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Neue jüdische Presse · 1908-06-04 · Heft 22 (4.6.1908) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 22 (4.6.1908)
Date
1908-06-04
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 22. Frankfurter JfraelitiWes FamilieMatt. Seite 11 außerdem mit den nichtdeutschen, aber deutschsprachigen Landcsorganisationen. Der Bericht fordert zur Verbesserung der Finanzlage der deutschen Organisationen eine Erweiterung in der Zahlung her L a n d e s b c i t r ä g e. In Zukunft soll jeder in Deutschland wähnende Zionist auch zur Zahlung des Beitrages für die Lanbcsorganisatiou herangezogen werben, für den die Ortsgruppe dann haftet." Der Bericht, der 2 Jahre umfaßt, da 1907 ausnahmsweise kein Dclcgiertentag stattfand, bietet ein Bild intensiver Tätigkeit der deutschen zionistischen Organisation, die jetzt über 6200 Mitglieder Zählt. Berlin. Von dem Berichte des Zentralbür c a u s der Zion. Vereinigung für Deutschland geben Ivir hier den Schluß im Wortlaut ,wieder: Wiederholt haben wir die Frage einer Vereinigung der Welt mit der Jüdischen Rundschau, des „Jüdischen Verlages" mit dem Verlag Jüdische Rundschau und dem A.-K. erwogen. Leider haben diese Fnsiousbestrebuugcn'bisher zu keinem Ergebnis geführt. Unsere Finanzlage hat sich nicht befriedigend entwickelt. Wir legen zunächst die abgeschlossenen Etats für die Jahre 1905/06 und 1906/07 vor: Etat 1905/06. Einnahmen: Rescrvekonto, Bestand ex 1903/04 1600 JL, Schckelquote ex 1905/06 781 JL, Landesbeiträge 1905/0(5 3062 JL, zusammen 5443 JL Ausgaben: Burcauunkostcn 2343,80 ,/L, Agitations- Unkosten 349,30 JL, Gruppcuverbändcunkostcn 200 JL, Zentralkomitee»»kosten 909,45 JL, Jetziger Bestand 1640,45 'JL, znsammen 5443 JL Etat 1906/07. Einnahmen.- Betricbsfond 1905/06 1640,45 JL, Schckellgnote (15%) 1002 JL, Landesbciträge 2931,25 JL, zusammen 5573,70 JL Ausgaben: Burcauunkosten 2859,14 JL, o Agitationsnnkoste» (Grnppeiiverbaiidsbeihülfen nsw.) 723,49 JL. Broschürenagitation inkl. Mschreibungcn 787,81 JL, Versendung der Broschüre „Jüdische Volksbewegung" 703,20 JL, Betriebsf. 160,06 JL, znsannnen 5573,70 JL Aus nnscrren Etats ergibt sich, daß die Einnahmen aus Landcsbciträgcn nicht gewachsen sind. Wir sind aber auf eine Verstärkung dieser Einnahmen angewiesen, da wir Llbzüge von den Schekelgeldern nicht mehr machen dürfen, während wir früher 25 Prozent und bann 15 Prozent einbchalten durften. Es wird Aufgabe des Delcgiertentagcs sein, nach dieser Richtung Beschlüsse zu fassen, denn unsere Ausgaben zu verringern, ist uns nicht möglich. Dieselben sind bereits so niedrig als 'möglich^bemessen, und wir sind leider häufig gezwungen, Anträge auf Zuschüsse, die besonders 'von neugcgrünbeten Gruppen an uns gerichtet werden, abzulchnen. Eine Verringerung unserer Ausgaben, die im laufenden Jahre bereits jetzt ca. 5600 JL betragen, ist auch schon deshalb nicht möglich, weil die Zahl unserer Korrespondenten von Jahr zu Jahr wächst. Sv stehen wir jetzt mit Vertrauensmännern in 170 Orten in Verbindung. Die Tätiakeit des Zentralbureaus hat sich somit in der zum Bericht' stehenden Zeit im großen und ganzen in denselben Bahnen betvegt, tvie in den Vorjahren. Wir haben uns im wesentlichen darauf beschränken müssen, den Ortsgruppen das Agitationsmatcrial zur Verfügung zu stellen und allgemeine Anregungen für die