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Neue jüdische Presse · 1908-08-07 · Heft 31 (7.8.1908) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 31 (7.8.1908)
Date
1908-08-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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ftii Nr. ZI tfes FrackMer UmekWm lanußenötaftes. Inhalt der Beilage: Artikel: Rationalfondsarveit. — Personalien. —■ Aus der Lehrerw elt. — Aus der zionistischen Bewegung. — Aus den Vereinen. — Kunst und Literatur.— Aus der Geschäftswelt. — Briefkasten. Vereins-Kalender. . Nattonalfoudsarbett. m. V e r nr e h r u n g d e r E i n n a h m e q u e l l c n. Geradeso, wie der Staat den Bürger nicht nur direkt besteuert, sondern auch bei de» meisten Konsumartikeln seine Steuer eiuhebt (Tabak, Bier, Zucker nswi), trachtet die S.-St. für Oesterreich auf indirektem Wege, die Einnahmen des N.-F. vermehren, beziehungsweise den Kreis seiner Einnahmequellen immer weiter zu ziehen. — Bor Jahren wurde z. B. eine Philatelica b t e i l n n g errichtet, die für das Einlaufen von besseren Briefmarken, wie größeren Mengen gewöhnlicher Ware zu sorgen und wiederum deren Verkauf in die Wege zu leiten hatte. Der Erfolg ihrer Arbeit war nie gleichmäßig, da das Wirken der mitarbeitenden Kräfte immer von Zufällen abhängig lvar. Zu dem mußte man der Hilfe junger Leute entbehren, die das Sortieren der Marken besorgten, und so mag es oft vorgekommcn sein, daß bessere Stücke, für die man beträchtliche Summen hätte erzielen können, iin Meere der ordinären Mischung verschwanden. Diesem Mißstand Ivurdc ein Ende gemacht. Eine Sammelinstrnktion für alle Materialien wurde an alle Unterstellen weitergegeben und dafür Sorge getragen, daß jeder Gg., der Marken für den N.-F. sammelt, in den Besitz dieses Zirkulars kam. Der Erfolg stellte sich überraschend schnell ein; die Marken konmien jetzt meistenteils nach Ländern und Emissionen geordnet, die gleichen Stücke zu Päckchen gebunden, in unsere Hände, um hier nur noch einer letzten Durchsicht unterzogen zu werden. Dadurch der zeitraubenden Arbeit des Sortierens überhoben, bleibt uns mehr Zeit für Propaganda, in beiden Beziehungen — Eingang und Verkauf — übrig. Wir können größere Geschäfte abwickeln — und ein in den letzten Tagen bei uns eingegaugcner Auftrag auf 500 kg M i s ch u n g stellt wohl den Rekord unseres Umsatzes auf und gibt uns zugleich ein schönes Zeichen dafür, daß wir im Kreise der Eiigros-Händler schon bereits als Faktor, mit dem gerechnet wird, gelten. Wir arbeiten nicht nur nach Oesterreich, sondern breiten allmählich unser Verkaufsgebict auf Deutschland, die Schweiz, Frankreich und Egypten ans. Wird es einst erst gelingen, in die Hochburg der Philateliekrcisc, in London und Newyork, einzudringcn, dann werden wir erst die erste Etappe unseres Zieles erreicht haben. Wirwerdendann in der Lage sein, im Wege unserer Santmelstelle-Kolleginnen die « »f die Wichtigkeit nnd Ertragsfähigkeit dieses Unternehmens nicht oft genug auf - merksam gemacht werden können, das notwendige Material in großen Mengen an nns zn ziehen, und, im Preise jeder Konkurrenz die Spitze bietend, können wir tonangebend am Markte werden. — Ein zweiter ertragsfähiger Artikel ist das S t a n i o l. Wenn auch die eingehenden Mengen im Verhältnis gering sind — die Gg. mögen vielleicht der irrigen Meinung sein, die Portospesen für die Sendungen müßten den Erlös für dieselben verschlingen, — so haben wir in vier Monaten