Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1908-10-09 · Heft 40 (9.10.1908) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 40 (9.10.1908)
Date
1908-10-09
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2692297-2692562-2692602--04267-2699070
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 40. Leüe 5. „An der' Anstellung wird er nicht reich." „Nu, er ist Lehrer, er ist Sofer, er verdient genug." Das Ehepaar unterhielt sich behaglich weiter, trank etwas' süßen Wein, verzehrte einige Zucker- Plätzchen, und so verging der angenehme Schabbos- Nachmittag. Für Frau Bär war die Erzählung ihres Mannes über den Besuch Salomon Basels eine erfreuliche Aufregung, ihre Ehrfurcht vor der Klugheit ihres Mannes hätte sich noch gesteigert, wenn es eben noch möglich gewesen wäre. 4. Kapitel. Bor Dämmerung kehrten die Spaziergänger zurück, und im Nu war bas Haus von fröhlichem Lärm erfüllt. Bär schritt langsam durch die Stube und winkte seiner Tochter nnmerklich, ihm zu folgen. In einem der hinteren Zimmer sagte er zu der ihn erwartungsvoll anblickenden Esther: „Kind, ich habe einen Bräutigam für Dich, in einem halben Jahre kann die Hochzeit sein." Sie erblaßte und fragte leise: „Vater?" „Reb Salomon Basel war hier und hat Dich für seinen-Sohn Joseph begehrt." „Und was hast Du ihm geantwortet?" „Daß ich Dich erst fragen muß, ob Du ihn gern haben kannst. Antworte ohne Scheu, mein Kind." „Vater ich habe einen Widerwillen gegen ihn, er ist kein guter Mensch." „Bedenke, Esther, er ist sehr reich, Du brauchtest Dir keinen Wunsch zu versagen." „Ich kann ihn nicht heiraten, ich würde lieber in den Tod gehen." „Das brauchst Du, nicht, mein Kind, Du sollst nicht genötigt werden. Er gefiele mir auch nicht als Schwiegersohn. Also reden wir nicht darüber. Gehe wieder zu Deinen Freundinnen. Mer" — sagte er ernst — „Du schweigst hierüber gegen Jedermann. Es sind ehrenwerte Leute, deren Antrag Dich und uns ehrt, und es muß der ganzen Welt Geheimnis bleiben, daß Du den Joseph verschmäht hast, lieber die Leute darf nicht gespottet werden." (Fortsetzung folgt.) Bunte Chronik. Geschichte der Juden von K i tz i n g e n. Es war ein glücklicher Gedanke, daß die Knltusverwaltung der Gemeinde Kitzingen in ihrer Sitzung vom 23. Dezember 1906 beschloß, bis zum 25 jährigen Jubiläum der Synagoge im September 1908, eine „Geschichte der Juden von Kihingen" herauszugeben. Sie hat aber auch mit der Wahl des Verfassers, des dortigen Lehrers Herrn Naftalie B amberge r, einen glücklichen Griff getan. Auf 'fast 50 Seiten in hübscher Ausstattung liegt uns die Geschichte der Kitzinger Judengcmeinde nunmehr vollendet vor, und man kann sagen, daß hiermit eine Lücke ausgefüllt ist. Trägt doch jede Spezialforschung einen Baustein zur allgemeinen Geschichtsforschung bei; ist doch Kitzingen eine der angesehensten Gemeinden Bayerns mit 113 aktiven, 35 passiven Mitgliedern und Sitz eines orthodoxen Rabbinats. Darum bietet das Merkchen nicht nur für Kihingen und Bayern des Interessanten viel: es dürfte auch bei Fernstehenden liebevolle Aufnahme finden. Der Verfasser schöpfte durchaus aus den besten Quellen: Geschichte der Juden int ehemaligen Fürstentum Ansbach v. S. Haenle, Geschichte der Rabbiner von Würzburg von Dr. Herz Bamberger, „Nürnberger Memorbuch" von Dr. S. Salfeld, städt. Archiv und Chronik der