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Neue jüdische Presse · 1908-02-14 · Heft 7 (14.2.1908) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 7 (14.2.1908)
Date
1908-02-14
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Oeite 4. 0 leuiffeton. 0 Der Prior. Historische Erzählung von Friedrich Rott. Fortsetzung.) Der Tori, in dem er diese Worte sprach, erfüllte mich mit Grauen; ich fühlte, wie ich erblaßte. Das schien den inr übrigen mildherzigen Mann lviedcr weicher zu stimmen. Er gebe rnich trotz allem noch nicht für verloren — sagte er — und er müsse cs mir im Grunde Dank wissen, daß ich nichts versprechen wolle, was ich nicht zu .halten gedächte; er werde fortarr Maßregeln treffen, die jeden Fluchtversuch unmöglich machen würden. Daraus befahl er zwei Klosterbrüdern, mich keinen Moment aus den Augen zu lasse». Dann fragte er, ob ich schwimmen könnte und als ich dieses verneinte, befahl er, mir für die Nacht eine Zelle anzuweisen, die, wie dieses Zimmers hart am Flusse liegt. Dann ließ er mich, zum Fenster hintreten und zeigte mir die Gefahr eines Sprunges in den tiefen reißenden Fluß. Trotzdem, in der folgenden Nacht, als alles schlief, erhob ich mich vorsichtig und kletterte, wie in der verwichenen Nacht, hinauf auf das Fenstergesims. Geräuschlos öffnete ich das Fenster — und, meine Seele Gott befehlend, sprang ich hinunter in die, wie ich wähnte, reißende Flut. Wer ich hatte die Worte des Priors zu buchstäblich genommen, der Fluß war hier keineswegs übermäßig tief und damals war er sogar ungewöhnlich seicht, das Flußbett voller Steine. Wimmernd in unsäglichen Schmerzen lag ich in dem seichten Wasser, ohne mich von der Stelle bewegen zu können, denn meine beiden Beine waren mehrfach gebrochen, nur mit den Händen konnte ich mich auf den Grund stützen, um den Kopf über dem Wasser zu halten." „Armer, armer Bruder!" sagte der Andere mitleidig in sich erschauernd, „und ich konnte mich vermessen. Dir.vorzuhaltcu, was Du hättest tun müssen! — Kannst Du mir in Wirklichkeit verzeihen?" „Närrischer Junge, hältst Du mich in Wirklichkeit ■' für so kleinlich?" „Wer nein, wie könnte ich'Dich für kleinlich halten! — Doch erzähle weiter, was hast Du getan?" „Was hätte ich tun können? wem beide Beine zerschmettert sind, der ist machtlos. Aechzend bin ich im Wasser gelegen, wie lange, das weiß ich nicht, in den grauenvollen Qualen ist mir jede Minute zur Stunde geworden. Aber der Klosterbruder, der mit mir in derselben Zelle geschlafen hatte, war, wie in der vorigen Nacht, durch die durch das geöffnete Fenster hereinströmende Luft erwacht. Er war zu dem offenstehenden Fenster geeilt, zu dem wein Wimmern aus der Tiefe enipor drang und hatte den 'Zusammenhang sofort erraten. Auch der Prior und noch einige Klosterinsassen, deren Zelle an der Flußseite lagen, waren erwacht. Mit brennenden Kienspänen eilten sie hinaus zum Flusse, dem Verunglückten zu helfe». Ich litt unsäglich, aber ich muß es anerkennen: alle, die durch mich in ihrer Nachtruhe gestört worden, waren nach Kräften bemüht, meine Schmerzen zu lindern, und niemand machte Mir einen Vorwurf über meinen abermaligen Fluchtversuch, sondern nur darüber, daß ich in leichtsinniger Weise mein Leben aufs Spiel gesetzt hatte. Wir hatten damals im Kloster einen sehr tüchtigen Arzt, der sofort an meinem Schmerzenslager war, die mehrfachen Brüche einrichtete und die erforderlichen Verbände anlegte; dann übernahmen die Brüder abwechselnd meine Pslege, denn die grauenvollen Schmerzen, vermutlich noch erhöht durch die vorangegangene und noch anhaltende Gemütserregung, erschwerten die Pflege ungemein und erforderten oft He Anwesenheit mehrerer Personen, uni den oft 'Bewußtlosen, oft inr Delirium Liegenden in der erforderlichen Lage zu halten. Auch der Prior verbrachte täglich mehrere Stunden an meinem Lager, mich tröstend, sür.mich betend und mir hin und wieder auch kurze heitere Geschichten erzählend. Auch er hatte mir in den ersten Wochen mit keiner Silbe einen Borwurf gemacht; erst nachdem das Fieber