Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 6 (1908)
- Issue
- Heft 6 (7.2.1908)
- Date
- 1908-02-07
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12. Nr. 6 Jiuiifjuitcr ^sjradin(d)t'3 ($aiuUtai6taÜ. sprach für den verhinderten Herrn Dr. Heincmann Herr Rabbiner Dr. Salfeld-Mainz über „Das bürgerliche und jüdische Leben der deutschen Juden im Mittelalter." Der Redner ließ seine Zuhörer eine Reise durch Deutschlands'Gaue und durch die verschiedenen Jahrhunderte machen. Der Ausgangspunkt war Köln um die Mitte des 12. Jahrhunderts — hier genossen damals die Juden noch alle bürgerlichen Rechte und trieben einen Großhandel nach allen Weltteilen; dreimal im Jahr war die Kölner Messe, und die nach Köln gekommenen Juden benutzte» die Gelegenheit zu gemeinsanien Beratungen, einer Art „Judentag" —; dann ging die Reise nach Nürnberg, wo 1296 die Juden sich noch frei fühlten, aber bereits 1298 infolge der Mär der Hostienschändung ein Blutbad über sich ergehen lassen mußten, bei dem 89V von ihnen ermordet wurden; das nächste Jahrhundert versetzte die Zuhörer nach Worms und machte sie mit Rabbi Meir von Rotenburg bekannt, der seine Brüder wieder nach Palästina zurückführen wollte, aber vom Kaiser Rudolf, der die Wgaben seiner „Kammerknechte" nicht einbiißcn wollte, bis zu seinem Lebensende gefangen gehalten wurde; ein Sabbat in Trier, eine Hochzeit in München, ein Sederabenb in Mainz und die Judcngasse in Frankfurt waren dann die weiteren Stationen der Reise, die 1741 mit einer Hochzeitsfcier eines Wischen Hoffaktors im Palastc ~ des Fürsten von Dessau endete. Frankfurt a. M. Der Verein Gumpertz'sches S i e ch e n h a u s, der ini Vorjahre ein neues Heim bezog, vereinnahmte im abgelaufenen Jahre 53 600 Mark und verausgabte 49 000 JL Durch ' die Erweiterung des Betriebes mußte ein zweiter Arzt ongestellt und konnten 21 männliche - und 38 weibliche Personen verpflegt werden, von denen 7 starben und 6 entlassen wurden. Berlin. Der Jüd. Turnverein Bar Kochba vereinnahmte im abgelausrnen Jahre 3141 Mark und verausgabte 2767 JL In der jüngsten Generalversammlung wurden Rechtsanwalt Dr. Glücksmann zum 1. Vorsitzenden und Dr. Elias Auerbach zum 2. Vorsitzenden gewählt. Köln a. Rh- Am 2. Februar Wd Hier unler dem Vorsitz des Stadtverordneten I. B. Jonas- M. Gladbach die G e n c r a l v c r s a in m l u n g des Vereins fürdie jüd. Interessen Rheinlands statt. Der Vorsitzende erstattete den Bericht, dem wir folgendes entnehmen: An mehreren Orte» lvurdc Religionsunterricht neu eingerichtet und snbvintioniert. Es sind in rnehrercn großen Städten die behördlichen Genehmigungen zu einer gute» Schcchitah zu verzeichnen, sowie die Regelung der Schcchitah in vielen kleinen Städten. Besonders hat der Verein sein Augenmerk auch auf Errichtung von Ritualbädern gerichtet. Seit seinem Bestehen iviinlcn deren 10, die allen rituellen und hygienischen 'Anforderungen entsprechen, der Benutzung übergeben werden. Der Fortbildung der Lehrer dienten besondere an' 2 Plätzen eingerichtete Kurse. Vorträge, Wisch-wissenschaftlicher und religiöser Art, werden fortlaufend an kleineren und größeren Plätzen der Rheinprovinz abgehalten. Die Zahl der sich an den Verein anschließenden Gemeinden wächst erfreulicherweise. Der Rendant konnte gleichfalls einen zufricden- ' stellenden Finanz-Bericht geben. Die Einnahmen und Ausgaben balanzierten mit zirka 14 000 JL bei einem Vermögensbestande von zirka 5000 JL Nürnberg. Die Freie Vereinigung für dieJ nteres sc n derart hod. In d^n hielt hier am 2. ds. Mts. unter zahlreicher Beteiligung eine Versammlung ab. Herr G r ü n b a u m präsidierte und die Herren Distriktsrabbincr Dr. K o h n - Ansbach und Kaufmann Jakob Rosen heim - Frankfurt referierten. Mannheim. Wie in Karlsruhe, hat sich auch hier eine Liberale jüdische Vereinigung gebildet. Aus der Lehrerwett. Berlin. Ein Prüfungs-Ausschuß für jüd. Religionslehrer und-Lehrerinnen. — An