Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 6 (1908)
- Issue
- Heft 16 (15.4.1908)
- Date
- 1908-04-15
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16. Leite 12. Frankfurter MaEWeS AMMeMM. Trennung noch einige Zeit auf sich warten lassen und eine ruhigere Lösung wäre eingetreten. Wenn Frankreich einen so hervorragenden Platz an der Spitze der Völker einnimmt, so wissen wir alle, wem cs das zu danken hat. Aber warum muß icncr, der durch seine Unschuld, seinen unerhörten Leiden und seine moralische Kraft die Ungerechtigkeit seiner Gegner noch schreiender hervortreten ließ, den Sieg des Rechtes vollständiger und leichter machte, warum muß dieser wieder in die Finsternis zurückgestoßen ivcrden? Eines Tages befand ich mich in Cambridge, in Massachusets, unter dem Baum, unter dem Georges Washington das Kommando der kleinen Armee übernahm, die in der Folge die Vereinigten Staaten von Amerika gründete. Man erklärte mir, daß der erste Baum, der Zeuge diese Szene gewesen war, seit langem abgestorben sei. Es war nur ein Sprosse dieses Baumes, der mir Schutz gewährte, und bei dessen Absterben sollte ein Sprosse dieses Sprossen an seine Stelle treten. Der Ahne sollte bis in die dritte und vierte Generation geehrt werden. Warum? Weil die Amerikaner sich selbst ehrten, indem sie jenem Ehre erwiesen, der Zeuge eines fiir ihre nationale Existenz so glücklichen Ereignisses gewesen war. Alfred Dreyfus ist doch mehr als ein untätiger Zeuge oder der Sprößling eines untätigen Zeugen. Er ist die noch Gebende und des Lebens ivürdige Ursache einer großen Angelegenheit. . Jene, die Frankreichs Geschicke lenken, würden sich ehren, wenn sie jenem Ehre erweisen würden, ohne den keiner unter ihnen dort wäre, wo er ist. Auf der Rednertribüne iin Luxembourgpark, von der so beredsame Zeugnisse der Erkenntlichkeit für Scheurer-Kestncr ertönten, über dieser Tribüne sahen wir eine entfaltete Fahne, auf der das Wort „Undankbarkeit" zu lesen war. Heute wissen wir alle, daß 'ein anderes Volk als das französische einen ungerechten Prozeß nicht einer zweifachen Revision hätte unterwerfen können, kein anderes Volk hat eine solche.starke freie Intelligenz und Mut zu allem. Aber warum bleibt inan stehen, bevor man für das unglückliche Opfer eine vollständige Rehabilitierung erhalten hat? Warum verweigert inan ihm die Achtung, auf die er ein Recht hat? Jene, denen seine Unschuld, seine bewunderungswürdige und einfache Kraft der Seele einen so mächtigen und gerechten Einfluß verschafft haben, daß sie zur Negierung Frankreichs berufen wurden — warum wollen sie, von deni Gipfel, den sie erreicht haben, ihm den Stoß versetzen, der ihn in die Gleichgiiltigkeit und das Schweigen zurückwirft? Er ist ein Jude, das ist's." Kunst und Literatur. Die Juden in Oe st erreich von Dr. Jakob Thon. 160 Seite» {M. 3,50). Hcrausgegeben vom Bureau für Statistik der Juden, Berlin-Halensee. Verlag Louis Lamm, Berlin. Die vorliegende Arbeit bildet die vierte der monographischen Untersuchungen, welche das Bureau für Statistik der Juden. Berlin-Halcnsee über einzelne Gebiete des sozialen Lebens der Juden veranstaltet und in zwanglosen Heften herausgibt. Diese Monographie über die Juden in Oesterreich, deren sämtliche Angaben auf amtliche Otiellen zurückgchcn, ist die erste zusammenhängende und allseitige Darstellung der Zustände der jüdischen Bevölkerung in Oesterreich. Die Arbeit erstreckt sich auf eine längere Reihe von Jahren (in manchen Punkten auf die ganze zweite und teilweise auch auf die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts) und entwirft so ein genaues Bild der Entwicklung der österreichischen Judenheit. Besonderes Gewicht wurde auf die Beleuchtung der Verhältnisse der Juden in Galizien gelegt. Aus dem Inhalte seien nur die interessanten Kapitel über Zahl, natürliche Bewegung, Schulbildung, Umgangssprache, Berussverhältnisse, Kriminalität und Geisteskrankheiten erwähnt. Mitteilungen zur Jüdischen Volkskunde. Organ der Gesellschaft für jüdische Volkskunde in Hamburg und der Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums in Wien. Herausgegeben von Rabb. Dr. M. Grunwald in Wien. 10. Jahrgang. 