geschwunden und die Schmer- Frünkfurter ZsraEWeS FatnilienblaÜ. zen nachgelassen hatten, begann er — ohne eine Miene des Borwurfes —, über das' Unglück, das mich getroffen, mit mir zu sprechen. Ob mir das Bibelwort bekannt wäre: Maß für Maß? Ich bejahte selbstverständlich. Seit meinem Unfall inüsse er beständig an diesen Ausspruch denken, denn er habe sich bei mir wunderbar betoährt. Ob mir das nicht auch ausgefallen wäre? Ich schüttelte verständnislos den Kopf. Daraus begann er in seiner milden, salbungsvollen Weise mir das Frevelhafte meines Vorgehens auseinander zu setzen. Wie ich gleich dem Propheten Jonas mich der Fügung Gottes habe entziehen wollen, wie ich dem heiligen Orte, an dem mir das höchste Heil zu Teil werden sollte, habe entfliehen wollen und wie ich nun an demselben gestraft worden, durch das ich gesündigt hatte. Mit meinen Füßen, hätte ich dem meiner ivartenden Heile entfliehen wollen, darum wäre mir der Gebrauch meiner Füße noch für eine Reihe von Monaten gewehrt. Er habe mir bei einem wiederholten Fluchtversuch mit schwerer Strafe gedroht, doch ein Höherer habe mich gestraft; ich hätte grauenvoll gelitten. Da erkenne man mit erschütternder Deutlichkeit den Gottesfinger.' Bon seiner ganzen Strafpredigt erschütterte mich nur das Eine, daß ich noch Monate hindurch an dem Krankenlager sollte gefesselt sein. Ich fühlte, daß Tränen meine Augen füllten und mir langsam über die Wangen glitten. Der Prior nickte mir freundlich zu. Ich solle inich nicht aufregen; er habe sich verpflichtet gefühlt, einmal mit mir über den Vorgang zu sprechen, mir mein frevelhaftes Tun und die dafür empfangene Strafe zu Bewußtsein zu bringen, damit ich meine Sünde bereuen und den festen Vorsatz fasse» könne, nie wieder in ähnlicher Weise zu sündigen. Er hielt mir die Hand hin und forderte mich auf, meine Hand in die seine z'n legen, ihn? so zu geloben, nie wieder an eine Flucht zu denken. Wer meine Hand regte sich nicht. Da nahm er sic und legte sie in seine Hand und sagte lächclird: „Nun hast Du es mir doch gelobt". Ich aber schüttelte energisch den Kopf, und unwillkürlich ballten sich ineinc Hände zusammen. Da schüttelte er schwer seufzend den Kopf, aber meine Hand gab er dennoch nicht frei und sprach — wie dereinst unser "Vater Jakob, als er mit dem Engel rang —: „Ich lasse Dich nicht. Du habest Mich denn gesegnet." Und nun begann er in seiner salbungsvollen Weise, mir die Lehren der christlichen Religion vorzutragen, und als er geendet hatte, sprach er: „Hier hast Du die Grundlehren unserer heiligen Religion, nun sag' an, kannst Du Dir heiligere, erhabenere Lehren denken?" „Nein," erwiederte ich, „heiligere Worte kann ich mir nicht denke», denn es sind doch dieselben Worte, die Gott zu unserem Lehrer Moses gesprochen hat, damit er sie die Kinder Israel lehre. Das habe ich im Pentateuch gelernt." Da wurde er dnnkelrot und blickte wie verlegen vor sich nieder, dann aber "begann er ivieder: „Ja, ja, ganz recht, das sind die Worte, die Got dereinst zu dem Profeten Moses gesprochen hat. Denn unser Herr war ja auch ein geborener Jsraelitc und hat daher die hehrsten Lehre» der jüdischen Religion seiner Religion cinverleibt und dieselben weiter entwickelt. Die Liebe, die unsere Religion lehrt, ist eine ganz andere, als diejenige, die das Judentum lehrt. Wir kennen keinen Gott der Rache, sondern nur einen Gott der Liebe, der keine blutigen Opfer will, sondern Liebe und nur Liebe." So sprach er noch lange fort, ohne daß ich ihn unterbrochen hätte, denn einerseits war ich Zu matt, andererseits zu schüchtern und überdies im vorhinein überzeugt, daß alles, was ich ihm hätte sagen können, ihn doch nicht überzeugt haben würde. Ich schwieg daher, ohne zu bedenken, daß er mein Schweigen mißdeuten könnte. „Ich wußte es ja," fuhr er fort, „Du bist nicht so verstockt, wie Du scheinen möchtest; man muß 'Dir nur eine Sache klar darlegcn, so siehst Du sie ein, denn Du hast einen scharfen Verstand. Und nun, nachdem Du weißt, daß unser Herr ausdrücklich gesagt hat: „Nicht darauf kommt es