die Vereinigung jüdischer Religionslchrer Berlins i,c wiederholt die Aufforderung herangetretc», einen Prüfungsausschuß für jüdische Religionslehrer und -Lehrerinnen zu bilden. Die Zahl der Lehrpersonen ist nicht unbeträchtlich, denen es versagt war, sich aus normalem Wege durch Besuch eines ScniinarS die erforderliche Qualifikation zu erwerben. Für Religionslehrerinnen fehlt es gänzlich an einer derartigen^ Anstalt. Allen diesen, die sich, durch Privat¬ oder 'Selbststudium das erforderliche Wissen angecignet haben, soll die Prüfungskommission der Vereinigung jüdischer Rcligionslehrer Berlins die Möglichkeit bieten, sich einen Ausweis über ihre Qualifikation zu verschossen. Der Prüfungsplan, vor ca. \lfi Jahre» entworfen und in mehrfachen Beratungen eingehend durchgearbeitet, ist folgender: Die Vorbedingungen der Zulassung zur Prüfung sind: Der Nachweis a. eines streng-religiösen Lebenswandels int Geiste des gesetzestreuen Judentums, unter Anführung maßgebender Referenzen; b. des Besitzes einer allgemeinen Bildung, nötigenfalls durch Anfertigung einer schriftlichen Arbeit über ein zu stellendes Thema. Die Prüfung selbst ist zunächst eine schriftliche (Klausurarbeiten), über je ein Thema aus dem Gebier' der Gebete, der Bibel, der Geschichte und der Religionslehre. Von dem Ausfall dieser hängt die Zulassung zur mündlichen Prüfung ab, die sich ans sämtliche Fächer des Religionsunterrichtes, einschließlich der allgemeinen Pädagogik erstreb. Hierauf folgt eine praktische Lehrprobe an einer Religionsschutc in Gegenwart der Prüfungskommission. -An Lehrerinnen werden die gleichen Ansordernngen gestellt mit Ausnahme der rabbinischen Litteratnr, deren Kenntnis im Urtext von Lehrerinnen nicht verlangt wird. Gesuche um Zulassung der Prüfung, sowie alle Anfragen sind an den Schriftführer der Vereinigung, Herrn Direktor Tr. M. Hildesheimer, Berlin N. 24 Linienstr. 111, zu richten. Mayen iRbeinvrovinzj. Im Alt-r von71 Jahren verschied nach 40jähriger Amtstätigkeit unser Kantor, Herr Jacob Treidel. Er hinterläßt das Andenken eines frommen, edlen Menschen. Breslau. Das Jüd. Theolog -Seminar zählte, nach dem letzten Jahresberichte 28 Hörer, welche von Professor Dr. Levy, Dr. Brann und Dr. Hrroi.'itz unterrichtet wurden. Entlassen wurden: Dr. Bruno Italiener (jetzt Rabbiner in Daruistadt), Dr. Ludwig Golinski (jetzt Rabbiner in Pilsen) und Dr. Hermann Schreiber. — Die Scminarbibliothek umfaßt 17 799 Druckwerke in 23 640 Bänden und 212 Hondschrifien in 248 Bänden. Der Rosin'sche Preis für das Thenia „Darstellung der Ethik des Bachia Jbn Pcchuda" wurde dem einzigen ^Bewerber Dr. Albert Kahlberg und der Josef Lehmaun'sche Preis für das Thema „Untersuchung des Targum Scheni zu Esther aus seine Quellen" dem einzigen Bewerber Dr. Julius Wolfsohn ziigcsprochcn. Kostcl «Mähren). Rabbiner JakobHosfmann. bisher am Bethausvercin „Alontesiore" in Wien, wurde zum Rabbiner der hiesigen Knltuegcmeiiide gewählt. New-Aork. Direklor Dr. Schcchter vom Jüd- Thcolog. Seminar für Amerika hat Rabbiner Chajini Tschcrnowitz, Direktor der J-schiwa in Odessa, die Stelle eines Professors für Talmud an dem Seminar angeboten. Rabbiner Tschcrnowitz, ein Schüler Rabbi Elchanan Spector's s. A. in Kowno, hat gleichzeitig einen Ruf als Oberrabbiner nach Riga und als Rabbiner einer großen Genicinde in Petersburg erhalten. Personalien. Wien. Im Alter von 80 Jahren verschied die Witwe Minna von Leon, Großmutter der Gemahlin des Ministerpräsidenten Baron Beck, und wurde auf dem jüdischen Friedhof beigcsctzt. New-Aork. Der Millionär Louis Stern. Präsident des jüdischen Waisenasyls, hat seine Tochter mit 'dem schweizerischen Baron Leo v. Brassenried, einem Christen, vermählt. Die Trauung wurde von einem katholischen Prälaten und einem jüdischen Richter vollzogen. Hossentlich legt Herr Stern jetzt sein jüdisches Ehrenamt nieder. — Herr Stern ist, wie anfügcnd bemerkt sei, in