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Neue jüdische Presse · 1908-10-02 · Heft 39 (2.10.1908) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 39 (2.10.1908)
Date
1908-10-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Rr. 39. Gumpel beeilte sich, geschmeidig zu erwidern: „Gewiß, Reb Salomon, es ist bekannt, daß Ihr der reichste und angesehenste Mann in der Judcnstadt seid, der auch ein gewichtig Wörtchen, denn Rat der Stadt zu sagen hat. Wer Bär Kuchenheim kommt doch mit Euch. Und Ihr braucht für Euren gebenschten Jungen keine Frau in Worms oder in Holland oder tver weiß wo zu suchen. — Wenn Reb Salomon und Reb Bär verschwägert sind, wiegen sie ganz Köln auf." „Gumpel, ich bespreche es einmal mit meiner Frau. Kommt nächsten Schabbos wieder. Trinkt Euren Wein aus." Der ob dieser deutlichen Mahnung durchaus nicht beleidigte Gumpel tat, wie ihm Salomon angerateu hatte, und sagte, sich entfernend: „Nun, bis nachher in Schul'." Salomon jedoch erhob sich unter dem Einfluß einer üppigen Mahlzeit mühsam und ging im Zimmer auf und ab. Er murmelte: „Es wäre wirklich das Beste, wenn ich mir den Bär zum Freund machte, er hat die ganze Gemeinde in der Gewalt." — Salomon Basel, ein sehr reicher Mann, hatte der- Stadt, die immer in Geldverlegenheit war, über tausend kölnische Pfund geliehen. Zur Deckung dieser Schuld tvar ihm und einem anderen Kölner Juden, dem Joseph Ahrweiler, der Zoll am Batzen verpfändet worden, wo sie so lange Abgaben erheben durften, bis die Schuld getilgt war. Damit aber nicht zufrieden, gelang es Salomon, durch Geschenke, zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle gemacht, sich Nachlaß von der Gemeindesteuer zu verschaffen. j Bei den fast unerschwinglichen Abgaben, welche die Juden zu leisten hatten und die den Einzelnen nach ihrem Vermögen zugeteilt wurden, war dies für Salomon ein ganz bedeutender Betrag, für den also die anderen Juden nun aufzukominen hatten. Gerade Tags zuvor hatte ihm der Ratsdiencr die Botschaft gebracht, daß sein Gesuch bewilligt sei. Was würde aber die Gemeinde dazu sagen? Er kratzte sich den Kopf, er wollte cs auch nicht mit der Kille verderben, denn er wäre gerne ein Vorsteher geworden. 3. Kapitel. Der ehrwürdige Rabbiner Mordechai beu Samuel, der in städtischen Urkunden Gumpertz genannt wird, saß inmitten seiner Schüler im Beth Hamidrasch. Da trat der Gemeindeschreiber ein. „Verzeiht Rabbi," und reichte ihm ein Schriftstück. Der Greis entfaltete es und blickte hinein; cs war die Mitteilung des städtischen Rats, das; Salomon Basel steuerfrei sein solle. Er gab dem Schreiber den Brief zurück. „Ich danke, ich werde mit dem Manne reden. Laßt ihn zu mir bescheiden" und ffuhr in seiner Auslegung des Talmuds fort. — Abends hatte der Rabbiner eben im Kreise seiner Familie das mäßige Abendbrot beendet, als Salomon Basel eintrat. „Der Rabbi hat mich zu sprechen gewünscht?" „Ja, Reb Salonion, kommt, mit mir." , Die beiden Männer gingen in's Nebengemach. „Reb Salomon, Ihr habt Euch vom Rat von der Steuer befteien lassen." „Verzeiht Rabbi, bas ist doch anders. Der Rat hat mir zum Dank für meine guten Dienste die Steuer erlassen." „Streiten wir nicht um Worte. Ihr dürft dies nicht annehmen. Bedenkt doch, daß die ganze Gemeinde, welche die unerschwinglichen Abgaben kaum