Propaganda zu geben. Dagegen ist es uns nur in seltenen Fällen möglich gewesen, neue Gruppen zu schaffen. Nach dieser Richtung waren wir vollkommen ans die Initiative einzelner Ortsgruppen und Vertrauensmänner angewiesen. Slbhilfe ließe sich nur schaffen, wenn ein besoldeter Parteisekretär angestellt werden könnte, oder tvenn >v,r sonst in größerem Maße Gelder für die Gründung neuer Ortsgruppen verwenden könnten. Die Frage der Erhöhung unserer Einnahmen ist umso dringender, als wir ia auch jetzt mit denselben nicht mebr auskommen. Wir schlagen'daher vor, daß die bisherige Verpflichtung der Ortsgruppen zur Aufbringung der Lanbesbeiträgc dahin erweitert tvird, baß jede Ortsgruppe in Ankunft so viel Lanbesbeiträgc ab.inführen hät, als die Zahl der Schekelzabler beträgt. Bisher war diese Verpflichtung nur auf diejenigen Schekelzahler beschränkt, welche Mitglieder der Ortsgruppen sind. Die nunmehr geforderten Mehrleisttmgcn tverden zum großen Teil von den Ortsgruppen dadurch gedeckt werden können, daß überall darauf liingewirkt wird, daß auch die Nichtorganisierten Schckclzahler den Landesbeitrag entrichten. Soweit dies nicht gelingt, würben allerdings die Ortsgruppen zu den Kosten der Zentrale gerinne Zuschüsse ans ihrer Kasse leisten, oder für ihre Mitglieder die Ländcsbeiträae erhöhen müssen. Dann glauben wir in der Lage zu sei», auch diejenigen Wünsckie zu befriedigen, welche wir bisher aus Mangel an Mitteln nicht erfüllen konnten und nufere vropagandiitlschc Tätigkeit weiter aus-ubäucn." Marbnr«. In unserer Universitätsstadt iit seit Beginn des Semesters ein reges zionistisches Leben und Treiben. Mlwölbeiitlich finden in der zionistisckien Ortsgruppe Versammlungen statt, in denen regelmäßig Vorträge gehalten werben, an die sich bisher stets eine rege Diskussion anschloß. Die Vorträge sollen in ihrer Gesamtheit ein systematisches Bild von der Entwicklung des Zionismus geben. Von den Veranstaltungen, die außerdem für den weiteren Verlauf des Semesters vorgesehen sind, erhoffen wir eine erfolgreiche Propagierung unserer Idee, wie auch reichlichen materiellen Gewinn, besonders, da unsere finanziellen Verhältnisse vorläufig noch zu wünschen übrig lassen. Der Vorstand setzt sich aus folgenden Herren zusainmen: Lehrer Schirahki (1. Vorsitzender), cand. jur. Z'amory (2. Vorsitzender), Rothschild, Ger so n J se nb er g und cand. med. Michael. (b) Stratzburg. Die zionistische Ortsgruppe hielt letzten Donnerstag eine Mitgliederversammlung ab. Es wurde eine Resolution gefaßt, die die vorgekommene Sabbatentweihung in den offiziellen zionistischen Büros als der Tendenz des Zionismus widersprechend erklärt und verlangt, daß die Hcilighaltnng des Sabbats stets geivahrt werde. Wien. Hebräische P ostdrucksachen. Die österreichische. Postverwaltnng ließ für den Verkehr mit Palästina Postdrncksachen, Postkarten, Anweisungen etc. mit.hebräischem Text anfertigen. Das ist ein neuer Beweis dafür, daß die hebräische Sprache unter den Inden Palästinas inehr und inehr zur Umgangssprache wird. Züüch. Der Delegiertentag der schweizeischen Zionisten wird ain 28. Juni in Biel, Hotel Biclerhof, abgehalten. Rom. König Viktor EManuel äußerte sich Rabbiner Dr. Castiglione gegenüber in begeisterter Weise über Herzl und schloß seine Worte: „Der Zionismus ist e i n e h o ch e r n st e B e w e g n n g, b e st i m m t für