelitisches Familienblatt. bisher nur teilweise ausgeführt werden, so war es uns doch möglich, einige Hauptpunkte mit gutem Erfolg in Angriff zu nehmen. Hierzu rechnen wir vor allem unsere Stellenvermittlungs-Abteilung, die, an drei Tagen der Woche geöffnet, für Frauen und Mädchen alle Arten von Stellen kostenlos vermittelt. Es haben bisher 49 Stellungssuchende durch uns Stellung gefunden. Dieser Erfolg ist um so höher anzuschlagen, als wir grundsätzlich nur Stellen vermitteln, in denen das Gebot der Sabbatruhe beobachtet werden kann und die, so weit es sich um Stellungen innerhalb des Hauses handelt, auch sonst allen rituellen Anforderungen entsprechen. Die in dem benachbarten Offenbach vor einigen Jahren von Privater Seite gegründete Religionsschule, die einzige Institution, durch welche den zahlreichen Kindern der dortigen ausländischen Juden die Kenntnis des Hebräischen und des jüdischen Gesetzes im Sinne des überlieferten Judentums vermittelt wird, ist seit einigen Monaten in unsere Verwaltung übergegangen. Statt in den bisherigen Räumen — zwei kleinen, luft- und lichtarmen Zimmern in einem Hintergebäude — findet dank unseres Eingreifens und des Entgegenkommens der Offenbacher städtischen Behörden der Unterricht nunmehr in dem hohen, hellen und luftigen Räumen der Mathilbenschule statt. Mit dem Ausbau des Lehrplanes, dem sich die Anstellung einer zweiten Lehrkraft anschließen soll, sind wir zur Zeit noch beschäftigt. Unserem Unterstützungs - Ausschuß lagen zahlreiche Gesuche vor. Soviel in unseren Kräften stand, haben wir zu helfen gesucht; in dringenden Fällen war dies bei unseren schwachen Mitteln nur durch die Inanspruchnahme einzelner Gönner möglich. Besondere Berücksichtigung ließen wir jenen Fällen angedeihen, in denen es sich um die Ausbildung für einen Berus oder die Erringung einer selbständigen Existenz handelte. Auf geistigem Gebiete endlich zeigte der außerordentlich große Zuspruch, den die von uns im Winter 1907/08 veranstalteten Lehrgänge und Vorträge fanden, der Eifer, mit dem die nach Hunderten zählende Hörerschar den Erörterungen folgte, daß der „Jüdische Frauenverein" hier einem wirklichen Bedürstlisse entsprochen hat. Wir hoffen, mit dem Programm für den Winter 1908/09, das sich in den gleichen Bahnen bewegt, gleich gute Erfahrungen zu erzielen. Zu dem Ausbau unserer schon bewährten Institutionen, wie zur Verwirklichung einer Anzahl noch geplanter Einrichtungen bedürfen wir weiterer Kräfte und neuer Mittel." Frankfurta.M. DasBortragSprogramm des Vereins für jüd. Geschichte u. Literatur für das Winterhalbjahr 1908/09 ist nunmehr erschienen. Es.werden 7 Vorträge gehalten werden, und zwar werden sprechen: Dr. I. Heinemann, Rabb. Dr. I. Horovitz, Rabb. Dr. Lazarus- Frankfurt, Dr. Jampes-Karlsruhe, Dr. Hirschberg- Berlin, -Rabb. Dr. Ackermann-Brandenburg und Dr. med. Moses-Mannheim. Außerdem findet am 30. November der im vorigen Jahre mit Enthusiasmus aufgenommene „Jüdischer Volkslied-Abend" statt, zu dem auch die Mitglieder besondere Eintrittspreise zu zahlen haben. Frankfurt a. M. Das P ogramm der während, des Winterhalbjahres jeden Mittwoch Abend 9 Uhr Schützenstr. 