Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 6 (1908)
- Issue
- Heft 38 (25.9.1908)
- Date
- 1908-09-25
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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IM Seite 10. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Nr. 38. Gott zu beweisen, so hat man doch kein Recht, das Dasein Gottes zu bestretten. Wir aber erkennen Gott aus seinen Werken. Der Monismus führt alles zurück auf die Urzellc. Wer aber hat die Urzellc geschaffen? Diese Frage muß nach dem Monismus offen bleiben. Und wenn somit der Monismus zugeben muß, daß die Urzellc von dem Urschöpfer stammt, wie gewaltig muß da >vohl der Schöpfer sein, der eine Urzellc schafft, aus der sich Pflanze, Tier und Mensch entwickelt! Vollends negativ verhält sich der Monismus zu Moral und Sittlichkeit. Entwcker man fordert von uns Resignation in das Schicksal, und es herrscht das Fatum, die blinde Notwendigkeit, oder aber man betrachtet als wichtigstes Moralgesetz „Alles ist erlaubt, nichts ist verboten" und bildet so keinen Uebermenschen, wohl aber einen Unmenschen. Am Schluffe brachte der Redner den Geibelschen Vers: „Studiere imr und raste nie, Du kommst mcht weit mtt Deinen Schlüffen, Das ist das Ende der Philosophie Zu wissen, daß wir glauben müssen." Der einzig wahre Monismus, so schloß die Rede, ist der Monismus des Judentums. Monismus heißt Einhett. Für Einheit wollen wir sorgen, indem wir die Frömmigkeit unserer Ahnen bewahren und keine Kennende Kluft zwischen uns sein lassen, sondern Juden sind in des Wortes edelster Bedeutung mit ganzer Kraft und ganzer Seele. Das soll der Monismus sein, den wir betätigen wollen. Der Vortrag fand großen Beifall. Rach Begrüßung settens des Vorsitzenden der Züricher „Israelit. Religionsgesellschaft" und nach einer' schönen Rede des Verttetcrs des Vereins „Tachkomoni", des Herrn stuck. Kraus, Bern, über die gemeinsamen Ziele unserer Vereinigungen, wurden die Trattanden der Versammlung durchsprochen. Die bisherigen Leistungen des Vereins sind: Es wurden Vorträge gehallen. Es ist ihm mtt gutem Erfolg gelungen, jungen Leuten an Sabbat und Jomtos geschlossene Stellen zu verschaffen. Es sind Vertreter für die Förderung der Sabbathettigung am allen größeren Orten der Schweiz ernannt worden. Sänttlichc Mitglieder sind auf die Zeitschrift der „Sabbath" abonniert worden. Ferner wurde auf Vereinskosten „Der jüd. Sabbath" (von 2. R. Hirsch) allen Mttgliedern gespendet. Es wurde für Gründung ritueller Speisehäuser Sorge getragen, und es wurden Gutachten über das Schächten bei dm bedeutendstm Physiologie- und Anatomieprofessorcn der Schweiz cingeholt. — Es find gute Schriften erworben worden, die Jltteressenten geliehen werden. In Vorbereitung stehen verschiedene schöne Werke wie Ferimversorgung, Einrichtung ritueller Tauchbäder und — was wohl das bedeutsamste sein wird — eine Volksküche in Zürich. Nach Bezahlung aller Schuldm bleibt dem Verein noch als Saldovortrag Vorschuß Frcs. 700.