1. Heft. Das Heft enthält neben der reichen Bücherschau einen von ausgezeichneter Sachkenntnis und immenser Belesenheit zeugenden Artikel „Das Kind bei den Juden" von Regina Lilienthal, übersetzt und mit zahlreichen wertvollen Annierkungen versehen von Dr. A. Landau und den Beginn einer gründlichen Abhandlung von Dr. Löwinger „Der Traum in der; >i di scheu Literatur". L. Memoiren einer Großmutter. Bilder aus der Kulturgeschichte der Juden Rußlands im 19. Jahrhundert. Band 1. Mit einem Geleitwort von Dr. Gustav Karpeles. 200 Seiten. (3 JL) Berlin, M. Poppelauer. Inhalt: Ein Jahr i», Elternhaus. — Der Beginn der Aufklärungsperiode. — In der Neustadt. — Die Veränderung der Tracht. Es war einmal. — Eine Großmutter erzählt, was sie einst in ihren Mädchen- und Jungfrauenjahren im elterlichen Hause, einer Stätte des Thorawortes und der altjüdischen Sitte, sah und übte. Und wenn — so darf man wohl annehmen — sie auch seit 'Beginn ihrer Frauenjahrc sich dem Denken und Fühlen und damit auch den Lebensgewohnheitcn der Judengassen in ihrer lithauischen Heimat ententfremdet hat, so sind die Tage der Jugend doch in' lichter Erinnerung in ihr geblieben, und die Ruhe des Alters gab ihr nun die Muse zu der Betätigung als treue Chronistin. Es war einmal. — Dieses „Es war einmal" eines Chronisten hemmt eine lebendige, packende Schilderungswcise, und die Aufzeichnungen erleiden so Einbuße in ihrem Wichtigsten, in ihrer jüdischerzieherischen Bedeutung. Freilich bleibt immer noch genug übrig, um ahnen zu lassen das Versittlichende und über das nivellierende Alltägliche Erhebende jüdischer Lebensweise. Wiener hebräische Epitaphien von Dr. Bernhard Wachstcin. (Sitzungsbericht der kaisers. Akademie der Wissenschaften in Wien. Philos.- Histor. Klasse. 156. Band. 4. Abhandlung.) Wien 1907. Verlag Alfred Holder, k. u. k. Hof- und Universitäts-Buchhandlung Wien. Der Verfasser, der im Aufträge der historischen Kommission der israelitischen Kultusgemeinde Wien die Inschriften des alten Nassauer Judenfriedhofcs für eine neue Gesamtausgabe bearbeitet, legt in vorliegender — in den Sitzungsberichten der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften erschienenen — Abhandlung eine kleine Probe seiner Arbeit vor. Es sind im ganzen 13 Grabschriften, die er iltis mittcilt. Aber schon diese kleine Probe läßt erkennen, wie dringend notwendig eine neue Edition des Inschriften, uatcrials von sachkundiger Hand ist. Und Wachstein ist sachkundig, wie aus seiner gründlichen Benützung alles einschlägigen historischen Materials, seiner peinlich genauen Entzifferung der einzelnen Epitaphien, seiner auf wirklicher Beherrschung des talmudischen und rabbinischen Schrifttunis erfolgten Exegese und Beleuchtung der Phraseologie der Grabinschriften hervorgeht. Daß Wachstcin in die Lage kommt, manche neue historische Date» mitznteilen, daß er oft sogar die Forschungsergebnisse eines David Kaufmann berichtigen muß, liegt eben darin, daß der Historiker bis jetzt auf die mangelhafte Frankel-Stcrnsche Edition der Wiener Grabinschriften angewiesen war. Wie unvollständig und fehlerhaft diese ist, zeigt der Umstand, daß die Grabinschriften 1, 2 3, 8, 10, 12 bei Frankel gänzlich fehlen, dagegen Nr. 5 zweimal korrupt mitgeteilt wird, daß Frankl von Nr. 4 nur die Ueberschrift, von Nr. 5 nur den Anfang der Inschrift mitteilt, weiter» "in Nr. 9 eine talmudische Phrase als Eigennamen aufaßt. Den köstlichsten Schnitzer aber