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Neue jüdische Presse · 1908-03-20 · Heft 12 (20.3.1908) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 12 (20.3.1908)
Date
1908-03-20
Page
– (sequence 9)
Language
German
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",f M Hc. 12 des Frankfurter ~ FammmblMs. Aus der zionistischen Bewegung. 5.— JL 1— „ 6.— Frankfurt a. M Bei der Expedition des Zrankfurter-Jsraclit. Familienblattes gingen für den Nationalfonds ein: Gesammelt in der israelit. Kuranstalt Soden i. T. durch S. D. Frl. Hedwig Wohlsarth zum Geburtstage ihres Bruders Die Seminaristen spenden ihrem hochverehrten Oberhaupt Herrn Rabbiner Dr. Horovitz zu seinem Geburtstag am Purim 1 Oelbaum Frankfurt a. M. Das hebräische Gym. nasium in Jaffa. — Die „Welt" veröffentlicht ein Schreiben der Direktion des hebr. Gymnasiums, Ln dem diese erklärt, daß die Gerüchte bezüglich irreligiöser Tendenzen der an der Anstalt angestellten Lehrer aus der Luft gegriffen seien und in der Anstalt nichts geschehe, was die religiösen Gefühle der palästinensischen Juden verletzen könnte. Das Gymnasium, das bereits 90 Schüler zählt und schon jetzt ca. 10,000 Frs, an Schulgeld jährlich einnimmt, erfreue sich der Sympathie der jüdischen Bevölkerung, und cs befinden sich in ihr Söhne orthodoxer Rabbiner. Der Brief schließt: Unsere einzige, uns stets getoärtige Aufgabe besteht darin, eine Schule zu schaffen, die neben der Erteilung des üblichen modernwissenschaftlichen Gymnasialunterrichtes, ihre Zöglinge im national-jüdischen Geiste zu stolzen, charakterfesten und jüdischen Juden erziehen soll. So einfach und selbstverständlich dieses positiv-nationale Programm auch klingen mag, so bietet doch seine Verwirklichung genug Schwierigkeiten, und es ist die ganze freudige Hingabe unserer. Lehrer erforderlich, um nur einigermaßen der zugewiesenen Aufgabe gerecht zu werden. . Für irreligiöse Tendenzen haben unsere Lehrer weder Zeit noch Neigung oder Interesse. Hamburg-Altona. Am Sonntag, den 8. d. M. veranstaltete die Ortsgruppe des Misrachi von Hamburg-Altona im.großen Saale des Logenheims eine Versammlung, welche von 150—200 Personen besucht war. — Herr Lazarus Barth, Berlin, hatte das Referat über das Thema „Zionismus und gesetzestrcues Indentnm" Übernommen. Die Anwesenden folgten dem einstiindigen Vortrag mit größtem Interesse. Der starke Beifall am Schluß der Rede bewies, daß die Der iammlung in der überwiegenden Mehrheit die Aus Führungen des Referenten voll und ganz billigte. Dem Vortrage folgte eine sehr lebhafte, teilweise erregte Diskussion, welche allerdings mehr einer Auseinandersetzung zwischen Zionismus und Misrachismus als einer Propaganda-Versammlung glich, aber gerade die präzise Entwicklung der beiderseitigen Anschauungen wirkte klärend und führte beiden Bestrebungen neue Freunde zu. Es war fast Mitternacht, als der Vorsitzende Dr. F r a n k die Versammlung schloß. I. H. Hamburg-Altona. Die Misracht-Ortsgruppe faßte in Ihrer Sitzung vom 14. v>s. Mrs. folgende Resolution: „Die am Sonnabend, den 14. Marz 1908, abends 9 Uhr, im Logenheim, Hamburg, versammelten Misrachisten der zionistischen Ortsgruppe Hamburg-Altorra nehmen mit Entrüstung davon Kenntnis, daß in den offiziellen Bureaus der zionistischen Leitung in Köln, sowie in den Bureaus der „Welt" am Sabath in werktäglichster Weise gearbeitet worden ist. ' Sie erheben lebhaft Einspruch gegen die Verletzung der wiederholt in feierlicher Weise von der Kongreßtribüne herab durch die Leitung gegebenen