2 stattfindenden Vorträge des Vereins „Nachlaß Zwi" weist eine reiche Abwechslung auf, doch bei aller Abwechslung zeigt es die einheitliche Tendenz, die Erkenntnis jüdischer Welt- und Lebensanschauung zu fördern. Die Vorträge werden zum großen Teil von jungen Leuten der Israelit. Religionsgesellschast gehalten. — Für eine anregende und das Thema ergiebig behandelnde Diskussion sorgt ein Dozentenkollegium (Dr. Bondi, Prof. Dr. Fink, Prof. Dr. Sulzbach, Prof. Weyl und I. Rosenheim). Frankfurta.M.,29.Oft. Ueber„Zweijüdische Geisteshelden des 17. Jahrhunderts" sprach gestern Abend im Verein „Montef i o r e" Rabbiner Dr. Unna- Mannheim. Wenn man das geistige Leben der Juden der damaligen Zeft kennen lernen wolle, dann müsse man sie hinter den Talmudfolianten belauschen, jenes Talmuds, der selbst von ernsten christlichen (Mommsen, Jehring) und sogar auch von jüdischen (Philippsohn) Gelehrten in seinem Wesen falsch erfaßt worden ist. Der Talmud ist die Gesamt-Enzyklopädie des jüdischen Geistes im Rahmen der jüdischen Tradition. Zueiner ganz besonderen Blüte ist das Talmudstudium in Polen gelangt, Ivo seit dem 16, Jahrhundert eine freiwillig gebildete Synodalverwaltung Bier-Länder-Synode) die gesamten internen Verhältnisse der Juden auf Grund des jüdischen Geetzeskodex regelte, und überwachte. Auch zu Zeiten >er beiden.Geisteshelden, die der Vortragende zu einem heutigen Thema genommen hatte, des David Sanruel Halevi und des Sabbatai K o h e n, stand noch das Talmudstudium in höchster Blüte, trotzdem Polen nicht mehr die alte Freitätte für die Juden war, trotzdem sich nunmehr auch hier ihr Geschick sehr traurig gestaltete. Die Kosaken-Aufstände unter Chmielnizki waren über ' Solen verwüstend hercingebrochen, und am schweren litten darunter die Juden, die sich als Gutsverwalter ic. der polnischen Edlen den ganzen Haß der von diesen unterdrückten Kosaken zugezogen hatten. Zahlreiche jüdische Gemeinden wurden damals bis auf den Grund zerstört und Zehntausenbe von Juden martervoll getötet. Der Redner gibt nun eine Biographie des David Samuel Halevi, der den scharfsinnigen Kommentar zum Schulchan Aruch „Tnre Sohos" - verfaßte, und des Sabbatai Kohen („Schach"), der gleichfalls hervorragende Kommentare verfaßte und von dem auch ein Briefwechsel mit einem katholischen Geistlichen bekannt ist. Redner rügt die geringschätzige Behandlung Sabbatai Kohens seitens Graetz und nimmt bei dieser Gelegenheit Veranlassung, die Angriffe gegen den Schulchan-Aruch, den für das praktische jüdische Leben abgefaßten Gesetzeskodex, zurückzuweisen. Er erinnert dabei an Hegel's Ausspruch, daß Wesen und Form unzertrennbar sind; es sei ein unsinniges Unterfangen, ein Judentum ohne Form erhalten zu wollen. Frankfurt a. M. Vergnügungs-Club junger Leute, gegr. 1907. In der am 26. Oktober stattgehabten außerordentlichen Generalversammlung wurden folgende Herren in den Vorstand teils neu, teils wiedergewählt: Meyer (1. Vorsitzender), Isidor Glücksmann (2. Vorsitzender), Hermann Wctzler, Bruno Nicklas (Kassierer), Ferdinand