Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 6 (1908)
- Issue
- Heft 41 (23.10.1908)
- Date
- 1908-10-23
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2692297-2692562-2692603--04288-2699081- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 41. Seite 10. Frankfurter JsraelitWes Familienblatt. vereinen) und der .religiösen Interessen der Frauen dieser Gefahr begegnen zu können. Die Schuld an dem Medergange des liberalen Judentums in den letzten Jahrzehnten liegt an seinen Vertretern. Die Leisetreterei muß zu Gunsten der entschiedenen Betonung der Forderungen des liberalen Judentums aufhören. Auch die Gemeindewahlen sind geeignet, jüdisches Interesse wachzuhalte». Der Gottesdienst muß in deutscher Sprache abgehalten werden, wie schon zu Zeiten Josephus kein Anstoß daran genommen wurde, Gebete in der aramäischen Sprache, der damaligen Landessprache, im öffentlichen Gottesdienste zu sprechen. Auch die Wissenschaft des Judentums muß gepflegt werden. Wenn das alles geschieht, dann wird ein Geschlecht von stolzen, selbstbewußten Juden erzogen werden. In der nun folgenden Diskussion sagte Dr. Benario, eine Tat sei dann religiös, wenn sic sittlich ist; er könne deshalb nichts unsittliches dabei finden, wenn nian neben einem Stückchen Fleisch ein Butterbrot ißt; dagegen sei es sehr unsittlich, nach einem Scheinverkauf an einen Nichtjuden den . Chouiezvorrat nach Pesach wieder zurückzukaufen. Redner verlangt eine Reform der Gottesdienstordnung und die Abschaffung der zweiten Feiertage.*) Frankfurt a. M. Am Mittwoch Abend bieli der Verein „M ontefiore" seine erste Veranstaltung in diesem Wintersemester ab, einen musikalisch-deklamatorischen Abend. Infolge des starken Zuspruches, den speziell diese Veranstaltungen bereits im Vorjahre gefunden hatten, verstand man sich dazu, diese Abende außerhalb des Vereinshauses, in dem alten Heime des Kaufmännischen Vereines, zu begehen. Aber fast reichte dieser dlaüm taum mehr auS, bie Menge der erschienenen Mitglieder und ihrer Angehörigen zu fassen — ein Beweis für das jährlich zunehmende Interesse der Frankfurter Judenfchast an dem eifrigen Streben dieses Vereines. In einigen Begrüßungsworten gab der 2. Vorsitzende des Vereins Dr. Löffler seiner Freude darüber Ausdruck. Sodann hielt der Ehrenpräsident Rabb. Dr. M. Horovitz eine warmempfundene, die Hörer sichtlich ergreifende Ansprache. Er sprach den Wunsch aus, daß gleich dem Lichte, das wohl mn ersten Tage der Schöpfung gebildet, aber erst mit der Erschaffung der verschiedenen Himmelskörper am vierten Tage zur Erfüllung seines Zweckes, die Welt zu regieren, kam', ebenso im Montefiore-Vercin sich alle Schichten sammeln und alle Partcianschauungcn zurücktreten mögen für den Zweck des Vereins, das jüdische Selbstbewußtfein zu stärken. Er forderte die Mitglieder auf, stets die Ehre des Judentums zu wahren, sich fern von aller Heuchelei zu halten, die sittliche Reinheit sorgsam zu hüten, damit man sage: das ist jüdisch, denn das ist rein und edel. Lebhafter Beifall der Zustimmung folgte diesen Worten. In