Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 6 (1908)
- Issue
- Heft 19 (15.5.1908)
- Date
- 1908-05-15
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. Pfleger der Kranken, die der Prior, als Magister der Medizin, selbst zu behandeln pflegte. Im Laufe des Vormittags erschien ein Bote der Königin um zu-fragen, weshalb ihr Beichtvater nicht wie gewöhnlich in der zehnten Stunde im Schlosse sich eingcfunden habe; ihm ward mitgeteilt, daß der Prior erkrankt wäre. Tag für Tag ließ sich die Königin nach dem Befinden des Kranken erkundigen, bis ihr eines Tages mitgeteilt wurde, er sei der Krankheit erlegen. Die Sache verhielt sich nämlich folgendermaßen. Es war in der siebenten Nacht nach der Flucht des Priors. Der Vollmond erhellte die sonst dunkele Vorhalle des Klosters wie mit magischem Lichte, als der Pförtner leisen Schrittes iin Hintergrund derselben erschien, forschend nach allen Seiten um sich blickte, hier hantierte, dort hantierte — plötzlich erschien an der Tür, die zu des Priors Zimmer führte, der riesengroße Schatten einer menschlichen Figur nnt auffallend großem Pferdefuß. Ein befriedigtes Lächeln umspiclle die Lippen des alten Klosterbruders, gleich darauf aber nahm sein Antlitz einen angstvollen Ausdruck an, er eilte von Zelle zu Zelle, rüttelte die schlafenden Mönche wach und raunte jedem zu, daß der Gottseibeiuns draußen in der Halle vor des Priors Tür stehe. Entsetzen erfaßte die Herzen aller und dennoch drängte es alle hinaus, mit eigenen Augen das Grauenvolle zu sehen. Der unheimliche Schatten hastete noch immer unbeweglich au der Tür, in weitem Halbkreis umstanden ihn die zitternden Mönche, sich unablässig bekreuzigend und Gebete Rammelnd, doch keiner wagte sich auch, nur um einen Schritt näher, alle standen wie erstarrt vor Schrecken. Nur Ansclmo drängte sich durch die andere, eille in die Sakristei und kam gleich darauf mit dem Kessel mit Weihwasser zurück. Wohlwollend nickten ihm die Patres. Zu, das war das Nichtige. Und in Wirllichkeit, mutig trat er einige Schritte näher, tauchte den Wedel in das geheiligte Naß und sprengte es auf den entsetzlichen Schatten, der km Nu verschwunden war. — Erleichtert atmeten die Mönche auf und nun drängten alle hinein in das Zimmer, um sich zu überzeugen, daß der von allen hochverehrte Mann keinen Schaden genommen. — Doch wer beschreibt ihr Entsetzen, als sie die Lagerstätte leer uüd die Priesterklcider zerstreut auf dem Fußboden fanden. — Ratlos starrten sie einander an, die meisten sanken in die Kniee, bargen das Antlitz in den Händen und schluchzten laut. Was sie alle mit eigenen Augen gesehen zu haben glaubten, wovon sie sich überzeugt hielten wie von ihrem Leben — keine Zunge vermochte es auszusprechcn. — Und doch konnten sie es nicht verheimlichen, doch mußten sie das Verschwinden ihres Priors schleunigst zur Anzeige bringen. Doch was sollten sie sagen? händeringend, verzweifelnd wendete sich Einer zunr Andern. — Da trat der Bruder Pförtner langsam und bescheiden in die Mitte des Kreises. ^Hochwürdige Väter", begann er, „liebe Brüder! ich gehöre zwar zu den Geringsten unter Euch, doch ich bin der Aelleste und darum wage ich es. Euch einen Vorschlag zu machen. Ich weiß es, wir alle sind durchdrungen von der Ueberzeugung, daß unser hochwürdiger Herr Prior ein Helliger gewesen ist, jeder von uns hat ihn geliebt und verehrt wie einen Väter, und es ist auch nicht einer unter uns, der ihm nicht persönlich zu Dank verpflichtet wäre. Wenn wir daher unter uns auch leider nicht in Abrede stellen können, daß die Wahrscheinlichkeit vorhanden ist, daß der Böse unfern hochwürdigen Herrn entführt hat, so sind wir alle doch gleichfalls von der Ueberzeugung durchdrungen, daß der Heilige nicht für die Dauer in der Macht des Bösen bleiben wird, wer so gelebt hat wie unser hochwürdiger Herr, dem ist das Himmelreich sicher, trotz Hölle und Teufel. Darum müssen wir sein Andenken in Ehren halten, und wir alle schwören hier auf das Kruzifix, daß unsere Zunge nie verraten wird, was unsere Äugen gesehen haben." „Wer wir müssen die Anzeige machen", wandte . einer der Patres ein.' „Wir müssen das Wleben des hochwürdigen