Stadt Kihingen von Dr. Schmitt, . endlich die Protokollbücher der israel. Gemeinde Kitzingen. Wir hören von der tränenreichen Vergangenheit der Gemeinde. Schon'1147 war K. eine der größten Kreisgemeinden des sogen. „Judenmeisters" (Rabbiners) von Würzburg. Am 15. Ab 5003. (5. Aug, 1243) fand durch falsche Beschuldigungen eine Judenverfolgung in K. statt. Die Märtyrer sind mit Namen genannt. Manche wurden „zur Schmach noch 14 Tage lang nackt auf die Näber gelegt." Eine gleich entsetzliche Verfolgung traf die Juden am 19. Tamns 5058. d. i. 30. Juni 1298. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts mahnt ein Rabbi Moses Minz in Bamberg die Juden Frankens zur Beisteuer einer Geldsumme, um den Fürstbischof Rudolf voll Schwerenburg, der die Juden ausweisen wollte, zu besänftigen. Hier hört rnan zum ersten Mal auch von einein Rabbiner in K. Politisch stand K. unter dem Fürstentum Ansbach, Martgrafenschaft Brandenburg, gleichzeitig aber auch unter der geistlichen Obhüt des 'Bischofs voll Würzburg, (p gab mehrere schwer bedrückende „Judenordnllnaen," Ausweisung und „Schühbrief" im Wechsel. 1641 bestand die Judengemeinde aus 63 Köpfen, hatte eincn Lehrer und besonderen Vorbeter. Heute noch weiß man. wo der alte „Judentempel" stand. Unter den hübschen Illustrationen des Merkchens besindet sich auch jene von der ^Synagoge aus dein 16. Jahrhundert." Noch vor Frankfurter JsraelitiWD Familienblatt. 15 Jahren war im Keller des Hauses die Vertiefung' des Ritualbades (Mikwah) zu sehen. 1629 wurde K. ganz und gar dem Bischof hon Würzburg übergeben. Es wird nun auch ein Rabbiner Menko genannt. Dessen Grabstein, der vor etlichen Jahren renoviert ward, ist wohl das älteste Denkzeichen auf dem Friedhofe zu Rödelsee. 1704 spielte ein Samuel Kirsch eine große Rolle in der Gemeinde. Durch die Teuerung 1771 entstanden Plünderungen von Judenhäusern, 1789 wurden sie endgültig misgewiesen. Sie siedelten sich in den umliegenden Ortschaften Marktsteft, Marktbreit, Mainstockheim nsw. an. Noch am 29. März 1816 erließ das kgl. Landgericht Kitzingen strenge Verfügung gegen Aufenthalt und „Einmietung" von Juden. 1831 gestattete der Stadtmagistrat dem Kaufmann Joseph Silber ans Mainstockheim, ein Schnittwarengeschäft zu errichten. 1847 folgte ein Joseph Stern aus Mainstockheim nach, Mer erst nach dem Emanzipationsedikt vom 10. Nov. 1861 fielen die Schranken. Nach einem Zeitraum von 80 Jahren waren Kitzingens Tore wieder den Juden geöffnet. Der jetzt noch lebende Privatier A. B. Stern zog 1863 nach K. — 1864 wurden die Statuten der kleinen Gemeinde genehmigt. Das Distriktsrabbinat befand sich damals noch in Mainbernheiln. 1868 sind es 17 Familien. Kitzingen nahm zu, die Nachbargemeinden ab. Der jetzige Distriktsrabbiner, welcher dieser Tage sein 40 jähriges Dienstjubiläum beginn, siedelte daher von Mainbernheim nach Kitzingen über. Nicht wenig trug hierzu auch der echt tolerante Bürgermeister Schmiedel von Kitzingen bei. Er hatte das warm bei der Regierung hefürwortet, wünschte überhaupt möglichst viele Juden , in K., wodurch sich gewiß Handel und Verkehr heben würden. Der Verfasser schildert die Amtsperioden und 'Verdienste der verschiedenen Vorstände und Verwaltungsmitglieder, Grundsteinlegung, Bau und Einweihung der prachtvollen Synagoge, von der mehrere schöne Mbildungen das Merkchen schmücken. 