Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 6 (1908)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1908)
- Date
- 1908-04-10
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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~TT~7 belle 4 Nr. iS. Herr Dr. Klatzkin benutzte seinen Aufenthalt in Amerika, um Stimmung für die Schaffung eines „Jewish International Committee" zu schaffen. Ein auf Veranlassung des Herrn Dr. Klatzkin einberusencs Meeting, an welchem u. a. Herr Dr. B l a u st e i it Dr. Lee K. Frankel, Prof. Mich. Gotteil, Prof. Friedländer, Mr. Samuel Straus teilnahmen, akzeptierte einstimmig das von Herrn Dr. Klatzkin vorgelegte Projekt eines International Jewish Committee und beschloß, in Gemeinschaft mit dem American Jewish Cmnitee, der repräsentativen Körperschaft der amerikanischen Juden heit, für die Verwirklichung dieses Projekts zu arbeiten. . (Herr Dr. Klatzkin ist unseren Lesern als unser langjähriger Mitarbeiter Jacob b. Elijah bekannt. D. Redakt.) Ncw-Aork. Unter den 140450 Personen die in den Monaten Juli bis November infolge der wirtschaftlichen Krisis nach Europa zurückgewandert sind, befanden sich nur 2438 Juden. — Man sieht: der Hunger ist in Amerika immer noch erträglicher als in Rußland. Der Prior. Historische Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) Die Brüder sahen einander an, 8er Jüngere rieb sich mit dem Finger hinter dem Ohr. „Das ist fatal, da muß ich auf der Stelle fort, ich habe zu viel ' geflunkert." „Auf der Stelle mußt Du nicht fort, das hat jedenfalls Zeit bis morgen ° nach der Frühmesse. Dann über mußt Du fort." „Das habe ich mir auch gedacht," sagte der Pförtner, „sonst hätte ich 'es nicht gewagt, den hochwürdigen Herrn zu stören." „Wir sind Dir vielen, vielen Dank schuldig," versetzte der Prior, ihm freundlich zunickend. „Da siehst Du," wandte er sich an seinen Bruder, „das- Du meinetwegen unbesorgt sein kannst, wer solch treuen Pförtner hat, der hat nichts zu fürchten. Nochmals meinen Dank." Er reichte dem Pförtner die Hand, der üie- .selbe ehrfurchtsvoll an, feine Lippen zog. „Also morgen, gleich nach der Frühmesse wird der junge Bruder sich auf den Weg machen; soll ich vielleicht von drüben einen Maulesel besorgen?" „Das ist eine gescheidte Idee, das tue, lieber Freund und sorge auch für Mundvorrat, Brot, Früchte und getrocknete Fische. Du weißt schon —" „Ja, ja, ich weiß schon. Und wenn die Brüder fragen sollten, weshalb —" „Sage, der junge Bruder wolle sich in der Umgegend umsehen, würde nächstens wiederkommen, und wäl ich durch mein neues Amt mehr als sonst in Anspruch genommen sei und mich auf meine Sonntags- Predigt vorbereiten müsse,'darum hätte ich ihn nicht zurückgehalten." „Ich werde alles bestens besorgen, hochwürdiger Vater." Damit wollte der Treue das Zimmer verlassen, doch Alsonso hielt ihn noch auf, ihm nochmals und abermals die Hand zu drücken und ihm seinen Dank anszufprechen; dann waren die Brüder wieder allein. Sie dachten nicht daran, daß die Nacht der Ruhe bestimmt ist; waren cs doch 'nur noch wenige Stunden, die sie gemeinsam verleben konnten. Sie hatten noch so vieles zu besprechen, und die Zeit enteilte wic im Fluge. Zuerst berieten sie den Weg, den Alfonse nehmen sollte; dann versorgte ihn sein Bruder mit Gelb und mit Empfehlungsschreiben an einige Aintsbrüder in der Nähe und jenseits der Grenze; und dann besprachen sie die Art und Weise, in der sie durch einen regelmäßigen