Michel, Karl Rosenthal (Schriftführer), Moritz Herz, Samuel Aronsohn (Beisitzer) und M. Bien (Archivor). Der Verein hält Samstag, 19. Dezember, sein Chanukkah- und Stiftungsfest im ehemaligen Kaufmännischen Verein, Langestraßc 26, ab. Lffenbach a. M. Der Allgem. Jüd. Arbeiter-Bund (Sektion Offenbach) feierte bei sehr großer Beteiligung im Saalbau sein 3. Stiftungsfest. Die Musikkapelle leitete mit einigen flott vorgctragenen Stücken das Fest ein. Alsdann erfolgte ein deklamatorischer Vortrag von Frl. Jakobi und sodann eine feurige Ansprache seitens eines Mitgliedes des christlichen Arbeiter- Bundes. Nachdem die freien Turner ihr Können auf der.Bühne gezeigt hatten, wurde das Publikum mit einem slott gespielten Jargon-Theaterstück erfreut, in dem die Damen I a c o b i und M i t b r e i t und die Herren M a s e l m a n n und Zucker sich als gewandte Schauspieler erwiesen. Mit einem Tanzkränzchen schloß das harmonisch verlaufene Fest. " S. Time. Bunte Chronik. Die Westend-Synagoge in Frankfurt a. M. Während der jüngsten Feiertage nahm ich Gelegenheit, meine Schritte in das Westend unserer Stadt zu lenken, um die mir so gerühmte Westend- Synagoge in der Unterlindau kennen zu lernen. Ganz abseits vom Lärm großstädtischen Lebens und Treibens steht die hübsche, etwa 400 Plätze fassende Synagoge in einem parkähnlichen Garten. Der schmucke Barockbau wurde, wie man mir sagte, vor ca. 17 Jahren auf Veranlassung des unvergeßlichen Philantropen Alfred Geiger s. A. errichtet. Es war zu damaliger Zeit ein kühnes Unterfangen, im Westend eine Synagoge konservativer Richtung zu erbauen, da nur wenige Orthodoxe in jener Gegend wohnten. Allein mit dem Bau der Synagoge siedelten sich auch verschiedene stamme jüdische Familien in diesem Teile der Stadt an, und infolge der umsichtigen und rührigen Verwaltung, an deren Spitze die Herren I. C. Weill, Jul. Carlebach und Bict. Blümlein stehen, vermehrte sich die Zahl der Besucher von Jahr zu Jahr, sodaß nicht mehr alle Wünsche nach Plätzen befriedigt werden können. Der den Gottesdienst leitende Vorsänger, Herr Klibanskt, ist im Besitz einer gut ausgeglichenen, wohlklingenden Baritonstimme und ttägt mtt edler Empfindung und feinfühlendem Verständnis die Gebete vor. Ein Männerchor unter der Leitung des erprobten Dirigenten M. Hainebach ttägt zur Hebung des schönen, stimmungsvollen Gottesdienstes entprechend bei. Sticht unerwähnt kann ich Herrn Raviiner Dr. I. Horovitz lassen, der mit jugendlichem Feuereifer in formvollendeter Predigt die Hörer erbaute. Keine Tendenzrede und keine Programmrede, Wie solche an anderem Platze zu hören war. sondem eine Rede, die die tiefe Bedeutung des Tages erchöpfend und anschaulich zeichnete, entströmte den Lippen des Redners. Bestiedigt und hochersteut verließ ich diese Anbaibtsstätte, die mit zu den schönsten unserer Stadt;ehört, in der die weihevolle Stimmung des Beters mrch nichts abgelentt wird. Doppelt schön und erhebend ist es für den religiösen Juden, gerade in enem Teile der Stadt, wo bald eine »moderne" Synagoge erstehen wird, die das Hebräische fast gänzlich aus ihrem Gottesdienste eliminiert, ein Gotteshaus zu finden, in dem der echte Geist alter jüdischer Traditton herrscht und lebt, und das ttotz der im Wachsen begriffenen Reform für die 9Jletme seiner Beter bald zu klein sein wird. M. Sn. Bereins-Kaleuder. Verein Mekor-Chajim. Samstag, den 31. -Oktober 1908, uachm. 