100 000 Mark Kosten verursachte der Bau, ein Zeugnis der Opferwilligkeit der Gemeindemitglieder. Interessant sind auch die „Schuldifferenzen" zwischen der israelitischen und protestantischen Gemeinde, die erst 1897 unter dem jetzigen Vorstande, Herrn Benjamin Stern, zu Ende geführt wurden. Der Lehrer der Israeliten erhält einen Wohnungszuschuß von 225 Mk. pro Jahr, wird bedingungslos in die städtische Pensionskasse ausgenommen, der israel. Gemeinde wird ein zweckentsprechendes Schullokal mit Beheizung, Utensilien nsw. kostenlos zur Verfügung gestellt. So hatte der unerquickliche Streit ein Ende. Es werden nun die versch. Chevras der Gemeinde genannt, ihr Zweck, Gründungsjahr und Wirken kurz gestreift. Kitzingen gehört zu dem alten Friedhofsverband Rödelsee. Die Gemeinde steht nach außen hin durch ihre auf den Gesehen des traditionellen Judentums beruhenden Institutionen und durch ihren Wohltätigkeitssinn in bestem Rufe. Den Schluß des Merkchens bildet die Schilderung der Laufbahn des derzeitigen Rabbiners, der seit 40 Ihren im Distrikt Kitzingen wirkt, ein Verzeichnis der vielen heiligen Schenkungen oder Stiftungen, .endlich in namentlicher Aufführung ein Verzeichnis aller Gemeindemitglieder und Beamten. Der Verfasser hat seine Aufgabe gut ersaßt und glücklich zu Ende geführt. Wir wünschen dem Werkchen recht zahlreiche Leser und Freunde. Kaiser Friedrich Quelle - Offenbach a. M. —> — Gegen Gicht nnd Rheumatismus bewährt. Wocheu-Saleuder. (Zeitangaben nach dem Laach.) Samstag, den 10. Oktober l— 15. Tischri): Sabbatu. Festes-Anfang in Frankfurt 5 Uhr 15 Min. Sonntag Abend: Festes-Ausgang in Franksnrt 6 Uhr 30 Min., in Berlin 6 Uhr 10 Min. Samstag, den 17. Oktober (— 22. Tischri): Sabbatu. Festes-Anfang in Frankfurt 5 Uhr — Min. Sonntag Abend: Festes-Ausgang in Frankfurt 6 Uhr 15 Min., in Bcrlin 5 Uhr 55 Min. Am Samstag und Sonntag (10. u. 11. Okt.) sind die beiden ersten Sukkaustage. Vom Montag bis Freitag ist Chaul-Hamaued (Halbfeiertage). Dann folgt das Beschlußfest („Schmini-azeres") am Samstag und Sonntag (17. und 18. Okt.). (Fortsetzung aus voriger Nummer). Die Sukko. Wände und Dach seien nack Vorschrift. Mindestens 10 Tefach (Handbreiten hoch, 7 Quadrat-Tefach Raum fassend. Bedachung aus Pflanzenwuchs, der vom Boden abgeschnitten sein muß. So dicht gedeckt, daß man noch Sterne durchsieht. Während der Sukkostage sei die Sukko nnsere förmliche - Wohnung. Schöne Ausstattung derselben. Essen, Trinken, Unterhaltung, Schlafen, alles in der Sukko. Beim Eintritt, die Brocho „Leischef basukkoh" sprechen. Dies wiederholen, sobald man länger abwesend war. In der ersten Nacht auch „Schehechijonu." Frauen haben auch zu „entzünden" in der Sukko. Die ersten Mende ist es besonders Pflicht, in der Sukko zu speisen. Selbst wenn's regnet, mindestens eine Olivengröße Brot. Nebensächlicher Genuß, tote z. Beinmal Wasser trinken, eine Frucht essen u. dgl. ist auch außerhalb der Sukko gestattet. Kranke, Leidende dispensiert, wenn ihnen beschwerlich. Ebenso deren Bedienung. Das L u l o f. Man nehme es beim Schütteln in die Rechte, mit dem Rückgrat vorm Gesicht. Esrog links. Brocho „al netilas Lulof," am ersten Tage — diesmal am Sonntag — auch „schehechijonu." Nicht zu kräftig schütteln, da das Lulof sonst unbrauchbar (poßul) wird. Am Jomtauv zum Lulof Wasser nachschütten; am Halbfeiertag