Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 6 (1908)
- Issue
- Heft 18 (8.5.1908)
- Date
- 1908-05-08
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2692297-2692562-2692580--03960-2698719- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 10. AEttMil WasMEaLlltr. 18. Schmeichler ihn anmaßend oder verbittert machten. Hallgarten entstammte einer guten bürgerlichen Familie, sein Reichtum war ihm nicht in die Wiege gegeben worden, daher sein inniges Verständnis für diejenigen, die sich auf der Stufenleiter geistigen und sozialen Werdens vorwärts ringen, daher aber auch seine ursprüngliche ungekünstelte Freude am Schönen " und die Genußfähigkeit seines Gemütes — Patengeschenke, die in goldener Wiege sellten Vorkommen. Es gibt nur wenige, die dem toten Golde solches Leben, solchen Wert zu geben wissen, wie HaUgarten -es verstanden hat. Dasselbe Material, das in den Händen andrer sinnloser, geistloser und darum wertloser Reichtum_bleibt, wußte er in köstliche geistige Werte umzuwerten. Und mit diesem großen bildnerischen Zug, den er in die Verwendung seines Rohmaterials zu legen wußte, ging eine vornehme, liebenswürdige, einfache Art des Gebens parallel, die dem Hilfesuchenden die Härte des Nehmenmüssens erleichterte. Er erwartete keinen Dank. Es war ihm selbstverständlich, zu helfen, wo er konnte. Nächst dem Abhelfen augenblicklicher Not war ihm nur eins noch wertvoller: das Verhüten der Not. Dieses Prinzip machte ihn zu einem energischen, eminent praktischen Sozialpolitiker. Rednerin ist der Ansicht, daß bei Hallgarten — wenn auch nicht zu allen Zeiten seines Lebens, so doch in den letzten Jahren — die Vielseitigkeit seiner persönlichen Arbeit auf bestimmte leitende Gedanken zurückzuführen war, die in seiner.politischen Haltung, in seiner Stellung zur Frauenarbeit und nicht zuletzt in seiner Stellung zur Judenfrage deutlich zum Ausdruck kamen. In seiner Stellung zum JuoenMm scheint es eine Zeit gegeben zu haben, die ihn fast aus dem engen-Jnteressenkreise der jüdischen Gemein» schafr hinausgeführt hätte. Und daß dies nicht geschah, ist dem nachhaltigen Einflüsse seines Freundes Plotke zuzuschreiben, der es verstand, ihm den Adelsschild seiner Abstammung vorzuhalten und das Gefühl der Verpflichtung in ihm rege zu halten, das wir Juden alle als Vertreter einer urallen Kultur und einer urallen Ethik in uns wach hallen müssen. Auch einer Frau Verdienst ist es gewesen, Hallgartens Interesse für speziell jüdische Angelegenheiten so zu beleben, wie es bei mächtiger Gegenströmung sonst nicht möglich gewesen wäre. Die Ausführungen Frl. Pappenheim's fanden ihre Ergänzung in den Worten der' nachfolgenden Rednerin, Frau Henriette Fürth. Wo finden wir noch einmal den Mann, der so großmütig war wie llug und so klug wie gütig? Au Hallgarten's Grab gaben all' die Vertreter der erschienenen Korporationen der Ueberzeugung Ausdruck, daß dieser Mann gerade ihre Sache am treuesten und hin» gebendsten gefördert habe; wie in Lessing's Parabel von den 3 Ringen glaubte jeder, daß er dem Herzen des Vaters am nächsten und von dem Vater am würdigsten gehalten sei. Und noch ein anderer Vergleich paßt auf ihn: wie die Sonne Gerechte und Ungerechte bescheint, so fragte auch er nicht nach der Würdigkeit, sondern nach der