an, was in den Mund hineingeht, sondern darauf, - was aus dem Mund heranskommt," nun wirst. Du Dich nicht mehr weigern, _Nr. 7. auch kräftigende Fleischspeisen zu genießen, damit Dn rascher gesundest. Nicht wahr?" Ich schüttelte abermals verneinend den Kopf. „Ich werde nie verbotene Speisen genießen." „Aber Dir sind" doch keine Speisen verboten, Du bist ein Christ so gut wie ich, in Spanien gibt es keine Juden." „Ich weiß es," erwiderte ich, „wir sind alle getauft, nian nennt uns Neuchristen — aber ich kann mir nicht denken, daß die paar Tropfen Wasser bas, wozu uns das Gottcswort verpflichtet, anslöschen können." Er schnellte empor, als hätte ihn eine Viper gebissen. „Wenn man Dich hörte! — wenn man Dich hörte! — Herr Gott im Himmel! — Trotz Miner gebrochenen Glieder würfe man Dich in den Kerker und kein Mensch würde Dir kräftigende Nahrung anbieten. Schimmliges Brot und übelriechendes Wasser wäre noch das Beste, »vorauf Du rechnen könntest — darum beschwöre ich Dich, Gianonro, lasse derartige Reden keinen Menschen hören, sonst bist Du verloren. Was inich betrifft, so will ich sie vergessen, denn ich will Dir wohl. — Glaubst Tu es, Kind, daß ich Dir »vohl will?" Sei» Ton >var »vieder 'so innig, ich möchte beinahe sagen liebevoll, daß ich inich bezwungen fühlte, — und unaufgefordert legte ich jetzt nieine Hand in die seine und sagte schüchtern: „Ich glaube es, daß Ihr mir wohl wollet, hochwürdiger Herr, und darum werde ich derartige Worte nie wieder sagen, so lange ich hier im Kloster sein werde." (Fortsetzung folgt.) Kaiser Friedrich Quelle ■ Offenbach a. M. —— Gegen Gicht and Rheumatismus bewährt. Wocheu-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem Luach.) SamStag, den 15. Februar (= 13. Adar): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 5 Uhr 10 Min. Sabbat-AuSgang in Frankfurt a. M. 6 Uhr 30 Min., in Berlin 6 Uhr — Min. Im Wochenabschnitt Tezawe hören wir zunächst von der Herrichtung des goldenen Leuchters. Tagtäglich hatte ihn der Priester zu reinigen, mit reinstem Olivenöl zu füllen und anzuzünden: ein Symbol des in Israels Mitte rein strahlenden Thoralichtes. Der Priester ist der Thoralehrer. — Sodann sind die Priesterkleider genau beschrieben. Mr gewöhnliche Priester trug 4 Gewänder: Beinkleider, Leibrock, Gürtel, Mütze; der hohe Priester 8 Gewänder: die vorgenannte», dazu einen Ueberrock, einen Efodmantel, einen Brustschild, ein Stirnblcch mit der Aufschrift „Heilig dem Ewigen". Am unteren Saum des Obermantels waren goldene Glocken und goldene Granatäpfel abwechselnd befestigt. Das Geläute kündete die Ankunft des Hohenpriesters im Heiligtum an. Im Brustschild 12 Edelsteine mit den 12 Stämmenamen; ans über die Schultern laufenden Trägern 2 Edelsteine mit je 6 Stämnienainen. Auch die Priestcrklcider haben symbolische.Bedeutung: der Gürtel z. Bsp. scheide den tierischen Unterkörper von deni menschlich schönen Oberkörper. (Daher nach Schulchan-Aruch Pflicht jedes Inden, einen Gürtel zu tragen!) Die Steine auf Brust und «chnlter besagen: Der Priester trägt Israel voll Liebe auf dem Herzen, er trägt die Verantwortung (Last) für sie auf den Schultern. — Am Ende des Wochenabfchnittes die Vorschrift für die siebentägige Priesterweihe, die Weihe, das Tomid-Opser (bestand. Opfer) und der Befehl, den Räucherod. goldnen Altar zu errichten und täglich darauf Rauchwerk (Gewürze)) zu verdampfen. Beständiges Opfer und Räucherwerk jeden Tag morgeils und abends. (Ihm entspricht unser Morgen- und Minchogebet.) Lehre daraus: Jeden Tag sei unser Leben Gott geweiht und zwar vom Morgen bis zum Abend. Sonntag (16. Febr.) ist Purim-Kotaun od. Kleinpurim, am Montag (17. Febr.) Klein-Schuschanpurim. Tachanun, Lamnazeiach (Ps. 20), El-Erech- Apajim, Jehi-rozaun vor Thoraeiuheben, . Ziduk hadin bei Beerdigung u. s. f. Mit weg. — Das eigentliche Purim ist erst im 2. Adarmonat. Offenbacber Druckluft »Anlage Telefon 123. ..Ottenbach a. JI. Telefon 123. Unübertroffene bewährteste -Tb p p 1 eil P 6 ln lffU N ff.

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