Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 6 (1908)
- Issue
- Heft 26 (3.7.1908)
- Date
- 1908-07-03
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. Nr- 26. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. München. Am 19. Juli 1908, nachmittags 1% Uhr findet in München ein bayrischer Gruppenverbandstag mit folgender Tagesordnung statt: 1. Gemeindepolitik. Referent: N.-A. Dr. E. Strauß - München. 2. Jüdische Schulen. Referent: Dr. Bambcrger« Nürnberg. 3. Agitation und -Organisation. Referenten: R.-A. Dr. Münz-Nürnbcrg, Jac. Fränkel-München. 4. Palästinafragen. Referent: Dr. Blöde. Abends 9 Uhr: Festkommers, veranstaltet von der Verbindung Jordania. Alle Gesinnungsgenossen, welche an diesem Tage München berühren, werden tzerzlichst gebeten, der Tagung beizuwohnen. Es sei darauf aufmerksam gemacht, daß an jedem Sonntag in Bayern Extrazüge nach München zur Ausstellung verkehren; wer dieselben benützt, hat das Recht, ohne weitere Nachzahlung am gleichen oder nächsten Tage zurückzufahren. — Wien. Anläßlich der zehnten Wiederkehr des Todestages Rabbiner 'S am u el Mohilewers bringt Dr. Landau in seiner „Neuen National-Zeitung" das in Erinnerung, was er über diesen berühmten Gaon in seiner Broschüre „Unter Mischen Proletariern" geschrieben hat. Es heißt da: Wohl sellen genießt ein Rabbiner so sehr die unbestrittene allgemeine Achtung und Verehrung wie dieser greise Mann. Nicht bloß wegen seiner zionistischen Gesinnung, der großen Opfer, die er für die Bollssache gebracht hat, und des unermüdlichen Eifers, mit dem er noch immer alle Details der Bewegung verfolgt, sondern noch mehr wegen seiner Selbstlosigkeit, seiner Wohltätigkeit und der strengen Auffassung seiner Amtspflichten. Als Rabbiner Mohilewer 1883 aus Radom nach Bialystok kam, da brachte er ein Vermögen von 40 000 Rubel mit; heute hat er es nicht mehr. Er lebt lediglich von seinem Gehalt, und die Einkünfte aus Eheschließungen, Ehescheidungen u. dgl. überläßt er den Rabbinats - Assessoren. Handelt cs sich uni eine wohltätige Sammlung, so ist er an der Spitze. -Ein gebückter Greis mit langem weißen Bart, in einen langen Seidenrock gehüllt und eine hohe Pelzmütze auf dem Haupt steht mir gegenüber. Er ist müde, krank, auf den Füßen schwach, wir setzen uns nieder. Das Gespräch beginnt. Es scheint ihn zu ermüden. Jedes Wort entringt sich mühsam seinen Lippen. Da lenkt sich unser Gespräch auf den Zionismus, die Kolonisation, die Kolonialbank. Plötzlich geht es wie ein verjüngender Geist durch diesen altersschwachen Körper. Seine Gcsichtszüge beleben sich, die halbgeschlossenen Augen öffnen sich weit und zeigen uns ihren milden, klugen Ausdruck, die Lippen umspielt ein Lächeln, und die zitternde Stimme bekommt einen feierlichen Klang. Dann wird er nicht müde, stundenlang von der Bewegung, ihren Einzelheiten, die er genau kennt, ihren Hoffnungen und Aussichten, auf die er vertraut, zu sprechen. Und seltsam! Er spricht nie von sich selbst, von dem, was er selbst geleistet, sondern von den Anderen, den Jüngeren, die in seine Pfade getreten sind und sie weiter verfolgt haben, die vielleicht das ernten werden, was er als einer der Ersten gcsäet hat. Die jewelligen' Nachrichten von den Fortschrllten der Bewegung beeinflussen vielleicht seine Laune, aber sie raiwen ihm nie den Mut. Ein schlichter, bescheidener Dolksmann, dem Reichtum und Macht nicht imponieren, glaubt er an den endgiltigen Sieg des Zionismus, weil er eine Volksbewegung ist. Darum ist auch dieser orthodoxe Rabbiner von einer nachahmenswerten Toleranz in religiösen Dingen. Und es ist keine bloße Phrase, sondern vielmehr ein Beweis glühender Begeisterung und grenzenloser Hingebung für die zionistische Idee, wenn Rabbiner Mohilewer im Laufe unseres Gespräches ausrief: „Ich wäre im Stande, für diese Sache mein Leben zu opfern." Jaffa (Palästina). Die