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Neue jüdische Presse · 1908-03-27 · Heft 13 (27.3.1908) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 13 (27.3.1908)
Date
1908-03-27
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Seite 11. Nr. 18. Frankfurter FsraelitWeL Familienblaki. ihr bestehen keine Geheimnisse . . . Wer den Rationalismus lästert, lästert Gott, den Gott unsrer neuen Zeit. . . Diese Auslese mag genügen. Es ist die Frage gleichgiltig, ob auch diese Artikel ohne Wissen des Redakteurs gedruckt sind. Von Bedeutung ist nur die Frage, welche Garantien sind möglich, um eine Wiederholung derartiger Auslassungen unmöglich zu machen. Daß kein gesetzestreuer Zionist, dem seine religiöse Ueberzeugung heilig ist, sich hier wieder mit Versprechungen zufrieden geben kann, ist selbstverständlich. Der Worte sind genug gewechselt, laßt uns auch Taten sehen. In den Spalten dieser Zeitung wurde zwar behauptet: das Erscheinen'des Hoolam beruhe auf einem Kougreßbeschluß. Es dürfte wohl schwer gelingen, in den Kongreßberichten einen solchen Beschluß nachzuweisen?) Aber selbst wenn dem so wäre, so müßte er dennoch eingehen, denn seine Existenz ist eine lebendige Verletzung eines anderen Kongretzbeschlusses (II. Kongreß), der diesen Blättern höher stehen müßte: „Der Zionismus unternimmt nichts, was dem Religionsgesetz des Judentums widerspricht." Wenn an gleicher Stelle behauptet wird, Herr Sokolow h a t 30 Jahre laug eine Zeitung zur Zufriedenheit auch der russischen Orthodoxie geleitet, so dürfte auch diese Behauptung schwer zu beweisen sein. Aber daß Herr Sokolow imstande ist, ein Organ so zu leiten, daß es nur in den seltensten Fällen den Unwillen des einen oder anderen erregt, beweist ja die „Welt". Aber warum die „Welt" so und der „Hoolam" anders redigiert wird, ist kein sehr tiefgründiges Problem. Und eben deshalb ist zu bezweifeln — ich wünsche. Unrecht zu haben — daß der Hoolam, so lange er erscheint, jemals auf einen anderen Ton abgestimmt wird. Hier kann es kein Nachgeben in der Forderung, hier kann es nur ein Unterliegen mit der Forderung geben. „Der Talmud sagt: man protestiert nicht auf Vergangenes", stand in diesen Blättern zu lesen; wo? ist nicht gesagt — es wäre wünschenswerter gewesen, wenn sich diese Blätter in Ansehung der hohen Bedeutung der Presse als Volkserziehungsmittel den Forderungen des Talmudsatzes (Baba mezia 109) angeschlossen hätten: „Mittel bardekei. . . knlon kemausrin weanmdin domei ff . . ." A'winowitzki hat auf dem V. Kongreß gesagt: Die Kulturfrage ist eine alte Geschichte, aber für jeden Kongreß bleibt sie neu, und wenn es just passieret, wenn sie nicht das Herz bricht, bricht sie den Kongreß e n t z w e i." Wird mau ans den: bisherigen Wege fortfahren, so wird man den Zionismus entzivei brechen. Dr. I. F e u ch t w a n g e r. * * * Berehrliche Redaktion! In Nr. 11 Ihres geschätzten Blattes wird das Verhalten der Zionisten von einem Bekenner der jüdischen Lehre recht abfällig beurteilt. Es wird denselben die völlige Mißachtung der wichtigsten Gebote des Judentums zum Vorwurf gemacht. Hierzu möchte ich niir als g e s e tz e s t r e u e r Jude folgendes zu bemerken erlauben: Wohl ist es richtig, daß da und dort das religiöse Verhalten der Zionisten zu Bemängelungen Anlaß gibt, ebenso muß zugegeben werden, daß die Zionistenführer mehr die nationale wie die religiöse 3) Was besagt denn der Beschluß des letzten Kongressses, daß die offizielle Sprache der zion. Organisation .das Hebräische sein soll? D. Redakt. Seite des Judentums hervorheben, doch dürfte letzteres mehr auf taktische Gründe zurückzuführen sein. Es ist Tatsache, daß wohl der größte Teil der deutschen Zionisten durch das Hervorkehren des Nationalen für die Sache des Zionismis gewonnen wurde. Würden die Leiter dieser Bewegung die Jnnehaltung der religiösen Vorschriften im Sinne unserer heiligen Lehre ebenso zur Pflicht machen, ivie die Betätigung im nationalen Sinne, so würden sich die Reihen der Zionisten bedenklich lichten. Dies wäre ein unermeßlicher Schaden nicht nur für die Gegenwart, sondern noch mehr für die Zukunft des jüdischen Volkes. Keineswegs kann behauptet werden, daß der Zionismus sich nur mit Schekel- und Jahresbeitrag begnügt. Es braucht wirklich nicht mehr betont zu werden, wie segensreich der Zionismus aufverschiedenen Gebieten .gewirkt h a t u n d weiter wirkt. Der kraftvoll gewordene nationale Gedanke an sich ist bereits ein bedeutender Erfolg von großer werbender Wirkung. Ist es nicht schon ein großer Gewinn, wenn derjenige^welcher bisher nur dem Namen nach Jude war, mm Zionist wird? Es ist dies doch der erste und bedeutsamste Schritt zur Besserung und Wandlung. Das Weitere ergibt sich von selbst. Es ist gewissermaßen ganz natürlich, daß ein