Briefwechsel ihre Verbindung aufrecht erhalten wollten. Wieder und wieder ermahnte der Prior seinen Bruder, daß in seinen Briefen kein Wort und keine Redewendung Vorkommen dürfe, die den Schreiber als Ketzer oder gar als Juden erkennen lassen könnte. „Sei unbesorgt, wenn wir weiter nichts zu fürchten hätten —" „Was fürchtest Du denn noch?" „Mr mich ''fürchte ich gar nichts, ich werde mich schon durchschlagen. In wenigen Tagen liegt dieses unglückselige Land auf Nimmerwiedersehen hinter mir, entweder bin ich jenseits der Pyrenäen oder auf dem Meere, das weiß ich selbst noch' nicht. Wenn ich nur deinetwegen ruhig sein könnte." „Du kannst meinetwegen auch vollkommen ruhig sein. Mein Leben hier ist "doch nicht mehr gefährdet als Deines auf der See? — Seien wir vernünftig, nützen wir die wenigen Stunden unseres Beisammenseins nicht dazu, uns gegenseitig das Herz schwer zu machen —" „Du hast recht, nur auf Eines möchte ich Dich nach dieser Richtung hin noch aufmerksam machen. Ms ich vorhin die Besorgnis anssprach. Du könntest Dich in die Königin verlieben, da war es mir nicht ernst 'damit; — aber gefährlich wäre es — und die Gefahr liegt nahe —, daß die Königin sich in Dich verliebt, denn Dir bist ein selten schöner Mann und —" „Ach, sprich doch' keinen Unsinn." „Ich spreche keinen Unsinn, Du bist in Wirklichkeit ' der schönste Mensch, den ich je gesehen habe, und Du hast etwas in Deinem Wesen — ich weiß selbst nicht, was es ist — aber ich glaube mit Bestimmtheit: die Herren aller, mit denen Du in Verkehr trittst, inüssen Dir zuslicgen. Und wenn Du da nun vielleicht täglich, wer weiß wie lange, der armen ratlosen Frau raten, ihr Vortrag halten mußt — bald über dieses, bald über jenes —, da muß sie sich th Dich verlieben, davon bin ach fest überzeugt; Du solltest nur hören, wie hier im Kloster alle über Dich sprechen, durch Wasser und durch Feuer würden sie für Dich gehen." Ein glückliches Lächeln erhellte das in dieser Stunde etwas trübe Gesicht des Priors. „Ja, sie sind mir treu, meine Leute. Gott sei Dank! Aber das ist doch etwas ganz anderes —" „Freilich xft das etwas ganz anderes, wenn die Königin Dich kennen lernt, wie Deine Leute Dich kennen und so über Dich sprechen würde — Du wärest Deines Lebens nicht sicher." „Du übertreibst nach jeder Richtung! Doch ich glaube. Dich in dieser Beziehung vollständig beruhigen zu können, weil ich'nicht glaube, daß mir gewöhnlich der Zutritt zu dem Boudoir der Königin gestattet werden wird, das war nur heute ausnahmsweise, weil die zarte junge Frau sich nicht aufrecht halten konnte und ihre Unigebnng nicht imstande war, sie zu beruhigen." „Mer Dir ist es gelungen. — Nun, wir werden ja sehen, wie es weiter geht." „Es wird schon gehen, nach dieser Richtung hin mache ich inir keine Sorge, und Du brauchst Dir auch keine zu machen. Vermutlich wird irgendwo im Schloß auch ein sog. Beichtstuhl für die Königin vorhanden sein, in denl der Beichtende und derjenige, der die Beichte entgegennimmt, einander kauin sehen können." „Ja, ja. Du hast recht, so wird es vermutlich sein. — Dennoch bitte ich Dich, sei vorsichtig, lasse Deine ganze Liebenswürdigkeit nicht einmal erraten." So saßen sie noch lange plaudernd neben einander, Hand in Hand und Alsonso den heißen Kopf gegen die Schulter des Bruders gelehnt. Ihm war das Herz so schwer, ihm bangte, nicht für sich, wegen der ungewissen Zukunft, der er zunächst entgegenging, sondern wegen seines Bruders, den