Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1908-08-14 · Heft 32 (14.8.1908) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 32 (14.8.1908)
Date
1908-08-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2692297-2692562-2692594--04149-2698928
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

~r-' , p Nr. ZZ rfes fanfcfutfet Ifmetifilien FamikmklMes. A«s der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. UM. Bei der Expedition des Frankfurter Israel. Familienblattcs gingen für den Nationalfonds ein: Max Grebenau, anläßlich seiner Hochzeit mit Jeanne Oppenheimer zum Andenken an seine sel. Eltern Carl Grebenau und Auguste Grebenau, geb. Schottenfels, 2 Oelbäume 12.— JL Benno Lamm 1.— „ A. Lewisohn statt Depesche zur Hochzeit Bertha Birnbaum- Dr. Siegfr. Schwarzschild 1.- „ Aus gleicher Veranlassung Benzion Bamberger und Frau, S. H. Goldmann und Frau ü 30 Pfg. —.60 „ Eduard Lion, Saly Geis, Selmar Geis statt Depesche zur Hochzeit Jeanne Oppenheimer-Max Grcbencüi ä 30 Pfg. —.90 „ Die Ortsgruppe spendet aus den Namen ihres verdienten Vorsitzenden Herrn Dr. Schwarzschild und dessen Gemahlin 2 Oelbäume 12.— „ Aus der Sainmluilg bei der Hochzeit von Dr. Schwarzschild—Bertha Birnbaum 50.— ,, Dr. Siegfried Schwarzschild und Frau Bertha geborene Birnbaum anläßlich ihrer Vermählung für den Parteifonds 20.— „ Bei der Nationalfondskommission gingen ein: Bei einem Vortrage im Hotel Adler, Bad Orb, gesammelt 20.— JL Rechtsanwalt Dr. Siegfr. Schwarzschild und Frau Bertha Schwarzschild, geb. Birnbaum, anläßlich ihrer Vermählung 70.— „ Dieselben 1 Oelbaum im Herzlwald 6.— „ Dieselben je 1 Oelbaum im Herzlwald auf die Namen Heinemann Birnbaum, Frankfurt, Ostendstr. 22, Fanni Birnbaum, geb. Jchenhäuser, Frankfurt, Ostendstr. 22, Emil Schwarzschild s. A.. Flora Schwarzschild, geb. Goldschmidt, Frankfurt, Fichtestraße 12, 4 mal 6 JL — 24.— „ Frankfurt a. M. DaS jüngste Heft der in München erscheinenden Monatsschrift „P a l ä st i n a" ist ein interessantes. Dr. Sandler schreibt über die Bekämpfung der Moskitos, die auch in nianchcn Gegenden Palästinas Vorkommen und die Malaria verursachen. — Glaßmann beschäftigt sich mit der in Palästina noch sehr im Arge» liegenden Geflügelzucht und wünscht zur Hebung dieser sehr wichtigen Erwerbsquelle die Errichtung von Musterbrutplätzen. — Der Artikel „Systematische Palästina-Arbelt" warnt vor der Gründung weiterer Mittelschulen, da diese in Palästina ein geistiges Proletariat erziehen würden, denn die Meinung, daß jeder irgendwie befähigte Mensch studieren müsse, sei viel zu sehr unter den Juden Palästinas verbreitet. Der Artikelschreiber meint: .„Es ließe sich vielleicht erreichen, daß der Misrachi ein Zusammengehen mit dem Hilfsvercin herbeiführt, der doch auch sonst weitgehendes Entgegenkommen den gesetzestrcuen Juden bewies. Aber wir wollen schon deshalb nicht ans diesen Spezialpnnkt eingchen, weil wir uns der Gefahr nicht aussetzen wollen, als würden wir etwa teilweise Stellung nehmen gegen eine Sondergründung des Misrachi, weil von der orthodox-jüdischen Partei ausgehend. Im Gegenteil, um das bei dieser Gelegenheit zu bemerken, wir halten jede Stellungnahme gegen die gesetzestreuen Juden für verfehlt und halten die Einheitsschule, die die jüdische Tradition ehrt und berücksichtigt und neben obligatorischen noch in fakultativen Stunden die weitgehendste Kenntnisnahme der jüdischen Schrift ihren Schülern ermöglicht, für die einzig