ausbringen kann, für Euren Anteil mit aufkommen müßte. Es sind nur wenige reich, alle anderen sind arm, woher sollen die es nehmen?" .. „Rabbi, jeder ist sich selbst der ..nächste. Ich könnte cs meinen Kindern gegenüber nicht.verantworten, wenn ich diese Vergünstigung zurückweisen würde." , „Reb Salomon, bedenkt Euch. Die Steuer ist für Euch ein geringes und die Gemeinde kann un5darf nicht darauf verzichten. Wenn nun noch mehr reiche Leute so handeln würden, wie Ihr, dann Hütten ja die meisten Juden nichts mehr übrig, um Brot zu kaufen." „So schlimm wird es nun doch nicht sein. Ich kann es aber nicht mehr ändern und will es auch nicht. Die Steuer, die ich zu zahlen hatte, war auch zu groß, ich habe cs oft gesagt." Er erhob sich. »Habt Ihr mir -noch etwas mitzuteilen?" „Nein, Ihr werdet weiteres hören. Möge Gott Euch guten Rat senden." (Fortsetzung folgt.) ' Theklas-Schaufor. Lautlose Stille, die nur durch das leise Gemurmel der Gebete unterbrochen wurde, herrschte in der Synagoge. Noch vor wenigen Augenblicken hatten 'die Wände von herzzercißenden Seufzern und Stöhnen widergetönt, das aus den Herzen der voin Kamps ums Dasein niedergedrückten Gestalten drang. Es.war ein feierlicher Augenblick, diese im Alltag FrMrkfurker FfvaEWs FamMenblaÜ. des Lebens gebeugt gewordenen Menschen jetzt hochanfgerichtet stehen zu sehen. Die Väter ihre Kinder aus den Armen haltend, und alle die Augen voller Erwartung auf den Almeinor gerichtet. Auf dem Almemor standen zwei Gestalten; beide vollständig in die weiten Talesim gehüllt. Die eine, wie man erkennen konnte, schon eine Greisengestalt, war der Rabbi des Städtchens, der die Laute zum Schauforblasen Voraussagen sollte. Denn es war heute ein heiliges Fest, cs war heute der erste Tag des Rauschhaschonoh. Zu seiner Rechten stand der Schausorbläser selbst. Nachdem dieser sein Gebet beendet hatte, nahm er den Tales von seinem Haupt und stand, hochaufgerichtet, im Bewußtsein seiner Würde, das Horn mit beiden Händen am Munde festhaltend, bereit, jeder; Augenblick die geweihter; Töne hervorzustoßen. Durch seinen weißen Tvtenkittcl und sein weißes Leinenkäppchen hob er sich von; Hintergründe lvie ein Messias ab. Ein langer weißer Bart wallte ihm über die Brust. Seine Adlernase und seine zwei leuchtenden schwarzen Augen, aus denen Geist Energie und Milde sprachen, kennzeichneten ihn als eine« getreuen Sohn der semitischen Rasse. Es erscholl die wehmütige Stimme des Rabbis: „Thekio"! Und, als ob er dieser wehmütigen niedergedrückter; Stimme trotzen wollte, ließ der Schaufor gewaltige, das Ohr ergreifende und zugleich bis ins Herz dringende Töne erschallen. Es war, als wollte er durch diese Töne seinen Zuhörern zurufcn: „Wachet auf aus euerem gedrückter; Dasein und gedenket euerer Vergangenheit"! Die ersten Schaufortöne waren schon längst verschollen, und es war schon Zeit, zum zweiten Mal zu blasen. Die Geineiudc wartete auf den Rabbi, der abermals die Laute vorsprechen sollte. Aber er stand in Gedanken versunken, die Stirn auf die Hände gestützt. Die Schaufortöne hatten in seiner Brust eine mächtige Umwälzung hervorgcbracht. Er erinnerte sich, was einst der Schaufor für die Juden gewesen war und was er inzwischen geworden ist. Er erinnerte sich, wie einst die Vorfahren wie ein Mann bei den Klängen dieser Posaunen sich