guter und estriger Zionist sich langsam aber sicher auch mit dem Inhalte des Judentums vertraut macht, den hohen ethischen Wert desselben schätzen, die große Geschichte unseres Volkes kennen und die Weisen, Helden und Märtyrer desselben bewundern lernt. Es ist auch ganz natürlich, daß derselbe zur Anerkennung und Beobachtung des Sabbats als nationalen Ruhetages, ebenso der Feiertage und sonstiger nationaler Gedenktage gelangen muß. Die Pflege des Hebräischen als nationale Sprache wird zur Notwendigkeit und damit die nähere Kenntnis der heiligen Gesehesvorschriften und die Pflicht zu deren Befolgung. Alles folgere' sich aus dem ersten Schritt. Die Entwicklung von dem ersten Schritte bis zu den angedeuteten Resultaten kann naturgemäß keine sprunghafte sein. Israel mußte 40 Jahre unter Gottes Leitung die Wüste durchioandern, eine ganze Generation ging dahin, eine neue mußte erstehen, um in diesem Zeiträume für seine hohe Aufgabe vorbereitet und erzogen zu werden, ehe es das gelobte Land betreten durfte. Auch''für diejenigen heutiger Zeit, die bisher gleichgültig dem Judentume gegeuüberstanden, wird es für die völlige Rückkehr zum Judentum gar langer Zeit bedürfen. Reichen wir also allen denen, die für das Judentum in der einen oder andern Weise Interesse haben, unsere Bruderhand zum Willkommen. Fassen wir alle Kräfte zusammen sür die große Sache unseres Volkes, dann wird die Rückkehr zum wahren Judentum sowohl in nationalem wie auch religiösem Sinne unter dem Beistände Gottes zur vollendeten Tatsache werden. I. N. Pose u. * » * „Was hat uns 'der Zionismus gegeben?" — Unter dieser Ueberschrift war in der letzten Stummer des „Familieublattes" ein Artikel cnihalten, der die Ansicht eines gesetzestreuen Zionisten zum Ausdruck bringt. Wenngleich die verehrt. Redaktion durch eine längere Schlußbemerklmg größtenteils das, was hierzu vom zionistisch-misrachistischen Standpunkte aus zu sagen ist, hervorgehoben hat, so sollte doch auch von Seite der Gesinnungsgenossen im Lande der Artikel nicht unwidersprochen bleiben. Wir alle wissen, unter welchen Verhältnissen der Zionismus in der jetzigen Form zur Welt kam, und die orthodoxen Mitbegründer verhehlten sich nicht, welch' schwieriger Weg zurückzulegen sei, bis sich der Herzl'sche Spruch erfüllen wird: „Der Zionismus ist die Heimkehr zum Judentum noch vor der Rückkehr ins Judenland". Bisher ist von Seite der liberalen Zionisten sehr viel geschehen, um den Wünschen der gesetzestreuen Gesinnungsgenossen gerecht zu werden, und wenn jene in der letzten Zeit nichts getan hätten, wie den Gesetzestreuen die warme Unterstützung bei den Synodalwahlen in Baden zu gewähren, dann hätten sie allein schon verdient, für öündnisfähig gehalten zu werden. Daß das Zentralbureau fortan am Sabbat streng geschlossen bleibt, hat jüngst Präsident Wolfsohn zugesagt, und das hätte genügen sollen, die Angelegenheit nicht nochmals an die große Glocke zu hängen. Und die Klage betr. der Artikel des Haolam" wären sicher durch unsre Vertreter des „Misrachi" in geeigneter Form vor das Forum des Aktions-Komitees gebracht worden, und wir können es getrost diesen bewährten Händen überlassen, unsre gesetzesttenen Interessen zu vertteten. So glaube ich, daß der ganze Artikel, so vortrefflich und gut gemeint er auch ist, unter uns nur Mißtrauen erzeugen kann. Wir in Bayern haben keine kräftigen zionistischen Organisattonen und noch weniger Misrachisten. Unser Bestreben muß es sein, zunächst den Zionismus und hiermit Hand in Hand den Misrachi zu stärken. Jeweniger das Bestreben durch Zeitungspolemiken, die ja sicher von den besten Intentionen geleitet werden, gestört wird, desto besser sür unsre gemeinsame heilige Sache. München. I. F. Vereins-Kalender. Benin Mekor-Ehajim. Sonntag, den 29. März, abends 6¥s Uhr (Schützenstr. 2): Vorlesung des Herrn Julius Hirsch ans „Jesaias", Kap. 40, Vers 12—31. Bern« Tiferes Bachurim. Sonntag, den 29. März 1908, abends Präeise 8V- Uhr, im Vereinslokal Hermesweg 25/27: Vortrag des Herrn Eugen Neuberger „Esra und Nehemia". Diskussion. Gäste sind willkommen. Berei» „Nachlatz Zwi". Samstag, 28. März, mittags 12 Uhr, im Hörsaal der Shnnagoge Friedberger Anlage: Lektüre der „Neunzehn Briese" unter Leitung des Herrn Dr. Bondi. Bergnügnngs-Club junger Leute. (Gegründet 1907). Samstag, 28. März, abends 9V-> Uhr: Außerordentliche Generalversammlung (Fortsetzung) 'im Hotel König von England, Battonstr. 701. Briefkasten. Misrachi. Ihr Sprechsaalartikel kann infolge Raummangels erst in der nächsten Nummer erscheinen. Carl Grebenau, Zeil 3, Telephon 6069. 3utue!en. Uhren. 8Mu. Sühernacen. Auswahlsendnngen gerne zu Diensten. 'Wilhelm Weimar, Frankfurt a. M. Telephon 9651. Kaiser Wilhelm-Pass »ge 23)25. 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