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Neue jüdische Presse · 1908-04-03 · Heft 14 (3.4.1908) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 14 (3.4.1908)
Date
1908-04-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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;?v- '-' M Nr. 14 fe fanfeftttfet ifmetififfa MMmblaiies. Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Bei der Exp. d. Frkst. Jsr. F. ginge» für de» Nationalfonds ein: Anläßlich der Hochzeit Bella Rapp mit Albert Heß 10,— ..M ^Hermann Nvßbaum und Frau Telegrammablöfnug Hochzeit Landsberger - Rosenheimer 0,50 , Selmar Geis anstatt 'Teilnahme am Vorstandsessen des Montefiore-Vereins , Frankfurt a. M. Für die Misrachimitleischute gingen bei der Expedition des Frkst. Jsr. Familienblattcs ein: Herr I. L. Goitein gratuliert Herrn Iwan Salomo» und Frau, Berlin, zur Geburt des Erstgeborenen 1,— JL Herren Dr. Klee u. Dr. Gronemann zur Assoziation 0,50 Herrn Fritz Sondheimcr u. Frau zur Geburt eines Mädchens 0,50 Herrn Dr. Jakob Fenchtwanger u. Frau zur Geburt eines Sohnes 0,50 Herr Josef Hackcnbroch anläßlich einer freundlichen Aussprache mit Herrn I. L. Goitein 1,— , Sa. 3,50 JL Frankfurt a. M. Herr Dr. Feucktlvanger teilt uns auf unsere Bemerkung zu seinem Artikel in voriger Nummer mit, daß er seit dem Preßbnrger Kongreß dem Misrachi - Büro ununterbrochen angehört habe und noch angehöre. Demnach hat sich Herr Dr. F. nur vorläufig von seiner aktiven Betätigung zurückgezogen, ist aber nicht ausgetreten. Hamburg. Am 26. März hielt die Zion i'st. Ortsgruppe Hamburg-Altona eine gut besuchte Gen e r a t-B er s amm lang ab. Der Jahresbericht, der den Mitgliedern vorher gedruckt zugegangen war, wurde diskutiert, ein, von Dr. Kalmus begründeter Antrag, den' Mitgliederbeitrag um JL 1,— zu erhöhen, angenommen, ebenso ein Antrag Dr. Fink, die Zahl der Vorstandsmitglieder von 7 auf 9 zu erhöhen. Der bisherige Vorstand, bestehend aus'Dr. Kalmus, als'1. Vorsitzenden, Dr. Besser, Dr. H u l d s ch i n e r, Frau Hulds ch i n e r, E st e r in a n n, Dr. H a l p e r n und Samuel Cohn, wurde wiedergewählt, Moritz ' S. Wolfs und..Rechtsanwalt David als neu eintretcnde Vorstandsmitglieder gewählt. Als zweiter Punkt der Tagesordnung folgte ein Vortrag von Dr. Frank-Mona über den Misr a ch i. Vortrag und Diskussion standen trotz größter sachlicher Gegensätze auf einer seltenen Höhe objektiver und. grundsätzlicher Betrachtung und dürften für ein weiteres 'harmonisches Arbeiten der hiesigen Zionisten von unschätzbarem 'Wert sein. Dr. Frank führte aus: Die Situation in der zionistischen Bewegung drängt zu einer Aussprache. Die Kraft des Judentums beruht aus dem Historisch-Traditionellen. Das verkeimt der Zionismus, wenn er an die Zeit des Unterganges des jüdischen Reiches anzuknüpfen sucht und über das hinweggeht, was aus dem Judentum durch die dazwischenliegende Entwickelung geworden ist. Eine Reform, wie sie eine rein nationale Erfassung des Judentums darstellt, bedeutet eine Unterbrechung 'historischen Kulturarbeit, das Alte befindet sich in einer Kampfesstellung gegen das Neue. Das traditionelle Gesetz hat das Judentum in der Diaspora erhalten; in allen seinen äußeren Handlungen und Symbolen spiegelt sich die ethische Auffassung des Judentums wieder; seine sozialpolitischen Tendenzen, die auch den Modernen genügen müssen, machen es geeignet, die Grundlage für ein neues jüdisches Staatswesen zu bilden. In der Diskussion konstatierte Dr. Ha lp er n, daß zwischen den