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Neue jüdische Presse · 1908-02-07 · Heft 6 (7.2.1908) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 6 (7.2.1908)
Date
1908-02-07
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Nr. 6. die mich entführt hatten, schienen schließlich Mitleid mit mir zu haben. Nachdem sie die Drohung mit dem Dolche wiederholt hatten, machten sie mir auch die Arme und die Hände frei und redeten mir freundlich zu, ich brauchte mich nicht zu fürchten, es werde mir nichts Böses geschehen. Flüsternd wagte ich die Frage, wann sie nrich zu meinen Eltern zurückbringen würden. Darüber schüttelten sie sich vor Lachen, ich wäre doch kein kleines Kind mehr, das immer an der Schürze der Mutter hängen müsse, ich solle nur guten Mutes sein, es werde mir nichts geschehen. Die Männer machten schließlich den Eindruck auf mich, als ob sie von Herzen nicht böse seien, sondern nur gezwungen, den grausamen Befehl eines Mächtigen zu vollziehen. Auf mein flehentliches Bitten versprachen sie endlich, meine Eltern zu benachrichtigen, wo dieselben mich finden könnten. Daß sie ihr Versprechen nicht gehalten haben, ist selbstverständlich." »Ich glaube, Du bist im Irrtum," unterbrach ihn der andere, »unser Vater hat eine anonyme Zuschrift erhalte», er möge sich nicht beunruhigen wegen seines Sohnes, derselbe befände sich hier im Kloster, wo auf's beste für seine Erziehung und seine Verpflegung gesorgt werde. Doch werde der Vater irgend etwas unternehmen, um den Pflegling des Bcnediktinerklosters demselben zu entreißen, einen derartigen Versuch werde er mit dem Leben zahlen müssen. Daß der Vater trotzdem alles mögliche ausgcbotcu hat, kannst Du Dir denken." . „Das kann ich mir denken,"' wiederholte der Geistliche, schwer aufatmcnd, indem er sich mit der Hand über die Stirn fuhr, »das War eine schwere, schwere Zeit, nicht nur für meine Eltern,' sondern auch für mich, denn ich glaubte, fern von den Eltern nicht leben zu können und war fest entschlossen, den ersten unbewachten Moment zur Flucht zu benützen. Hier in diesem Zimmer ward ich dem damaligen Prior von den Männern, die mich entführt hatten, übergeben, gleichzeitig mit einem Schriftstück, das sie ihm einhändigten. Er war ein überaus gutmütiger, leutseliger Herr, der mit tröstende» Worten nicht kargte; aber ich hörte nicht darauf, ich sann nur unaufhörlich, sann und sann, wie, wo und wann ich entrinnen könnte. Doch an diesem ersten Tage konnte ich nicht einmal den Versuch machen, denn man ließ mich keinen Augenblick allein. Die Klosterbrüder waren nicht unfreundlich gegen mich, im Gegenteil: sic suchten mich zu zerstreuen, zeigten mir alle Merkwürdigkeiten des altertümlichen Baues und'auch den großen, wohl gepflegten Garten. Für den interessierte ich mich am nieisten, denn ich hoffte, in demselben irgend einen Ausgang zu finden, durch den ich würde entfliehen können. Der Prior, mein sichtliches Interesse mißdeutend, gab mir sofort für immer die Erlaubnis, von den prächtigen Früchten des Gartens zu pflücken. Man hatte mir auch verschiedene Speisen vorgesetzt, ich genoß jedoch nur Brot und Früchte. Die Klosterbrüder ivolltcn mir znreden; doch der Prior wehrte es ihnen, sic sollten mich nicht drängen, ich müßte mich erst an die Klosterkost gewöhnen, in einigen Tagen werde mir dieselbe schon munden. Bevor ich am Abend unter Aufsicht eines Klosterbruders das mir angewiesene Lager aufsuchte, fragte mich der Prior,' ob ich getauft wäre, — und da ich ihm darüber keine zuverlässige Auskunft geben konnte, griff er kurz entschlossen nach dem Taufbecken und vollzog die einfache Zeremonie. Dann umarmte er mich und gab mir den Bruderkuß und legte mir den Namen Giacomo bei. „Nun bist Du in jedem Falle ein wahrhafter Christ, bist