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Neue jüdische Presse · 1908-02-14 · Heft 7 (14.2.1908) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 7 (14.2.1908)
Date
1908-02-14
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. ArarSfnrter JfraelitiM- AamilienAatt. Nr. 7. eine größere oder Heinere Zahlung leisteten, während die übrigen Wohnung- Verpflegung, Kurinittel und Arzt frei erhielten. Das Grundvermögen der Anstalt schließt mit einem Wert'von 431000 Jk Sb, die Einnahmen und Ausgaben balanzieren mit 45000 JL ll-.l Posen., Neuer Turnverein Posen imVerbandederjüdischenTurnerschaft. Im abgelaufenen Jahre hat sich die Mitglieberzahl und der Besuch der Turn- und Fechtstundcn auf der Höhe gehalten^pLdlr die Abhaltung der Turnmärsche und der LunWiiele, für die jetzt von der Kgl. Kommandantur der Exerzierplatz zur Verfügung gestellt worden ist, litt unter den ungünstigen Witterungsverhältnissen. A«s der zionistischen Bewegung. München. Die zionistische Ortsgruppe hatte auf Dienstag, den 11. Febr., nach langen Pause wieder einmal zu einem größeren Vortragsabend eingeladen, und dem Ruf. waren Mitglieder und Gäste in so großer Zahl gefolgt, baß der Saal bis ans den letzten Platz gefüllt war. Es war aber auch ein besonderer Genuß, der diesmal geboten wurde. Neben dem als Kanzelredner in Berlin sich einer großen Beliebt Heft , erfreuenden Herrn Rabbiner Dr. Emil Le v y sprach der als Gelehrter und Philosemit rühmlichst bekannte Franziskanerpater Herr Dr. Engelbert Huber, der auf mehrfachen Reisen in Palästina Gelegenheit hatte, Land und Leute gründlich kennen zu lernen. Während die Vertreter unseres Stammes, Gemeindevertreter und Rabbiner, nnr in sehr geringer Zahl die zionistischen Bestrebungen unterstützen, und hier es nicht einmal der Mühe wert erachten, einer Versammlungseinladung Folge zu leisten, steht ein christlicher Geistlicher und Gelehrter nicht an, der Sachp seine Dienste zu weihen und die Juden aufzufordern, dem Zionismus in der wichtigen Frage der Kolonisierung Palästinas und ganz besonders der Schaffung einer öffentlich-rechtlich-gesicherten Heimstätte hilfreiche Hand zu leisten. Pater Dr. Huber schilderte in seinem Vortrag an der Hand von Lichtbildern die geogrophischen u. geologischen Verhältnisse Palästinas, das er mehrmals in wissenschaftlichem Interesse bereist hat. Licht- und Schattenseiten gleichmäßig verteilend, kam er zu der Bemerkung, daß das Land die Arbeit lohnt. Es bleibe .Kr die jüdischen Kolonien im Gegensatz zu den nichtjüdischen noch, viel zu-leisten, und das geschehe am Westen, wenn man die Kolonisten mehr auf eigene Füße -stelle und nicht das Prinzip der Wohltätigkeit allein gelten lasse. Die Leute sollten sich mehr selbst helfen, wie es die deutschen Kolonisten tun, und sich nicht zu viel auf die Hülfe ihrer Glaubensgenossen verlassen. Der Redner schloß mit dem Satze, „d a ß jeder rechtlich denkende Mensch die Bestrebungen der Zionisten unter st ätzen könne und ganz besonders die Israeliten sie nnterstützen sollten." Was sagen unsere jüdischen Antizionistcn .zu den Worten dieses ehrlichen Franziskanerpat-rs? Schließlich sei noch erwähnt, daß Dr. Huber auch die Gastfreundschaft in den jüdischen Kolonien erwähnte; besonders dankbar sei er noch heute der Kolonie „Sichren Jacobs" für die ihm in jeder Beziehung bezeugte Aufmerksamkeit. Nach ihm ergriff Herr Dr. Emil Levy, Rabbiner ai. der.Synagoge in der Passauer Straße in Berlin, das Wort zu seinem Vortrag „Blut und Erde". Es würde zu weit führen, die einstündige Rede ausführlich wiederzugrben; hoffentlich macht Herr Dr. Levy durch Drucklegung dieselbe dem großen Publikum zugänglich. „Unsere Existenz und Erlösung ist nur dann möglich, wenn jüdisches Blut in die jüdische Erde versetzt, auf diese Weise kräftige Wurzeln gezeitigt und erhalten werden," war der Sinn seiner Worte. Beide Redner wurden durch lang anhaltenden Beifall belohnt. Wenn es der Ortsgruppe gelingt, mehrere solche Veranstaltungen zu arrangieren, dann kann der Zionismus auch in München, derjenigen Stadt, welche den ersten Kongreß in ihren Mauern vereitelte, noch zur gedeihlichen Entwicklung gelangen. ll.) Posen. Zionistischer Distriktstag. Der 