Deutschland durch sein Rekontre mit dem Bezirksamtmann bon Kissingcn bekannt. Bunte Chronik. N i e tz s ch e über die Juden. Ein bisher unbekanntes Manuskript Nietzsches veröffentlicht die „Wiener Zeitschrift für Musik") der der Besitzer der Handschrift, Herr Moritz Nosenthal die Erlaubnis hierzu erteilt hat. Eine längere Betrachtung widmet dort der große Philosoph den Juden, über die er n. a. sagt: „Die Tschandala sind obenauf; voran die Inden. Die Juden sind im unsichern Europa die stärkste Rasse: denn sie sind dem Rest durch die Länge ihrer Entwicklung überlegen. Ihre Organisation setzt ein reicheres Werden, eine gefährlichere Laufbahn, eine größere Zahl von Stufen voraus, als alle anderen Völker aufweisen könne». Jud ist beinah eine Forincl für Ucberlegenheit. — Eine Rasse wie sonst'irgend ein organisches Gebilde kann nur wachsen oder zugrunde gehen; es gibt keinen Stillstand. Eine Rasse, die nicht zu gründe gegangen ist, ist eine Rasse, die in einemfort 'gewachsen ist. Wachsen heißt vollkommen werden. Die Dauer im Dasein einer Rasse entscheidet mit Notwendigkeit über die Höhe ihrer Entwicklung: die älteste muß die höchste sein. — Die Juden sind im unbedingten Sinne gescheit; einem Jude» zu begegnen kann eine Wohltat sein. Man ist übrigens nicht ungestraft gescheit; man hat damit leicht die anderen gegen sich. Aber der große Vorteil bleibt doch dem Gescheiten. — Die Inden allein habe» im modernen Europa an die supremste Form der Geistigkeit gestreift: das ist die geniale Buffonerie. Mit Offenbach, mit Heinrich Heine ist die Potenz der europäischen Kultur wirklich überboten: in dieser Weise steht es den anderen Nassen noch nicht frei, Geist zu haben. Das grenzt an Aristophanes, an Petronius, an Hafis. — Die älteste und späteste Kultur Europas stellt jetzt ohne Zweifel Paris dar; l'esprit de Paris ist deren Quintessenz. Aber die verwöhntesten Pariser, solche wie die Goncourts, haben keinen Anstand genommen, in Heine eine der drei Spitzen des esprit Varisien selbst zu erkennen: er teilt die Ehre mit dem Prince de Ligne und dem 'Neapolitaner Galiani. — Heine hatte Geschmack genug, um die Deutschen nicht ernst nehmen zu tönnen; dafür haben ihn die Deutschen ernst genommen und Schumann hat ihn in Musik gesetzt — in Schumannsche Musik! „Du bist wie eine Blume" singen alle höheren Jungfrauen. — Heute macht man Heine in Deutschland ein Verbrechen daraus, Geschmack gehabt zu haben — gelacht zu haben: die Deutschen selbst nämlich nehmen sich 'verzweifelt ernst. —" MF.PBFcy Gill's Institut Kai« erst ras«. 31. — Nationale Lehrkräfte. — Englisch, FranxBsitrh eto. Vereins-Kalender. „Montefiore"-Bereiu. Mittwoch, den 12. Februar, abends 9 Uhr, Herr Privatdozent Dr. Goldstein, Darmstadt: Spinoza, ei» Denkerleben. Verein Mekor-Chajim. Sonntag, 9. Februar, abends 6'Uhr (Schntzenstraße 2): Vorlesung des Herrn Julius Hirsch aus „Jcsaias", Kapitel 34, Vers' 16 und 17 und Kapitel 35. Verein Tiferes Bachurim. Sonntag, den 9. Februar, Herr D. Ginsberger: Die Emanzipation. Verein „Rachlatz Zwi". Samstag, den 8. Februar, mittags 12 Uhr, im Hörsaal der Synagoge Friedberger Anlage: Lektüre der „Neunzehn Briefe" unter Leitung des Herrn Dr. Bondi. Verein znr Pflege von Literatur und Geselligkeit. Sonntag, den 9. Februar, 5’/l- Uhr, im Hörsaal, Schützenstraß, 12: Referat- und Rezitationsabend. Referent Herr Arthur Freund: Vergessene Dichter. Jüdischer Frauenverei« E. B. Mittwoch, de» 12. Februar, abends 8h- Uhr, Schützenstraße 12: „Das Märchen und das Kind". Referentin: Frl. Helene Posen. Diskussion. Gäste (Damen) willkommen. Hatur Blutnenhandlung i. Hart Sclilipat, KunstgMner, Bsipjlr.12. Anfertigung sämtlicher Blamenbindereien vom einfachsten bis elegant. Genre. Grüne und blühende Pflanzen. Brautgarnituren. Tafeldekorationen. Billigste Preise. Versand nach auswärts. I Sagen Johner, Conditorei I § Goetbestrasse 25, Frankfurt a. M Z. O Feine Specialitäten. «