er in diesem schauervollen Lande zurücklassen mußte. Doch da tönte schon die Klosterglocke und ries zur Frühmesse, und dann kam das rasche — einfache Frühstück, — und dann der Wschied. Alsonso verabschiedete sich von jedem der Klosterinsassen, die sämtlich den heiteren jungen Mann ungern scheide» sahen; jedem drückte er die Hand, hatte für jeden ein scheinbar fröhliches Auf-Wiederschen. Aber sein Bruder sah es wiederholt in dem schmalen Jünglingsantlitz zucken, so daß er ernstlich fürchtete) der mächtig Erregte könnte seine Fassung verlieren; als er nun vor ihm stand, auch ihm die Hand zu bieten, schüttelte, er ihm dieselbe kräftig und sagte: „Gott geleite Euch, lieber Freund, und lasset Euch bald wieder bei uns sehen," leise aber fügte er hinzu: „Eile Daß Du fort komnist, Dü könntest überrascht werden." Da neigte sich der junge Mann und drückte die Hand des Bruders an - seine bebenden Lippen, dann richtete er sich stramm auf und sagte laut doch mit merklich unsicherer Stimme: „Vielen Dank, hochwürdigcr Vater für ' alles — und auf Wiedersehen!" Dan» eilte er der Klosterpforie zu, vor der das für jhn bestimmte Saumtier seiner wartete, schwang sich hinauf und ritt eilends davon. Der Prior war ihm gefolgt bis vor die Pforte, lautlos flüsterte er dem sich Entfernenden den Priestersegen nach, wie er es dereinst als Kind von seinem Vater gehört hatte: „Es segne dich der Herr und behüte dich! Er lasse sein Antlitz dir leuchten und gewähre dir Gnade, Er wende sein Antlitz dir zu und verleihe dir Frieden!" Jetzt hatte eine Krümmung des Weges den Reiter seinen Augen entzogen, und erst als er sich umwandte, gewahrte er, daß er nicht allein ihm nachgeschant hatte, eine Anzahl Mönche standen neben ihm. „Ein nruntcrer Bruder," ragte er, „Gott schütze ihn, hoffentlich haben wir ihn nicht zum letztenmal gesehen." Dann nickte er ihnen freundlich zu und begab sich in sein Zimmer. — Hier aber drohte die mühsam bewahrte Fassung ihn zu verlassen. War es doch "sein Bruder, sein einziger, heißgeliebter Bruder, den er erst vor wenigen Tagen von grauenvollem Tode gerettet hatte, der nun auf gefahrvoller Flucht sich befand. Wird sie glücken? — wird er das Asyl erreichen, das freie Land, wo er frei seinen Gott bekennen konnte? Er hatte sich auf einen Sessel geworfen, hatte beide Arme auf den Tisch gestützt und das Haupt auf die Hände. Bange, schwere Seufzer hoben seine Brust, riesengroß standen die Gefahren, die seinem Bruder drohten, vor seinem inneren Äuge — und er konnte nichts tun, sie zu bewältigen —' nichts als in heißem Flehen an den sich wenden, der die Geschicke aller lenkt, der auch in seiner 'Gnade das Geschick seines jugendlichen Brudersgnadenvoll lenken möge. — Erst im Gebet fand er die Ruhe wilder. Stunde» Laren »ergangen, noch Immer saß'er mit verhülltem Angesicht und sann und sann, als ihn ein leichtes Klopfen an der Tür aus seinem Sinnen riß. Rasch erhob er sich Und rief. Ein Laienbruder trat in's Zimmer und 'meldete, daß eine Hofequipage vor dem Kloster halle, die ihn ins königliche Schloß führen sollte und daß gleichzeitig ein Bote des Großinquisitors seiner warte, der im Namen seines Herrn ihn ersuchen sollte, sich baldmöglichst bei demselben sehen zu lassen. Beides war ihm keineswegs willkommen, doch er mußte beiden Anforderungen entsprechen, selbstverständlich der königlichen zuerst. Rasch kühlte er den heißen Kopf in frischem Wasser, wechselte die Soutane und begab sich