neues nehmen. Am Schabbos wird nie Lulof geschüttelt. Wer morgens nicht geschüttelt, kann's noch bis zum Abend nachholen. Die Ge bete. Ganz Sukkaus Schmono-Esrei der drei Wallfahrtsseste, ebenso Mussaf und Ganz- Hallel. Nach Massuf täglich Ilmzug mit Thora nnd Lulof um den „Almemor" beim Beten der ,„Hoschaano." Dies Gebet während der 7 Tage. — Am Chaul-Hamaued wie am Werktag beten bis nach Schmono-Esrei. In letzterem: Jaale wejowau. Dann Ganz-Hallel, Thoravorlesung, Mussaf der Wallfahrtsfeste, die „Hoschaano" mit Umzug. — Mincho' und Maariv wie sonst werktags, nur Jaale wejowan einschalten. Der fünfte Halbfeiertag ist Hoschaano- Rabbo. (Freitag, 16. Okt.) Ernstheiligen Charakters, in Beziehung gedacht zum Versöhnungstag. (Weltgericht!) Donnerstag (15. Okt.). Nachts das sogen. „Lernen." Freitag Morgen vermehrte Hoschaanogebete, daher „Hoschaano-Rabba" genannt. Es sind Bitten um Fruchtbarkeit durch Wasser, vieles auch geschichtlichen Inhalts. Sieben Umzüge mit Thorarollen. Synagoge gewöhnlich wie Jaum-Kippur weiß dekoriert. Auch wünscht man noch „Chasimo-tauwo." Drei oder fünf Weidenstengelchen abschlagen. Dieselben anfbewahren. Am Samstag und Sonntag (17. und 18. Okt.) das Beschlußfest^Z ch mini-azeres. Eigentliche Bedeutung zweifelhaft. Gewöhnlich als Rückblick auf die Feste im Tischri betrachtet. — Am ersten Tage Schmini-azeres das große Bittgebet um die Regenspende. („Geschem.") Beginn der Einschaltung „Maschif-Horuach" im Mussaf. Weißer Vorhang vorder hl. Lade. Da Heuer kein Schabbos-Chanl-Hamaued, wird das Buch Kohlet erst am Schminiazeres (17. Okt.) gelesen. Inhalt: Die irdische Vergänglichkeit. — Nach der Thoravorlesung von den „Gelübden" den Mischeberach v. „Matnas jad." — Man nimmt am Schmini-azeres noch eine Mahlzeit in der Sukko ein. Die Brocho „leischev basukko" unterbleibt jedoch. Der 2. Tag Schmini-azeres gewöhnlich Simchas-tora genannt, F-reude der Thora. (18. Okt.) Der letzte Thoraabschnitt wird verlesen und die Thora von neuem begonnen. VNradaeder vrueklutt-Anlage Telefon 123. Ottenbach a. B. Telefon 123. Unübertroffene bewährteste Tapplchr Billigung. M ..uTiit-.fln I aber Vermögens-, VamillenflllSKnUllV 1 °* S®3°l1äftsTerll“ltnls30' Be- Grosse Detectiv-Zentraleü! M* Salzliaus 6, I. obaohtnsges, Ermittelungen an allen Platzen der Welt. Telephon 4358. Sigmund Singer, Börneplatz 23 empfiehlt Stoffe für Herren-Anziige and Paletots zu billigsten Preisen. Barmlzwohs. Ohne redaktionelle Verantwortlichkeit. Wir bitten um gefl. Mitteilung der Barmizwohs; die Aufnahme geschieht kostenlos). Max, Sohn des Herrn Gabriel Stern, Bäckerweg 7, kn der Synagoge Friedberger - Anlage. Ach was, nur den Kopf nicht hängen lassen! Sie werden morgen wieder ganz wohlauf sein und die Tour mit uns machen können, wenn Sie nur ein halb Dutzend Fays ächte Sodener Mineral-Pastillen in heißer Milch nehmen. Dann können Sie ja auch noch 'n paar lutschen, aber dann sind Sie morgen auch wieder völlig in Ordnung. Da nehmen Sie — ich versorge mich vor der Sommerreise immer ordentlich mit Fahs Sodenern und kann Ihnen schon ein paar ablaßen. Sind übrigens gar nicht teuer— die Schachtel kostet nur 85 Pfennig, und man kann sie in allen Apotheken, Drogerien und Mineralwass«Handlungen haben. Nachahmungen jedweder Art weise man entschieden zmück.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.