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Neue jüdische Presse · 1908-07-17 · Heft 28 (17.7.1908) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 28 (17.7.1908)
Date
1908-07-17
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Nr. 28. Die Einrichtungen, ganz besonders der Kelter und Kellerei, sowie die Kolonie im allgemeinen machten auf den Pascha einen so äußerst günstigen Eindruck, daß er wiederholt seiner Befriedigung Ausdruck verlieh. Auch der Schule, in der Se. Exzellenz dem arabischen und hebräischen Unterricht beiwohnte, wurde seine Anerkennung zuteil. Alle diese Eindrücke brachte der Pascha beim Bankett, das in der Kolonie ihm zu Ehren veranstaltet wurde, zum Ausdruck. Es wurden seitens der Kolonisten Toaste in französischer, arabischer und hebräischer Sprache gehalten. Insbesondere wurde der Toast eines Kolonisten beachtet, der sich ungefähr in folgendem Sinne bewegte: „Exzellenz! Als im Jahre 1882 das Unglück und die Schicksalsschläge über die Juden hereinbrachen, und sie jenen unmenschlichen Verfolgungen ausgesetzt wurden, die die Entrüstung der ganzen zivilisierten Welt wachriefen, in dieser Stunde erinnerten sich die Juden, daß es ein Reich und ein Land gibt, die den Juden in solchen Stunden Schutz und ein Asyl gewährten. Und so wandte sich ein Teil unseres Volkes nach Palästina, dem Lande unserer Väter und unseres Volkes. Uns war also das Glück beschert, die Pioniere der Siedelungen in diesem Lande zu sein, und hier ist die erste Siedelung, die wir Rischou l'Zion, ein Erstling für Zion, nannten. Dank unseren! Fleißc und tätigen Arbeit und nicht minder Dank dem Schutze Sr. Maj. unseres erhabenen Sultans haben wir die Kolonie zu dem blühenden Stand gebracht, von dem sich Ew. Exzellenz soeben überzeugt haben. Eio. Exzellenz haben gewiß mit Ihrem scharfen Blick den Unterschied zwischen unseren.jüdischen und den arabischen Siedelungen gesehen. Wir glauben, daß Ew. Exzellenz dem Rechnung tragen und uns die Erleichterungen gewähren werden, die nötig find, um zu unserem eigenen Gedeihen und Fortschritt und zum Glück und Wohle unseres Türkischen Reiches weitere und mehr solcher Kolonien anlegen zu können." Diese offene und mutige Sprache hatte den Pascha sichtlich und sympathisch berührt, und er wiederholte in seiner Antwort die Zusage, daß er seine Kraft daran setzen werde, um der Tatkraft und Energie der Juden die Erfolge zu sichern. — Wenn man in Erwägung zieht, daß dieser Pascha, als er vor einen! Jahre sein neues Amt antrat, den Juden große Schwierigkeiten in der Kolonisation zu bereiten begann, und heute seinen Standpunkt in Anerkennung ihrer Nützlichkeit so gründlich ändern mußte, so begreift man die Bedeutung und den in die Augen fallenden Nutzen der jüdischen Kolonien für das Türkische Reich. Sprechsaal. (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.! Berlin, den 13. Juli 1908. Hochgeehrte Redaktion. Den falschen Ausstreuungen gegenüber) die seit längerer Zeit im In- und Auslände über die Tätigkeit des Hilfsvereins der Deutschen Juden und neuerdings besonders geflissentlich verbreitet werden, sehe ich mich veranlaßt, das Nachstehende in Bezug auf unsere Hilfsaktion für die Auswanderer vor der Oeffentlichkeit klarzustellen. Auf Veranlassung des Hilfsvereins der Deutschen Juden fand, wie bekannt, eine Konferenz am 4. und 5. Dezember 1901 in Frankfurt a. M. statt. Auf dieser Konferenz wurde beschlossen: „daß die einzelnen Länder Vorsorge treffen, damit die osteuropäische Auswanderung von Land zu Land überwacht