philosophisch-ethischen Auffassung des Dr. .Frank und der seinigen eine geringere Kluft besteht als zwischen Dr. Frank und den östlichen Misrachisten und begrüßt diesen Gegensatz als einen Kulturfortschritt. Die Institutionen der Bewegung müssen so beschaffen sein, daß jeder Jude zu uns kommen kann. Damit wird aber auch das Recht der Fortschrittlichen auf Respektierung ihres Standpunktes ' gefordert. Dr. Fink, selbst Misrachist, erklärt gegenüber verschiedenen Angriffen, daß ör in den Artikeln des offiziellen hebräischen Organs „Ha - olain" eine religionsfeindliche Tendenz nicht entdeckt habe. Dr. Israel Auerbach erkennt die Notwendigkeit einer Anknüpfung an das Historisch-Traditionelle an, hält aber eine Fortentwickelung auf dieser Grundlage für notwendig, weil wir während der Diaspora so viel an geistigen und kulturellen Werten in uns ausgenommen haben, s>aß der moderne Jude sich mit dem Historisch-Traditionellen in seiner Totalität nicht abfinden kann. Das Element der Fortentwickelung liegt' auf dem Gebiet des jüdischen Ethizismus. Das jüdische Volk bedarf eines ideellen Zusammenhanges, um staatsbildend und staatserhältend zu sein; ein bloßer Duodezstaat im Orient kann dieses Ideal nicht erfüllen. Est ermann weist gegenüber diesen Ausführungen daraufhin, daß bin jüdisches Gemeinwesen eine Politische und ökonomische Notwendigkeit ist und der Begrlinbnng durch , eine höhere Idee nicht bedarf. H o l l a n d e r begrüßt es mit Genugtuung, daß das gesetzestreuc Judentum in Baden von zionistischer Seite unterstützt worden sei. An der Diskussion beteiligen sich noch S t i e - b e l und B a r u ch. In seinem Schlußwort erklärte Dr. Frank, daß er die bisherige mehr aggressive Taktik des Misrachi nicht billige, sondern eine positive Propaganda wünsche. Hamburg-Altona. Die hiesige zion. Ortsgruppe (Vorsitzender: Dr. Kalmus) zählt gegenlvärtig 278 Mitglieder, die Zahl ihrer Schekelzahler beläuft sich auf 410. Für den Parteifonds sind bisher 2700 Mark cingcgangen. Die- 127 Nationalfondsbüchsen hatten ein Ergebnis von 331 ,,/L Für die „Palestine Land Development Co. Ltd." ivnrden 88 Anteile ä Sfttf, 1 gezeichnet. München. Die zion. Ortsgruppe veranstaltet am 2. April einen Diskiissionsabend über „Zionismus und' gesetzestreucs Judentum". Das Referat hierzu hat Herr I. Frankel übernonime». Wien. Anläßlich des 70. Geburtstages des Soz'ialphilvsophen, Dichters und Technikers Josef Popper (Pseudonym: Lyukeus) sei an folgende Stelle in dessen 1886 erschiene!» Buche „Fürst Bismarck und 'der Antisemitismus" erinnert. „Man kann doch nicht so ohne weiteres aunehmen, daß z. B. die Arier Europas gerade nur de» Juden gegenüber jedes Rechtsgefühl mit so leichtem Herzen verleugnen? Die Antwort aus diese in her Tat wichtige völkerpsychologische Frage ist folgende: Der wahre Grund dieses jedes Rcchtsgefühls baren Hochmuts liegt in der historischen Tatsache, daß die Inden seit so langer Zeit nirgendwo ans d e in Erdball einen selbständigen Staat besitzen. Es gibt kaum eine einzige Nation, die uns in allem Moralischen überlegenen Chinesen ausgenommen, die nicht als'Prüfstein des Wertes einer Nationalität oder eines Stammes die Existenz desselben oder wenigstens eines Teiles desselben als politischer Staat, namentlich als kriegsgewohnter Staat, ünsieht. Wie ein Hagestolz so betrachtet wird, als 'bb dr seine Bestimmung als Mann nicht erfüllt hätte und daher nicht als „ganzer Mann" geachtet wird gegenüber jenem, der „seine" Familie gegründet hat, genau so ist es mit der Auffassung