den sichern Erfolg." Philippopel, 31. Mai. Die diesjährige Jom- Hasch c k e l f e i c r, welche vorigen Sonntag in ganz Bulgarien stattfand, ist im Gegensatz zu de» früheren Jahren hier ohne Geräusch abgelaufcn. Am Vormittage versammelte sich in dem großen Hofe der israelitischen Schule eine vielzählige Menge Männer und Frauen. Nachdem der gemischte Chor die iüd. Nationalhymne gesungen hatte, ergriff Herr Rechtsanwalt Preßjado Romano, Präsident des Zentralkomitees der bnlg. Zionisten, das Wort und schilderte die nicht zu unterschätzenden Fortschritte des Zionismus während der zehn Jahre seiner Existenz. Mit Freuden begrüßt er den Frieden in der Philippopeler Gemeinde, und erst jetzt erhofft er eine ersprießliche Tätigkeit bei den hiesigen Zionisten. Der Redner schien zwar lute ein Friedensapostel, doch erhob er alsbald seine donnernde Stimme gegen die jüd. Sozialisten, in welchen er den bittersten Feind des Zionismus und deS Judentums erblickt. Nicht gegen die Antizionisten, welche eigentlich Gleichgesinnte und nur nicht gleicher Begeisterung fähig sind, sondern gegen die jüd. Sozialisten sollen die Zionisten ihre Waffen richten. — Am Nachmittag fand der unterhaltende Teil der Feier statt. Die Turner führten manche Uebung kunstvoll aus, der Post- und Telegraphcnverkehr belustigte die Gäste am ineisten. Erst einige Tage später tvnrde von dem Turnverein „Makkabi" im Theater „6. August" ein aus dem Russischen übersetztes Drama, „Die Jüdin" betitelt, aufgeführt. Ben-Hoamitti. Pflauzungsvereitt „Palästina". Ausweis der Mitglicderbeiträge vom 15. Februar bis 1. Mai 1908. 1. Ordentliche Mitglieder. Albert Eckersdorff, Brieg; Louis Bruck, Paris; Samuel Schornstein, Bochum; Lippmann Bloch, Breslau; Frau Dr. Rahek Straus, München; Ehepaar Schutzmann, Boryslaw (eingetr. durch Hochzeitsgäste); Reichsratsabgcordneter Adolf Stand, Wien; Dr. Hillel Snßmann, Stanislan (eingetr. durch den Verein „Erez-Jsrael"); Dr. Leon Silbermann, Neusandek; Bezalel Jaffe, Grodno; Verein Jeschurun, Troppau; Dr. L. Landesberg, Cremenetz; Fräulein Hedwig Lübke, Hamburg (eingetr. durch die zionistische Ortsgruppe Hamburg); Emil Wehle, Prag; Moses Szereszewski, Wöla-Krysztoporsk; Julius Simon, Mannheim; Gustav Schwabe, Varel (Oldenburg); Frau Gustav Schwabe geb. Bärlewin, Varel (Oldenburg) je 1 Dunam Land n 80 JL 2. Außerordentliche Mitglieder. Mr. I. Cöhen, Sunderland JL 20; Hugo Schachtel, Breslau JL 15 (3. Teilzahlung); Julius Sachs, Breslau JL 20; Ing. Ch. Laschtschinsky, Lausanne JL 30; Dr. Arthur Hantle, Berlin JL 10 (2. Teilzahlung); Moses Davids, Amsterdam (eingetr. durch Herrn S. Hoofien, 2. Teilzahlung) JL 20. 3. Ratenzahlungen. Redakteur Sal. .Gottschalk, Breslau, erste.Teilzahlung auf den 2. Dunam JL 10. Indem wir den Ausweis der jüngsten Eingänge veröffentlichen, erlauben tvir uns, unsere Freunde darauf aufmerksam zu machen, daß die Gesamt-Einnahmen unseres Vereins per dato JL 10,193,70 betragen, während unsere erste Bereinspflanzung in der Kolonie Rechoboth JL 11812,30 gekostet hat. Die Ausgaben unseres Vereins übersteigen somit vorläufig seine Einnahmen um JL 1618,60, sodaß zur Tilgung dieses Rückstandes'noch 20 ordentliche Mitglieder fehlen. Unsere zahlreichen außerordentlichen Mitglieder kommen für den Garten in Rechoboth nicht in Betracht, da nur ordentliche Mitglieder als nominelle Besitzer von bepflanzten