frei von Sünde, denn der Erlöser ist auch für Dich gestorben und wird Dir beistehen, daß Du fortan keiner sündigen Anfechtung unterliegst." Ich ächtete nicht auf seine Worte, denn ich war todmüde, — nnd kaum hatte ich mich auf das Lager ausgestreckt, als mich der Schlaf übermannte. Wie lange ich geschlafen habe, weiß ich nicht. Als ich äufwachte, war es stockfinster und tiefes Schweigen herrschte ringsum; man vernahm nichts als den Nachtwind, der das Laub der Bäume säuselnd streifte. Geräuschlos richtete ich mich auf Und wandte den Kopf nach allen Richtungen, umsonst, mein Auge konnte das Dunkel nicht durchbringen, und ich war nicht imstande zu Erfahren, ob ich mich allein in der Zelle befand. Doch es regte sich nichts, ich vernahm keinen Laut, den ich für das Atmen eines Menschen in Weiner Nähe hätte halten rönnen. Vorsichtig erhob ich mich und kleidete mich an, und an den Wänden tastend, schlich ich leise in der Richtung, wo ich das Fenster wußte. Ich hatte mich nicht geirrt, trotz der herrschenden Finsternis stieg ich auf den Betschcniel in der Nähe des Fensters und schwang mich unschwer hinauf, schob den Riegel des Fensters zurück. Es gelang, ich triumphierte, denn ich hatte alles geräuschlos vollbracht, doch als ich jetzt das Fenster leise öffnete, mutz die hereinströmenbe kalte Luft den Klosterbruder, der, ohne daß ich es gewußt, mit mir in demselben Raum geschlafen, geweckt haben. Ich hörte ihn einen Laut ausstoßen, den ich für meinen Namen hielt, rasch entschlossen sprang ich aus dem Fenster hinunter in den Garten und rannte zu der Mauer, über die ich leicht klettern zu können vermeinte. Es gelang nlir auch. Wie ein gescheuchtes Reh rannte ich aus der Landstraße dahin. Aber mein Wächter war Mir gefolgt, und er brauchte sich nicht einmal anzustrengen, um meiner habhaft zu werden, denn er hatte die Hunde losgekoppelt, nnd ° die beiden gelehrigen Köter hatten vor ihm mich erreicht und mit ihren scharfen Zähnen meine Kleider gepackt. Ich hielt mich für verloren nnd schrie um Hilfe; lachend rief mir der Klosterbruder zu, ich solle mich ruhig halten nnd nicht weiter zu laufen versuchen, dann würde mir nichts geschehen. Und so Ivar es auch! In Todesangst wagte ich nicht, mich " zu regen, nnd als er gleich darauf an meiner Seite war, genügte ein Wort von ihm — und die Tiere gaben mich frei. Jetzt aber hielt mich sein starker Arm nnd ich mochte wollen oder nicht, ich ' mußte zurück ins Kloster. — Hier wartete meiner strenge Strafe, und dann hielt mit der Prior eine lange Strafpredigt. Wer mein Trotz war unbeugsam; ich schrie nicht, wenn sie die Geißel über mir schwangen uild blieb verstockt selbst gegenüber den liebevollsten Worten des Geistlichen. Und als er schließlich in mich drang, ich solle ihm die Hand darauf geben, keinen Fluchtversuch ivieder zu unternehmen, da geriet ich außer mir und schrie in dummer Wut, ich würde keine sich mir bietende Gelegenheit vorübergehen lassen, ohne die Wucht zu versuchen, wieder nnd immer wieder, bis es mir gelingen würde, den verhaßten Klostermauern für immer zu entrinnen. 'Der Prior lachte „Offenheit gegen Offenheit," sagte er, „Du erklärst mir, wieder nnd immer wieder die Flucht zu versuchen, nnd ich erkläre Dir, daß cs Dir nimmer gelinge» wird, der Macht der Kirche, der Du entfliehen willst, zu entrinnen und daß nach jedem. Fluchtversuch Deine Strafe gesteigert wird. Und", fügte er hinzu, „Du kennst die Klosterstrafen nicht." (Fortsetzung folgt.) war in das Heiligtum und das Mterheiligste geschieden durch einen Vorhang, die vorderen 20 Ellen das Heiligtum, die hinteren das Allerheiligste. Um die Stiftshütte war ein Hof, eigentlich ,,Umhof", 100 Esten lang, 50 Elle» breit. Die ersten 50 Esten nach dem Eintritte waren freier Raum, in den