Erllärnng, „daß der Zionismus nichts unternimmt, was den Forderungen des gcsetzestrenen Judentums wiederspricht," und sie erblicken in derartigen Vorkommnissen eine erhebliche Schädigung der zionistischen Werbearbeit in gesetzestrruen Kreisen. Sic verurteilen ferner die fortgesetzt im „Haolam", dem unter den Auspicien der Leitung in Köln erscheinenden hebräischen Organ, veröffentlichten religionsseindlichen Artikel und Besprechungen. Sie fordern mit aller Entschiedenheit die schleunige Abstellung dieser schweren Mißstände. Hamburg,. 14. März 1908. Die Misrachi-Gruppe der zionistischen Ortsgruppe Hamburg-Mtona. gez.: Dr. Franck, gez.: Rechtsanwalt David, d. Zt. Vorsitzender. d. Zt. Schriftführer."*) *) Die Frankfurter Ortsgruppe des Misrachi hatte bereits in ihrer Sitzung vom 4. März eine ähnliche Resolutton gefaßt; jedoch für die Veröffentlichung dieser Resolution in der. Presse hatte sich keine Mehrheit gesunden. Nachdem in unserer vorigen Nummer die Erklärung des Präsidenten Wolffsohn veröffentlicht .worden ist und nunmehr die Bureaus Samstags streng . ' geschlossen sind, hätte man eigentlich annehinen sollen, daß man es sich mit der Zusendung von Protest- . resolutionen an das Aktionskomitee genügen lassen wurde. Der Talmud sagt: Man protestiert nicht ans Vergangenes. D. Redakt. Antwerpen. Misrachi-Berein. DerJahresbericht verzeichnet einen beträchtlichen Zuwachs an Mitgliedern. Der Verein veranstaltete jeden Freitag Mend einen Mogen-Awrohom-Schiur und jeden Dienstag Mend geselttg-literatische Zusammenkunft. Personalien. Berlin. der Chemie Dr. Franz Sachs. Privatdozent an bev Universität, erhielt den Titel Professor. — Kunstmaler Bernhard Salomon, Chef der Königl. Hosdekorationsmalerei Hartwig u. Co. in Charlottenburg, erhielt den bnlgarischenNa tional-Verdien st - Orden mit der Krone. ZuHandelsrichtern wurden ernannt bezw wiederernannt: Emil Masse, Leopold S a l o m o n, Oskar Rathen an, Jakob Weinberg, Julius R e n b e r g und die Kommerzienräte JacqueS M ü hsam Md Hermann Bamberg. Karlstadt (Oesterreich). Sanitätsrat Dr. Friedrich Stern, Ritter des Franz Josef- Ordens, Ehrenbürger der Stadt und Präsident der Jüd. Gemeinde, ist im Alter von 80 Jahren verschieden. Der Verstorbene lvar als Arzt und als Mensch gleich ausgezeichnet. Odessa(Rußland). Der bekannte jüdische Novellist Juda Steinberg ist — kaum 40 Jahre alt — am Magenkrebs gestorben und hat seine Familie — nach dem Lose der jüdischen Schriftsteller — in Not znrückgelassen. Noch einen zweiten schweren Verlust hat zur gleichen Zeit die jüdische Literatur erlitten: I o s u a Dernascheinizky (I. Bersch adsky mit feinem Schriftstellernamen) ist im Wer von 37 Jahren in Warschau gestorben. Auch er hat zahlreiche jüdische Erzählnngen in hebräischer und jüdisch-deutscher Sprache geschrieben. Aus der Lehrerwett. München. Das Kultusministerium hat die Entschließung der Königlichen Regierung der Pfalz, laut welcher der Bezirksrabbiner Dr. Meyer in Zweibrücken seiner Funktionen als Ortsrabbiner der Gemeinde Zweibrücken enthoben war, ansgehoben und die Sache zu neuerlicher Regelung an bie Königliche Regierung der Pfalz zurückverwiesen. Prag. Mit allerhöchster Entschließung vom 10. Febr. hat Seine k. und k. apostolische Majestät die von Seiner Ehrwürden Herrn Ph. Dr. Aladar Deutsch, Rabbiner und Prediger des Kaiser Franz Josef-Jubiläumstempels, anläßlich der Erbauung des Jubilänmstempels heransgegebene Denkschrift: „Die Zigeiner Großenhof und N e u s Y n a g o g e" für die k. k. Familien-Fideikomißbibliothek