immerhin schon 90 Kronen für diesen Artikel gelöst. Durch Zirkulare, die wir allen Briefen an einzelne Gg. beilegten, und durch Rundschreiben an alle Einzelorganisationen haben wir versucht, die Sammeltätigkeit .auch auf diesem Gebiete zu heben, und nach den cinläufenden Antworten ist begründete Aussicht vorhanden, daß der jährliche Ertrag für Staniol auch die von uns angestrebte Höhe von 600 Kronen jährlich erreichen wird. — Eine Spezialität der Monarchie sind Erlegscheine der k. k. Postsparkasse. Durch die einmalige Zahlung von 100 Kronen wird man Kontoinhaber bei derselben und kann sich alle Zahlungen portofrei durch sie überweisen lassen. Zu diesem Behufe erhält der Schuldner einen Erlegschein, der in sich die Erlegs- und Empfangsbestätigung, sowie den Buchungsschein für das Amt enthält. Einen solchen Schein berechnet die P. S.-K. dem Kontoinhaber, dessen Firma und Kontonnmnier darauf gedruckt ist, mit 2 Heller. Da diese Scheine jeder Faktura 511 deren Begleich beigelegt werden, viele Geschäftsleute jedoch immer m e h r e r e Fakturen auf einmal mit einem Erlegschein begleichen, bleibt derer eine große Zahl nnbenützt und jhre Kosten von 2 Heller sind für den Kontoinhaber verloren. Diese unbenütztcn Erlcgscheine lassen wir nun sammeln und haben mit einem jüdischen Vereine in Prag, der deren Verwertung schon früher organisiert hatte, ein Uebereinkommen getroffen, daß. dieser Verein in bestimmten Zeiträumen das von uns gesammelte Material erhält, nach Konten sortiert und an die einzelnen Inhaber versendet, die ihm die Erlegscheine nach Gutdünken vergüten. Von dem Ertrage beziehen >vir einen bestimmten Anteil, der von März bis Mai 75 Kronen betrug, Angcstrcbter Jahrcsertrag 480 Kronen. — Im Artikel Cigarrenspitzen ist durch die Gesetzgebung -Oesterreichs, die für den Tabakverkauf das Staatsmonopol eingeführt hat und den Verkauf auch der geringsten Quantität mit Gefängnisstrafen belegt, unsere Tätigkeit lahmgelegt. Da auch der Zoll nach Deutschland, wenn ivir das Ergebnis unserer Sammlung der Matcrialienverwertnngszentrale Lübeck zukommen lassen ivvllten (180 Jk pro 100 kg), den Wert der Sendung illusorisch machen würde, mußten die Sammlungen von Cigarrenspitzen eingestellt werden. — Die S.-St. Oesterreich hat sich jedoch nicht damit begnügt, dem N.-F. Erträgnisse von Artikeln znznführen, die, ohne größere Mühe gesammelt, immerhin einen nicht zu verachtendes' Ertrag abwcrfcn; sie greift auch in das Wirtschaft iche Leben insofern ein, als sie die Zionisten veranlaßt, bestimmte Artikel nur von dem Fabrikanten zu beziehe», der vertragsmäßig von dem erzielten Umsätze dem N.-F. einen bestimmten Prozentsatz vergütet. Sache des Fabrikanten ist cs, sein Fabrikat mit unserer gesetzlich geschützten Marke zu versehe». Den Anfang machten wir mit Streichhölzer n. Zuerst sandten wir an alle Fabrikanten Oesterreichs die Aufforderung, uns auf Grund der ihnen mitgeteilten Bcdingnisse ihre Offerte zu machen. Leider reagierten die jüdischen Fabrikanten, mit einer einzigen Ausnahme, nicht auf unser Zirkular, trotzdem wir vornehmlich dieselben im Auge hatten. Die günstigste Offerte machte uns die „Solo", A.-G., die mit der k. k. priv. Ländcrbank assiliiert ist. Neben dem absoluten Vorteile, d. h. der des reellen, höheren Prozentsatzes, war für uns maßgebend, daß diese A.