—. Alle Ausgaben sind. nur im Sinne des Friederrs gemacht worden, zur Kräftigung und- Ehre des Judentums. — - Vieles hat das alte Jahr vorbereitet, was das nme erst bringen soll; vieles hak das alte Jahr ausgestreut, gesät, gepflanzt, was im nächsten zur Reffe gelangt, zur Vollendung erst gcheihen und geemtet werden wird. Und in unserer Hand liegt es, wie wir das Leben uns gestalten wollm: Ob wir uns damit trösten, daß das arme Judenkind aus Lugano auch in Lugano begraben werden kann, oder ob wie unfern Ob'ftus hinzustmem, es nach einer Stadt transportieren zu lassen, wo Judm wohnen und und so auch den Ellern ihrm Friedm geben; ob wir denken, in der Schweiz ist nun' einmal die Schechitah verbotm, im& was die andern Länder anbetrifft, so kümmem wir uns nicht dämm, oder ob wir uns aufrütteln, der Wahrheit zu ihrem Rechte zu verhelfen; ob wir de» losen Spottreden dieses und jmes Wert beimessm und ohnmächtig und willenlos eine Beute des Tags, ein Raub des Augenblicks werdm, oder ob wir dm heftigen Beruf, Jude zu sein, uns zum Bewußtsein kommen lassen uitt» ehrlich und ernst das Leben nach seinem höheren Werte fassen und' nützen. Dr. M. Ascher- Neuchatel. Konferenz jüdischer Notabel«. Auf Veranlassung eines Komitees, das sich aus den Herren Siegmund Bergel-Berlin, Justizrat Tr. Eugen Fuchs-Berlin, Justizrat Dr. Maximilian Horwitz-Berlin, Dr. Hirsch Hildesheimer-Berlin, Dr. Alfred Nossig-Berlin, Dr.' med. Edmund Kohn-Wien, Kaiserlicher. Rat Leopold Sachs-Wien, Dr. med. Schnabl-Wien, K. K. Baurat Wilh. Stiahnh-Wien, Dr. Bela Taussig-Wien zusammensetzte, fand bereits an: 29. M ä r z d. I. unter dem Porsche von Justizrat Dr. Maximilian Horwitz eine vertrauliche Konferenz jüdischer Notabel» aus verschiedenen Ländern statt. Diese Versammlung nahm zunächst folgende Resolution yn: „Die Versammlung.erachtet die Begründung einer Gesamtörganisation für erforderlich, welche vor allem die jüdischen, auf dem Gebiete derAnsiedlung tätigen Vereinigungen und Kräfte zu gemeinsamer Arbeit zusammenfaßt und setzt zu ihrer Schaffung ein vorbereitendes Komitee ein." Ferner votierte die Versammlung einstimmig die nachstehende Resolution: Die Versammlung, die von Glaubensgenossen aus einer Reihe von Ländern besucht war, erachtet eine fortlaufende Verständigung zwecksgemeinsam erAktionauchinder. K o lo nisatio ns fr a ge bei entsprechendem Anlaß zwischen den bestehenden Organisationen für notwendig. Zn diesem Zwecke ist von den bestehenden Organisationen ein Ausschuß zu bilden, der nach Bedürfnis Zusammentritt. Das vorbereitende Komitee wird beauftragt, in diesem Sinne die Verhandlungen mit den großen Organisationen zu führen. Der Vorsitzende der heutigen Versammlung, Justizrat Dr. Maximilian Horwitz wird ersucht, dieselben zu leiten." In Durchführung des ihm erteilten Auftrages hat sich das vorbereitende Komitee einerseits mit Fachmännern auf dem Gebiete des Kolonialwerkes, sowie mit den leitenden Persönlichkeiten der großen jüdischen Organisationen hinsichtlich, des Tätigkeitskreises der zu gründenden Kolonisationsgesellschaft ins Einvernehmen gesetzt, andererseits ein Memorandum in Sachen der ständigen Kooperation der jüdischen Organisationen an sämtliche in Betracht kommenden Körperschaften verschickt. Nachdem die vorbereitenden Studien genügend weit gediehen waren und nachdem eine Reihe von Körperschaften dem Kooperationsalttrag in prinzipieller Weise zugesttmmt hatte, berief das Komitee eine neuerliche Konferenz Jüdischer Notabeln nach Berlin ein. Für diese Konferenz, die Sonntag, den 20. .September 1908 tagte, hatten ihre Beteiligung u. a. angemeldet: Sanit.