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Neue jüdische Presse · 1908-03-27 · Heft 13 (27.3.1908) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 13 (27.3.1908)
Date
1908-03-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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ietlkfle yt Rr. 18 tfes FranWier Ifmettfifdieii lamiltcnfitattes. Mit der nächsten Nummer beginnt ein neues Quartal. Diejenigen unserer geschätzten Abonnenten, welche direkt bei der Post abonniert sind, wollen — falls noch nicht geschehen — sofort ihr Abonnement erneuern, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintritt. Gleichzeitig bitten wirunsereFreunde und Leser, unsere Zeitung ihren Bekannten z n m Abonnement zu empfehlen. Jede Postanstalt des In- und Auslandes nimmt zum Preise von 90 Pfennig (und 12 Pfg. Bestellgebühr) für das Vierteljahr Abonnements auf das „Frankfurter Israel. Familien bl att" entgegen. Zur Borlesung Prof. Hartwig's über den Bau des Weltalls. Dieser erste wisscirschaftliche Vortrag des Keplerbundes, der am 24. d. M. im Frankfurter Saalbau. gehalten wurde, brachte als das Bemerkenswerteste die Mitteilung, daß es jetzt nach den bisher noch nicht veröffentlichten Feststellungen der Bamberger Sternwarte 70 Sonnensysteme mit Doppelsonnen gibt, bei denen sich nicht nur die Planeten um ihre Sonnen, sondern auch die beiden Sonnen um eine zwischen ihnen liegende Achse drehen. Dagegen stehe unser Sonnensystem ungefähr im Mittelpunkt der Welt, die nach Ansicht des Direktors der Bamberger Sternwarte nicht unendlich, sondern räumlich begrenzt ist. Die in Lichtbildern vorgeführten Nebelflecken seien jedenfalls Gasmassen, aus denen Sonnensysteme entstehen. Zum Schlüsse wies er auf die evident teleologische, d. h. auf eine mit bestimmter Absicht angelegte Ordnung des Wcltbaues hin. Den Schluß bildete ein Protest gegen die Anmaßung der irreführenden materialistischen Wissenschaft. So erfreulich die Erscheinung ist, daß heutzutage die objektive Wissenschaft es unternimmt, gegen den atheistisch-kannibalistischen Fanatismus aufzutrcten, der von Voltaire bis auf Haeckel-Wellhausen den Geist in Fesseln geschlagen hat, die ebenso drückend sind als die der mittelalterlichen Geistcsfinsternis, so unangenehm empfinden wir die Leere der Plätze, an welchen jüdische Gcistcskämpen gerade im Mittelalter in erster Reihe im Kampfe für Vernunft und Wissenschaft zu finden waren. Oder gleicht etwa die Tätigkeit unserer Ahnen, denen Europa die Erhaltung der Wissenschaft durch die Vermittlung der griechisch-arabischen Bildung verdankt, nur derjenigen der Feigengallwcspc, deren Brut den befruchtenden Blütenstanb überträgt? Und doch gibt es eine lebendige jüdische Wissenschaft, von der gerade die modernen, auf ihre Bildung mit Recht stolzen Juden so gut wie keine Ahnung haben, die destruktiven Neologen nicht weniger als die Konservativen, obwohl dieselbe eine gewaltige Literatur in Hunderten größerer und kleinerer Werke umfaßt. Unglaublich, eine paradoxe Behauptung, und dennoch wahr. Seit 25 Jahren ist vergebens auf Moses Chajim Luzzato (170? bis 1747) als den Begründer der modernen Entwickclungstheorie in dem einzig annehmbaren, mit Verminst und Religion in Einklang stehenden Systeme hingewiesen Wörden. Nachdem bereits Schleiden in seinem herrlichen Werke über die Bedeutung der Judeit für die Wissenschaft darauf hingewiesen, daß der Sohar der erste war, der das kopernikanischc System in die Ideenwelt lanciert hat, ist in der Kritik von Hartmanns induktiver Philosophie wie in Barsilai „Sprache als Schrift der Psyche" darauf hingewiesen worden, daß ebenda in Wajikra 10 zum crstenmale die Behauptung ausgestellt ist,, daß es „kamma schimschin wekamma rekijin" . vielfache - Sonnensysteme gibt. Ebenso wie in der Hinleitung zunr ersten Male die Milchstraße als eine Anhäufung von zahllosen Sternen „dekaimi tillin tillin" definiert erscheint, während noch Hegel dieselbe als eine optische Täuschung, als Stcrnschimmerspicgclung erklärt. Ebenso ist die Entdeckung, daß jedes Sonnensystem ztvei Zentralsolmen hat, und nur unser Sonnensystem eine Aiisnahme bildet, für denjenigen, der nicht gedankenlos „Kiddusch