hinaus zu dem Wagen. Im Borübergehen flüsterte er dem Pförtner zu, auf der Hut zu sein, wenn der fremde Dominikaner sich wieder sehen lassen sollte. Der treue Alte neigte zustimmend den eisgrauen Kopf. „Ihr könnt Euch aus mich verlassen, hochwürdiger Herr." „Das weiß ich, Bruder Pförtner, ich verlasse mich auf Dich." Er winkte ihm grüßend zu und stieg ein. (Fortsetzung folgt.) Atalser Friedrich ffuelle — ■' Offenbach a. M. » Gegen Gicht und RheumatimnnB bewährt. Bad Marz bürg icc PensionParkhans 53 Salons u. Familien-Dependance Schloss Prinzenhof mit 28 Salons. Streng rituelle Häuser I Ranges unter RabbinatS'Aafsicht an schönst. Waldl Ge3ff. 1. Mai-1, Okt Prosp gratis Mai Hecht Grösste und vielseitigste Auswahl von Hochzeits- und Gelegenheits-Geschenken. Mook & Schöndube, Steinweg 7. Fabrikate der Wttrttemb. Metallwaren - Fabrik, Geislingen. Reelle Bedienung. — Umtausch gestattet. imvjuhw Neubauten Umbauten Ineeadekoratlon. Lvolyeu-«aie»oer. (Zeitangaben nach dem kusch.) Samstag, den 11. April (= 10. Nissan): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. SOI. 6 Uhr 40 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 8 Uhr — Min., in Berlin 7 Uhr 40 Min. Wochenabschnitt: Mezauro. Bei der Reinigung" der Aussätzigen mußten bestimmte Opfer gebracht werden, wobei Zedernholz, Psop und Karmesinfaden Verwendung fanden, ähnlich wie beim Bereiten des Opfers der „roten Kuh". Tauben wurden übev lebendigem Quellwasser geschlachtet, Blut und Oel an Daumen, 'große Zehe und Ohrläppchen gestrichen. Grund und Bedeutung dieser Verordnungen unerllärlich. Am Ende der Sidra sind jene Reinheitsgesetze mitgeteilt, die es mit leidenden Zuständen des menschlichen Körpers — bei männlichen und weiblichen Personen — zu tun haben. Alle diese Verordnungen sollen zur Heiligkeit führen, wie das ausdrücklich hervorgehoben wird. Sie sind charakteristisch für Israels Welt- und Lebensanschauung. Zugleich ist'Schabbos-hagodaul, der „große Sabbat", zur Erinnerung an das große Wunder, das sich an unseren Vorfahren in Egypten vollzog. Sie stellten das von den Eghptern göttlich verehrte Lamm zum Schlachten bereit, und doch schwiegen ihre Zwingherrn dazu! — Das war gleichsam das Wahrzeichen der bevorstehenden Erlösung. Die I a u z e r einschaltung behandelt diese Tatsache, enthält auch viele rituelle Vorschriften für Pesach. 8. Rituelles und Zeremonielles^ (Fortsetzung.) Am Dienstag (14. April) abends findet „Bedikas- Chomez" statt; Brocho: „Al Biur Chomez". Bezieht sich zugleich auf das morige Verbrennen! (10 Uhr.) „Chomezlegen" eigentlich unnötig. Man spricht die Formel „Kol Chamiro"; auch morgens. Dadurch Eigentumsrecht am Chomez ausgegeben. — Mittwoch fasten alle Erstgeborenen; für Minderjährige der Vater; ist dieser selbst Erstgeborener, dann die Mutter. — Am Erew Pesach nehme man Challo ev. Mazzo. DerSeder.Mittwoch und Donnerstag Abend. Erzählung vom Auszug aus Egypten unter Zugrundlegung der Hagada! Pflicht, Mazzo, Bitterkraut und Wein zu genießen. Omerzählen. Omer war ein gewisses'Maß, bas man voll" Gerstenkörner am 2. Tag Pesach darbrachte. Bon da an zählte man 7 Wochen bis Schovuaus. Lehre hieraus: 1. das Erstgeschnittene dankbar Gott weihen; 2. Pesach llind Schovuaus gehören zusammen." Die GesetzgÄung krönt erst den Auszug aus Egypten. — Man zahlt nachts, kanns auch am andern Tag — ohne Btocho — nachholen. Stehend omern! Wer einen Tag.ganz übergangen, :Ml» dir folgenben. Mende : ohne.UroKo. , -