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Neue jüdische Presse · 1908-04-03 · Heft 14 (3.4.1908) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 14 (3.4.1908)
Date
1908-04-03
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Sette 4. Noosevelt empfing ihn in cinstündiger Audienz —, hat das Arrangement eines Weltkongresses der Jiddisch--Autoren in die Hand genommen. Der Kongreß soll im August in Czernowitz abgehaltcn werden, und zwar mit folgender vorläufiger Tagesordnung: 1. Die jiddische Ortographie, 2. Die Grammatik, 3. Fremde und neue Wörter, 4. Ein jiddisches Wörterbuch, 5. Die jiddische Jugend und die jiddische Sprache usw. Wie«. Eine halbe Million Kronen, deren Zinsen an Arme „ohne Unterschied der Konfession" zu Verteilen sind, testierte der jüngst verstorbene Großgrundbesitzer Julius Frankl, dessen Frau und Kinder bereits dem Christentum angehören, der Jüdischen Gemeinde. Außerdem vermachte er der Jüdischen Gemeinde 50 000 Kr. für das Altersversorgungshaus, 20000 Kr. zur Verteilung an Arme und 2000 Ar. für eine Kaddischstiftung. Karlsburg. Der römisch-katholische Bischof Protcktorder jüd. Gemeinde' — Im 18. Jahrhundert wandertcn hier mehrere spaniolische jüdische Familien ein, wurden aber uifit den Christen und den Juden als Eindringlinge angesehen, sodaß' Kaiser Joses sich veranlaßt sah, sie unter den Schutz des römisch-katholischen Bischofs zu stellen. Die formelle Patronanz erlosch zwar im Sinne der 1848er Gesetze, tatsächlich dauert sie aber noch heute fort, — und so wurde auch jüngst der neue Bischof, Graf Gustav Majlath, von den spaniolischen Juden korporativ als ihr Protektor begrüßt. _ Interessant ist die Tatsache, daß beim bischöflichen Festbiner stets der Rabbiner geladen und ihin ein streng koscheres Diner vorgesetzt wird, sowie ferner, daß der Bischof, wenn eine Tochter eines seiner Juden heiratet, seine Prächtkarosse für die Trauung zur Verfügung stellt. Frankreich. Paris. Die Rechtlosigkeit der tunesischeu Iuden. — Unter dein Titel „Les Jsraelites de la Tunisic, leur condition civile et politiauc" wurde von der Pariser juristischen Fakultät eine interessante Döktordisscrtaiion angenommen, deren Verfasser der junge tunesische Advokat Dr. Jakob Chalom ist. Der Autor beleuchtet die Lage der Juden in Tunis de jure und de facto. Er weist nach, daß die jüdische Bevölkerung sich heute in dem unglaublichsten Rechtszustandc, wie niemals vor der Etablierung des französischen Protektorates, befindet. Die Juden sind' einer Jnrisdektion unterworfen, die in Prozessen mit Mohamnicdaucrn nicht die geringste Sicherheit zu bieten imstande ist. Ehedem, selbst noch vor dem Jahre 1897, hatten die Juden von Tunis noch die Möglichkeit, die Protektion einer europäischen Macht anzurufen — aus jener Zeit gibt es heute noch "427 italienische, 726 spanische 199 holländische und 109 belgische Schützlinge —; aber die jüngere Generation kann diese Protektion nicht mehr in Anspruch nehmen, da ein solches Schutzrecht nicht erblich ist. Der Verfasser spricht sich schließlich an der Hand zahlreicher Argumente und Belege für die stufenweise Einführung französischer Zivilisation unter den tunesischen Juden aus: Die Schrift hat in Rcgierungskreiscn tiefen Eindruck gemacht, und man verspricht sich von ihr auch einen günstigen Erfolg zugunsten der Juden in Tunis. Rußland. Lodr. Mörderischer Uebersall auf wehrlose jüdische Schuljungen! — Vier Schüler der „Talmud-Thora" wurden von mehreren Personen überfallen, einer von ihnen — der 15jährige Rotstein — erschossen und ein zweiter — Sauser — lebensgefährlich verwundet. 