einer Rasse oder einer Nationalität, die nirgendwo ihren Staat hat. Daß die Juden einmal „ihren" Staat hatten, ist schon zu lange her, heute und seit so vielen Jahrhunderten ist die jüdische Rasse staatlos. Aus diesem D e se kt, d er m an ch en sehr Vernünftigen wie der Mangel eines Schattens bei Peter Schlemiyl erscheint, ergibt sich nun die eigentümliche Mißachtung, welche die Juden inmitten der sie umgebenden Völkerzn erleiden haben. Man stelle sich aber vor, es existiere oder entstünde heute irgendwo ein jüdischer Staat: sofort wäre eine Art' völkerrechtlichen Respekts vor dieser irgendwo existierenden, politische» Macht vorhanden. Ein Staat, nicht größer als irgend ein Schweizer Kanton, würde schon vollkonrmen genügen, und ein monarchischer Staat wäre für Erhöhung dieses Respektes noch besser als ein republikanischer." Personalien. Frankfurt a. M. Mit dem gestern im Alter von 75 Jahren verschiedenen Konsul Adolf B aer- G o l d s ch m i d t verliert die jüdische Gemeinde ein Mitglied, das mit allen ihren Interessen aufs innigste verwachsen war. Der Verstorbene war ein um die Erhaltung und Förderung des Friedens in der Gemeinde hochverdienter Mann, der auch an humanitären Bestrebungen verschiedenster Art regsten Anteil nahm. ll. a. gehörte er zu den Mitbegründern des Israelitischen Hilfsvereins, ioar Präsident des bekannten Lehrerwitwen-und -Waisen -Ilnterstützungsvereins „Achawa" und Vorstandsmitglied des 'Vereins zur Unterstützung jüdischer Waisen in Palästina. Im Grunde seines Herzen» in religiöser Hinsicht konservativ gerichtet, suchte er als Vorsteher der Orgelsynagogc radikale Reformen nach "Kräften sernzuhalten. Berlin. Herr LouisEduard Sachs, stellvertretender Repräsentant der jüdischen Gemeinde und Mitglied des Vorstandes der Altersversorgungsanstalt und der Neuen Synagoge, ist — 69 Jahre alt — verschieden. Berlin. Der Privatdozent an der Technischen Hochschule Justizrat Dr. Paul Akexander-Katz und die Privatdozentcn in der medizinischen Fakultät Dr. H e i n r. G r a b o w e r n u. Dr. A l b e r t A l b n erhielten das Prädikat Professor. — Der Bildhauer Professor Louis Susmann- He llb o r n feierte seinen 80. Geburtsta g. Bon seinen Werken sei hingewiesen auf die Bronze des trunkenen Faun, auf die lebensgroße Marmorsigur Dornröschens in der Berliner Nätionalgalerie nnd auf das Marinordenkmak Friedrich des Großen in Breslau. — Geh. RegieruugScat Professor Dr. Juli u S L e s s i n g, .Direktor des Knnstgewerbe-Museums, verschied im Alter von 65 Jahren. Der Kaiser sandte den Hinterbliebenen ci» Beileidstelegramm, in dem er die ihm und dem Vaterlande „geleisteten treuen Dienste" de» Verewigten, besonders aber „sein unermüdliches erfolgreiches Wirken als Leiter der Sammlungen des Kgl. Kunstgewerbemuseums" betonte. Auch die Kaiserin, die Großherzogin-Witwe von Baden, der Kultusminister usw. sandten BeileidSkundgcbungen. Berlin. Wie die .Bangkoker Deutsche Zeitung" berichtet, ist Th. Collmann, der Post- und Telegraphenminister von Siam, ein deutscher Jude. - Thieugen in Bade». Der Vorsteher der jüd. Gemeinde Stadtrat s. H. Bern heim, Inhaber des Zähringer Löivcnordens 4. Klasse, ist verschieden. Breslau. Kommissivnrat Schy Schlesinger. Ehrenbürger der Stadt Trachcnberg, feierte seinen 90. Geburtstag. Zielenzig. Herr M. A Marcus, seit 1865 Vorsitzender des Vorstände» der jüdischen Gemeinde, v e r f ch i e d im Alter von 76 Jahren. Wien. Eugen Fould -Paris, Schwiegersohn des Bankiers und Großindustriellen Baron Gust. Springer, wurde in