lewonoh" hersagt, nicht neu. Die talmudische Tradition behauptet nach dem einfachen Wortlaute der Genesis, daß es ursprünglich zwei gleich große Sonnenkörper gegeben hat, von denen der eine in Stücke gegangen ist, als dessen^ Bruchstück der Mond und wohl auch die Asteroiden übrig geblieben sind, wodurch sich die Lücke zwischen Jupiter und Mars erklärt. Dagegen niuß es als Kompetenzüberschreitnng betrachtet werden, wenn ein Astronom die Frage über Endlichkeit oder Unendlichkeit des llniversums zu lösen wagt, die in Chagiga und Mischna 1 als jenseits der Grenzen des Verstandes liegend bezeichnet wird. Und mit Recht, denn das Nebeneinanderbestehcn zweier nach menschlichen Begriffeir einander aufhebenden Gegensätze wie Endlichkeit und Unendlichkeit ist eine objektive Antinomie, an die Kant nicht gedacht hat. Ahron Marcus. Aus der Lehrerwett. Kiew. Rabbi Solomon L u r j 6, Ingenieur und vormaliger Kronrabbiner, ausgezeichnet durch großes jüdisches und allgenlcines Wissen und als fähiger Schriftsteller, sein Lebtag geleitet von einer glühenden Liebe zum Judentum, ist im noch nicht vollendeten 50. Lebensjahre verschieden. Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Bei der Kommission für den jüd. Nationalfonds zu Händen des Herrn Dav. Hamburger, Grünestr. 29, Part., gingen ein. ans Büchsen: Pension Sandcrwell, Börnestr. 50 Raphael Rosenheimer, Feststr. 2 F. Ehrmann, Röderbergwcg Nathan Sondheimer Frau A. Kahn, Uhlandstr. Siegfr. Risch, Hanauerlandstr. Max Wvlpe, Obermainanlage Joseph Har . . . Herr Leo Brünett, Göthestr. 21 Herr Rabbiner Kahn, Eßlingen Gesammelt bei der Hochzeit Rosenhcimcr- Landsbcrger 6.10 JL 7.— ,, 3.50 6.50 „ 2_ „ —. 12 „ 1.72 3.50 „ 20.— -.20 15.— „ Zusammen 65.91 JL Ferner Materialien von Frau Jacob Roscnheim, Königswarterstr. 11, und Fräulein Gretcl Liudenbaum, Grünestr. 291. Hamburg. Auf Veranlassung der zionistischkn Vereinigung und der Henry Jones-Loge veranstaltete Herr Dr. Bogumil Zepler im Konzerthaus Hamburg einen Vortragsabend: „Das jüdische V o l k s l i e d". Herr Leo Gollanin und Frl. Vera Golt-berg wurden für ihre kunstvollen Darbietungen vor der 'weit über 1000 Personen zählenden Zuhörerschaft mit jubelndem Beifall belohnt. Das Hamburger Fremdenblatt berichtet in einem langen Artikel, anscheinend frappiert von dem zahlreichen Publikum, das sich im Jargon recht heimisch fühlte. Antwerpen. Der Misrachi-Berein „Bnei Zion" sammelte Purim den üblichen Machzis- H a s ch e k e l zu G u n st e n d e s N a t i o n a l f o n d s. Die Sammlung ergab 120 halbe Francs — 60 Frcs. Die Generalversammlung desselben Vereins, die am 15. dss. Mts. unter zahlreicher Beteiligung abgehalten wurde, nahm einen angeregten Verlauf, da der Rechenschaftsbericht den Mitgliedern bereits im Druck zugegangen und so die Grundlage für eine Aussprache gegeben war. — Die Herren G r o ß, D r. M i r k i n und Sohlberg unterzogen die Tätigkeit des Vereines einer eingehenden Kritik und führten ans, daß der Verein mit seinem Beschluß, so lange die Misrachi-Föderation nicht besteht, in der belgischen Landesorganisation zu bleiben, seine Werbekraft geschwächt habe. Ihnen erwiderten n. a. die Vorstandsmitglieder Mandel, Trobuschicht, Henri Freudmann und Gottdiener. Herr D. Lemberger, der Vorsitzende, behandelt in seinem Schlußwort den gleichen Gegenstand; die Zentralleitung in Frankfurt a. M., der der Verein seine Bereitwilligkeit zum Anschluß an die Misrachi- Föderation anzeigte, habe gegen ein Verbleiben in der belgischen Landesorganisation nichts eingewendet. Der Verein selbst habe in den letzten 4 Monaten unr 23 Mitglieder zugenommen, er habe seinen Schiurim gepflegt, für den National- und für den Parteisonds (erste Ablieferung hierfür 340 Francs) gesammelt, stehe also keinem Vereine in der Erfüllung seiner Aufgaben nach. — Nach Erstattung des günstigen Kassenberichts wird zu den Vorstandswahlen geschritten; es wurden gewühlt: Rüben Cohn, Henri F r e u d m a n n, K a h a n, D. L e m b e r - ger, W. Mandel, Dr. Rosncr und A. H. Trobuschicht. Petersburg. Wahlsieg. Vorige Woche fanden hier die Wahlmänncrwahlen für die Wahl eines Rabbiners der Petersburger Judengemeinde statt. Zwei Parteien