erhoben, bereit, für ihr Volk und ihre Religion Gut und Blut zu opfern. Ter Schammes weckte den Rabbi aus seinen Gedanken. Der Ton aber, mit dem der Rabbi jetzt „Thekio" ausrief, hatte sich gänzlich verändert; nichts mehr von Wehmut und Niedergeschlagenheit lag in ihm. Er rief sein Wort jetzt mit einer freudigen, hoffnungsvollen Stimme, gleichsam dem Schaufor zurufend: „Laß deine mächtige Töne erschallen und bringe mit meinen Brüdern dieselbe Umwandlung zustande, die du mit mir hervorgebracht hast!" CH. B.—n. Kaiser Friedrich Quelle - Offenbach a. V. > ■■ > Gegen Gicht nnd Rheumatismus bewährt. Hofjuwelier, Kalt erstr. 1, Frankfurt a. M. Inhaber: AT. WSLllaU. Pepton, Juwelen, Goldwaren. "; Auf Wunsch Auswahlsendungeu. — Wocheu-Saleirder. (Zeitangaben nach dem Lunch.) Samstag, den 3. Oktober (= 8 Tischri): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 5 Uhr 30 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 6 Uhr 45 Min. in Berlin 6 Uhr 25 Min. Wochenabschnitt: Haasinu. Eine poetische Darstellung der Geschichte und des hohen Berufes Israels. Am Schlüsse des Wochenabschnittes ist von Moses Ende die Rede. Der Samstag heißt „Schabbos-Schuwo" (Bußesabbat). Im Morgengebet Jauzer-Einschaltuug, ebenso Auphan; im Mussaf bei der.Keduscho „Elauheichem." Nachmittags kein Zidkoscho-Zedek. An diesem Sabbat gewöhnlich eine erbauliche Moralpredigt. (Derascha.) t. * Soutag (4. Oktober): Erev - Iaum - K iPPur. Vermehrte Selichaus vor dem Morgengebete. Kein Owinu Malkenu. Nicht Tachanun, nicht Lamnazeach. — Weitverbreiteter Brauch —' jedoch nicht Pflicht — „Kapporaus zu schlagen". Viele tun's schon während der Bußewoche. Wert des Geflügels oder doch den Tcilwcrt Armen geben. („Kapporaus- Auslösen") — Am Nachmittag schon früher Mincho beten. (3 Uhr.) Die Widdni („Sündenbekenntnis") am Schluß der Schmono-Esrei einschalteu. — Anstatt durch Essen und Trinken ehre man Jaumkippur durch Licht und Kleidung. Daher die Jaumkippur- Kerze. Nicht wieder anzünden lassen, wenn ausgegangen. Man „benscht" die Kinder vor Synagogenbeginn. Die Hausfrau zündet Lichter an,mit Brocho „lchadlik neir schel Jaum hakippurim" und Schehechijonu. Montag (5: Okt.): „Ja um-Kip Pur". Der Gottesdienst beginnt möglichst frühe, gewöhnlich 6 Uhr. Den ganzen Tag zeige man heiligen Ernst, würdevolle Andacht. Genußenthaltung von Essen, Trinken, Waschen, Salben, Anziehen lederner Schuhe, Eheleben. Alle Arbeiten wie am Sabbat verboten, also auch Kochen, Tragen auf der Straße. In allen Schmono-Esre; die „Widdui" einschalten. Das Mussaf behandelt genauer den schweren Tagesdienst des Hohen Priesters im Heiligtum. Unesano-Tokef (Schicksalsbestimmung), Olenugebet, öfteres Niederwerfen als Zeichen der Huldigung vor Gott (sogen. .„Awaudo"). Nachmittags die Hastoro aus den; Buche Jona. Nach Mincho das Nöila- oder Schlnßgebet. .Nach diesem die Owinu-Malkenu, wie auch morgens nach Schacharis. Bei Nacht die sogen. „Scheimaus". (Schema Jisroel usw.) Dann nach Maariv „Kiddusch- Halwonoh". (Gebet beim neuen Mondlicht.) Schöner Brauch ist's, noch an; Abend etwas für die Sukko zu richten. „Jaum-Kipp;;r"-Ende in Frankfurt 6 Uhr 35 Min. * Die 4 Tage zun; Sukkausfestc hin sind .freudige. (Kein Tachanun.) Es beginnen die Vorbereitungen zum Laubhüttenfeste. Bedeutung, des Laubhüttenfestes: Erinnerung an