Herrn anzeigen, aber wir zeigen keinem das Sterbezimmer — oder, um allem vorzubeugen, schlage ich noch folgendes vor. Unser Bruder Anselmo war ehedeni ein tüchtiger Bilderschnitzer, gar manchen Heiligen hat er kunstvoll geschnitzt, so möge er aus einem geeigneten Baumstamm eine Figur schnitzen, die der unseres seligen Hochwürdigen möglichst gleicht. Diese Figur bekleiden wir mit den entsprechenden Kleidern, betten sie in einen kostbaren Sarg und bedecken das Antlitz mit einem kostbaren Schweißtüchlein, und halten Wache bei der angeblichen Leiche, damit kein Fremder sie berührt. So haben wir das Andenken unseres hochwürdigcn Herrn rein gehalten, wie es unsere Pflicht und unser Herz uns vorschreibt." Der Vorschlag fand allgemeinen Beifall und alle leisteten den erwähnten Eid Wieder waren eine Reihe von Wochen vergangen, wir befinden uns in der Hauptstadt der Niederlande. In dem Hause des Handelsherrn Mfonso da Castro herrschte freudiges Leben, seine jugendliche Gattin hatte ihn vor acht Tagen mit dem ersten Söhnchen beschenkt, das heute in den Bund Abrahams ausgenommen werden sollte. Die Herren, die dem feierlichen Akte beiwohnen sollten, waren mit dem jungen Vater in dem Salon versammell, der Held des Tages Franffurter JsraelitWB Familienblatt. Nr. 19. war noch nicht anwesend, wurde jedoch sehr bald erwartet. Da trat ein Diener zu dem Hausherrn und teille ihm mit, daß ein ftemder Herr ihn zu sprechen wünsche. »Jetzt ist's nicht möglich" war die Antwort „ich lasse den Herrn bitten, sich nachmittags wieder her bemühen zu wollen." Doch der Fremde war dem Diener auf dem Fuße gefolgt und stand jetzt dem Hausherrn gegenüber, der forschend ihm in's Antlitz schaute. „Ist es in Wirklichkeit unmöglich, mich jetzt zu empfangen? soll ich nachmittags wieder kommen?" fragte er in der. trauten Sprache der Heimat. Alfonso da Castro fuhr zusammen. Diese Stimme! — diese Laute! — Und plötzlich hatte er ihn erkannt. „Gabriel!" jauchzteer, „meinBruder! mein lieber Bruder!" Er umschlang den Bruder mit beiden Armen und beide hielten einander laut schluchzend umfangen. Es gewährte eine geraume Zeit, bevor sie ihre Fassung wieder erlangt hatten. Verwandte und Freunde traten herzu, ihnen Glück zu wünschen zu der doppelten Freude des Tages. „O, diese Freude! diese Freude! — Gabriel, Du mußt meinen Sohn auf Deinen Knieen halten bei seiner Aufnahme in den Bund, denn daß er Dir nacharten möge ist der sehnlichste Wunsch meines Herzens." Gabriel zuckte die Achseln „Ich weiß nicht, ob dieser Wunsch berechtigt ist, ich hielt mich allerdings überzeugt, recht gehandelt zu haben, doch ich habe mich einige Wochen in Paris aufgehalten, bin dort vorschriftsgemäß zurückgetreten zu der Religion, der ich im Herzen nie untreu gewesen bin und habe mit den dortigen Talmudgelehrten über mein Vorleben gesprochen, sie haben es nicht gebilligt." „Nicht gebilligt? wie viel Menschenleben hast Du gerettet?" „Zweihundertsiebenundneunzig." „Hört Jhr's, Freunde? Dieser, mein Bruder, hat 297 Menschen von grauenvollem Tode gerettet und dabei sicher mehr als hundert mal sein Leben auf's Spiel gesetzt, glaubt Ihr nicht, daß ich wünschen sollte, daß mein Sohn ihm nachgeraten möge? Der ehemalige Prior, Beichtvater der Königin von Spanien, hat den erstgeborenen Sohn seines Bruders gehalten während dessen Aufnahme in den Bund Abrahams. Dann hat er seine Schwester und seinen Schwager umarmt und seiner lieblichen Schwestertochter die Hand gedrückt. Gleich am folgenden Tage hat er begonnen, sein jüdisches Wissen durch Unterricht bei einem Talmudgelehrten zu erweitern, hat in zwei Jahren sein medizinisches Wissen vervollständigt und ist praktischer Arzt geworden, hat seine liebliche Nichte heimgeführt und ist glücklicher Familienvater geworben. Im hohen Alter von fünfundneunzig Jahren ist er äls erster Vorsteher der Amsterdamer Judengemeinbe gestorben. Seinem ehemaligen Beichtkind hat er in jedem Quartal das gewünschte Lebenszeichen zugesandt. Maiser Friedrich Quelle - Offenbach a. M. — — Gegen Gicht und Bhemnatleimns bewährt. Seite, von vornherein ausgeschlossen, ebenso menschenentwürdigende Leibeigenschaft. Das Sulas