anzunehmen und zu befehlen geruht, daß Se. Ehrwürden Herrn Rabb. Dr. Deutsch der allerhöchste Dank zur Kenntnis gebracht werde. (Montagcblatt aus Böhmen.) Aus deu Vereinen. Frankfurt a. M., 13. März. Der ein Nach, l'aß Zwi. — Die gestrige Purimfeier des Vereins war glänzend arrangiert, und in froher Erwartung der Darbietungen hatten sich die Mitglieder der Israel. Religionsgesellschaft in dem eleganten Saale der Frankfurt-Loge so zahlreich eingesnnden, daß mehr wie 500 Menschen versammelt waren. Mit. einer der Purimstimmung angepaßten Ansprache in Reimen erössnete Herr R o b e r t A r o n, der Präsident des Festkomitees und Dichter des aufgk führten Purimschwankes, die Feier, und in heiterer Pnrimsttmmung rollte sich dann im bunten Wechsel von Aufftihrungen, Rezitationen, Chorliedern üsw. das Programm ab. Zum ersten Male hörten wir jüdische Volkslieder singen; hoffentlich ein Zeichen des fortschreitenden jüdischen Selbstbewußtseins! Herr OberkantorPessachowitschsang diese Volkslieder in gewohnter Meisterschaft. Zum ersten Male zeigte sich auch Herr Kantor Neu mann von der Hermesweg-Synagoge, der während des ganzen Abends die Klavierbegleitung taktsicher handhabte, als Komponist; er hatte zu dem Austreten eines Schnellmalers — Herr E. Franck — von den die Arbeir desselben begleiteten Melodien mehrere komponiert Auch ein anderer junger Maler, Herr Nathan Jeidel, wartete mit einer Frucht seines Könnens auf; er hatte die Fest-Ansichtskarte entworfen. Auf dem Gebiete der Dichtkunst hatten wir bereits Herrn Robert Aron als. schöpferische Kraft erwähnt, ihm schlossen sich noch die Herren Leopold Oppenheimer und Julius Le Win mit den Kindern ihrer Muse an. Zn den Darbietungen selber sei bemertt, daß viele von ihnen Vorgänge in der Religionsgesellschast und im Nachlaß-Zwi und dem neuen Frauenverein zum Gegenstand ihrer Behandlung hatten. Jeder der auftretenden Herren und Damen war sichtlich bemüht, sein bestes zu geben, Md lebhafter Beifall lohnte jede Piöce. Um keinen der Darsteller zu vergessen, fangen wir mit der Aufzählung ihrer Namen lieber garnicht an, denn, da wir wohl die Schreibfeder, aber nicht die Feder einer Schußwaffe zu führen gewohnt sind, so wollen wir kein Duell mit einem etwa Vergessenen riskieren. Frankfurt a. M. Moritz und Johanna Oppenheimer'scher Kindergarten für Israeliten (Vorsitzender: Professor Dr. A. Sulzbach). Ter 9. Bericht über die Jahre 1906 und 1907 verzeichnet in den Einnahmen: Mitgliederbeiträge 5615 Mk. und 5644 Mk, Kostgelder 509 Mk. und 532 Mk., Geschenke 8495 Mk. und 10327 Mk. ust». und in den Ausgaben: Haushaltung 5953 Mk. und 8112 Mk., Gehälter und.Vergütungen 3465 Mk. und 4068 Mk. usw. — Am il. August v. I. wurde das neue Gebäude, zu dem die Familie v. Rothschild 45 000 Mk. und die Oppenheimer'sche Kinder 100 000 Mk. gegeben hatten, seiner Bestimmung übergeben. — Die Zahl der Zöglinge betrug durchschnittlich 70. Frauksurt a. M. Verein -Montefiore". Der soeben im Druck erschienene Bericht über den Verlauf des 11. Bereinsjahres legt Zeugnis von der weiteren inneren und äußeren Fortentwicklung des Vereines ab. Die Mitgliederzahl ist von 1000 auf 1200 gestiegen. Der Besuch der Vereinsräumlichkeiten — Lesesaal, Schreib- und Restaurattonszimmer — war das ganze Jahr hindurch ein äußerst starker. Vortragsabende wurden insgesamt 18, musikalisch-deklamatorische Abende 3 und außerdem eine Chanuka- und eine Purimfeier abgehalten. Die Benutzung der Lehrgänge — Französisch, Englisch, Stenographie, Turnen — war eine so rege, daß weitere