jüngst in eine Aktien- Gesellschaft umgewandelte Maschinenfabrik L. Stein u. Co. erzielte 1907 bei einem Kapital von 162,000 Frcs. und einem Umsatz von 2,833,000 Francs einen Reingewinn von 46,350 Frcs. 1905 hatte die Fabrik bei 68,000 Frcs. Kapital und 1,010,000 Frcs. Umsatz 18,700 Frcs. Reingewinn erzielt. Die Fabrik beschäftigte 1907 132 jüdische Arbeiter und Beamte und verausgabte an Löhnen und Gehältern 90,000 Frcs. Aus den Vereinen. Wiesbaden. Als Grund für die fortgesetzte Steigerung seiner Ausgaben gibt der I s r a e l i t. U n t e r st ü tz u n g s v e r e i n in seinem 37. Jahresberichte die Tatsache an, daß der Erwerb für die Juden auf dem Lande immer schwieriger wird und daß der Zuzug von Unbemittelten nach den Städten, um da Unterhalt zu suchen — der aber bei den ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnissen nur schwer zu finden ist —, in zahlreichen Fällen eine dauernde Belastung der Armcnverwaltung bildet. Der Israelit. Unterstützungs-Verein vereinnahmte 16 961 .4L und verausgabte 15 862 JL; er schließt mit einem Vermögen von 33106 JL ab. Der Vorsitzende des Vereines ist Herr Moritz Heimerdinger. Bunte Chronik. Aus Kurh essen. Wenn man von dem Verhältnis der Nichtisraeliten zu den Israeliten'Kurhessens nach der Anzahl der abgegebenen antisemitischen Stimmen schließen wollte, käme man zu einem falschen Urteil. Die Bekenner beider Konfessionen leben in Dorf und Stadt' in steter Harmonie, — und so war es auch'vor vielen Jahren. Im Sommer 1832 wurde in dem Dörfchen Jesberg die Synagoge eingeweiht, der auch der Ortspsarrer beiwohnte. Infolge dessen richtete er an das Kurfürstliche Konsistorium nachstehendes Schreiben: Der Pfarrer Bach zu Jesberg hat uns die Anzeige gemacht, daß ani 10. d. Mts. die Einweihung der daselbst erbauten neuen jüdischen Synagoge statt gehabt, welcher er mit den hiesigen Beamten, Schullehrern und mehreren anderen dazu cingcladcnen christlichen Einwohnern beigewohnt habe. Nach geendigter Predigt des Krcisrabbiners am Schluß des Gottesdienstes sei cs ihm Bedürfnis gewesen, aus der Fülle des Herzens der kleinen Gemeinde zu dieser Festfeicr Glück zu wünschen und hieran an kleinen Vortrag zu knüpfen, der ton denselben mit solchen Aeußerungen der Rührung und Dankbarkeit ausgenommen ivorden, daß er, weil ihn das arme Volk seines erbärmlichen mechanischen Gottesdienstes und der gänzlichen Entbehrung aller religiösen Zuspruches wegen wahrhaft jammere, versprach, wenn man nichts dagegen habe, ihnen von Zeit zu Zeit in ihrer Versammlung am Sabbat einen Religionsvortrag zu halten, und hat, da dieses von den Anwesenden, namentlich auch von dem Kreisrabbiner mit Wohlgefallen ausgenommen worden, und er sich die Hoffnung mache, dadurch' mit der Zeit einigen Nutzen stiften zu können, bei uns angefragt, ob wir dazu die Erlaubnis erteilen wollten. Da wir uns von dem Anträge des Pfarrers in mancher Hinsicht eine wohltätige Wirkung versprechen, so sind wir nicht abgeneigt, unsere Zustimmung hierzu zu geben, wünschen jedoch zuvor die Ansicht der Kurfürstlichen Negierung hierüber zu erfahren. Ordnungsgemäß hörte das Konsistorium die Meinung des Regierungs-Kollegiums; der Bescheid läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Auf das gefällige Schreiben Kurfürstlichen Konsistoriums beehren Wir uns ergebenst 'zu erwidern, daß wir mit der Ansicht nicht einverstanden sein können. Fühlt der Pfarrer Bach sich etwa getrieben, das Christentum unter den Inden in Jesberg zu vcrbreiien, und stellen sich einzelne Israeliten daselbst zur Annahme desselben empfänglich und geneigt, so steht durchaus nichts im Wege, daß dieser privatim in seiner Wohnung christlichen Religionsunterricht erteilen, oder daß solche zil dem Ende die christliche Kirche besuchen. Dagegen erscheint es mit dem Berufe eines christlichen Predigers überhaupt nicht verträglich, solche