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Neue jüdische Presse · 1908-10-23 · Heft 41 (23.10.1908) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 41 (23.10.1908)
Date
1908-10-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
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p 31r. 41 des Frankfurter UmeliWm #am(tien6tftttcs. Nach -en Festen. Festesausgang ist's, der übliche Segensspruch zum Abschied von den schönen, heiligen Tagen ist gesprochen, und das Alltagsleven macht seine Anforderungen geltend. Verklungen sind die Stimmen der Freude, und die Poesie der Festeszeit muß der Prosa des Lebens weichen. Wehmütig stimmt dieses Scheiden von dem Liebgewordenen, dem Erhebenden, das mit Hellem Glanze hineingcleuchtet in das Dunkel der Werktage mit ihren Sorgen und dem Ringen nach dem Materiellen. Aber, wenn die Feiertage auch dahingegangen, die gehobene Festesstimmung, die sie uns hinterlassen, begleitet uns hinaus in den Kampf um's Dasein, der Rückblick auf die schönste Zeit des ganzen Jahres wird zu einem Ansporn, zur Gestaltung des ferneren Lebenswandels, zu dem Streben, durch diesen sich der hohen Aufgabe würdig zu machen, die Festesfreude mit ganzem Herzen genießen zu dürfen. Vom ersten Tage des neuen Jahres an beschäftigte uns kaum ein anderer Gedanke als der an Gott und an die Ausübung der uns auferlegtcn religiösen Pflichten. Nicht nur Roschhaschono und Jomkippur, diese ernsten und heiligen Tage, sondern auch die dazwischen liegenden Bußtage fördern mehr als sonst das religiöse Leben, lassen selbst an den Wochentagen die Arbeit in den Hintergrund treten, wenn die Zeit zum Gottesdienst gekommen, dem sich Mami und Greis, Alt und Jung mit gleicher Andacht hingibt. Und nach diesen Tagen der Läuterung naht das Fest der Freude, das Sukkothfest, das wie kaum ein anderes dazu geeignet ist, das Gottvertrauen zu betätigen. Im Herbste, wo rauhe Witterung häufig den Aufenthalt im Freien unbehaglich macht, verlassen wir das warme Zimmer, um unbekümmert um nächtliches Dunkel oder etwaige Stürme in einer Hütte, unter Laubdach, Feste zu feiern. Einem Fremden muß dieses Beginnen unmöglich erscheinen, nicht aber uns. Wir fühlen uns in der Hütte wohlgeborgen unter Gottes Schutz, sie ist uns ein Tempel, in dem die Allmacht thront. Und wie freundlich haben wir sie geschmückt, wie hell flammen in ihrem Raume die Sabbatkerzen, aber strahlender noch als diese leuchtet darin das Licht der religiösen Pflichterfüllung, und über unserem kleinen Heiligtum wölbt sich der Himmel mit seinen unzähligen Sternen. Sieben Tage haben wir uns in unserer Hütte des Festes gefreut, und es hat uns leid getan, sie zu verlassen, aber ein anderes Fest verlangt sein Recht, und die beiden letzten Tage bringen neue Pflichten und Freuden. Wer sich in frommer Gemeinschaft im Gotteshause der Andacht mit ganzem Herzen hingibt, der muß von einem Hochgefühl und dem Stolze durchdrungen sein, einem Volke anzugehören, das auserwählt worden, die Lehren der Thora zu empfangen und zu üben. Am Tage der Gesetzesfreude kommt dieses Hochgefühl besonders jubelnd zum Ausbruch, und diese frohe Stimmung wollen wir mit hinübernehmen in das Alltagsleben, dann wird der Mahnruf: „Sei fest und stark' nicht ungehörig verhallen, dann zehren wir von den Empfindungen, die heilige Tage wachgerufen, bis, so Gott will, nach des Winters Stürmen, mit dem Frühling auch wieder eine Festeszeit ihre Auferstehung feiert. Frau R. M. Mohammed und die Juden. Von Dr. Julius Reiner (Berlin). (Schluß). Zu dieser feindlichen Haltung Mohammed gegenüber wurden die Juden durch die eigenen Srammesgenossen des Propheten verleitet, denn sie selbst kümmerten sich sehr wenig um die religiösen Bestrebungen Mohammeds, da er sich in der ersten Zeit nicht an sie, sondern nur an die heidnischen Araber wandte. Die arabischen Stämme, die den Offenbarungen