-G. das Kartell der größeren Zündholzfabriken repräsentiert, überall cingeführt ist und daher leichter unsere Marke verkaufen kann; überdies ist in manchen Fällen, wo der Kanfinann in unserer Marke keinen großen Bedarf hat, die Möglichkeit von Beipacknng kleinerer Quantitäten gegeben, ein Ninstand, der den Konsum zionistischer Streichhölzer erleichtert. Der Wirkungsbereich des Vertrages erstreckt sich auf die ganze Monarchie, samt dem Okkupationsgebiete, und unsere beiden Kolleginnen (Budapest für Ungarn, Essek für Kroatien) gaben ihre freudige Zustimmung zu unserem Unternehmen. Nichtsdestoweniger hat es der anch-zionistische Dr. S. K. Landau in der letzten Nummer seiner neuen Nationalzcitung zuwege gebracht, nns ob dieses Abkommens mit der „christlich-sozialen Länderbank" anzugrcifen und das jüdische Publikum zu haranguieren, die Erzeugnisse der christlich-sozialen Parteibank zu boykottieren. Als ob die Ländcrbank mit der Lolo-A,-G. identisch wäre und Dr. Landau nicht wüßte, daß im VerwaltungSrat der Solo-A.-G. der Jude Fürth sitzt. Auf Grund dieses Uebereinkommcns rechnen wir im erstell Jahre mit eilrem Erträgnis von 2000 Kronen. Eben find wir im Begriffe, einen ähnlichen Vertrag in bezug auf Papierzigarrenspitzen und Z i g a r e t t e n p a p i e r vorzubereiten, zionistische Bleistifte bilden den Endpunkt unseres diesjährigen Programms. Im Laufe des nächsten Arbeitsjahrcs werden wir das Tainincln getrockneter Orangenschalen organisieren, nachdem uns die Nachricht Angebracht wurde, daß der polnische Schnlverein in Galizien sein Haupteinkonlinen ans diesem Artikel besitzt. Abnehmer dafür sind hauptsächlich Canditen und Parfümfabriken. Ebenso soll im nächsten Jahre die Selb st - b e st e u e r n n g auf eine neue Basis gestellt werden. Rach Berufsgr n p p e il geordnet, werden Berühmtheit und schlichter Zionist allmählich in den Ausweisen nebeneinander in langen Reihen ausmarschieren. H. K-r. (Schluß folgt). . Personalien. Frankfurt a. M. Die Rechtsanwälte Dr. Ernst A n e r b a ch und Adolf Z i 111 ui t erhielten den Charakter als Jnstizrat. _ Berlin. Geh. Rat Professor Dr. Hermann « enat0r wurde zum Ehrenmitgliede der griechisch - philologischen Gesellschaft in Konstantinovel ernannt. Berlin. Prof Ludwig Geiger erhielt den Titel Geheimer R e g i e r u n g s r a t. Metz. Dem Vorstandsmitglied der hiesigen jüd. Gemeinde Leo Hecht wurde der Charakter als K 0 m m i s s i 0 n s r a t verliehen. Hamburg. OberpostassistentLeopoldWeinberg feierte sein 25jähriges Dienstjubiläum. — Zum Direkt» rderStiftungssch ule — eine halböffentliche Simultanschule mit Berechtigung zmn Einjährig-Freiwilligendienst — wurde der Mathematiker Professor Max Kutuewsky gewählt und vom Senat bestätigt. Obrigheim (Pfalz). Die Feier der goldenen Hochzeit beging in seltener Frische und unter Anteilnahme der gesamten Bevölkerung das Ehepaar Joses Scheuer und Frau geb. Dannheiser. (L.) Posen. Landgerichtsrat Springer erhielt den Roten A d l e r 0 r d e n 4. Klasse. — Rechtsanwalt Julius S m 0 s ch e 11 e r erhielt den Charakter als Justiz rat. — In i'ioii-3 wurde der Kaufmann Barnch von der Regierung als Magi st r a ts schösse bestätigt. Posen. Bankier Martin Lefser wurde zum Handelsrichter ernannt. Wreschen. Rechtsanwalt und Notar Peyser erhielt den Charakter als Justizrat. Budapest. Bei den Olympischen Spielen in London errangen zwei ungarische Juden — Icnö Fn ch s und R i ch a r d W c i ß — den „W eltm c i st e r - P r e i s", der erste im Fechten, der zweite im Ringen. Tzempcz (Ungarn). Die 90 jährige Bäckers Witwe G 0 l d st e i ii, bei ihrer Tochter Betty