0 leuillefon. 0 Der Prior. Historische Erzählung von Friedrich Rvtt. (Fortsetzung.) Der Prior lachte. „Das ist 'ein Wink mit deni Zannpfahl, Euch mitzuteileu, wo ich gewesen bin. Nun, ich hätte cs ohnedies Euch' allen mitgeteilt, beim ich bin überzeugt, Ihr alle nehmt Anteil an allem, was mich betrifft. So vernehmet denn: Ich bin durch die Gnade Seiner Majestät zum Beichtvater Ihrer Majestät der Königin ernannt worden, habe mich Hochderselben soeben vorstclle» müssen und hatte die erste Unterredung mit meinem hohen Beichtkinde." Es entstand ein freudiges Gemurmel unter den Antvesenden, .sie fühlten sich 'sämtlich ausgezeichnet durch die Auszeichnung, die ihrem Vorgesetzten geworden. Sein Bruder war bünkelrot geworden vor Freude, er ergriff die Hand des Andern und drückte sie nrit aller Kraft. „Die Gnade Seiner Majestät hätte keinem Würdigeren teilhast werden können, empfanget meinen aufrichtigen Glückwunsch, hochwürdiger Herr!" Auch die Patres traten hinzu und drückten ihrem Prior glückwünschend die Rechte, während die Brüder ihm glückwünschcnd die Hand küßten. Hrankfuri» JsraelitiMe» FmrMenMaA. Es herrschte eine allgemeine .freudige Erregung unter den Insassen des Klosters, der der Kellernreister dadurch Ausdruck lieh, daß er eigenmächtig eine Anzahl Flaschen mit dem feurigen spanischen Wein auf den Tisch 'stellte, der soeben zum Nachtessen gedeckt wurde. Dann ertönte die Klostcrglockc, die zu Tische rief, und nach dein Essen tranken die Mönche auf das Wohl ihres znni Beichtvater der Königin ernannten Priors und bedauerten nur, daß er selbst nicht mit auf sein Wohl trinken wollte; doch man wagte nicht, ihn dazu zu animieren, den» es ivar bekannt, baß ein ärztliches Verbot ihm alle geistigen Getränke untersagt hatte. Die Stimmung war trotzdem mehr animiert als gewöhnlich, man blieb etivas länger beisammen, doch nicht allzulange, denn es drängte den Prior, allein zu sein' mit seinem Bruder, an dessen Gegenwart er sich doch nur noch kurze Zeit erfreuen konnte. * Wieder war es Abend und die Brüder saßen einander gegenüber an dem spannweit geöffneten Fenster in des Priors Zimmer, und der Nachtwind strich erfrischend durch den weiten Raum, wahrend der Vollmond mit seinem fahlen Silberschein die seltsam schöne Umgebung erhellte. Der ältere Bruder erstattete dem jünger» genausten Bericht über feine Unterredung mit der Königin, Alsonso lauschte mit lebhaftestem Interesse. „Eigentlich dürftest. Du niir das gar nicht erzählen, als Beichtvater.' — Nur gut, daß mir das nicht früher eingefallen ist," fügte er lächelnd hinzu. „Sei unbesorgt, das ivar keine Beichte, ich habe daher das Beichtgeheimnis nicht verletzt, obgleich ich mich ivohl hüten werde, andern von dieser Unterredung zu erzählen." „Das ist selbstverständlich. Aber wenn Du wüßtest, Gabriel, wie ich mich freue, ivie ich mich freue! — und wie stolz ich auf Dich' bin." „Auf mich bist Du stolz? Armer Junge, wenn Du auf nichts anderes stolz sein könntest." „Wie sollte ich auf meinen Bruder nicht stolz sein, dem Beichtvater >md Berater einer mächtigen Königin." Der Prior zuckte die Achseln. „Ob sie eine mächtige Königin ist, das muß sich erst zeigen, heute —" „Wenn sie heute noch lücht mächtig ist, so wird sie es unter Deinem