standen einander gegenüber, die halbassimilatorische Volksgruppe und der Block der Zionisten und Nationaljuden. Die Volksgruppe erreichte kann! ein Viertel der abgegebenen Stimmen. Das Resultat dieser Wahl ist ein deutlicher Beweis von dem ausgeprägten jüdischen Nationalbewußtsein der russischen Juden. Jaffa «Palästina). Die Anglo Palestine Co. har heute schon etwa 3 Millionen Francs an Krediten für Juden allein ausstehend. Es ist das ein sehr günstiges Zeichen für die fortgesetzte wirtschaftliche Hebung der jüdischen Bevölkerung Palästinas, die auch in der Tatsache eine Bestätigung findet, daß die Llnglo Palestine Co. bis heute noch nicht einen Pfennig an Krcditempsängcrn eingebüßt hat. Cape Town (Süümrika). Advokar Morris Alexander, der Schwiegersohn Professor Schechters in New 2)ork, ist zum Mitglied oes Parl a m e n t s gewählt worden. Alexander wurde 1877 in Deutschland geboren, genoß seine Ausbildung hier und in Cambridge und begann 1900 seine Praxis als Advokat am hiesigen Obergericht. Er gehört trotz seiner Jugend bereits dem Stadtrat an und ist Präsident der dienen Synagoge. Der zionistischen Bewegung ist er treu ergeben. Dem letzten Kongreß hat er beigcwohnt. Aus den Vereinen. Frankfurt a. SR. Wie man uns mitteilt, beabsichtigt der Verein „Montefiore", einem Bedürfnisse vieler seiner Mitglieder entsprechend, in diesem Jahre erstmals von Vereins wegen die beiden Seder-Abende feierlich zu begehen. (S. darüber auch Bericht der Generalversammlung desselben Vereines!) Es ist geplant, die religiöse Feier und Sudoh im Festsaale des Restaurants Scheuer abzuhalten. Nähere Einzelheiten sind aus dem Anschläge im Bereinslokale zu ersehen, woselbst auch die Einzeichnungslisten für die Teilnehmer ausliegen. Wir begrüßen diese Neuerung als Aeußcrnng des echt jüdischen Geistes inr Vereine, sowie als einen weiteren Schritt, der geeignet ist, die einzelnen Mitglieder zu einem großen, familiären Verbände zusammenzuschließen. Frankfurt a. M., 26. März. Unter sehr starker Beteiligung, cs waren weit über hundert Mitglieder anwesend, fand gestern Mend die elfte ordentliche Generalversammlung des Montefiore- Vereins statt. Der 1. Vorsitzende, Herr Felix Meyer, eröffnete die Generalversammlung und stellte zunächst den Jahres- und Kassenbericht, welcher den Mitgliedern gedruckt zugegangen war, zur Besprechung. Da zum Jahresbericht niemand das Wort ergriff, so darf daraus wohl geschlossen werden, daß die Art, wie der Verwaltungsausschuß die Geschäfteführte, die einmütige Zustimmung der Versammlung hatte. Auch der Kassenbericht wurde debattenlos genehmigt (es wurde zu demselben nur eine Anfrage gestellt) und dem Vorstand Decharge erteilt. Danach hielt der 2. Vorsitzende, Herr Dr. Löffler, eine kürzere Ansprache, in welcher er der Freude des Vorstandes über den Erfolg des verflossenen Bereinsjahres 'Ausdruck gab. Der Verein sei nicht nur nach Außen beträchtlich gewachsen, sondern auch im Innern habe sich eine außerordentliche Kräftigung gezeigt, welche sich besonders durch die immer reger werdende Anteilnahme der Mitglieder an allen Angelegenheiten und Veranstaltungen des Vereins erwies. Dann wurde zur Vornahme der Vorstandsneuwahlen geschritten. Turnusmäßig scheiden aus dem Vorstand aus die Herren: Felix Meyer I, Dr. Gustav Löffler, Wraham Hecht, Henri Ettinger, Selmar Geis und Felix Mayer II. Die Herren Ettinger und Geis lehnten eine eventl. Wiederwahl aus beruflichen Gründen ab. Mit Bedauern wurde davon Kenntnis genommen und den beiden Herren der herzlichste Dank für ihre dem Verein bisher gewidmete Tätigkeit ausgesprochen. Die Wahl ergab folgendes Resultat: Wiedergewählt wurden die Herren: Felix Meyer 1 als 1. Vorsitzender, Dr. Löffler, Hecht und Mayer II. Neugewählt 'an Stelle der Herren Ettinger und Geis, die Herren: Rechtsanwalt A. Horovitz und Siegfried Auerbach. Zu Revisoren wurden gewählt die Herren: Leopold Kaufmann und Joel Löwenthal. Als letzter Punkt der Tagesordnung folgte über verschiedene Dinge eine allgemeine Aussprache, welche lebhaft und mit viel Interesse geführt wurde. Der Berlanr derselben zeitigte manch wertvolle Anregung

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