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Neue jüdische Presse · 1908-09-11 · Heft 36 (11.9.1908) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 36 (11.9.1908)
Date
1908-09-11
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Voraussetzungen genügen? Und welches sind die Voraussetzungen? Es sollie wirklich nicht schwer sein, eine für alle Richtungen in der Bewegung annehmbare Basis zu schaffen. Denn der Zionismus muß «jüdische sein, wenn er eine Existenzoerechrigung. wenn er Lebens krajt und Zukunft haben will, — und um „jüdisch" zu sein, glll es, das Schristtum des jüdischen Bottes zu kennen und seine Gesetze und Bräuche zu respektieren Bisher war es zahlreichen Zionisten nicht zu Bewußtsein gek-mmen. daß die natürliche Konsequenz der Zugehörigkeit zu einem Bo ke verlangt, die Tradition dieses Volkes in Lehre und Leben hochzuhalten. Jetzt ist der Augenblick gekommen, da der Zionismus für sein geistiges Werden K arheit schaffen muß. Der Satz „der Zionismus unternimmr nichts, was die religiösen Ansichten seiner Anhänger verletzt", ist em .negativer" — und heule gilt es, zu einer „positiven" Tätigkeit sich mit aller Energie bereit zu machen. Wir werden auf diese wichtige Frage noch zurückkommen. Die Rcdaltion. Aus aller Welt. Rumänien. Bukarest. Verschied enes. Zwei jüdische 14 jährige Brüder Namens Karniol retteten vom Ertrinken indem Serethfluß zwei christliche rumänische Knaben. Die antisemitische Presse fordert, daß kein Rumäne ein B i e r h a u s, wo auch jüdische Kellner bedienen, betrete. — Zwei Universitätsprofessoren in Jassy kritisieren die Magistratur der Justiz, die einen Juden, der Bankerott geworden war, gegen Hinterlegung einer Kaution befreite, da keine Fälschungen in den Büchern vorhanden waren. Sie schimpfen über die rumänische Justiz und erklären, daß bei einem Prozesse gegen einen Juden die Anklage des Staatsanwalts genügt und daher jede Verteidigung unnütz wäre. — Der Justizminister hat eine Untersuchung eingeleitet. — H-r. Palästina. Liberias. Auch hier ist nunmehr vom „Hilfs- : verein der deutschen Juden" ein Kindergarten eröffnet worden. Die Eröffnung desselben sollte schon im Herbst vorigen Jahres zur Zeit des vollsten Aufenthaltes des Herrn Dr. Nathan in Palästina erfolgen. Sie mußte aber infolge lokaler Schwierigkeiten, die jetzt behoben sind, hinausgeschoben werden. Die Anstalt wird bereits von vielen Kindern besucht, was nicht nur ein Beweis dafür ist, daß durch die Begründung eines Kindergartens in Liberias einem bringenden Bedürfnis entsprochen ist, sondern auch von neuem dafür zeugt, daß die Institution des Kindergartens, die durch den Hilfsverein in Palästina zur Einführung gekommen ist, ältere Vorurteile völlig beseitigend, sich die größten Sympathien der Bevölkerung erworben hat. Jaffa. Das seit 18 Jahren bestehende jüdische Hospital „Schaare Zion" mußte vor einigen Monaten wegen Mangel an Mitteln geschlossen werben. Nachdem jetzt wieder einige Mittel für das Hospital eingegangen sind, hat man dasselbe wieder eröffnet. Aber die materielle Hülfe unserer Brüder im Auslande ist dringend nötig, wenn das so überaus nützliche Hospital nicht wieder in Bälde geschlossen werden soll. — In P e s a ch T i k w a h ist im letzten Jahre der Anbau von Baumwolle in ziemlich erheblichem Umfange betrieben worden. Die Baumwollpflanzungen scheinen gut zu gedeihen. Die Kolonien E k r o n und G e d o r a h melden, daß die Ernteergebnisse sehr befriedigende sind. Heber den Mangel an Arbeitern wird geklagt. Personalien. Frankfurt a. M. Am vergangenen Dienstag Ivurde Frau Chano Taube Grünblatt, der Sproß -einer angesehenen jüdischen Familie Rußlands, im Alter von 55 Jahren, zu Grabe getragen. In Frau Grünblatt ist eine Jüdin alten Schlages dahingegangen. Ihr waren die echt jüdischen Tugenden einer wahren „Eisches chajil" eigen: ihre Treue war mustergiltig und ihre Aufopferung für ihre Familie kannte keine Grenzen. Sie war bescheiden und anspruchslos und verleugnete sich völlig wegen des Wohls ihrer Familie. Auch ihre große Frömmigkeit und ihre genaue Beobachtung des kleinsten jüdischen Brauches waren mustergiltig. Wer das Glück hatte, die Verblichene zu kennen, wird den herben Verlust, den die Familie betroffen hat, mitfühlen und das Andenken der Verblichenen stets bewahren. Berlin. Geh. Kommerzienrat Emil Jakob erhielt bas Komturkreuz des Oesterr. Franz Joseph-Ordens. — Landgerichtsrat Dr. Silbermann in Lyck erhielt anläßlich seiner Pensioniermig den Titel Geheimer Justizrat. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Berlin. Zigarrenagent David Bau mann und Frau, Hulda, geb. Jacoby, feierten das Fest der goldenen Hochzeit. München. Frau Therese Sontheim und und Frau Lina Haslach in Markt-Oberdorf erhielten vom Prinzregenten das Dienstauszeichn nngskrenz für freiwillige Krankenpflege. — . Julius B v d k y aus Nürnberg wurde zum O b e r r e a l s ch u l p r o s e s s o r in W ü r z b u r g befördert. Grünstadt i. Pfalz. Im Alter von 63 Jahren verschied Fabrikant G n st a v S e e l c n b e r g c r, der als Stadtrat und Synagogenvorstand fuligierte. Wien, Ruch t>u jäyrige. Eye vcrschieo im Alter von 82 Jahren die Gattin des Rabbiners Dr. Adolf S ch m i e d l, Charlotte, geb. Fischer. Budapest. 78 Jay^e alt vel>chied der Advokat Dr. Simon G o l d st e i n, einer der ersten Juden, die in Ungarn mit besonderer königl. Erlaubnis zur Advokatur zugelassen wurden. New Uork. ihäd) .3 monatlicher Abwesenheit ist der Philanthrop Nathan Straus hier wieder e i n g e t r o s f e n. Er hat während dieser 13 Monate in Deutschland, Oesterreich und England Stationen für pasteurisierte Milch errichtet und seitens der Behörden und Fachmänner für sein segensreiches Wirken uneingeschränkte Anerkennung gefunden. — In unserer jüdischen Aristokratie fand dieser Tage eine Hochzeit statt, zu der 1000 Einladungen ergangen waren. Eine Tochter von Leo Speyer, heiratete einen Sohn von Samuel S h u m a n in Boston. Aus -er zionistischen Bewegung. Wien. Tie „Jüd. Ztg." verlangt in einem Artikel „Die türkische Konstitution und die Aufgaben unserer Leitung": Die sofortige Verlegung des Sitzes der zionistischen Hauptleitung nach Konst a n t i n o p e l oder Jerusalem, die Grundung zionistischer Zeitungen in Konstantinopel und Jerusalem und — da die Einführung der Konstitution in der Türkei Zangwill jeden weiteren Einwand gegen eine jüdische Besiedlung Palästinas nimmt — die Wiedergewinnung der Jtoistcn für den Zionismus. Kischtuew. Anläßlich des in der Schweiz erfolgten Hinschcidens Dr. med. L. K o h a n' s, Mitglieds des zionistischen Aktionskomitees, lvurden im hiesigen Spital und in der Synagoge Trauerfeiern abgehalten. Der Verstorbene, wurde als stets hilfsbereiter Arzt, als glühender, aufopferungsvoller Zionist und als Mann, der seine Interessen denen der Gesamtheit unterordnete, gefeiert, und besonders seiner Tätigkeit in den schrecklichen Pogromtagen des Aprils 1903 gedacht. Sofia (Bulgarien). Landesrabbiner Dr. Ehrenpreis, der zur Zeit der Konstitutionsverleihung in Konstantinopel war, äußerte sich über die Aussichten des Zionismus unter dem neuen Regime: „Ein abschließendes Urteil wird man erst nach der Eröffnung des Parlamentes fällen können. Soweit ich schon jetzt die Sachlage zu beurteilen vermag, werden die neuen Zustände die jüdische Emigration nach Palästina fördern. Es ist gewiß, daß das konstitutionelle Regime jüdisches Kapital und die jüdische Intelligenz in weit stärkerem Maße als bisher nach Palästina locken wird. Meiner Meinung nach ist die Konstitution gesichert und eine Reaktion ausgeschlossen. Ich glaube daher, daß für die jüdischen Organisationen jeder Grund fehlt, den zionistischen Bestrebungen in Palästina die Unterstützung zu versagen. Die Nächstliegende Aufgabe ist, die türkischen Inden zu organisieren, denn es ist Gefahr vorhanden, daß sich unter ihnen assimilatorische Tendenzen regen werden. Dies würde dieselben verhängnisvollen Früchte tragen, wie die Assimilation unter den westeuropäischen Juden." Ans -er Lehrerwett. Frankfurt a. M. Vakanzen. Stockholm (Schweden). Obcrkantor per sofort. Meldungen an Isidor Adolf Bonnicr. — Freiburg i. B. Vorbeter und Baoltokea für die hohen Feiertage Meldungen an den Shnagogenrat. — Hofgeismar (5000 E., 86 j. S.). Rcligionslehrer, Vorbeter und ev. Schächter per 1. Okt. 1000 Mk. Gehalt, freie Wohnung, Nebeneinkünfte. SteinSfurth 1. Bade«. Lehrer Ferdinand Hanauer begeht am 14. d. Mts. sein 40jährlges Dienstjubiläum. A«S den Vereinen. Frankfurt a. M. Wir erhalten folgenden