Rcligionsvorträge zu 'halten, welche des eigentümlichen Gepräges der christlichen Glaubenslehre entbehren, und können wir von solchen Religionsvorträgen, welche sich nicht auf das Evangelium gründen, keinen wahren Nutzen versprechen. Aus der Geschäftswelt. Die Firma I. Stephan Lürman veranstaltet augenblicklich in der Neuen Mainzerstraße 52 (Hans Herwig) eine hoch interessante Ausstellung von japanischen Farbenholzschnitten (vide Inseratenteil). Die Sammlung ist überaus reichhaltig, im ganzen sind nicht weniger 'als 300 Blätter ausgestellt, unter denen sich fast jeder Meister befindet. Die ältesten Schulen aus dem siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert sind dtirch etwa 40 zum Teil prachtvolle Drucke (darunter sehr seltene) vertreten. Es folgt Harunobu mit etwa 50 Blatt, die zweifelsohne den Glanzpunkt der Ausstellung bilden. Ferner ist der seltene, von Sammlern hochgeschätzte Sharalu durch 10 Bilder vertreten, die einen großen Wert haben (die besten kosten 800 JL). Auch von den späteren Meistern und ihren Schulen sind herrliche Werke ausgestellt, wir nennen unter anderen: Shunsho, Utamaro, Jeishi. Den Schluß bilden die beiden großen Landschafter des neunzehnten Jahrhunderts: Hokusai und Hiroshige, die in einem Raum für sich ausgestellt sind, neben einer Anzahl herrlicher Landschaften befinden sich in der Sammlung auch mehrere sehr interessante Handzeichnungen des erstgenannten Meisters. Außer den Farbenholzschnitten ist noch eine kleine, gewählte Sammlung von Antiquitäten ausgestellt, welche Lackarbeitcn, Schnitzereien, Metallgegenstände und andere Kunstgcgenstände enthält. Ein großer chinesischer Wandschirm, aus dein Jahre 1672 stammend, imponiert sowohl durch seine Größe (5Vs Meter Länge und 2,67 Meter Höhe) als namentlich durch die hervorragende Arbeit, in geschnittenem Lack ausgeführt.. Bei der Prinz Heinrich Zuverlässigkeitsfahrt waren die Opel- Wagen unbedingt die zuverlässigsten, denn von 9 gestartete» marktgängigen Typen, z. T. schon über ein Jahr zum tätlichen Gebrauch in Privatocsitz, kamen am Ziel 9 Wagen an, preisberechtig t und in Konkurrenz. Die laufende Type 24/40 PS., wie sie fortwährend an die Kundschaft geliefert wird, erreichte in der Schnelligkeitsprüfung bei Itzehoe, mit vier Personen besetzt, eine Geschwindigkeit von 107 km und im Bergrennen bei Bacharach über 61 üm,-während die laufende Type 14/22 PS. in der Ebene eine Geschwindigkeit von 86 km und im Bergrennen bei Bacharach von über 50 km im Durchschnitt erzielte. Es sind dies für S e r i e n - To ur e n w a g e n , wie sie an die Kundschaft geliefert werden, nur mit extra leichten Karrosserien und kleinen Kotflügeln, ganz hervorragende L ei st u n g e n, die von keiner Marke erreicht wurden. Die verwendeten Motore hatten weder übergroßen Hub, n o ch von oben gesteuerte Ventile (Rennmotore). Die bewiesene Zuverlässigkeit aller 9 Opel - Wagen ist der b e st e B c w e i s einer absolut gleich bleiben den Qualität aller von Opel in den Handel gebrachten Wagen. Vereins-Kalender. „Montefiore"-Verein. Mittwoch, den 8. Juli, Herr Georg Hirsch: „Spiritismus". Carl fti ebenan, TiSoi ä9, Juwelen. Uhren. Sotdu. Silbenoaren. Auswahlsendungen gerne zu Diensten. mm H. Cli. Spolir ™.«« Baum weg 70. -teu-Lnlagen. — Reparaturen. Telefon-, Hausschellen-, Elektr. Licht-Anlagen. Schirmfabrib Arthur Scliaal II Zeit II. :- w Reichhaltiges Lager in Regen- und Sonnenschirmen, d M Spazierstöcke. 5 Separatoren prompt und billig. — Eigene Werkstitte. 2 f Künstliche Zähne ] Jeder Art in ff. Ausführung. Schmerzlose Behandlung. .. . Solide Preise. 1 — La Volk, Frankfurt a. M., Zeil 10/12. Bitte genau meine Firma und Schaukasten zu beachten. Mvliusstr. 48, Telephon 1997. Alfons Linz, Feldbergstp. 3Z, Telephon 9997. Marmeladen in % kg Dosen Aepfel 0.40 Mk. 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