erstrebenswerte Anstalt." Aus dem weiteren Inhalt des Heftes seien noch erwähnt: Die heiligen Stätten Palästinas von Pastor Reuter, Die Ausgrabungen in Gezer von Prof. Lorch, Die Staatsangehörigkeit in der Türkei von Dr/ .Tannenwald. Köln a. Rh. Die Sammlungen für den Jüd. Nationalfonds, der bekanntlich zum Ankauf von Land in Palästina bestimmt ist, ergaben im 1. Halbjahr dss. Js. 117,404 Mark, davon aus Rußland 27,986 Mark, Oesterreich 21,678 Mark, Deutschland 19,479 Mark. Südafrika 11,402 Mark, Vereinigten Staaten 10,448 Mark usw. Bad Orb, 3. Aug. Sonntag Abend wurde hier im Hotel „Adler" von den im Bade anwesenden Zionisten eine Versammlung veranstaltet. Herr Levigard aus Frankfurt a. M.» der sich hier zusällig aufhielt, sprach über das Thema: „Was will und was soll der Zionismus". Er legte in kurzen Worten den Zweck und die Ziele des Zionismus klar. Eine am Schluß des Vortrages veranstaltete Sammlung ergab den Betrag von 20 JL Leider war die Versammlung nicht allznstark besucht, weil gleichzeitig an diesem Abend eine Reunion im Kurhause stattfand. Trotzdem ist zu hoffen, daß durch diesen Vortrag in einigen Kreisen das Interesse für unsere Sache geweckt worden ist. Li. Posen. Die hiesige national-jüdische Frauenvereinigung hat es in diefein Sommer das erste Mal unternomnien, während der Ferien K i n d e r - S p i e l n a ch m i t t a g e einzurichten, und der immer größer werdende Besuch — die Zahl der Teilnehmer, Kinder und Erwachsene, stieg von anfänglich 30 auf ca. 150 — war der beste Beweis, welch Bedürfnis solch volkstümliche Veranstaltungen für unsere Zeit sind. Allwöchentlich am Dienstag fanden sich Kinder im Alter von 5—15 Jahren aus allen Schichten der jüdischen Bevölkerung in einem Vorstadtgarten ein, um unter Leitung bewährter Hilfskräfte bei gemeinschaftlichem Spiel und Sang einen Nachmittag in vollster Fröhlichkeit zuzubringen. In dankenswerter Weise hatte der Rene Turnverein-Posen (im Verbände der jüdischen Turncrschaft) seine Turnspielgeräte zur Verfügung gestellt, und während die Kleinsten mehr mit Kreisspielen beschäftigt wurden, hatten die größeren Knaben und Mädchen Gelegenheit, ihre Kräfte bei Schleuderball-, Tambourinu. a. Spielen zu stählen. Nur zu schnell verflogen die Stunden, bei anbrechender Dunkelheit ging es unter den Klängen eines jung-jüdischen Marschliedes hinein zum geineinschaftlichen Abendbrot. Fast jedesmal gab es noch eine kleine Ueberraschung, Verlosung usw., stets folgte auch in einer Ansprache irgend eines Vorstandsmitgliedes die Ermahnung an die Kinder zu fleißiger Sammeltätigkeit. Und der Erfolg war geradezu überraschend. Am Todestage Herzls, auf welchen die Kinder besonders aufmerksam gemacht wurden, konnten aus der Pfennigsammlnng der Kleinen unserem teuren Führer 2 Oelbäuine gesetzt werden, weitere Spenden folgten noch (Ausweis Jüdische Rundschau). An die Materialiensammelstelle Frau Dr. I o il - Lübeck sind Staniol, Cigarrenspitzen usw., in großer Menge von den Kindern gesammelt, abgeliescrt worden. Die Vereinigung beabsichtigt auch, wenn irgend angängig, in den Herbstferien diese Veranstaltungen fortznsetzen und so eine Lauernde, wirksame Propaganda unter der Jugend zu schaffen. Czernowitz. 