3(4 Uhr: Mikro-Vortrag des Herrn Gustav Kau>mann. „Moutefiore"-Bereiu. Mittwoch, den 4. November, Herr Dr. M. Melamed (Maxime Le Maitre): „Die Juden in der deutschen Literatur der Gegenwart". Verein „Rachlatz Zwi". Samstag, 31. Oktober, mittags 12 Uhr, im Hörsaale der Synagoge, Friedberger Anlage: Kurorische Lektüre des Pentateuch-Kommentars von S. R. Hirsch unter Leitung des Herrn S. Schachnowitz. Montag, 2. November, abends 9 Uhr, im großen Saale des früheren Kaufmännischen Vereins, Langcsttaße 26: Vortrag des Herrn Moritz A. Loeb: „Gibt es ein liberales Judentum?" Diskussion. Gäste, auch Damen willkommen. Vergnügungs-Gesellschaft junger Leute. (Gegründet 1893.) Samstag. 31. Oktober, abends 9(4 Uhr, im Restaurant Krämer (Allcrheiligenstr. 52): Generalversammlung. Berguüguugs-Club junger Leute. (Gegründet 1907.) Samstag, 31. Oktober, abends 9(4 Uhr, im König von England (Battonstr. 70 I): Versammlung. Verein Tiferes Bachurim. Sonntag, 1. Novbr., Herr Rabbiner Dr. I. Horovitz: „Michael Sachs". Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Montag, 2. November, abends 8(4 Uhr, in der „Frankfurt-Loge" (Eschersheimer Landstt. 27): Herr Dr. Heinemann: „Die Wertschätzung der Arbeit im alten Israel." Jüdischer Fraueuvereiu E. B. Montag, den 2. November, abends 8% Uhr, im Hörsaale der Ist. Rel.-Ges. Schützenstt. 12: „Einiges aus der Psychologie und Pädagogik" (2. Teil) auf Grund von Kankeelit „Unsere Lieblinge in schule und Haus". Herr Dr. med. Albert Feuchtwanger. Wauderkluv. Sonntag. 1. Novbr., Tag es tour: Cronberg, Falkenstein, Königstein, Eppstein. Marschzeit 4(4 Std. Treffpunkt S15 Uhr Schalterstelle Hauptbahnhof. Gäste willkommen. Anmeldungen bei Herrn Sally Rosenheimer, Feststr. 2 (Tel. 1173) erwünscht. Vortrags-Zyklus Dr. Melamed. Sonntag, 1. Novbr., 5 Uhr nachm, in der Loge zum Adler, Seilerstr. 22: 1. Vorttag über „Die Juden in der deutschen Kultur im 19. Jahrhundert". H a t ch i o. 4(4 Uhr: Humor und Satyre im Judentum. Cafe Constabfec SSiSÄ: Auskünfte! Grosse Detectiv-Zentrale I! I über Yermägens-, Famlllenn. Gesohäfteverhältnlsse, Beobachtungen, Ermittelungen an allen Plätzen der Welt. Salzliaus 6, I. Telephon 4359. €üpI ffTOtoenan, gg9, 2»«eleu. Wen. Sold-«. Silbenoaien. Answahlsendungen gerne zu Diensten. hiiSPhiLHerzberger Frankfurt a. Fahrgasse 2. Gegründet 1869. Telephon 2237. Glaserei und Kunsthandlung. Einrahmen von Bildern. Separatoren prompt und billig. Am Schwimmbad 2 (Laden). Leopold Seligmann’s Nachfolger Tel. 3481. Inh. Jttichael Schuster Kectaeigrabenstr 15. unter Aufsicht Sr. Ehrw. des Herrn Babblner Dr. Dreher. Aeltestes Geschäft am Platze. _ ConiUtoreiwaren. — Eis. — Cafe, —— 'WM-' Vorteilhafteste Bezugsquelle für Hotels und Restaurants. ^WW

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.