dieses Sabbats ist „Acharei minkar". — Man liest den 4. Perek. Am Mdntag der 3., d. i. letzte Scheini-Fasttag. — Am Dienstag (19. Mai) ist der Halbfeiertag Lagb o o m e r. Man betet kein Tachanun. Haarabnehmen an diesem Tag wieder erlaubt. Brautpaare haben jedoch zu fasten, wenn Lag-boomer ihre Hochzeit. Bedeutung: Zur Zeit Rabbi Akibas wütete zur Omerzeit eine schreckliche Pest unter dessen Schülern. Verödet, leer stand das Lehrhaus. Am 33. Omertage hörte das Sterben auf. Deshalb heute noch" alK „Schülerfest" begangen. Man regaliert die Kinder mit Leckerbissen, („Koletsch") auch deshalb schon,, um sie zum gewissenhaften Omerzählen anzuspornen. Offenbacber Druckluft* Anlage Telefon 123. Offenbach a. H. Telefon 128. Onabertroffene bewfihrtest« Topplchrelnlgung. Kunst und Literatur. „H a p r o ch i m", eine hebräische Wochenschrift für Kinder, herausgegeben und redigiert von I. U. Lewner, Rabbiner in Lugansk, Rußland. Vor uns liegt die Pesach-Nummer, — ein stattliches Heft! Manches Schöne ist darin enthalten! So die kleine Erzählung von Redakteur I. Lewner, die von einem Pharaonischen Satrapen, wie schon der Name der niedlichen Erzählung: „Nau geisch mitzri" sagt, handelt. Auch die kleine Skizze von Schapiro: „Ja'jin l'arba kausaus" ist gut gedacht und wirkt erzieherisch auf die Kleinen. Sie erzählt von einer Schar kleiner Knaben und Mädchen, die als sic kurz vor Pesach erfuhren, daß die Mutter eines ihrer Schulkameraden, eine arme Witwe, keinen Wein zu „Arba kausaus" hat, sich für einen Tag in eine Bonbon-Fabrik zur Packung von Bonbons vermieten und so der armen Witwe das für den Wein nötige Geld verschaffen. Von Gedichten seien „Nizonei Hatchijah" von Rabinowitsch und »Chad Gadjo" von Duschman rühmend erwähnt. Es ist erst ein halbes Jahr vergangen, seitdem der „Haprochim" zu erscheinen begann und innerhalb dieser Zeit sind in ihm viele gute Sachen zum Abdruck gelangt: geschichtliche Erzählungen, Skizzen, Humoresken, Legenden, Kinderlustspiele nsw., von welch' letzteren besonders „Prochim bagolus", „Schtei n'schimaus" von Lewner, „Beschadmaus beis lechem" von Jehuda Steinberg, „Hanezauz" von Dr. Salkind, „N'komo romo" von Sachs, „Ner schel chanuka" von Karpewner, „Ha maure chäule" von Eisekow hervorgehoben seien. Lewner beweist mit dieser Zeitschrift, daß sein Ruf als einer unserer besten Jugendschriftsteller vollauf begründet ist. Auskünfte! über Vermögens-, Familien, n. Qesohäftsvexhältnlsse, Beobaohtongen, - Ermittelungen an allen Plätzen der Welt, i »etectiv-Zeiitrnle!! I Telephon 4389. Salzhaus 6, I, Bad Harzburg Pension Parkhans 53 Salons n. Pamilien-Dependance Schloss Prinzenhof mit 28 Salons. Streng rituelle Häuser I Sanges unter Babbinats-Aufsicht an schönst. Waldlage. 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Außerdem fiel im fünfzigsten Jahr aller veräußerter Grundbesitz wieder zurück an die betr. Famllie und den betreffenden Stamm. Knechte konnten „frei ausgehen", was übrigens auch in jedem siebten Jahre mitunter geschah. Geldschuld verfiel. Durch diese soziale Gesetzesbestimmung war im jüdischen Staat eine ungesunde Verschiebung des Besitzes, blendender Reichtum auf der einen und drückende Armut auf der andern Panl&Co,Jß. m.b.H. Telephon 1866. 1 „Jraucnlob“ Hardenbergstrasse 9. Cafi ConstaMec. SÄSSfiaHSKS ObstlilUg.Hasselbach, Gr. Eschenheimerstr. 4. ------ Telephon 10595. Briefkasten. K. Der niederländische Minister Asser, der jüngst seinen 70. Geburtstag feierte, ist Jude. B. Restaurant Frank in Ostende steht wie im vorigen Jahre mit der Saison (Anfang Juni) wieder unter Aufsicht Sr Ehrwürden Rabbiner Bamberger in Brüssel. , Kaleemtrane 81. — Nationale Jjebrkräfte. — Englisch, Franxösisch eto Bereins-Kalender. Verein Mekor-Chajim. Samstag, 16. Mai, nahm. 4 Uhr: Mikroh-Vortrag des Herrn Redakteur Schachnowitz. Vergnügungs-Club junger Leute. (Gegründet 1907). Samstag, 16. Mai, abends 9Vs Uhr: Vereins- Versammlung, Hotel König von England, Bättonstraße 70 I. ' Die Kommission für den Jüd. Nationalfonds veranstallet Sonntag, den 17. Mai, nahm. 3 Uhr in der Aula der Religionsschule (Hermesweg) eine Diskussion üher die jüdische Zukunftssprache.