50 jüd. Familien auS Bukowinischen Dörfern haben beschlossen, nach Palästina ansznwandern. Die Leute sind vermögend, sogar die ärmeren unter ihnen haben einige tausend Kronen. Sie wollen sich als Kolonisten niederlassen. Petersburg. In Kürze ist eine ministerielle Verordnung zu erwarten, die — ein Erfolg des Besuches des Präsidenten Wolffsohn — der zionistischen Organisation mehr Freiheit für ihre Tätigkeit gewährt. Personalien. Bollweiler i. E. Freitag Abend des Schabbos Nachmu, an dem wir Trost suchen, verbreitete sich mit Blitzeseile die Hiobspost in unserer Gemeinde, daß die Gattin unseres ehrwürdigen Rabbiners S. H. Schüler nicht mehr unter uns weile. Und mit dem vom Schmerze tiefgebeugten Gatten beweint nun unsere Gemeinde von neuem die Zerstörung des heiligen Tempels, denn ein wahres Heiligtum ging mit dieser Tochter des berühmten Oberrabbiners R. S a l o m o n Klein s. A., Colmar, dahin. Frau Rabbiner Schüler, die ein Alter von 51 Jahren erreichte, war ein Musterbild echt jüdischer Frauentngend, eine Eches chajil in des Wortes schönster Bedeutung. Durch ihre Herzensgüte war sie die Zierde ihrer Familie. Obwohl sie vor 3 Jahren des Teuersten, was der Mensch besitzt, des Augenlichtes beraubt wurde, verlor sie bei den qualvollsten Schmerzen den ihr angeborenen Witz und Humor nicht, mit welchem sie nicht nur sich und ihre Angehörigen, sondern auch ihre Mitmenschen im Unglücke zu trösten wußte. Ohne auf Stand oder Religion zu sehen, trat sie jedem mit Liebe entgegen und verstand es, Gottesfurcht und Menschenliebe zu verbreiten. Welche Hochschätzung sie sich durch ihr Wirken erworben hatte, davon legte das große Leichenbegängnis. das am Montag Nachmittag stattfand, beredtes Zeugnis ab. Im Trauerhause richtete im Namen der Gemeinde, der Verwandten und Bekannten der intime Hausfreund Sr. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Joseph Zivi, Winzenheim, an seinen ehrwürdigen Lehrer und Meister, der lautschluchzend, auf die Schulter seines einzigen Sohnes, Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner D r. S a l ö m o n Schüler, St. Ludwig, gestützt, an der Bahre seiner heißgeliebten Gattin stand, tiefempfundene Trostworte. Der Traucrzug bewegte sich nach Jungholz. Dem Sarge folgten außer der Familie der tcnern Heimgegangenen sämtliche Rabbiner der Umgebung, die Vertreter der hiesigen geistlichen und bürgerlichen Behörden, zahlreiche aus der Ferne herbeigeeilten Freunde und die Bevölkerung des Ortes. Am Grabe schilderte in bewegten Worten Herr Rabb. Blum, Mühlhausen, den schweren Verlust für die Familie. Herzergreifend und zugleich tröstend sprach noch am Grabe der Neffe der Verstorbenen. Herr Provinzialrabbiner D r, S a l o m o n Bamberger, Hanau. Kein Auge blieb tränenleer bei den letzten tieferschütternden Mschiedsworten, die der ehrwürdige Gatte unter lautem Schluchzen seiner teuern Gattin, mit der er in einer Reihe von 40 Jahren in glücklicher Ehe Leid und Freud teilte, zurief. Die Erdschollen rollten, vereint mit den zahlreichen Tränen der umstehenden Verwandten und Freunde, auf den Sarg, Die Erbe umschließt nun die irdische Hülle der reinen, edlen Seele, die verklärt zu Gott emporsteigen und Tröstung für den Hinterbliebenen Gatten, die tieftrauernden Kinder, Geschwister, Verwandten und Freunde herabflehen möge. Möge der Allmächtige die Lücke ansfüllen und die unser aller Herzen geschlagene Wunde heilen! Aus der Lehrerwelt. Frankfurt a. M. Vakanzen. — Zeckendorf bei Bamberg (300 Einwohner, 59 jüd. Seelen), Lehrer, Vorbctcr und Schächter per 1. September, Einkommen ca. 1000 JL — Schönlanke (7300 E.. 530 j. Seelen), Borbeter und Schächter per bald., 2400 JL Gehalt und freie Wohnung. Frankfurt a.M. Herr Fabian