Sternfeld wohnend, erlitt den Fla m m e n t 0 d. Des Nachts war ans bisher unaufgeklärte Weise in ihrem Zimmer Feuer ansgebrochen. Holleschau (Mähren). Der Radetzky-Veteran Ignaz Lustig feierte mit seiner Frau das Fest der goldenen Hochzeit. Paris. Es wurden ernannt: Oberstleutnant Bernard zum Kommandeur der Ehrenlegion — Hauptmanu Mendes-Bonito, Leutnant K r a e m e r, Hauptmann S ch n e r b, Hauptmann W e i l l e r, D r. Maurice Marx, prakt. Arzt, Adolphe Job, Arzt in Luneville, Abraham S ch r a m e ck, Direktor der Gefängnis- Verwaltung, N a g g i a r, Konsul im Harrar, Levy- Strauß, Kaufmann in Bukarest, Georges Bcrr, Professor am Konservatorium zu Paris, Felix Hauser, Zivilbeamter von Indo-China, E d m 0 n d Rothschild, Kaufmann in Paris, zu Rittern der Ehrenlegion — Henri-Charles Aron, Mitglied des israelit. Zentralkonsistoriums, Onlmont, Direktor der Staatsmaiinfaktur, zu Offizieren der Ehrenlegion. London. Zum Direktor des Departement für internationales Ansstellungswesen der hiesigen Handelskammer wurde Sir Isidore Lpiclm a n n gewählt. Riga (Rußland). Der jüngst verstorbene Millionär Berlin hat 300000 Rubel für jüdische wohltätige Zwecke hinterlassen, wovon 200000 Rubel auf die Wohlfahrtsinstitutionen und ans die nach der testamentarischen Bestimmung neu zu schaffenden Anstalten in Riga entfallen. Der Rest von 100000 Rubel ist jür Wohltätigkeitszwecke in anderen Städten Rußlands bestimmt. Mailand. Der aus Rußland gebürtige hiesige Schriftsteller A. W 0 l i n s k i wurde wegen seines hervorragenden Buches über Leonardo da Vinci zum Ehrenbürger von Mailand ernannt. Konstantinopel. Der Minister Kiamil Pascha ist der Sohn eines zum Islam übergctretenen Inden. Aus der Lehrerwelt. Frankfurt a. M. Vakanzen Kembs im Ober-Elsaß (1200 Einwohner, 50 jüd. «cele»), Borbcter und Schächter per sofort, Gehalt 730 Jk, Nebcneinkommen 200—300 Jk — Küttclshcim im Unter- Elsaß (053 Einwohner, 70 jüd. Seelen), Lehrer, Vorbeter und Schächter, 1200 Jk garantiertes Einkommen. — Frankfurt a. Oder, Rabbiner, Anfangsgehalt 1000 Jk, Höchstgehalt 5200 Jk — Bütow in Pommern (7100 E., 255 j. 3.), Lehrer, Borbeter und Schächter pro 1. Sept. oder 1. Okt., Gehalt 2100 Jk Cöln a. Rh. In der Gemeindesynagoge in der Roonstraße hielt letzten Samstag Herr Dr. I. C a r 0- Bcrlin eine Probepredigt. Breslau. Ferienkursus in Religionswissen schäften. — Der vom 6. bis 23. Juli hier abgehaltene Ferien knrsus hatte sich wieder eines regen Besuches zu erfreuen. Der Kursus zählte über 30 Teilnehmer, davon 5 Lehrerinnen. Aus dem Nachbarreiche Oesterreich stammten 3 Teilnehmer, einer der Teilnehmer war aus Bayern. Vorlesungen wurden gehalten über Mechilthas, aus der Geschichte der Liturgie, über Geschichte der deutschen Juden vom 15. bis 16. Jahrhundert mit besonderer Berücksichtigung der Inden Schlesiens. Methodik und Didaktik des nachbiblischen Geschichtsunterrichts nnt anschließenden Probelektionen über Moses Maimo», Moses Mendelssohn und seine Zeit, die Hohenzollcru und die Inden von den Kollegen Brzesinski - Miloslaw, Heymann und Moops-Breslau mit den Kindern der Oberstufe vorgeführt. Aus der Reihe der Vorlesungen seien noch angesührt: Pentateuch-Exegese, Ethik der jüd. Religionsphilosophen, Homiletik mit praktische» Hebungen (Uebungspredigten hielten die Kollegen Dr. Gallandt und Rosenthal), Agologetik des Mittelalters und über Trauergebräuche. Die kantoralen Hebungen für 4785

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