macht Frankel oder vielmehr Stern bei Nr. 13, wo er einen Namen Methodia herausliest. Dieser Name hat wohl bei den meisten Lesern des Frankelschen Buches Kopfchütteln hervorgerufen; Wachstein stellt nun fest, raß auch dieser Name nur aus einer mißverstandenen biblischen Redensart konstruiert worben ist. Wachsteins Publikation ist auch nach, formaler Richtung mustergiltig, /indem er bei jeder Inschrift genau das Material, die Größenverhältnisse des Steines, die Zahl und Länge der Verszeilen angibt. Hoffentlich folgt dieser Keinen Probe recht bald die Gesamtausgabe der Wachsteinschen Bearbeitung der Wiener Epitaphien; einer freundlichen Aufnahme darf sie im Kreise der Kenner gewiß sein. S. H. L., Prag. Wajlaket Josef, hebräische Zeitschrift für halachische und' agadische Whandlungen. Diese Zeitschrift, die von Herrn Josef Schwartz in Bonhhäd (Ungarn), einem Schwiegersöhne des bekannten Bonyhäder Rabbiners R. Elieser Deutsch, herausgegeben wird, kann jetzt auf ei» zehnjähriges Bestehen zurückblicken. Viele hervorragende Rabbiner, besonders aus Ungarn, leisten regelmäßig Beiträge, und die Zeitschrift ist sowohl durch ihre theoretischen talmudischen Whandlungen, als "auch durch die Besprechung aktueller religiöser Fragen von großem Werte. Mcht nur die Rabbiner, sondern alle, die sich für talmudische Diskussionen interessieren, sollten sie durch Wonnements unterstützen. Der Abonnementspreis beträgt für Deutschland 7 Kronen pro Jahr. I. U. Aus der Geschäftswelt. Im Laufe des letzten Jahres konnte der Krankenpflege-Bund „Salus" (Eckenheimer Landstraße 39) auf eine reich gesegnete Arbeit zurückblicken. Geleistet hat der Bund vom 1. April 1907 bis 1. April 1908 rund 2395 Tagpflegen und 781 Nachtwachen, welche 'in 123 Pflegen zu teilen sind. Ferner wurden weit über 2000 Besuche bei armen Kranken unentgeltlich gemacht, wo Massage, Hilfeleistung, Ilmbetten usw. notwendig waren. Auch wurden 22 Tag- und Nachtpflegen bei armen Kranken unentgeltlich ausgeführt. Barmizwohs. (Ohne redaktionelle Verantwortlichkeit. Wir bitten um gefl. Mitteilung der Barmizwohs; die Ausnahme geschieht kostenlos). Berthold, Söhn des Herrn Hermann Würzburger, Grünestr. 12, in der Synagoge Börneplatz. f% I £ If m 1 VI 11 M 1 — Nationale Lehrkräfte. — Englisch, Fransösisch etc. Englisch, Vereins-Kalender. Verein Mekor-Chajim. Samstag, 18. April, nachm. 4 Uhr (Schützenstraße 2): Mikro-Vortrag des Herrn Leop. Schwab. Samstag, 25. April, nachm. 4 Uhr: Mikro-Bortrag des Herrn Jos. Sänger. Verein zur Pflege von Literatur und Geselligkeit. Sonntag, 19. April, abends 8r/i Uhr präzis. II. Referat- und Rezitationsabend. Carl Grebenau, fob. Juwelen. Uhren. Soldu. Sitbernaren. Auswahlsendungen gerne zu Diensten. Aufnahme-Gesuche von unbemittelten israelitischen Kranken sind bis spätestens Ende April a. c. an den Unterzeichneten einzureichen. Aerztliches Attest sowie Bedürftigkeitsnachweis sind beizufügen. Der Vorstand des Vereins „Israelit. Krankenheim“ Neuenahr. Raphael Ettlinger, Frankfurt a. II., Friedberger Anlage I, I. Telelon l33ö!t Offeriere frisch vom Fang: Telefon 13353 Hollm Schellfisch, Gabliau, Schollen, Halbsolos, Schleie, Hechte, Bresem, Zander u. s. w> liebende Karpfen sehr billig! Hochfeinen Tischwein per n 75 pfg. sowie alle besseren Süd« n. Tafelweine aus den Kellereien der Firma Gebr. Steinbach, k. u. k. Hofl. Obstn. Gemüse-Konserven, beste Qualität zn staunend billigen Preisen empfiehlt m J._UH ■■ II am Delikatessen- und Fisclihandluhg ■ tSXCn muiierj Frankfurt a M., Diesterweg «tr. 16. Bestellungen werden anch Sonntags frflh bis 10 Uhr bestens erledigt. elegant und billig. — Schnelle Anaführnng von Einrahmungen. 1 -Smlx- Tel. 8222. VUbelerstrasse 27. Tel. 8222. MJuaIH; Kunstglasonol und Vorgoldorot. 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