Bedürftigkell. Rednerin geht auf Hallgarten"s Verhältnis zur Franeuarbcll näher ein. Er war es, der der „Weibliche Fürsorge" die Pforten öffnete in das Land werktätiger Menschenliebe, und der Mtbegründer der „Jea" und Mitlellec der „Alliance Jsraoltte" Universelle wies die ,Meibliche Fürsorge" auf das große Arbellsfeld im Osten Europas hin. Er aber war es auch, der, wie wenige Männer, den Wert der Frau als Mensch und als Persönlichkeit zu würdigen - wußte, der in ihr die Gleichberechtigte und Gleichverpflichtet sah. Auf dem Delegiertentag des Jüdischen Frauenbundes tat er den Ansspruch, daß es notwendig sei, die Frauen auch zur Arbeit in den Vorständen der großen jüd. Gesellschaften zu berufen und daß er nicht rasten werde, bis dieses Ziel erreicht sei. Den beiden Redestschloß sich ein vom Chor vierstimmig vorgetragenes Lied an, und damit schloß die würdige und ergreifende Feier. Frankfurt a. M. Montefiore-Verein. An der Montag, den 4. Mai, in der Frankfurt-Loge staügehabten Trauerfeier für Charles L. Hallgarten nahm auch der Montefiore-Verein offiziell Teil. Infolge der vorhergegangenen großzügigen und unüvertreMcheN Würdigung, welche Herr Rabbiner 5 Dr. H o r o v i tz dem Verewigten zu Tell werden ließ, i blieb dem ersten Vorsitzenden des' Vereins- Herrn Felix Meyer,' nur die Aufgabe, zu sagen, was; Hallgarten dem „Montefiore" gewesen ist. Hallgarten, der Ehrenmitglied des Vereins warso führte Herr Meyer, uriter anderem ans, habe dem- 7 selben seit Gründung das regste Interesse entgegen- 7>gebracht. Mit Rat und .Tat stand der große Tote der ' Vereiusleitung jederzeit zur Seite und oft -zeigte er , v . den rechten Weg, wenn die sich entgegenstellenden, ^-'Schwierigkeiten unüberwindlich schienen. Noch TjüettJ letzten Wochen vor seinem Tode habe Hallgarten sich ^"mll der Idee beschäftigt, dem Montefiore-Verein die ^bringend notwendige Erchauung eines eigenen Hanfes zu ermöglichen und dadurch dem Verein das unbe- %■ ..^. .' dingt erforderliche Mittel zur Erreichung seiner Ziele zu geben. Herr Ateyer schloß seine von Herzen kommenden Worte mit dem GelöbniP, daß der Montefiore im Geist und Vorblld Charles Hallgarten weiter arbeiten wollte und daß dessen Andenken stets in hohen Ehren gehalten wird. Frankfurt a. M. Im Heime des jüdischen Frauenbundes zu Isenburg foimten 1 vir am ' verflossenen Sonntag einer Bris-Miloh- Feier beiwohnen. Zum 1. Male seit dem etwa ^/«jährigen Bestehen dieser Institution fand dort der heilige Akt der Miloh statt (durch Herren Niedcrhofheim). Diese Feier an einer durch das Gebot, der Not entstandeneil Stätte mitzumachen, mußte bei allen Anwesenden eine Reihe wechselnder Empfindungen wecken. Wohltuend hat aber jedenfalls auf uns die Wahrnehmung gewirkt, wie liebevoll die Damen des Vorstandes die nötigen Vorbereitungen zu der Aufnahme des Knäbleins in den Bris getroffen hatten. Mit freudiger Genugtuung hörten wir auch den Ton herzlichen ungekünstelten Wohlwollens, den die Damen im Verkehre mit den bedauernswerten Insassinnen des Heimes anwenden, das bekanntlich gefährdeten und hilfsbedürftgen jüdischen Mädchen und 'Frauen evtl, mit ihren Säuglingen Unterkunft für kürzere oder längere Dauer gewährt. Wir nahmen' ans dem Heime das erhebende Bewußtsein mit, daß unsere jud. Damen eine schwierige,' hohe Aufgabe würdig durchführen und daß über allen auch der Geist echter, jüdischer Religiosität waltet. Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Bei der Kommisston für den jüd. NationalsondS, Grüncstr. 29 pt., ging ein: Ans,Äüch sen: FrauAaron Seeligmann, Röderbergw. 32 7,70 M Herrn L. Aaronsohn, Ob. Atzemer 17 2,30 „ Herrn I. Speyer, Schwanenstr. 11 0,55 „ Herrn Max Speyer, Uhlandstr. 40 Pt. 0,72 „ Herrn David P .... 2,20 „ Frau Caroline Hamburger, Grüncstr. 29 12,50 „ Herrn Fr. Baruch 1,10 „' N. N. 0,40 „ Dr. A. Schapiro, Augsburgerstr. 28 2,— „ Frl. Lotte Wolpe, Bergerstr. 53 1,80 „ Frau Marcus Cohn, Uhlandstr. 21 0,83 „ Frl. Mathilde Heß, Schützenstr. 10 1,22 „ Herrn S. Kaplan, Musikantenweg 66 0,65 „ 33,97 M. Von Herrn Isaak Heimann, Rückertstraße 51 anläßlich der Barmizwoh seines Sohnes 20,— M. Die zion. Jugendgruppe spendet ihrem verdienstvollen Mitbegründer Herrn Harry Friedland einen Oelbaum im Herzlwald 6,— „ Martin Levigard spendet einen Oelbaum im Herzlwald für Herrn Herm. Wronker anstatt Glückwunsch zum Einzug in den Neubau 6,— „ Nürnberg-Fürth. Nach vielen Vorarbeiten hat sich nun auch für Nürnberg-Fürth eine misrachistifche Ortsgruppe mll dem Sitze in Nürnberg gebildet. Am 3. Mai fand im „Hotel Plaut" die konstituierende Versammlung statt. In kurzen Zügen entwickelte Gesinnungsgenosse Dr. Bamberger die Bedeutung des Zusammenschlusses der gesetzestteuen Zionisten. Natürlich konnten die für die zionistische Organisation leider betrübenden Erscheinungen innerhalb der letzten Wochen nicht unberührt bleiben. Sowohl vom Referenten, als auch von den Diskussionsrednern, unter welchen wir auch Gesinnungsgenossen Emanuel Kaufmann-Stuttgart zu begrüßen hatten, wurde die fehlende Einheitlichkeit des .Vorgehens des Misrachi lebhaft bedauert und eine bessere Gestaltung der Organisation als nächste Hauptaufgabe dringend betont. Entschieden wurde die Zusammengehörigkeit des Misrachi zur zionistischen Organisation zum Msdruck gebracht unter Ablehnung aller Forderungen, die eine Trennung herbeizusühren geeignet wären. Scharf wurde die Methode unserer separistischen Orthodoxie verurteilt, die jedes bettübende Vorkommnis aufgreift, um eine Spallung im Judentum und auch im Zionismus herbeizuführen. In den .Vorstand wurden gewählt die Herren Dr. Bamberger, Albert Ellern, Nürnberg und - M, Zimmer., Fürth. Wie»., Das Exekutivkomitee der jüd.-nationalen Studentenschaft hat seine Aktion zur Anerkennung der j-üd. Nationalität an den österr. Hochschulen wieder,ausgenommen, indem es folgenden Beschluß faßte: - - Da uns durch die Eliminierung der Rubrik „Nationalität" die Ablegung eines, nattonalen Bekenntnisses unmöglich gemacht wird, soll jeder jüd. Student zum Zeichen des energischen Protestes gegen die bisher geübte Praxis die Rubrik,Muttersprache" mll „jüdisch" ausfüllen. London. Die Jüdische Kolonialbank hat ihren Prozeß berloren. Die von der Majorität der. Generalversammlung' beschlossene Abänderung der Statuten in dem Sinne, daß das Tätigkellsfeld der Bank auf Palästina und dessen Nachbarländer beschränkt werde, ist damit hinfällig geworden. Der Richter lehnte die Aenderung der Statuten ürit der Begründung ab, daß diese Aenderung wenig geeignet sein würde, die Lage eines unterdrückten großen