Mohammeds nur Hohn cntgegenürachten, besaßen nicht das nötige Wissen, um Mohammed auf religiösem Gebiete entgegentreten zu können. Ihr gesunder Menschenverstand konnte an seine göttliche Sendung nicht glauben, da er ihnen als Mensch, mit allen menschlichen Schwächen behaftet, alle Augenblicke neue Angriffspunkte bot. Aber das allein reichte nicht aus, man mußte ihn mit seinen eigenen Mitteln bekämpfen. Und so brachten sie es Zustande, daß einige gelehrte Juden unter ihrer Anführung Mohammed zu einer religiösen Disputation herausforderten, bei welcher Gelegenheit die ganze Unwissenheit des Propheten an den Tag kam. Nebenbei wollen wir erwähnen, daß Mohammed seine geringe Kenntnis der jüdischen Religion mrd Geschichte einem jüdischen Lehrmeister zu verdanken hatte, der eine Zeitlang 'in seiner Umgebung war. Dieser Umstand wurde auch von den heidnischen Arabern ausgebeutet, und wir finden diese Tatsache sogar mich durch den Koran beglaubigt. In der 25. Sure lesen wir: „Die Ungläubigen sagen: Der Koran ist nichts anderes als eine selbsterdachte Lüge, woran ihm andere Leute geholfen 'haben .... auch sagen sie: er enthält nur die Fabeln der Wen (Juden), die er abgeschrieben und die er fich des Morgens und Abends vorlesen läßt." So lange Mohammed mit seinen "eigenen Stammesgenossen um seine Anerkennung zu kämpfen hatte, bemühte er sich, durch die Anlehnung an die Bibel und das mosaische Gesetz den Juden den Uebertritt zum Islam zu erleichtern; er betonte immer wieder ihre Auserwähltheit und wollte glauben machen, daß er nur ein Nachfolger der alten Propheten ist. Noch in der ersten Zeit seines Aufenthaltes in Medina betrachtete er die Juden als Bundesgenossen, er schloß mit ihnen einen Vertrag, in dem es heißt: „Die Juden der Bann Amof gehören wie die Gläubigen zur Staatsgeselllschast, vie Juden haben chren Kultus und die Gläubigen haben chren Kultus. Diese Berechtigung genießen die Juden selbst, als auch ihre Klienten ... die Juden bestreiten selbst ihre öffentlichen Ausgaben und die Moslims bestreiten die chrigen, aber sie sind zu gegenseitiger Hilfe verpflichtet gegen jedermann, der die Kontrahenten dieser Schrift angreift, diese übernehmen nämlich die Pflicht, sich einander mit Rat und Tat beiezustehen und loyal gegeneinander zu handeln." Diese Gleichberechtigung der Juden mit den Moslims hatte Mohammed mehr aus Klugheit als aus Gerechtigkeitssinn proklamiert. Die Juden bildeten damals in Medina fast zweimal so viel Einwohner als die Araber, und wären die Juden damals mehr auf ihr eigenes Wohl bedacht gewesen, so hätten sie den Einzug Mohammeds in Medina verhindert, wodurch vielleicht seine spätere Laufbahn eine ganz andere Wendung genommen hätte. In dem Maße aber, als der Anhang Mohammeds unter den Arabaren wuchs und die religiöse Opposition der Juden größere Dimensionen annahm, änderte auch der Prophet sein Verhalten, und er begann gegen die Juden zu predigen. Aber noch immer wagte er es nicht, mit dem Schwert gegen sie aufzutreten, da er ihre Uebermacht fürchtete. Wie aus den späteren Kämpfen zu ersehen ist, waren die arabischen Juden vorzügliche Krieger, und was noch von höherer Bedeutring ist, sie waren die einzigen Fabrikanten von Kriezswaffen in Arabien um.diese Zeit. Die wilden arabischen Horden, die Mohammed damals erst zu einigen begonnen hatte, waren Nomaden, die ihre Waffen bei den Juden Herstellen ließen. Im Augenblicke aber, als Mohammed auf einige Tausend treu ergebener Moslims rechnen konnte, begann er auch mit der Bekämpfung der (Juden. Im Fähre 628 überfiel er einen in der Näh» von Medina wohnerchen jüdisch«« Stamm, :>ie Bann Kainuka, der mit in dem Vertrage inbegriffen war und zwang sie, nachdem er sie chrer Habe beraubt hatte, zur Auswanderung nach Syrien. Er verletzte in der Folge seinen Vertrag, den er auch mit dem jüdischen Stamme Bann Nadhir geschlossen hatte. Er zwang sie, Medina, wo sie wohnten, zu verlassen. Ihr Vermögen siel dem Propheten in die Hand, der es an leine Anhänger verteilte und auch sich so reichlich dabei bedachte, daß er seine Schulden davon bezahlen konnte. Im Jahre 627 wurde ein weiterer jüdischer Stamm, die Banu Koraytza, überfallen. Es gelang den Inden, sich noch rechtzeitig zu verschanzen und eine Belagerung von 20 Tagen auszuhalten. Aber die überlegene Macht der Mohammedaner zwang sie am Ende zur Kapitulation. 