hintereil 50' Esten stand das Stistszelt, jedoch von asten Seiten frei. Die Umhofswände waren aus durchbrochenen Unihängen gebildet. Am Eingang des Hofes Ivie am Eingang der „Wohnung" befand sich ein von Säulen getragener Vorhang. Ueberhaupt chatte der Umhof 'auf jeder Längsseite je 20 Säulen, auf jeder Breitenseite je 10 Säulen. Zur Borhof stand Opseraltar nnd Waschbecken. Im Heiligtum selbst der goldne Tisch mit 12 Broten, dir jeden Sabbat erneuert wurden. Ihm gegenüber der goldne Leuchter, sieben Flanimen tragend. In der Mitte des Raumes der goldene oder Räucheraltar. Ini Asterheiligsten die Bundeslade mit den beiden steinernen Tafeln. Im heutige» Wochenabschnitt nun höre» wir von den .Spenden an Gold, Silber, Kupfer, Woste, Festen, Oel, Gewürzen nnd Edelsteinen. Näher beschrieben ist die hl. Lade init denr goldnen Decket und den Chernbimgestalten darüber, der Tisch zu den Schaubroten samt den Bedienungsgefätzen, der kunstvoll äus einem Goldbarren getriebene Leuchter, ferner die Wohnung selbst. Die Bretter, in je zwei Silbcrfüßen ruhend, mit Gold überzogen, durch Haken und Riegel verbünde». Drei Lagen von Teppichen als Bedachung, durch Schleifen nnd Spangen zusammenhängend. Der Kupfcraltar nebst seinen Zünglein, Pfannen und sonstigen Gefäßen. Der kunstvoll gewebte Vorhang zur Scheidung im Heiligtumsimiern. Endlich der Ilmhof nach Größe, Einrichtung und Einteilung. Bedeutung der Stiftshüttc. Nach der Verirrung durch die Sünde des goldnen Kalbes erstand auf Befehl Gottes die Stiftshütte als stets gegenwärtiges und sichtbares Wahrzeichen der Gottesnähe. „Sie sollen mir ein Heiligtum machen, daß ich in ihrer Mitte wohne." Die Stiftshütte sei ein Symbol für aste Häuser Israels. Sic deutete das schon durch ihre zentrale Lage innerhalb der 12 Stämme an. Alle Häuser seien ihr ähnlich'an Heiligkeit! Letztere ist in steigender Entwicklung gedacht: Vorhof, Heiligtnm, Allerhciligstes. Der Tisch mit den „Schaubroden" ist Symbol für den leiblichen Genuß und das Irdische. Der goldene Leuchter, mit reinstem Olivenöl gespeist, ist Sinnbild der ewig strahlenden reinen Gottcslehre. Aehnlich die Märe, die Opfer, die Priestersteider nstv. (Siehe insbes. Hirsch's Pentatenchkommentar.) Offenbarter Druckluft» JInfage Telefon 123. Offenbach a. H. Telefon 123. Cnabertroffene bewährteste TsppIChrBlnlQUnS. Tapezier u. Dekorateur ‘sJÜSSSS: Wohack Inhaber: JML WSillaU. Perlen, Juwelen, Goldwaren« - Auf Wunsch Answahlsendungen. - Kaiser Friedrich (Quelle - Offenbach a. M. - Gegen Gicht nnd Bhenmattomas bewährt. „Jrauenlob“ Panl&Co.,G.ni.b.U. Telephon 1866. Hardenbergstrasse 9. über Vermögen«-, Familien- AUSklinfte { u- ScsoblUtavariiiUtnlzze, Be obaohtongen, Ermittelungen an allen Plätzen der Welt. Grosse Betecttv-Zentralelll Telephon 4350. 9UF* Salzbaus 6, I. Wocheu-Kalender. (Zeitangaben nach dem Losch.) Samstag, den 8. Februar (= 7. Adar): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 5 Uhr — Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 6 Uhr 20 Min., in Berlin 5 Uhr 47 Min. Der Wochenabschnitt führt den Namen Terum o h nach' der Hebe, welche die Kinder Israel brachten, um davon die Stiftshütte zu fertigen. Die Stiftshütte, auch Auhel-Maucd oder „Zelt der Zusammenkunft", ebenso kurz „Mischkon" oder Wohnung genannt, war das erste Heiligtum in Israel.' Sie war ein trag- und zerlegbares Zelt aus Brettern, die mit Teppichen überhängt waren. Der Jnnenraum — 30 Esten lang, 10 Esten breit"— Caf6 Constabler Schönster Balkon. S W Streng gehalt Famlllencafö. ~~ W OtatMlg. Hasselbach, ± 'S1 - Teppichreinignng. Entstaubung, ehern. Reinigung u. Aufbewahrung unt. Garantie. Meder’s mechanisches Teppieh-Belnlgungswerk Tel. 8642. Bergorstrasso 143* Tel. 8642. 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