werde." „daß ein „internationales Centralburcau für die jüdischen Auswanderer aus dem östlichen Europa" gebildet werde." Der Hilfsverein der Deutschen Juden hat darauf gemeinschaftlich mit der Großloge für Deutschland in Gemäßheit der Frankfurter Beschlüsse, die Arbeit in Deutschland weiter ausgedehnt, der er sich auch bereits vor der Konferenz mit großen Opfern und Geldmitteln unterzogen hatte. Es war eine zwiefache Aufgabe zu erfüllen; als Landesorganisation für Deutschland hatten wir zu fungieren, und es mußte von uns zugleich ein internationales Zentralbureau für die jüdischen Auswanderungsangelegenheiten in Berlin, angegliedert an den Hilfsverein, ins Leben gerufen werden. Das war im Jahre 1904/5. Im Jahre 1906 schlossen sich darauf die Jca und die Alliance in Paris den Arbeiten unseres Zentralbureaus für jüdische Auswanderungsangclegenheiten in dankenswerter Weise an und gewährten uns für einen bestimmten Teil der Auswanderung ihre Beihilfe und zwar die Jca mit 75°/° und die Alliance mit 10°/°. Es muß hcrvorgchobe^ werden, daß diese Subventionen für die von uns ins Leben gerufene Organisation als solche nicht verwendet werden durften und nicht verwendet wurden, daß alle Lasten für unsere Komitees an der Grenze, in den Hafenstädten und im Innern Deutschlands für die von uns gegründeten Herbergen, Verpflegungsstationen und Krankenanstalten, sowie auch die Ausgaben für einen beträchtlichen näher abgegrenzten Teil der Auswanderung selbst nach wie vor vom Hilfsverein getragen worden sind. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Um ein Bild zu geben von den Sumnien, die trotz der dankbar anzuerkennenden Subventionen der Hilfsverein aus eigener Kraft für die Auswanderung aufgebracht hat und noch aufbringen muß, sei auf die nachstehenden Zahlen verwiesen, die übrigens auch in unseren Jahresberichten klar und deutlich angegeben sind. Für die Auswanderung verausgabte das Zentralbureau f. jüd. Auswanderungsangelcgcnheiten im Jahre 1901/5 rund 310000 Jk, davon Hilfsverein 310 000 Jk, Jca kein Zuschuß, Alliance kein Zuschuß; im Jahre 1905 rund 453 256 Jk, davon Hilfsverein 253 402 Jk, Jca 176 342 Jk, Alliance 23 512 Jk; im Jahre 1907 rund 400000 Jk, davon Hilfsverein 221932 Jk, Jca 157119 Jk, Alliance 20 949 Jk; im Jahre 1908 bisher rund 100000 Jk, davon Hilfsverein 83 386 Jk, Jca 14 288 Jk, Alliance 2326 Jk Seit Ende 1904, also seitdem die große Auswandernngsbewegung cinsetzte bis heute sind durch uns für die Ausioanöerung 1213 256 Jk verausgabt worden. Davon entfielen aus die Jca 347 749 Jk auf die Alliance 46 787 „ und aus den Hilfsverein 868 720 „ Laut Schreiben der Deutschen Konferenzgemeinschaft voni 25. Juni 1908 erreichte alsdann die Mitarbeit der Alliance an diesen Aufgaben am 1. April dieses Jahres überhaupt ihre Endschaft. Die Zahlen werden genügen, uni die Oeffentlichkeit über unsere Tätigkeit auf dem Gebiete des Auswanderungswesens zu unterrichten und sie in den Stand zu setzen, alle falschen Ausstreuungen aus diesem Gebiete wie auch auf anderen Gebieten als das zu nehmen, was sie sind. Ich bedauere, die Oeffentlichkeit mit diesen Darlegungen befassen zu müssen; aber sic sind eine Notwendigkeit, nachdem von den verschiedensten Seiten Anfragen wegen Klarstellung an mich gelangt sind. In größter Hochachtung Dr. Nathan, Geschäftsführer des Hilfsvereins der Deutschen Juden im Ehrenamt. Kunst und Literatur. Die Rechtsstellung der Juden im preußischen Wolksschnlrecht nebst den bezüglichen Gesetzen, Verordnungen undEntscheidungen. Im Aufträge des Verbandes der deutschen Juden systematisch, dargestellt von Dr. Jsmar Freund. 