Lehrkräfte' angestellt werden mußten. Zum ersten Mal wurde in diesem Jahre ein literarischer Zirkel arrangiert Während des Sommerhalbjahres wurden allwöchentlich Referatabende mit anschließender steier Aussprache abgehalten. Auch die gemütlichen Zusammenkünfte der Mitglieder an den Freitag-Abenden mit jüdiscy-religiösen und geselligen Borträgen und bei unentgeltlicher Verabreichung von Thce und Gebäck bewährten sich weiter bestens. Von der Bibliothek wurde in ausgiebigster Weise Gebrauch gemacht, so daß an zwei Abenden Bncheransgabe erfolgen mußte. — Der Kassenbericht balanciert mst 9176 JL Frankfurt a. M Eine Purim-Feier größeren Sttles veranstaltete der Montefiore- B e r e i n am gestrigen Mtttwoch Mend in den Räumlichkeiten des Kaufmännischen Vereins. In Hellen Scharen und froh gestimmt eilten die geladenen Mitglieder und Freunde herbei, eines heiteren, genußreichen Menüs gewärtig. Und — wie wir es bei diesem mächtig aufstrebenden Vereine kaum mehr anders gewöhnt sind — die Darbietungen wurden den Erwartungen und Wünschen der Erschienenen durchaus gerecht. Dem freudigen Charakter des Tages entsprechend, hatte die Bereinsleitung ein Programm von durchweg sonnig stimmenden Darbietungen in feinster, künstlerischer Mtönung zusammengestellt. Eingeleitet wurde der Mend durch einen Festprolog, versaßt von Herrn Hch. Bachrach, ei.nem jungen Mitglieds des Vereines, und bestens rezitiert von Frl. Perlmutter. In durchaus beachtenswerter, poetischer Sprache und formgewandt, ries dieser Prolog die Geschichte des Purimfestes in die Erinnerung zurück und schloß schwungvoll mit der Mahnung zu unverbrüchlichem Gottvertrauen und zur Einigkeit — einem in unseren Tagen nur zu wohl angebrachten Appell! — Es folgte ein Biolinvortrag von Frl. Anna Rosenthal, das rühmlich bekamrte Largo von Haendel, mit seiner innigen, zu Herzen gehenden Kantilene. In warmem Tone und feinem Empfinden brachte die junge Dame das Stück zu Gehör. Hierbei, noch mehr aber bei ihrem 2. Auftreten, in dem 8E» Moll-Konzerte von Beriot, mit seinen technisch schwierigen Doppelgriffen und Cadcnzen erregte Frl. Rosenthal durch ihr, das Dilettantenhafte weit überragendes Können und ihren temperamentvollen Vortrag freudiges Aufsehen und impulsiven'Beifall. Für gute, gesangliche Leistungen errangen sich sodann Frl. Sophie Krawitz und Herr Karl Tenscher den Dank die wohlverdiente Anerkennung der Hörer; erstere sang die Pagen-Arie aus Ugaros Hochzeit von Mozart und zwei heitere Lieder von Brahms, Herr Tenscher das Ständchen aus "Mozarts „Entführung aus dem Serail", sowie Lenz von Hildach. In die ausschließlich humoristischen Dellamationen und die ihnen folgenden, förmlichen Stürme des Beifalles teilten sich die Herren I. B. Levi und Siegsr. May. Herr Levi^ rezitierte eine köstliche Purim--Parodie über den Inhalt der Megilloh, in die neueste sensationelle Ereignisse auf politischem und künstlerischem Gebiete hineingcflochten waren; selbst die Enteignungsvorlage und der „Fall Tschudi" fehlten nicht und wurden mit seinem Witze gegeiselt. Herr Levi hat den begeisterten Beifall für diese treffliche, dichterische und deklamatorische Leistung wohl verdient. Gleiches gilt aber auch von den humorvollen, echt künstlerischen „Cabaret"-Bortragen des Herrn May, die den Beschluß des 1. Teiles bildeten, und deren jeder einzelne ein besonderes Cabinett-Stückchen bedeutete. Wie er aber auch in dem Heine'schen Gedichte „Sie saßen beim Tee", die Aeußerungen der ^59364 48

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