600 Juden wurden auf dem Marktplatze zu Medina enthauptet, nur einige zogen es vor, durch den Uebertritt zum Islam ihr Leben zu retten. Die Beute, die Mohammed an diesem Stamme gemacht hatte, betrug: 1500 Säbel, 300 Kürasse, 1200 Speere, 1500 Schilde, außerdem noch viele Teppiche und Kamele. Die Frauen und Kinder der hingemordeten Juden, etwa 1000 an der Zahl, wurden an die Meistbietenden versteigert. Der Prophet selbst behielt 200 Sklavinnen, die er teils seinen Freunden schenkte, teils nach Syrien gegen Waffen und Pferde eintauschte. Als die entlegenen jüdischen Gemeinden von dem Verkaufe jüdischer Frauen hörten, eilten sie herbei, um dieselben auszulösen, wodurch der Preis derselben in die Höhe getrieben wurde. Eine von den gefangenen jüdischen Frauen hat sich Mohammed zur Frau genommen. In der Folgezeit fiel ein jüdischer Stamm nach dem anderen, einige wurden gezwungen, chre Wohnsitze zu verlassen, ändere konnten gegen hohe Abgaben ui ihrem Besitze bleiben. So bildeten die Juden die ersten Opfer des Islams, und als ihr Widerstand gänzlich gebrochen war, da wandten sich die Allahgläubigen gegen die benachbarten Völker und Religionen, denen Las gleiche Los wie den 'Juden zuteil wurde. Erst nachdem die Hälfte der damals bekannten Welt unter mohammedanische Herrschaft geraten war, gab her Islam 'seine fanatischen Eroberungszüge auf, die unter dem Deckmantel "der Religion rein weltlichen Interessen dienten. A«S den Vereinen. Frankfurt a. M. Der Freisinnige Verein für jüdisches Gemeindeleben veranstaltete am 14. ds. einen Vereinsabend. Dr. Bärwald, der Vorsitzende, begrüßte die Erschienenen und wies darauf hin, daß es der Zweck der neugegründeten „Bereinigung für das liberale Judentum in Deutschland" sei, treue Inden und moderne Menschen zu erziehen und so die Juden dem Judentum zu erhalten. Rabbiner Dr. Seligmann gab einen lleberblick über die Entstehung der neuen Bereinigung, die durch einen Artikel in der „Mlg. Ztg. d. Judent." im Februar 1907 den Anstoß bekam. Er fuhr dann fort: Das Judentum ist eine historische Erscheinung und darf deshalb von seiner Geschichte nicht getrennt werden. Es ist jedoch ein unwürdiger Instand» daß wenn z. B. in dem Religionsunterricht bei dem 4. Gebote das Kind ftagt, warum der Sabbat im Hause nicht gehalten werde, der Lehrer gezwungen ist, dem Kinde eine Antwort zu geben, die das Kind in Widerspruch mit dem Elternhaus setzen muß. Wenn das Kind lernt, daß das Judentum eine Küchenreligion ist, daß am Sabbat selbst das Tragen eines Regenschirmes verboten ist, dann kann natürlich in unserer Zeit das Judentum nicht erhalten werden. Das Kind muß vielmehr lernen, daß das Judentum will, daß man das Rechte tue und das Gute liebe. Die Orthodoxie bedeutet die Bindung des Willens des Individuums unter eine Autorität, der Liberalismus aber — die Auflehnung gegen diese Bindung. Das liberale Judentum gibt dem jüd. Individuum das Recht, sein religiöses Leben nach eigenem Ermessen zu regeln. Auf eine Festlegung von Formen kann das liberale Judentum sich nicht einlassen. Wenn mann vom Schulchan-Aruch noch so viel wegnimmt, so bleibt doch noch immer ein Stück von ihm übrig. Redner verkennt nicht die Gefährlichkeit dieses Vorgehens, glaubt aber durch Erweckung von Begeisterung bei der Jugend (Gründung von Jugend- 4785

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