402 Seiten. (5 Jk; geb. 6 Jk) Berlin, I. Guttentag, Verlagsbuchhandlung. Für das Volksschulrecht hat es bisher an einer eingehenden Darstellung des Sonderrechtes der Juden gefehlt, und so bot das neue Volksschulunterhaltungsgesetz dem Verband der Deutschen Juden die Veranlassung, sich dieser Aufgabe zu unterziehen. Nicht nur dem Juristen, sondern auch dem Nichtjuristcn, insbesondere dem Lehrer und Schulvorsteher, soll das Buch zur eingehendsten Information dienen, und wie allseitig der Verfasser, Dr. Jsniar Freund, dies erfüllt hat, möge ein Ucbcrblick über bas Inhaltsverzeichnis zeigen. Das Buch enthält folgende Kapitel: Zur Rechtsgeschichte der jüdischen Volksschule — Die Errichtung öffentlicher jüdischer Volksschulen (Koinmunalschulen; Schulen der Synagogengenieinden und jüdische Sozietätsschulen) — Die Unterhaltung der öffentlichen jüdischen Volksschulen (Staatsbeiträge; Beiträge der Kommunen; gemeinsame Lasten der Schulverbände eines Regierungsbezirkes; die Lasten der jüdischen Schulgemeinde; Zuwendungen aus dem Kapitalvermögen aufgehobener Elementarlehrer-Witwen- und Waisenkassen) — Die Verwaltung der öffentl. jüd. Volksschulen, insbesondere die Lehreranstellung — Einrichtung und Lehrplan der öffentl. jüd. Volksschulen — Die Schulpflicht der jüdischen Kinder — Die Aufnahme christlicher Kinder in öffentliche jüd. Volksschulen — Die Lehrer an den öffentl. jüd. Volksschulen (Konfession, Ausbildung, Rechtsstellung) — Die Aufsicht über die jüd. Volksschulen — Die Aufhebung öffentl. jüd. Volksschulen. Dies ist der Inhalt des 203 Seiten umfassenden 1. Teiles. Es folgt dann der 2. Teil, der die Rechtsstellung der Juden in Beziehung auf die nichtjüdischen öffentl. Volksschulen behandelt, dann der 3. Teil über jüd. - christl. Schulen, und der 4. Teil schließlich bringt die auf die jüd. Untecrichtsverhältnisse bezügl. Gesetzesbestimmungen. Chronologisches und alphabetisches Register beschließen das Buch, das von einem Bienenfleißc seines Verfassers Zeugnis ablegt. Rahel, eine biographische Skizze von Ellen Key, einzige autorisierte Ucbertragung aus dein schwedischen Manuskript von Marie Franzos (4 Jk; geb. 6 Jk) Leipzig-R., Eilendurgerstr. 10/1, E. Haberland. „Meine Absicht war, ein Bild der größten Frau zu geben, die das Judentum hervorgebracht hat, für mich zugleich die größte Frau, die Deutschland Seine Tochter nennen kann," schreibt Ellen Key in >er Vorrede dieses Georg Brandes, „dem Kämpfer und Künstler" gewidmeten Buches. Und weiter: „Ein jeder kennt — und viele anerkennen — die Verstandesbegabung, die Schaffenskraft, den Mssensdurst des jüdischen Volkes, seine ausdauernde, zielbewußte Energie. Wer allzuwenig spricht man von dem Zuge, der doch dem, der jüdische Frauen und Männer aus nächster Nähe gesehen hat, am charakteristischsten erscheint: von der Liebeskraft, dem Brüderlichkeitssinne, der Hilfsbereitschaft, der Opferwilligkeit. Nicht zufällig ist Jesus aus den: jüdischen Volk hervorgegangen. Man sucht jetzt zwar den Beweis zu erbringen, daß er ein Arier gewesen sei, aber für den, der wie ich seine Eigenschaften häufiger bei Juden als bei Gerinanen gefunden hat, hat eine solche Hypothese keinerlei Wahrscheinlichkeit. Rahel besaß alle Vorzüge ihrer Rasse, aber in besonders hohem Grade die zuletztgenannten." Diese Proben zeigen, wie frei Ellen Key von jeder Voreingenommenheit gegen uns Juden ist, und daß sie deshalb von jeder Voreingenommenheit frei ist, weil sie uns Juden studiert hat. Ihre Ansichten sind daher — soweit das überhaupt bei Nichtjuden inöglich ist — sachgemäße. lieber die literarische Bedeutung eines Buches aus der Feder einer Ellen Key bedarf es keiner Worte. Vom Strande des Lebens. Novellen und Skizzen von Otto Ernst. Eingeleitet von Dr. Hermann Diez. Mit dem Bildnis des Dichters. 