den ö st e r r e i ch i s ch e n Freiherr n st and erhöbe n. Meran. Mit dem Tode Friedrich Stransky's. des Teilhabers der angesehenen Bankfirma D. u. I. Biedermann, hat Meran einen seiner angesehensten, wohltätigsten nnd beliebtesten Bürger verloren. Besonders 'schwer ist der Verlust für die „Königswarter-Stistung für mittellose kranke Israeliten", deren Knratoriumsvorstand er war. Pisel «Böhmens. Im Alter von 61 Jahren verschied der Fabrikant Markus -spitz, Vorsteher der israelitischen KultnSgemeiude, Mitglied des Bezirksausschusses, der Gemeindevertretung nsw. Amsterdam. F. S. van Ni er op. Bo'sitzender der Staatskommission für das Gemcindefinanzwcsen, wurde zum Kommandeur des Ordens von Oranien- Nässau ernannt. Aus den Vereinen. Frankfurt a. M. (Berspätet). Am Dienstag, den 17. März er., hielt der Berg» ü g u n g s - kkub Junger Leute' 1907 in den dichtbcsetzten Sälen de» Kompostellhofes seinen in jeder Hinsicht gut gelilugcncn Purimrummcl ab. Nach einer närrischen Ansprache des Vorsitzenden erschien Narr Glücks mann als Protokoller und erzählte in höchst drastischen Reimen die Bereinsnenigkeitcn. Die Närrin S ch a f h e i m e r hielt eine hochinteressante Kapuzincrpredigt. Narr L e v y imitierte mit großem Erfolg Rekruten-.tzeimweh. Das meschuggenc Ehepaar Herr G l ü ck s m a tt u und Gemahlin trugen durch Bortrag eines selbstverfaßten Duetts betitelt „Altes nnd Neues" das ihrige zur angenehmen Unterhaltung der Fcstgästc bei. Außerdem sei noch der schöne Gesangsvortrag des Humoristen Herrn Hohenfels erwähnt, der z. Zr. in der Kaiserhalle gastiert. Frankfurt a. M. Freisinniger Verein für jüdisches Geme indeleb en. — Vergangenen Mittwoch sprach im Verein Herr Rabbiner Dr. Tänzer-Göppingen über liberales Judentum. Er führte aus: Man weiß im liberalen Lager nicht recht, was liberales Judentum ist, und deshalb muß in dieser wichtigen Frage vor allem Klarheit geschaffen werden. Bis jetzt fehlte den Liberalen ein scharf n m - r i s s e n e s Programm, das für alle ihre Anhänger maßgebend ist. D i e g e s a m t e A r b e i t i> e r Reform im vorigen Jahrhundert war verfehlt, weil sie aus nichts Positivem fußte; nichts Bejahendes, nur Verneinendes spricht aus all' ihreni Schaffen. Anfangs war die Verneinung eine mehr äußerliche — zum Zwecke der Erlangung der bürgerlichen Rechte —, allmählich zog aber die „äußerliche" Verneinung die inucrc nach sich — und daher die großen Verluste im liberalen Lager. Mit dieser Verneinung muß gebrochen werden; cs muß positiv, bejahend zu arbeiten begonnen loctbcn. Es entsteht nun die Frage: Auf welcher Grundlage? Das Programin der Orthodoxie können ivir nicht akzeptieren, dazu sind wir zu modern. Den Kern — nicht ' aber die Schale, die F o r m —, das prophetische — nicht aber das talmudische — Judentunl wollen wir erhalten. Das gegenwärtige Judentum kann keine Achtung cinflvßen: die Aeußerlichkeiten machen es znm Zerrbildc. Wir sind moderne Menschen geworden, und da wir wahrhaftig sein wollen und müssen, so sehen wir iins genötigt, die Formen abznlege». Doch da» Beseitige» der Formen muß von der Gesamtheit ausgehen; eine einzelne Gemeinde darr nicht reformieren; das schafft nur Anarchie. Der Kern des Judentums ist: Gott, Menschenliebe, Sabbatruhe. Auf dem Boden dieses Programme» müssen sich He liberalen Juden reorganisieren; dieses Programm ist der Orthodoxie entgegenzustellen. Die Orthodoxie darf jedoch nicht bekäncpft werden; sie ist nicht der Feind, 4785

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