den Schutz vor allen Gefahre» der 40jährigen Wüstenwanderung. Wohnung (Hütten), Nahrung (Manna) nnd Gewand bekamen sie auf wunderbare Art. Lehre daraus: Gott vertrauen! — Sukkaus ist „Regel" oder Wallfahrtsfest. Alle Männlichen hatten sich — tvie am Pesach und Schowuaus — in Jerusalem zu.versammeln. Es heißt auch — als Naturfest — „Chag-hoosiv", Fest der Einlese, da die Feldfrüchte eingeheimst wurden. In; Gebet auch „Seman-Simchauseiuu", Zeit unserer Freude. Freudigkeit ist von der Thora mnempfohlen. (5. Bch. M. 16, 15.) In .Jerusalem einstens das freudige Wasscrgußopfer, Illuminationen, Kreisgang um den Altar, Produzieren verschiedener Künstler. Zeit: 7 Tage, vom 14. Tischri.abends bis 21. Tischri inklusiv. Es folgen zuerst zwei ganze, dann 5 halbe Feiertage. Daran schließt sich Schemini Azercs oder die Schlnßfcier. (17. und 18. Oktober.) Pflichten: 1. das Wohnen in Hütten, welche nach bestimmten Grsetzesvorschriften gefertigt sein müssen; 2. das Nehmen der 4 Pflanzenarten zum.Feststrauß: Lulaw (Palmzweig), Erog (Zedernsrucht), Hadassim (Myrthen), Arowaus (Bachweiden). Alle müssen genauen Gesetzesvorschriften entsprechen; 3. die entsprechenden Jaum-tauw-Gebete. Offenbarer Druckluft * Anlage Telefon 123. Offenbach a. H. Telefon 123. Unübertroffene bewährteste T0ppichrslnl0Un0. Geschäftliche Mitteilung. Premiere;; - Abend. i in; Albert Schumann-Theater. In; Albert Schumann-Theater muß an; Donnerstag, den 1. Oktober die September-Sensation einen; vollkommen neuen Programm Platz machen. Die Direktion hat für Oktober einen Spielplan zusammengestellt, der tatsächlich die Popularität, deren sich das Theater bei allen Schichten der Bevölkerung erfreut, noch erhöhen dürfte; denn es sind genau 1 Dutzend artistische Spezialitäten gewonnen, die für Kunst und Unterhaltung in gleicher und abwechselnder Weise sorgen. So wird Frankfurt zum ersten Male mit Miß Valecitas Leoparden (einzige Dame der Welt, welche Leoparden gezähmt hat und vorführt) bekannt gemacht werden. Ferner die 3 wunderhübschen Kreolinnen, Sisters Florida) die bildschöne amerikanische Comedienne Miß Shattuck, eine andere junge Amerikanerin Miß Kenton, Bajno- Spielerin, sowie die unübertrefflichen Tramplin- Springer, Kalisornier, 3 Bounding Gordons, die unübertreffliche Dressur der Kakadus, vorgeführt von Miß Belloui und die lustigen originellen Pantomimen der Piccad-Comp. als Einbrecher von Newyork werden die Spannung des Publikums bis zun; Schlüsse rege halten. Sämtliche Artisten sind neu und zum erstenmalc in Frankfurt. Die Direktion gibt bekannt, daß an Wochentagen wie an Sonntagen die bekannten ermäßigten Preise gelten. Vas sagUhr nun zameinecjtergpartie? O Denkt nur, ich, die sich sonst bei jedem Windhauch erkältete, daß ich kein lautes Wort hervo.- i-k bringen kann und Halsschmerzen gar nicht los werde — ich war oben auf der Zugspitze — 8 und in einem Hundewetter. Und hat mir nichts getan. Ursache? Ich habe Fays ächte Sodener gebraucht und ich sage Euch, die haben Wunder an mir getan. Ich bin ordentsich versiebt in die^ kleinen jjDinger und sie gehen mir von nun an — auch auf der Reise yj — nicht mehr aus. Die Schachtel kostet ja nur 085 Pfennig und man kann sie in jeder Apotheke, Drogerie oder Mineralwafferhandlung haben.

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