Ogutfch feiert Samstag sein 25jähriges Jubiläum als Oberkantoc an der Börneplatz-Synagoge. Herr Ogutfch amtierte vor seinem Hierherkommen in Ostrowo, wo noch heute seine wundervolle Stimme nicht vergessen ist. Auch hier haben seine Stimme, sowie sein bescheidenes Wesen ihm die Sympathie der Synagogenbcsucher erworben, so daß zu erwarten ist, daß man seinen! Ehrentage allgemein freudiges Interesse entgegenbringen wird. Herr Ogutfch wird im Freitagabend-Gottesdienst nur seine eigenen Kompositionen singen. Samstag Morgen findet in der Synagoge ihm zu Ehren Festgottesdienst statt und Sonntag Morgen 10 Uhr im Hörsaal eine akademische Feier. Ein Bankett im Restaurant Scheuer lvird Sonntag Abend den Schluß der Ehrungen bilden. Hildesheim. Herr Elieser Stern, der während 35 Jahre als Lehrer und Vorbeter in der hiesigen Gemeinde amtierte und Jahrzehnte hindurch dem Vorstand des „Vereins jüd. Lehrer in der Provinz Hannover" angehörte, verschied im Alter von 63 Jahren. Charlottenbnrg. Prediger Dr. Isidor Blum ist, nur wenige Wochen vor der Einweihung der durch seine jahrelangen Bemühungen und unter Aufopferung seines Vermögens errichteten Synagoge, verschieden. Auch in 8er unentgeltlichen Erteilung von Religionsunterricht bewies der Verstorbene die ideelle Auffassung seines Berufes. Rew-Nork. Rabbiner Bernhard L. Levinthal, der Präsident, eröffnete die 7. Jahresversammlung der Bereinigung der octhod. Rabbinen der Vereinigten Staaten und Kanadas mit einer Ansprache, in der er den Niedergang des Rabbi Verstandes bedauerte. Früher seien die Rabbiner die geistigen Leiter des jüdischen Volkes gewesen, deren Autorität respektiert wurde: jetzt aber sei ihr Einfluß im Schwinden, und ihre alte bevorrechtigte Stellung werde nicht inehr anerkannt. Für diesen Stand der Dinge seien sowohl Rabbiner wie Publikum zu tadeln. Der Titel „Rabbi" setze ein hervorragendes jüdisches Wissen und eine Lebensführung im Geiste der Thora voraus, Bedingungen, die viele Rabbiner heute nicht erfüllen. Auch haben die Rabbiner versäumt, sich intensiv mit den neuen Idealen des herangewachscncn Geschlechts zu beschäftigen, und so habe eine Kluft zwischen diesen und den Rabbinern entstehen müssen. — Redner beschäftigt sich sodann mit der Frage der Erziehungder jüdischen Kinder. Man schätze, daß in Newyork 75,000 jüdische Kinder ohne eigentlichen Religionsunterricht anfwachsen. Ein jüdisches Lehrerseminar existiert nicht. Die meisten hebräischen Schulen geben keinerlei religiöse Unterweisung; jüdische Geschichte, hebräischer Sprachunterricht, jüdische Morallehren, all' dies bleibt unberücksichtigt. — Redner verlangt die Ausbildung von Lehrern und einen systematischen Unterricht, die Errichtung von Abendschulen und Talmud-Thoras und die Verbesserung der Mißstände auf dem Gebiete des Kaschrus (in vielen amerikanischen Großstädten gibt es keine Koscher-Restanrantsl. Nach der Ansprache des Vorsitzenden erfolgten die Wahlen für die Spezial-Komitees. Eine rege Aussprache veranlaßte am nächsten Tage die kritische Lage der unter dem Präsidium Rabbiner Levinthals stehenden Jsaac Elchanan-Jeschiwa, die gegenwärtig ein Defizit von 6000 Dollars hat: schließlich wurde ein Spezial-Komitee mit der Behandlung dieser Angelegenheit betraut. Außer diesem beschäftigte sich die Versammlung sehr eingehend mit der Verbesserung des Unterrichts. Caj6 Constabler. flbsthdlg. Hasselbaeli, L wiSÄf- 7789

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.