Aufruf zur Veröffentlichung: „In diesen Tagen ist hier eine zwanglose Bereinigung von jungen Juden zusammengetreten. Der Klub beabsichtigt in erster Linie, gemeinschaftliche Fußwanderungen zu veranstalten. Bei ungünstigem Wetter find an ihrer ___Nr. 36. Stelle Zusammenkünfte in den Räumen des „Montefiore" zu Spiel und Unterhaltung in Aussicht genommen. Wer Lust am Wandern und Sinn für Schönheiten der Natur besitzt, wem die Hebung des Zusammengehörigkeitsgefühles unter der jüd. Jugend am Herzen liegt, wer endlich die körperliche Pflege unseres Stammes neben der geistigen nicht vernachlässigt sehen will, der trete unserem Wanderklub bei. Am 17. Sept. 9 Uhr abends, findet im Keller der Alemannia (Schillerplatz) eine Zusammenkunft statt, zu welcher Damen und Herren, die sich für unsere Bestrebungen interessieren, höfl. eingeladen sind." Mülhausen i. E. Vorigen Donnerstag Abend wurde hier eine Ortsgruppe der Schomre- Schabbos-Vereine gegründet. In der von den Herren Dr. med. E. Meyer, N. Rhein und B. Bahn einberusenen, stark besuchten Versammlung übernahm der durch den Kampf gegen das badische Gebetbuch bekannte Herr Bloch-Dreyfus aus Freiburg das Referat, welches von den Anwesenden mit großem Beifall ausgenommen wurde. Es sprachen sodann die Herren Rabbiner F. Bluin, Mülhausen und Dr. S. Schüler, St. Ludwig. Sämtliche Anwesenden zeichneten sich als Mitglieder ein. Pflanzungsverein „Palästina". Zweck: Der Verein — gegründet 1906 in Berlin — basiert auf der alten jüdischen Tradition, nach der ein jeder Jude, Besitzer eines Fruchtgartens im heiligen Lande sein soll. Als Minimum gilt ein bepflanztes Dunam Land (‘/n Hektar) im Werte von 80 Jk Jedes Mitglied wird als lebenslänglicher Eigentümer einer Parzelle Land in das Vereinsbuch eingeschrieben und erhält als Rutzniesung seines Grundstückes alljährlich an Stelle einer Dividende eine Palästinagabe in Gestalt einer Sendung von Früchten oder ankeren Erzeugnissen des Landes. A nlagederer st cn Pflanzung: Die erste Pflanznng ist bereits in diesem Winter angelegt worden. Der Pslanziingsverein erwarb ein Terrain von ca. 300 Dunam bei der Kolonie Rechoboth 'und beauftragte mehrere Kolonisten dieses Dorfes, die als. erfahrene und ehrenhafte Landwirte bekannt sind, daselbst eine Mandel- und Olivenpflanznng unter nachstehenden Bedingungen anzulegen: Die Kolonisten erhalten vom Verein zur Deckung der mit der Anlage der Pflanzung verbundenen Kosten 20 Francs per Dunam nach Erledigung der ersten Arbeiten, während die restlichen Pflanzungskosten aus eigenen Mitteln der Kolonisten bestritten werden. Die Kolonisten pflegen die Pflanzung durch 6 Jahre und nach Ablauf .dieser Zeit erhalten sie als Entschädigung für ihre Auslagen und Arbeit die Hälfte der Pflanzung, jb. h. ca. 150 Dunam. Die Teilung in zwei Hälften geschieht durch Vertrauensmänner beider Parteien. Die Auswahl der beiden Hälften geschieht aber nur durch den Verein, sodaß die Kolonisten bis zur Teilung garnicht wissen, welche Hälfte ihnen zufallen wird und sie deshalb allein aus Eigcninteresse für die richtige Anlage und - Pflege der ganzen Pflanzung sorgen werden. Die Kolonisten haben sich auch verpflichtet, schon von diesem Jahre an.jährlich eine gewisse Quantität Mandeln dem Verein zur Verfügung zu stellen, sodaß der Verein in der Lage ist, seinen Mitgliedern schon von diesem Jahre an eine „Palästinagabe" zu senden. Diese Abmachung basiert uns der Berechnung, daß die als endgültiges Eigentum des Vereins verbleibende Hälfte von ca. 150 Dunam -bereits ertragsfähigeil Mandeln- und Olivenlandes nicht mehr als 15 000 Ir. kosten wird, d. ch. 100 Fr. resp. 80 JL per Dunam, welcher Betrag allgemein als Minimum der Selbstkosten bis zur vollen Reifeperiöde gilt. Der Verein hat den Kolonisten zur Bedingung gestellt, auf der Vereinspflanzung ausschließlich jüdische Arbeiter zu beschäftigen. Nach erfolgter Teilung wird der Verein sein Besitztum voraussichtlich an professionelle jüdische Landarbeiter verpachten, sofern er bis dahin keine selbständige Verwaltung besitzen wird. Die Kolonisten . sind aber außerdem auch kontraktlich verpflichtet, die Verwaltung der dem Verein zukommenden Parzelle auch weiterhin gegen Vergütung-eines Viertels

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