Einfluß "werden. Glückliche Königin, die Dich zum Berater hat!'Aber eigentümlich muß Dir doch zu Mute gewesen sein, als der — wie heißt er nur? — Dir Deine Ernennnng zum Beichtvater Ihrer Majestät mitgetcilt hat. Daran hättest Du doch "Nie gedacht." „Freilich nicht." „Wie hast Du nur gleich gewußt, was Du zu ihr sagen wirst?" „Das habe ich auch' tatsächlich nicht gewußt, konnte ich doch nicht wissen. Ich mußte alles der Eingebung des Moments überlassen." „Nun ja freilich, so Knall und Fall! — Doch — wenn mir das passiert wäre, wenn ich so Hals über Kopf zu einer Königin geholt worden wäre, — ich weiß wahrhaftig nicht, was ich ihr hätte sagen können." Der Andere lachte. „Na Du bist doch auch nicht aus den'Mund gefallen, da wäre schon etwas hcrausgesprudelt." „Ganz gewiß, aber es kommt nur darauf an, was. — Doch Am Ernst, "Gabriel, ich freue mich zwar ganz außerordentlich mit der Dir gewordenen Auszeichnung, namentlich da ich mit Zuversicht hoffe, daß Dir dadurch "der Lebensaufgabe, die Du Dir gestellt hast, in noch größerem Maße wirst entsprechen können, aber ich glaube, ganz ungefährlich ist die Sache keineswegs." „Das glaube ich auch 'nicht — aber — Du machst ein so eigentümliches Gesicht — obgleich Du gesagt hast,, iin Ernst — so lacht Dir. der Schelm doch aus den Augen — also was wolltest Du sagen? wo witterst Du Gefahr?" „Die Königin soll überaus schön sein, nimm Dich in Acht, daß Du Dich nicht in sie verliebst, das könnte Dir den Kopf kosten." „Sei unbesorgt, in dieser Beziehung gibt es für mich keine Gefahr, >vir katholischen Priester sind Amphibien —" „Das solltet Ihr sein, aber Ihr seid es nicht, Du so wenig Ivie die andern." „Alfonso, Du wirst beleidigend, für was hältst Du mich?" „Für was ich Dich halte?" — Er umschlang ihn mit beiden Armen und schmiegte sich fest an ihn. „Ich halte Dich für einen Heiligen, der nie an sich denkt, der sein Glück nur in dem Beglücken anderer findet; — ich halte Dich für einen Engel, der mit derhülltem Auge blindlings das vollführt, was er als den Willen seines 'Herrn erkannt zu haben glaubt — Bruder! — mein Bruder! '— daß wir zusammen bleiben könnten! —" „Glaube nicht, daß ich das weniger wünschte als Du, aber — wir haben doch gestern schon darüber gesprochen. Du selbst hast Angesehen, daß es gegenwärtig noch "nicht sein kann. — Trotzdem glaube ich Mit Bestimmtheit nicht nur, daß wir uns Wiedersehen, sondern, daß wir auch noch vielleicht eine Reihe von Jahren zusammen bleiben werden. — Bisher ist mir ja — Gott sei Dank! — noch alles Nr. 14. geglückt — aber ich glaube auch, daß ich bisher keinen Feind gehabt habe. Doch die Auszeichnung, die mir. geworden ist, wird mir Feinde machen, denn ich weiß 'mit Bestimmtheit: das, woran ich nie gedacht '.habe, darauf hatten andere gehofft, und diese Andern werden fortan meine Gegner sein, werden bei meinem Tun und meinem Lassen mir schärf auf die Finger sehen." „Großer Gott! Du bist von Gefahren umgeben!" „Mein Leben ist in Gottes Hand, gegen seinen Willen wird mir fein Haar gekrümmt werden. Aber unmöglich ist cs nicht, daß ich 'durch die mir heute gewordene Ehre meine Aufgabe hier früher werde beenden müssen." „Dann kommst Du zu mir." „Dann komme —" Er ward unterbrochen, die Türe drehte sich leise in ihren Angel», lautlos in seiner bescheidenen Weise trat 'der Pförtner in das Zimmer. „Was gibt's, Bruder Jakobo? fragte der Prior, „was bringst Du uns?" „Ich bitte