Parzellen gelten. Nach Erledigung des ersten Kaufs und nach Sammlung weiterer Gelder besteht die Msicht, eine zweite Pflanzung im größeren Umfange in der Kolonie Chedera in Galiläa anzulegeii, die bekanntlich aus klimatischen Gründen in der ersten Zeit sehr viel zu leiden hatte, die aber Dank ihrem außerordentlich fruchtbarem Boden und ihrer günstigen geographischen Lage zu den zukunftsreichsten Kolonien in Palästina gehört. Wir hoffen, daß imsere Freunde durch zahlreichen Beitritt als ordentliche Mitglieder uns die Möglichkeit geben werden, unser Vorhaben betreffs der Anlage einer zweiten Bereinspflanzung in Chedera noch in diesem Jahre zu verwirklichen. Pflanzungsverein „Palästina". Der Vorsitzende: O. Marburg. Kunst und Literatur. K o n f i r m a t i o n s r e d e n von Jacob Freund, Lehrer an der Religionsschule der Synagogengemeinde zu Breslau. Nebst Anhang: Konfirmationslehre, Glaubensbekenntnis und Bernrehrung der Reden für die Konfirmanden. Neue Ausgabe. (JL 2.) 204 Seiten. Breslau, Jakob B. Brandeis. „März-", Halbmonatsschrift für deutsche Kultur. Herausgeber: Ludwig Thoma, Hermann Hesse, Albert Langen, Kurt Aram. Erstes Juniheft 1908. Preis JL 1,20, im Abonnement: das Quartal (6 Hefte) JL 6. Verlag von Albert Langen in München. Inhalt: Conrad Haußmann, Parteiverschmelznng? — Dr. Heinz Potthoff, Finanzreform und Blockfreisinn. — R. H. Franco, Vom Selbst der Pflanzen. — August Strindberg, Karl Ulffson u. seine Mutter, Erzählung. — Graf de Pourvourville, China und 8as Opium. — Fritz Wittels, Jung-Wien. — Aronianus, Shalspcare als Geschäftsmann. — Thomas Manu, Anekdote. — Professor Georg Landsberg, Der Komfort der Zeit. — Rundschau. — Glossen. Vereins-Kalender. „Montefiore"-Bereiu. Mittwoch, 10. Juni, abends 9 Ilhr: Referat des Herrn Dr. med. Gustav Löffler über „Jüd. Jngendverein e". Vergnügungs-Gesellschaft junger Leute. (Gegründet 1893). Samstag, den 6. Juni, Abends von 9 Uhr ab in der Restauration Jos. Seligmann, 52 Allerheiligenstraße 52, „Fämilienabend mit Tanz". Sprechsaal. (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.) Als ehenialigc Schülerin und Teilnehmerin an den: Ausbildungsknrse der „Höheren Töchterschule der israelit. Religionsgesellschaft" fühle ich mich verpflichtet, einige Worte zu dem letzt veröffentlichten Artikel Ihres Blattes hinzuzufügen. Es dürfte der Schreiberin jener Notiz wohl kaum bekannt sein, daß bereits seit einigen Jahren Kurse eingerichtet sind für junge Mädchen, die die Schule bereits absolviert haben, an welchen genaue Erklärung und Belehrung über Führung eines streng koscheren Haushalts und die sonstigen mannigfachen Pflichten für das jüdische Hans und die jüdische Frau gegeben werden. Die Einsenderin hätte, wenn ihr wirklich daran gelegen gewesen wäre, Mißstände zu bessern, am Ende einen andern Weg wählen können, als. den ganzen Lehrplan einer Anstalt ösfentlich eines Fehlers zu zeihe»; sie hätte sich wohl an die zuständige Stelle wenden und auf den nach ihrer Ansicht herrschenden Mangel Hinweisen können. Sie hätte dann erfahren können, was ihr jetzt auf diesem Wege mitgeteilt sei. — Wenn solche Fragen in früheren Jahren vielleicht auch in der Selekta in dem Maße nicht erörtert wurden, so ist der Grund hierfür nur der, daß es früher selbstverständlich war, daß eise Aufklärung

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