-Rat Dr. Apfel-Köln, Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Aron-Berlin, Geh. Kommerz.-Rat Aronsohn, Landtagsabgeordneter, Bromberg, Adv. Dr. L. Bendiener, Vize-Präs, der Jsr. Kultusgemeinde Prag, S. Bergel-Berlin, Oskar Berlin-Berlin, B. Birnbaum-London, Geh. Sanit.-Rat Dr. Blumenthal-Berlin, Prof. Dr. Blumenthal-Berlin, I. Chischin-Moskau, R.-Ä. Dr. Cohn, Lmidtagsabgeordneter, Dessau, I. Dreyfus-Brodsky, Großindusttieller, Basel, Rabb. Dr. Eschelbacher-Berlin, Max Elb-Dresden, Dr. Feilchenfeld-Berlin, Konsul A. Fleischl-Budapest, Dr. A. Friedemann-Berlin, Justizrat Dr. E. Fuchs-Berlin, Adv. Dr. Gabel, Reichsratsabgeordneter, Wien, R.- A. Dr. Garkavh-Moskau, R.-A. Dr. Guggenheim- Offenbach, Dr. Goldflamm-Warschau, Kommerz.-Rat M. Halperin-Kiew, Dr. H. G. Heymann-BeMn, Rabbiner Dr. Horovitz-Frankfurt a. M., S. v. Horowitz, Großgrundbesitzer, Lemberg, Justizrat Dr. M. Horo- Witz-Berlin, Aron Hirsch-Berlin, Kommerz.-Rat Benjamin Hirsch-Halberstadt, Dr^Hirsch, Präs. d. Synagogengemeinde, Hannover, L-tadtrat Kalisch-Berlin, R.-A. Dr. A. Klee-Berlin, Dr. Edm. Kohn-Wien, Paul Laskar-Hamburg, Martin Lebrecht-Nürnberg, Levin-Epstein-Newyork, Justizrat Dr. Lippmann-Hamburg, Kommerz.-Rat A. Loewenberg-Berlin, Dr. N. Loewenstein, Reichsratsabgeordneter, Wien, Hermann Landau-London,' Geh. Rat Prof. Dr. Landsberg- Berlin, Lipmann-Bloch-Breslau, Grigory Lurie- Pinsk, Fabrikbesitzer Magnus, Präs. d. Synagogcngemeinde Leipzig, Dr. Mahler, Reichsratsabgeordneter, Wien, Prof. Dr. Mandelstamm-Kiew, K. K. Baurät O. Marmorek-Wien, Prof. Dr. Maybaum-Bcrlin, Dr. Mittwoch - Berlin, Dr. Paul Nathan - Berlin, Dr. Alfred Nossig - Berlin, Professor Dr. M. Philippson-Berlin, Geh. Mg.-Rat Prof. Dr. Pinner-Berlin, Exz. Wirk!. Geh. Rat L. S. Polliakow-Moskau, Dr. H. Rappaport-Trautenau, Kaiser!. Rat Leopold Sachs-Wien, Dr. Schaff, Präs, der Kultusgemeinde Lemberg, Dir. A. Schwarz-Mähr. Osttau, Moritz Simon-Wiesbaden, Adv. Dr. Adalbert Skall-Prag, Dr. Sonnenschein, Präs. d. Kultusgem. Troppau, Prof. Dr. L. Stein-Bern, Meyer A. Spielmänn-London, Dr. A. Stand, Reichsratsabgeordneter, Wien, Dr. A. Stern-Bukarest, K. K.. Baurat W. Stiaßny-Wien, M. A. Strauß, Bankier, Karlsruhe, Dr. Taussig-Wien, Dr. Tilles, Präs, der Jsr. Kultusgemeinde Krakau, Justizrat Dr. Timendorfer-Berlin, Dr. Otto Thon, Rabbiner, Krakau, Kommerz.-Rat R. L. Trier-Darmstadt, Gust. Tuch-Hamburg, Prof. Dr. O. Warburg-Berlin, Oskar Wassermann-Berlin, Dr.' F. E. Weisl-Wien, Rabb. Dr. Werner-Atünchen. Die Konferenz, deren Beratungen durch Justizrat Dr. Maximilian Horwitz geleitet wurden, nahin zwei Referate von Dr. Alfred Nossig -Berlin: „Der Zusammenschluß der jüdischenOrganisationeu" und „Leilende Ideen und Arbeitsplan einer Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation" zur Kenntnis und votierte hierauf folgende Resolution: „Die am 20. September 1908 in Berlin.tagende Versammlung erklärt ihre Uebereinstinimung mit dem einmütigen Beschlüsse der Versammlung am 29. März d. I. und bezeichnet demgeinäß den Zusammenschluß der großen jüdischen Organisationen zu einer Gesamtorganisation