um Verzeihung, hochwürdigcr Vater, daß ich so geradezu ohne anznklovsrn in's Zimnrcr gekommen bin —" „Hat nichts zu sagen, Alter, ich sehe Dir's an, Du kommst nicht ohne Grund." „Nein, gewiß nicht, das hätte ich mir nicht erlaubt, und ich 'wollte auch nicht anklopsen, danrit kein anderer aufmerksam wird —" „Schon gilt, schon gut, aber nun sprich, was gibts?" „Ich wollte nicht zögern, darum habe ich nur gewartet, bis die andern zur Ruhe gegangen sind, um Euch mitzuteileu, daß heute Abend ein Bettelmönch dagewcsen ist, — und als ich ihm sein Teil gegeben hatte und ihn fragte wohin? und woher? da sagte er, er wolle in die Stadt, um im Dominikanerkloster zu übernachten, er käme aus dem Kloster de Compostel °— das ist doch das nämliche Kloster, von dem Euer Gast, der junge Bruder erzählt hat, daß er von dort gekommen wäre." _(Fortsetzung folgt.)_ Kaiser Friedrich Quelle —— Ottenbach a. M. - Gegen Gicht and Rheumatismus bewährt. Wohack Baiilolpu.S';"""'» Inhaber: JSlf. Perlen, Juwelen, Goldwaren. Auf Wunsch Auswahlsondongen. - -- ■.= Wochen-rkaleuver. (Zeitangaben nach dem Lunch.) Samstag, den 4. April (— 3. Nissan): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 6 Uhr 3V Min Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 50 Min., in Berlin 7 Uhr 25 Min. Wochenavschuitt: Sasria. Einleitend werden die Reinheitsvorschriften für Wöchnerinnen mitgcteilt. Alsdann folgen die Gesetze über Aussatz oder Ausschlag, der an Menschen, Häusern, Kleidern oder Geräten sich zeigt. — Nur der Priester hatte das Urteil zu sprechen und zu bestinimcii, ob der betreffende Aussatz als „unrein" oder „rein" zu beurteilen sei. Dazu war oft eine Quarantäne von einer, zwei oder drei Wochen nötig, um in dem Entwicklnngsstadium die Symptome zu beobachten. Der als „unrein" Erklärte mußte außerhalb des Lagers weilen bis zur Reinheitserklärung seitens des 'Priesters. Ein „unreines" Haus macht auch den Eintretendcn und die Geräte dortselbst „tome" (unrein). — Wir wissen Grund und Bedeutung dieser eigentünilichen Verordnungen nicht zu erklären. Fest steht, daß wir sie nicht als sanitäre Gesetze — etwa gegen Lepra — und die Priester nicht als „Sanitätsbehörden" anznschen haben. (S. Hirschs lichtvollen Kommentar zur Stelle!) In der Tradition wird der Aussatz als Strafe snr Verleumdung hingestellt. Am Dienstag (7. April) ist Tekufas Nissan, Quartalswcnde (Frühlingsanfang). Nächsten Samstag Achabbos Hägodaul. Wir bringen schon heute einen Teil der Vorschriften für das Pesachfest. A. Geschichtliche s. Pesach bedeutet „Ucberschreitungsfest", da Gott Israels Häuser überschritt, d. h. verschonte, als er in der Nacht des 14. Nissan alle Erstgeborenen Egyptens erschlug. Ferner „Chag Hämazzaus" — Fest der ungesäuerten Brote, die wir an diesem Feiertage genießen. Auch „Chag Hoowiv" — Fest der Aehrenrcifc. Im Nissan reiften die erste» Aehren im heiligen Lande. Endlich „Scman Cheirnseinu" — Zeit unserer Befreiung, wegen der Erlösung ans cghptischem Druck. Somit erinnert Pesach' an die Begründung des jüdischen Volkskörpers. Gottes Wnndermacht bringt 10 Plagen, liiffa Israel zieht dann fort. Pharao zeigt Neue, das Volk entlassen zn habe». Er jagt nach und holt sie am Meere ein. Es vollzieht sich "der zwcitc Akt der Erlösung. Pharao und die Egypter ertrinken, Israel zieht trockenen Fußes durchs Meer. Sic singen ei» Danklied „Schiro". -

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