abwechslungsreicher Folge kamen hernach Rezitationen, Gesänge und Jnstrumentalvorträge zu Gehör. Frl. Math. Oppenheimer trug mit viel Verständnis und feinfühlig Gedichte von Mosenthal, Ernst und Dahn vor, Herr I. Neumann sang ein Lied von Herrsche! und eine Arie aus „Hans Heiling" von Marschner und als wohlverdiente Dreingabe eine sehr niedliche und in ihrer Faktur interessante Komposition des jungen Mitgliedes Rudolf Weill („Die Rose"), und durch den schwungvollen Vortrag der Moszkowsky'schen Tänze auf dem Klavier erspielten sich die Damen Hirsch-Hahn und Lenne reichen Beifall. Zu Anfang und am Schlüsse des Programmes hörten wir außerdem erstmals Chorgesänge des Neumann'schen Gesangvereines. Dieser, aus hiesigen jüdischen jungen Damen und Herren bestehende Chor, der vor etwa Jahresfrist von seinem rührigen, kunstsinnigen Dirigenten I. Neumann in's Leben gerufen wurde, trat am Mittwoch zum ersten Male öffentlich auf. In Anbetracht dieses Umstandes dürste es nicht überraschen, wenn der erste Chorvortrag („Des Liedes Krystall" von Ferd. Schmidt) noch ein wenig zaghaft herauskam. Immerhin war schon hier, besonders aber beim zweiten Gesänge, der Mendelssohn'schen klangschönen, im Vortrage gar nicht leichten „Frühlingsahnung" zu erkennen, daß Chor und Dirigent bereits ernst und sangesfroh gearbeitet haben. Da der Ncumann'sche Chorverein sich die Aufgabe gestellt hat, seinen Mitgliedern im Laufe der Zeit einen Ueberblick und nähere Kenntnis der bekannten Werke der Chor-Literatur zu gewähren, so hat er, vom künstlerischen Standpunkte betrachtet, . durchaus Daseinsberechtigung neben den größeren Chorvereinigungen hiesiger Stadt, die jedes Jahr *) Wir werden auf die in dieser Versammlung geäußerten Ansichten in der nächsten Nummer zurückkommen. D. Redakt. nur ein paar große und schwierige Chorwerke einstudieren und in Konzerten dann aufführen. Aber auch vom jüdischen Standpunkte-aus ist es nur zu begrüßen, wenn unsere Jugend dem .lächerlichen Vorurteile, die Juden seien weniger kunstsinnig als Andersgläubige, immer mehr den Boden abgräbt durch die ernste Beschäftigung mit der musischen Kunst. In diesem Sinne können wir dem Neuman,rschen Chore nur Glück und insbesondere Hinzukommen recht vieler, neuer sangessrendiger Kehlen wünschen; die Tenor- und die Altstimme könnten einen Zuwachs noch wohl gebrauchen. Der Abend war ein hübscher Anfang der Wintersaison, und ein Blick in das Winterprogramm, das eine große Reihe interessanter und lehrreicher jüdischer Vorträge angesehener Redner verspricht, zeigt, daß der Verein auch weiterhin unentwegt auf der Höhe seiner vielgestalteten Aufgaben stehen wird. Frankfurt a. M. Der Talmud-Thor c- Verein beginnt nächsten Freitag Abend — nach dem Gottesdienste — wieder seine Vorträge im Hörsaalc der Synagoge ani Börneplatz. Breslau. Der Verein für jüdische Geschichte und.Literatur wird am 2. November mit einem Vortrage des Lizentiaten Dr. Benzinger aus Jerusalem die Wintcrsaison eröffnen. Es sind bereits Vorträge von Dr. Elbogen-Berlin, Dr. Ziegler-Karlsbad, Dr. Rubensohn, Dr. Rosenthal, Dr. Guttmann