2. Distriktstag fand unter zahlreicher Beteiligung hiesiger Zionisten und Delegierten aus. 15 Orten des Distriktes statt. Vertreter des Berliner Zentralbureaus, des Neuen Turnvereins und des Vereins für jüdische Juteressen begrüßten die Tagung; telegraphische Begrüßungen lagen vor aus Wrcschen, Plescheu, Breslau, Tarnowitz, Hamburg, Köln. Der Vorsitzende erstattete den Tätigkeitsbericht des Distriktsbnreaus, das im vergangenen Jahre 250 Eingänge und 275 Ausgänge hatte und mit 14 Ortsgruppen und insgesamt 40 Vertrauensmännern in Beziehung stand. An den Bericht knüpste sich eine rege Diskussion, vorwiegend über Organisations- und Propagandafragen. Alsdann hielt Dr. Rosenberg ein sehr eindrucksvolles Referat über die „Lage im Zionismus nach dem VIH. Kongreß". Die Nachmittagsverhandlungen brachten zunächst ein vorzügliches Referat von Frl. Ella Fink über „Nationale Arbeit der jüdischen Frau". Nach kurzer Diskussion über das Referat folgte eine längere, sehr lebhafte Debatte über das Referat des Herrn Dr. Rosenberg. Alsdann referierten die Herren Dr. Köllen scher - Posen und Rosenthal - Wronke über „Jüdische Gemeindepolitik". Auch hier entspann sich noch eine lebhafte Aussprache. Um 9 Uhr fand zu Ehren des Distriktstages im: großen Bazarsaal eine öffentliche Versammlung statt, die von fast 500 Zuhörern besucht war. Rechtsanwalt Gronemann sprach über die Probleme der „Jüdischen Mission und Assimilation". Wien. Dr. Isidor Schalit hat seine Stelle» als Obmann des zion. Landeskomitccs und als Präsident des zion. Nationalvereincs niedergelegt; sein Mandat als Mitglied des Großen Aktionskomitees behält er bei. Die, „Jüd. Ztg.", das offizielle zion. Organ für Oesterreich, gibt als Grund des Rücktritts Gesundheitsrücksichten an, die „Neue National-Ztg." sein persönlich gehässiges Auftreten im „Deutsch-Demokratischen .Verein", das zu einem Tumult geführt hatte und von der Wiener Tagespresse scharf verurteilt wurde. Czernowitz (Bukowina). Ein Delegiertentag der Vertrauensmänner der jüdisch-nationalen Partei irr der Bukowina beschäftigte sich mit den Maßnahmen zur Schafftmg einer Organisation der gesamten Bukowinaer Judenschaft auf nationalvölklicher Grundlage. — Präsident David Wolffsohn weilt gegenwärtig in den österr. Ländern. Am 4. Februar hat er zum ersten Meile in Oesterreich-Ungarn in einer öffentlichen Volksversammlung gesprochen, und zwar in Osijek. Er schloß seine s/^swndige Rede: „Ich kann versichern, daß die türkische Regierung unsere Bewegung durchaus nicht für eine Utopie hält und daß sie immer mehr zur Ueberzeugung kommt, daß es nicht nur den Juden, nicht nur Palästina, sondern auch dem türkischen Reiche selbst große Vorteile bieten wird, wenn die große jüdische Einwanderung vollbracht sein wird, und daß dies heute nicht mehr an der türkischen Regierung, sondern an uns selbst liegt. Wenn das jüdische Volk erst den Willen haben wird, wenn die Mittel vorhanden sein werden, dann bin ich sicher, daß auch alle Nichtjuden auf unserer Seite sein werden." Venedig «Italien) Am 22. und 28. Februar wird hier der zionistische Parteitag für Italien stattfinden. Jaffa (Palästina). Eine Mühle wird von Juden aus der Kolonie Rechoboth in dem 3000 Einwohner zählenden und an der Fahrstraße Jaffa—Gaza liegenden Jabne errichtet. — Eine Kalkbrennerei ist in En-Nebi bei Ramleh von einem Juden namens Broh errichtet worden. Bereins-Kalender. „Moutefiore"-Verein. Mittwoch, den 19. Februar, abends 9 Uhr, Herr Rabbiner Dr. Jakob Horovitz: Egoismus und Mtruismus. Verein Mekor-Chajim. Sonntag, 16. Febr., abends 6 Uhr (Schützenstraße 2): Vorlesung des Herrn Pros. A. Wehl", aus „Seser Schauftim". Verein „Nachlaß Zwi". Mittwoch, den 19. Febr., 9 Uhv abends: Lcktürcabend IX. 3. B. M.-, 19, 11 u. ff. ' Verein Tiferes Bachurim. Sonntag, de» 16. Februar, Vortrag des Herrn. Prof. Dr. A. Sulzbach: „Die Entwicklung der Neformbewegung in ^Deutschland". . (3. Vortrag des Zyklus.) Jüdischer Franeuverein E. V. Montag, den 17. Februar, abends 8Vs Uhr, im Saale des Kaufmännischen Vereins, Langestr.: „Das Märchen und das Kind". ReferenUn: Frl. Helene Posen. Diskussion. Gäste (Damen) willkommen. 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