116 Seiten. (20 Pfg.) Leipzig, Philipp Neclam jun. Otto Ernst ist uns in feinen Dramen und Erzählungen der große Pädagoge, der die feinsten seelischen Regungen im Gemüte der Jugend kennt, und der Wahrheitskämpfer. Das vorliegende Büchlein läßt aber in ihm — und zwar besonders in seiner „Meersymphonie" — eine bedeutende dichterische Ader entdecken. Merkheft für den Unterricht in der hebräischen Sprache von S. Rosenfelder, Lehrer in Buchen (Baden). (40 Pfg.) 2. Auflage. Das Büchlein enthält auf wenigen Seiten den gesamten grammatischen Stoff in mustergültiger Ucbersichtlichkeit und in dem kindlichen Auffassungsvermögen entsprechender Einfachheit, die besonders in der Verwendung deutscher Fachausdrücke zur Geltung kommt. Auch Druck, Papier und Einband entsprechen den pädagogischen Anforderungen. Besonders seien die praktisch angelegte Zeitwort-Tabelle und die Zusammenstellung der häufig im Uebersetzungsunterricht vorkommenden gleich und ähnlich lautenden Wörter hervorgehoben. KulturbilderausdemSimplicissimus: Band7:DerBackfisch. Umschlagszeichnung von F. von Reznicek. Band 8: Sport. Umschlagszeichnung von F. von Reznicek. Preis jedes Bändchens steif broschiert 1,60 Jk Verlag von Albert Langen in München. Diese zwei neuen Bändchen umfassen wieder tu prächtiger Ausstattung, einseitig auf feinstem Kunstdruckpapier gedruckt, je fünfzig Bilder und Witze aus der Sphäre, die ihr Titel umschreibt. Aus -er Geschäftswelt. Bei dem großen Sieg im „Grand Prix" des Automobile Club de France bei Dieppe, den die deutsche Automobil-Industrie über die gesamte französische, italienische, belgische und amerikanische Konkurrenz errang, waren die Opel-Wagen in ganz hervorragender Weise beteiligt. Die gestarteten drei Opel - Wagen waren bis zum Schluß im Rennen, und unter den Siegern plazierte sich Jörns auf Opel als Sechster. Vor den Wagen aller maßgebenden Automobilfirmen der Welt errangen die deutschen einen eklatanten, regulären Sieg. Die drei Opel - Wagen, über deren Gle ichmäßigkeit die Franzosen staunten, entsprachen in jeder Beziehung den fortwährend an die Kundschaft gelieferten Tourenwagen, Type 40/60 PS., nur mit 156 Bohrung, jedoch mit normalem Hub und von unten gesteuerten Ventilen. Und mit einem dieser Opel-Wagen ließ Jörns die riesigen Spezial-Rennmotore, die übermächtigen Rennuugetüme aller ausländischen Konkurrenten hinter sich. Der siegreiche Opel - Wagen fuhr die 770 km lange Strecke, die einer ungefähren Entfernung von Berlin nach Metz oder Köln nach Breslau entspricht, in der fabelhaften Zeit von 7 Std., 39 Min., 40 Sekunden. WoiDoUenSie ItaUrlaub oerbringen? "J5?" In einem ganz kleinen füllen Nest hoch oben ÄÄ auf dem Thüringer Wald. Nicht einmal Arzt und Apotheker sind da. — Wenn Sie aber krank werden? — I wo doch — krank; höchstens ®mal erkällen, wie das in der Sommerfrische schon vorkommt. Aber da nehm' ich einfach ©meine alten lieben Fays ächte Sodener Mineral- Pastillen, von denen ich zwölf Schachteln im Koffer habe, und keine Erkältung kann mir waS anhaben. Fays ächte Sodener kaust man für (w 85 Pfennig in jeder Apotheke, Drogerie und amm Mineralwafferhandlung.

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