und Dr. Brann-Breslau vorgesehen. Frankfurt a. M. Unler Mitarbeiter Herr Maxime Le Martre (Dr. S. M. Melamed) wird Sonntag den 1. Nov. um 5 Uhr, Donnerstag, den 5. Nov. 8V2 und Samstag, den 8. Nov. um 5 Uhr im großen Saale der Loge Adler 3 Vorträge über den Anteil der Juden an der deutschen Kultur im 18. Jahrhundert halten. In diesen drei Vorträgen wird Herr Dr. Melamed den Einsluß und die Betätigung der Inden ans allen Gebieten der deutschen Geisteskultur (Philosophie, Politik, Literatur und Gesellschaft) erörtern. Karten im Vorverkauf (Mk. 3.— für den Zyklus) sind zu haben in der Expedition unserer Zeitung, in der Buchhandlung Strauß, sowie in den hebräischen Buchhandlungen Kausfmanu und Hoffmann. Berlin. Der Israel. Fortbildungsverein „Montefiore" (Vereinsheim: Gypsstraße 12a) hat für das Winterhalbjahr folgenden Lehrplan festgesetzt: Freitag Abend 8V2—9V2: Mischnajoth (Dr. E. Biberfcld); Samstag ll1/»—12Vs: Chaje Odom; Sonntag 4—5: Tehillim (Dr. I. Wohlgemuth); Dienstag Abend, Beginn 9 Uhr: Dortrag und geselliges Beisammensein. Die Lese- und Bibliotheksräume sind allabendlich und den ganzen Sabbat geöffnet. Die Bibliothek enthält über 1000 Bände. Köln a. Rh. Der Kinder-Spar-Berein veröffentlicht seinen 9. Jahresbericht. Er schickte 12 000 Liter Milch ins Haus, gab armen Schulkindern als Frühstück 36 500 Glas Milch und 27 000 Brötchen, versah sie, wenn nötig, mit Nachhilfs- und Fortbildungsunterricht und gewährte ihnen bei Erkrankungen ärztliche Behandlung. Für 12 Waisen wurden Beiträge geleistet. Für Turnen und Baden wurde Sorge getragen, Kleider- und Miet-Unterstützung wurden kinderreichen Familien gewährt. Für all' dies betrugen die Ausgaben 8700 Mark, denen nur 6550 Mark Einnahmen gegenüberstehen. Beiträge nimmt Frau Sigmund Bing, Mozartstr. 26, entgegen. Personalien. Berlin. Für den im 63. Lebensjahre verschiedenen Direktor des „Berl. Börsenkurier" Ulrich Levy sohn fand Dienstag Nachmittag im Arbeitszimmer des Verstorbenen eine Trauerfeier statt. Es sprachen Neichstagsabgeordneter Geh. Justizrat Albert Träger, Chefredakteur I. Landau und Prediger Dr. Klemperer. Frankfurt a. M. Drensrag verschied Ignaz Creize n ach, der bis 1890 dem Vorstände der Israelitischen Gemeinde — und zwar wiederholt als Vorsitzender — angehörte und drei Jahrzehnte hindurch als Stadtverordneter fungierte. Der Derstorbcne zeichnete sich durch einen regen Wohltätigkeitssinn aus. Aus der Lehrerwett. Lberhausen. Im Alter von 43 Jahren verschied Lehrer Moses Block, tief betrauert von allen Mitgliedern der jüdischen Gemeinde und allen, die ihn kannten. Groß-Zimmer». Lehrer M. Spier feiert ani 24. ds. Mts, sein 25 jähriges Amtsjubiläum. Dürkheim. Bezirksrabbiner Dr. Salvendi wird nach 43 jähriger Amtstätigkeit Tube dieses Jahres in den Ruhestand treten. ' Bolyok (Ungarn). Am 2. Tage Suckaus wurde Rabbi I. Katzburg, der ein halbes Jahrhundert in unserer Gemeinde als Oberrabbiuer wirkte und vor einigen Jahren zu Gunsten seines Sohnes auf sein von ihm mit wahrhafter Aufopferung und großer Prinzipientreue verivaltetes Amt verzichtete, zu Grabe getragen; er erreichte ein Mer von 76 Jahren. St. Louis lAmeriko). Der bekannte Resormrabbiner Salonion H. Sonnenschein, Herausgeber der Monatsschrift „Die Wahrheit" und seit 50 Jahren Rabbiner am Schaare-Emes-Tempel, ist verschieden. Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Für den Nationalfonds gingen ein: Familie S. H. Goldmann gratuliert Familie Kristiaupoller-Meinel zur Geburt der Tochter und Frau WolPe-Frankfurt zur Geburt der Enkelin 0,50 Jk Familie S. H. Goldmanu gratuliert zur Verlobung Regina Jakob — Arnold Feinstein 0,50 „ Wilhelm Nvmethy, Allerheiligenstr. 78: 40 Kistchen Zigarrenspitzen. Briefkasten. B. Wie verlautet, hat das Central-Komitee der Allianc Jsraelite Universelle ihren Vertreter in Jerusalem, Antebi, aufgefordert, sich jeder Einmischung in Jerusalemer Gemeindeangelegenheiten zu enthalten. B. D. Sowohl Dr. Lasker, als auch Dr. Tarrasch ist Jude. Anonymus. Anonymes Papierkorb. Barmizwohs. Ohne redaktionelle Verantwortlichkeit. Wir bitten um gefl. Mitteilung der Barmizwohs; die Aufnahme geschieht kostenlose. Fritz, Sohn des Herrn Louis Bär, Ostendstraße 12, in der Synagoge Friedberger - Ablage. Mr.PercyGiirsInsfitüt Kaifierstrasa«* 31. — Nationale Lehrkräfte. — /Vnalif*rht Franxtiaisrh Pto Bereins-Kalender. Verein Mekor-Chajim. Samstag, 24. Oktober, nachm. 3% Uhr: Mikro- Vortrag des Herrn Joses Wohlfarth. Jüdische Bibliothek und Lesehalle. Das Lesezimmer ist geöffnet: Montag bis Donnerstag: 1—4 Uhr. Freitag: nach Schluß des Abcndgottesdienstes bis 9 Uhr. Samstag: 11—1 und 3—7 Uhr. Sonntag: 11—1 und 3—7 Uhr. Kostenlose Bücherentleihung: Montag bis Donnerstag: 1—2 Uhr. Verein „Rachlatz Zwi". Mittwoch, 28. Okt., abends 9 Uhr, Schützenstraßc 2: S. Schachnowitz: „Die Arche in Geschichte und Volksglauben". „Moutefiore"-Verein. Mittwoch, 28. Okt., abends 9 Uhr, Seilerstr. 22: Kirchenrat Dr. Kroner-Stuttgart: „Propheten und Pharisäer". Jüdischer Franeuverein E. B. Montag, den 26. Oktober, abends 81/2 Uhr, im Hörsaale der Ist. Rel.-Äes. Schützenstr. 12: a. Begrüßungsansprache; b. „Einiges aus der Psychologie und Pädagogik" auf Grund von Kankeelit „Unsere Lieblinge in Schule und Haus". Herr Dr. med. Albert Feuchtwanger. Mittwoch, den 28. Oktober, abends 9 Uhr, im Hörsaale der Ist. Rel.-Ges., Schützenstr. 12: „Lektüre und Erläuterung des Buches „Hiob"". Herr- Direktor Dr. Lange. Wauderkluv. Sonntag, 25. Oktober er.: Tagestonr: Cronberg, Feldberg, Königstein ev. Evpsteiu. Marschzeit 51/2 Std. Treffpunkt: 8,15 Uhr Hauptbahnhof. Nachmittagstour: Lorsbach, Staufen, Eppstein. Marschzeit 21/2 Std. Treffpunkt: 2,15 Uhr Hauptbahnhof. Gäste, Damen und Herren, sind willkommen. Wegen Teilnahme wolle man sich an Herrn Sally Rosenheimer, Festste. 2 (Tel. 1173) wenden. JiMl Carl Grehenao, gg9, Juwelen. Uhren. Soldu. Silbenoaren. Auswahlsendungen gerne zu Diensten. Uh um Bim Reparaturen a. s. w„ Ristverelasaaoea. -=— Feinste Ausführung, bUHgsta Preise• -r. : Otto Crürster, Glasermeister, Breitegasse 10. Hühneraugen- und Nageloperationen Cr. Hitsche, Klingerstrasse 25. TSÄn