mit einer ständigen Zentrale, unbeschadet der selbständigen Betätigung jeder einzelnen Organisation auf ihrem Sondergebiet, als dringend geboten. Der Gesamtorganisation wird es obliegen, Aufgaben des Judentums, deren Lösung die Organisationen in ihrer Vereinzelung nicht herbeiführen können, nach gemeinsamer Verständigung auf Grund einheitlicher Gesichtspunkte in Angriff zu nehm e'n. Die Versainmlung erklärt es als Notwendigkeit, daß an dieser Gesamtörganisation alle großen jüdischen Körperschaften mit entsprechenden Zielen Anteil nehmen und es lvird zugleich zu erstreben sein, daß alle Länder, in denen ein reges jüdisches Leben vorhanden, in dieser Gesamtörganisation vertreten sind. Schließlich spricht die Bersaminlung die Hoffnung und den dringenden Wunsch aus, daß die noch abseits stehenden Organisationen sich möglichst bald anschließen. Mit den Verhandlungen zu diesem Zwecke, insbesondere auch zur Herbeiführung eines Ausgleiches zwischen den heutigen Beschlüssen und den ein verwandtes Ziel verfolgenden Vorschlägen der Jca, sowie mit den detaillierten vorbereitenden Festsetzungen über die Zusammensetzung und über den Arbeitsmodus der Gesamtorganisation, wird ein permanentes Koinitee mit dem Rechte der Kooptation eingesetzt, das alsdann erneut Bericht zu erstatten hat. DaS permanente Komitee ergänzt sich aus den Vertretern derjenigen großen jüdischen Organisationen, die bereit sind, in das Komitee einzutreten." Als permanentes Komitee wurde das bisher vorbereitete Komitee eingesetzt. Die Versammlung sprach ferner e i n st i m m i g ihr Wohlwollen für den weiteren Ausbau und die tatkräftige Förderung der Kolonisation, insbesondere auch im Orient, aus und überwies die Angelegenheit dem permanenten Komitee zur weiteren Veranlassung. Amerika. Chicago. Hier fand zum Zwecke der Gründung eines Krankenhauses eine Versammlung orthodoxer Juden statt. Das neue Krankenhaus soll „Maimonides Kosher Hospital" heißen. Seine Gründung ist notwendig, da das bereits bestehende jüdische Krankenhaus, das „Michael Reese Hospital", keine Gewähr für die Beobachtung der rituellen Gesetze bietet. Palästina. Jerusalem. Im Monat August wurden durch die Aerzte des Vereins Lemaan-Zion behandelt: 1582 diverse Kranke und 5685 Augenkranke. In der Apotheke wurden 2247 Rezepte verabreicht. Personalien. Frankfurt a. M. Die Religionsgesellschaft beklagt den Verlust eines Mitgliedes, das es verdient, daß seiner in diesen Blättern gedacht wird. Herr Hermann Markus ist plötzlich einem Herzschlage erlegen. Der Verstorocnc wurde vor 57 Jahren in Pinne geboren und wohnte seit etwa 30 Jahren - hier. Er übte „schel Mizwoh" das Amt eines Mohels aus und scheute keine Mühe, wenn es galt, für sein heiliges Amt tätig sei» zu können. Als Mitglied der „Schaß-Chewra" stellte er sich allabendlich in derselben zum Lernen ein und hat auch dadurch bewiesen, welch' ein treuer Sohn des Judentums er war. Seinem letzten Geleite folgte ein sehr zahlreiches Publikum. Auf dem Friedhofe sprachen Rabbiner Dr. Breuer, Lehrer Schwab (für die „Schaß- Chewra) und Hugo Bondi (für den „Mohelim- Verein). — Möge der Witwe und den 4 unversorgten Kindern, die erst jüngst den Verlust einer Schwester ihres Vaters und vor noch nicht Jahres-