Volkes zu ändern. . Der Prozeß dürfte der Kolonialbank 5000 Lstrl. kosten. Und wenn die Kolonialbank ihn unglücklicher Weise gewonnen hätte, dann hätte er ihr noch mehr gekostet, da bann der Richter sicherlich entschieden hätte, daß die mit der Aenderung nicht einverstandenen Aktionäre die Rückzahlung ihrer Aktien Verlangen könnten. Der Prozeß war von Anfang an verfehlt. Mehrere Mitglieder des Aufsichtsrates hatten die Sachlage richtig beurteilt, als sie auf dem Kongreß im Haag von einer Fortsetzung des Prozeßes abrieten. Die Scharfmacher ».Prinzipienreiter, an denen es auf diesem Kongreß auch nicht fehlte, verstanden es aber, die Stimmung für sich auszunutzen, und unter ihrem Einfluß scheint nun das für die Entscheidung der Fortsetzung oder Nichtfortsetzung des Prozesses eingesetzte Komitee gehandelt zu haben. Einer Prinzipienreiterei zur Liebe hat man ein Vermögen, das aus den Groschen der Äermsten zusammen gebracht' ist, verpulvert. Der Wortlaut der Statuten ist nebensächlich, und eine Aenderung wäre zwecklos, denn ist sie durch eme Majorität zu erreichen, sobliebeimmerdieBefürchtung einer entgegengesetzten Aenderung durch eine andersdenkende Majorität. Antwerpen. Der Misrachi-Verein »Bnei Zion" faßte in seiner Versammlung vom 28. April in der bekannten Sabbataffäre eine Protestresolution. Jaffa. Das erste Dampfschiff auf dem Toten Meere. — Ein Jude und ein arabischer Scheich haben ein Dampfschiff von 20 Meter Länge erworben, um einen Dampferverkehr zwischen der Ost- und der Westküste des Toten 'Meeres herzustellen. Die jüdische Kolonie Chedera. — Die Kolonie hat 3000 da Umfang und zählt 750 Seelen, darunter 32 jüdische Bauernfamilien. Die vorjährige Getreideernte erreichte einen Wert von etwa Francs 200000. Der Regierungszehnte der Kolonie beläuft sich gegenwärtig auf Fr. 23000. Zur Anschaffung neuer Geräte und Maschinen wurden allein im vorigen Jahre.Fr. 15000 verausgabt, ein Zeichen der rationellen Wirtschaft der Kolonisten. Leider sind im Bereiche der Kolonie größere Sümpfe, die ihre Ausdehnung und Entwicklung hemmen. Telegramme. Wien, 6. Mai. Der Kanzleidirektor der Universität, von Brockhausen, erklärte den Vertretern der jüdisch-nationalen Studentenschaft: der Senat habe gestattet, bei der nattonalen Rubrik „Muttersprache deutsch" die Nattonalitätenklausel „jüdisch" anzubringen. „Muttersprache jargon" sei mll „jüdisch" zu bezeichnen. An das Statistische Amt werde die Klausel „jüdisch" zur Veröffentlichung wellergegeben werden. Die Quästur sei angewiesen worden, so ausgefüllte Nationale anzunehmen. Kolliner. Vereins-Kalender. Frankfurter Zionistische Bereinigung. Mittwoch, den 13. Mai, abends 9 Uhr, im Cäfä- Restaurant Hörse, 1. Stock, Eingang Schillersträße. 1. Referat des Herrn M. Levigard über den nächsten Delegiertentag in Breslau, 2. Wahlen zum Delegiertentag. Jüdische Bibliothek «nd Lesehalle. - .. (Bleichstraße 21). Geöffnet: Montag—Frellag: 1—4 Uhr. Samstag: 11—1 Uhr, 3—7 Uhr. Sonntag: 9—1 Uhr.. Unentgeltliche Büch e^r aus gäbe: Montag—Frellag: 1—2'Uhr. Verein AiovWore, Seilcrstrasse 22 pd. Vereins - Idealitäten geöffnet täglich von 12—8 und 6—11 Uhr. Samstag und Sonntag den ganzen Tag. 25eil 3, 3utoeIetu Uftrw. Soldu. Silbetroaten. f Telephon 6069. Auswahlsendungen gerne zu Diensten.